Elektronische Informationsversorgung
zwischen Lizenzrestriktionen und Open
Access
Dirk Pieper/UB
Bielefeld
DPG-Tagung 2010 – Arbeitsgruppe
Information
Einführung
Tim Berners-Lee 1992:
The WorldWideWeb (W3) is a wide-area hypermedia
information retrieval initiative aiming to give universal access
to a large universe of documents.
http://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/TheProject.html
(Kopie der ersten Webseite http://info.cern.ch)
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Einführung
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Inhalt
1. Was sind eigentlich „Lizenzen“?
2. Grundlegende Lizenz- bzw. Geschäftsmodelle
3. Nationallizenzen und Allianzinitiative
4. Open Access und SCOAP
5. Fazit
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1. Was sind eigentlich „Lizenzen“?
• lat. licet = „es ist erlaubt“
• Die vom Inhaber eines gewerblichen Schutzrechts oder
urheberrechtlichen Verwertungsrechts einem Dritten
eingeräumte Befugnis, die dem Rechtsinhaber
zustehenden Verwertungsrechte auszuüben
(Nutzungsrecht). (Gablers Wirtschaftslexikon)
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1. Was sind eigentlich „Lizenzen“?
• Funktion von Lizenzen:


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Räumliche, zeitliche und mengenmäßige Einschränkung
der Verfügbarkeit elektronischer Inhalte
Sicherstellung von Entgelten
1. Was sind eigentlich „Lizenzen“?
• Lizenzvertrag regelt das Nutzungsrecht des
Lizenznehmers und Pflichten des Lizenzgebers:

Beschreibung des Lizenzgegenstands

Rechte und Pflichten von Lizenznehmer und -geber


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Berechnung der Lizenzgebühr (i.d.R. Vorauszahlung,
„Down Payment“)
Laufzeit
1. Was sind eigentlich „Lizenzen“?
• Weitere wichtige Punkte laut GeSIG-Checkliste für
Lizienzverträge (http://www.gesig.org/download/gesigcl.pdf):
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
Definition der autorisierten Benutzer

Geltungsbereich, Zugriffs- und Nutzungsmöglichkeiten

Archivzugriff

Verfügbarkeit bzw. Zugang nach Vertragsende
2. Grundlegende Lizenz- bzw. Geschäftsmodelle
• Grundlegende Modelle:
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
Abonnementmodell

Datenbankmodell

Nutzungsabhängige Modelle (auch: Token-Modelle)
Grundlegende Lizenz- bzw. Geschäftsmodelle
• Bestandteile des Abonnementmodells:
an“
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
Abonnementbestand

Preismodell für den Online-Zugriff

„Price-Cap“ bei Mehrjahresverträgen

Regelung zum Abbestellvolumen

Falls Konsortialvertrag: Regelungen zum Cross-Access
2. Grundlegende Lizenz- bzw. Geschäftsmodelle
• Bestandteile des Datenbankmodells:


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Größe der Institution (FTE) oder ggf. einer bestimmten
Nutzergruppe
Kostenstaffelung nach Gruppen (sog. „Tiers“) und
Anzahl erlaubter paralleler (d.h. zeitgleicher) Nutzung
2. Grundlegende Lizenz- bzw. Geschäftsmodelle
• Nutzungsabhängige Modelle:


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Grundlage Nutzungsstatistiken der Verlage (Abruf von
Abstracts, Volltext-Downloads, Anzahl
Datenbanksitzungen, ...)
Kostenabwicklung: z.B. Vorauszahlung eines best.
Kontingents, Berechnung anhand Vorperiode, ...
3. Nationallizenzen und Allianzinitiative
• 2004 – 2010 Nationallizenz „Classics“: vollständig von der
DFG finanzierte abgeschlossene Sammlungen für den
Grundbedarf (Datenbanken, E-Books, E-Journals)
• Z.B.: AIP-Digital Archive 1930 – 2009, IOP Historic Archive
1874-2008, Nature & Science Archives ...
• www.nationallizenzen.de
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3. Nationallizenzen und Allianzinitiative
• Zugelassene Institutionen und Nutzer Nationallizenzen:


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Hochschulen, wissenschaftliche Bibliotheken,
Wissenschaftsinstitutionen, andere überwiegend
öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen
Studierende und Mitarbeiter (inkl. Remote-Access),
externe Benutzer in den Räumen der Bibliotheken
(Walk-In-User)
3. Nationallizenzen und Allianzinitiative
• Seit 2008: Nationalkonsortien für laufende Zeitschriften


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„opt-in-Modell“ mit anteiliger DFG-Förderung:
Weiterführung der bisherigen Abo-Kosten, Mehrkosten
für den Zugriff auf das Gesamtangebot eines Verlags
von DFG (z.B. IOP-Journals)
Einstieg in nationale Konsortien mit neuen
Beteiligungsmodellen
3. Nationallizenzen und Allianzinitiative
• Nationallizenzen: Verhandlungsführung durch acht SSGBibliotheken (AG Nationallizenzen)
• Allianzinitiative: Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen (DFG, HRK, MPG, FhG, HGDF, ...)

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AG Nationale Lizenzierung: Teile der AG
Nationallizenzen, plus Vertreter von FhG, HGDF, GWL,
MPG. Sprecher: Dr. Anne Lipp (DFG) und Dr. Bernhard
Mittermaier (HGDF)
3. Nationallizenzen und Allianzinitiative
• Aktionsfeld nationale Lizenzierung:




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Nationale Konsortialverträge (unter Einbeziehung
vorhandener regionaler Konsortien)
Beteiligungsmodelle (evtl. mit DFG-Förderung)
Erprobung neuer Lizenzmodelle und Erweiterung von
Nutzungsrechten, Standards für Lizenzverträge
Förderung von Open Access
4. Open Access und SCOAP
OA-Definition laut Budapest Open Access Initiative:
"Open Access meint, dass [wissenschaftliche] Literatur kostenfrei und öffentlich im
Internet zugänglich sein sollte, so dass Interessierte die Volltexte lesen,
herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen
und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne
finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem
Internet-Zugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und
der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige
Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle
über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit
angemessen anerkannt und zitiert wird."
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4. Open Access und SCOAP
• Golden Road: primäre Veröffentlichung in einem OpenAccess-Medium
• Green Road: Parallelveröffentlichung oder
Selbstarchivierung auf Dokumentenservern, Homepages, …
• Sherpa/RoMEO listet die Policies der Verlage bezgl.
Selbstarchivierung von Post- und/oder Preprints
• http://www.sherpa.ac.uk/romeo/
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4. Open Access und SCOAP
• Erscheinungsformen von Open Access:


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Gratis (weak) OA: Zugang ohne Kostenbarrieren
Libre (strong) OA: Zugang ohne Kostenbarrieren und
ohne unnötige (lizenz-) rechtliche Restriktionen
4. Open Access und SCOAP
• „Hybrides“ Publizieren: Autoren können gegen Gebühr in
einer Verlagszeitschrift publizieren, der eigene Beitrag wird
innerhalb der Zeitschrift frei zugänglich
• Beispiele: Springer-Open-Choice, OUP, ...
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4. Open Access und SCOAP
• SCOAP = Sponsoring Consortium for Open Access
Publishing in Particle Physics
• Ziel: die führenden Zeitschriften der Hochenergiephysik in
Open-Access-Zeitschriften umwandeln
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Physical Review D
J. High Energy Physics
Physics Letters B
European Physical J
Nuclear Physics B
Physical Review Letters
4. Open Access und SCOAP
• Internationales Board, Koordination am CERN
• TIB Hannover ermittelt Interesse der deutschen
Hochschulen für eine Beteiligung und soll Preismodell
entwickeln
• DESY und MPG haben ihre Beteiligung am Konsortium
bereits zugesagt
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5. Fazit
• Vermischung der Grundtypen, d.h. im Zeitschriftenbereich
wird das Abonnementmodell ergänzt um Komponenten der
anderen Modelle
• E-only wird zunehmend zum Maß aller Dinge
• Preiskalkulation wird durch Hinzunahme von Nutzungsund Datenbankkomponenten intransparenter
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5. Fazit
• Durch Eingruppierung in Tiers wird eine
Preisdifferenzierung vorgenommen, die es ermöglichen
soll, bislang „teure“ Produkte auch an „kleine“
Einrichtungen zu verkaufen
• Ziel: Umsatzsteigerung, d.h. „große“ Einrichtungen werden
von diesen neuen Modellen eher gering oder nicht
profitieren
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5. Fazit
• Solange Preissteigerungen prozentual über
Etatsteigerungen und Abbestellquoten liegen, wird es
weiter zu Stornierungen kommen müssen
• Stevan Harnard et al. 2004: Journal Affordability Problem
und Impact Problem
• Open-Access-Publikationen können Impact-Problem
entschärfen
• OA-Geschäftsmodelle stehen derzeit am Anfang
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Dirk Pieper
UB Bielefeld
[email protected]
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