Rettungsdienstbereich Mainz
Schnell-kompetent-mitmenschlich
SOP Standard Operating Procedures
Standardarbeitsanweisung
Rettungsdienstbereich Mainz
Version 1.0
Gültig ab 2007-08-09
Erweiterte
Versorgungsmaßnahmen
(früher „Notkompetenz“)
für Rettungsassistenten
allgemein
Info 1
Dr. Guido Scherer
ÄLRD
G. Scherer 2007-07
1
Rettungsdienstbereich Mainz
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Erweiterte Versorgungsmaßnahmen1
Vitalparameter erheben:
Atmung
Bewusstsein
Kreislauf (Circulation)
Info 2
Der Rettungsassistent hält auf Grund einer eigenen
(Arbeits-) Diagnose Maßnahmen, die ihrer Art nach
eigentlich „Ärztliche Maßnahmen“ sind, für notwendig?
Wenn nach EinsatzKatalog indiziert:
Notarzt (nach-)alarmieren
Notarzt (nach-)alarmieren
Info 3
Ja
Diese Maßnahmen sind zur Abwehr von
Gefahren für Leben und Gesundheit
dringend erforderlich ?
Info 4
Ja
Das gleiche Ziel ist durch weniger invasive Maßnahmen
nicht erreichbar ?
Info 5
G. Scherer 2007-07
Ja
2
Rettungsdienstbereich Mainz
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Maßnahmen der Erweiterten Kompetenz 2
Ja
Der Rettungsassistent ist auf sich alleine gestellt,
rechtzeitige ärztliche Hilfe ist nicht verfügbar?
Info 6
Ja
Der Rettungsassistent beherrscht die Maßnahme(n) ?
Ja
Der Rettungsassistent kennt die
Risiken und Komplikationen der Maßnahme(n)
und beherrscht diese ?
Info 7
Ja
Die individuelle Qualifikation des
Rettungsassistenten wurde fortlaufend überprüft ?
Info 8
G. Scherer 2007-07
Ja
3
Rettungsdienstbereich Mainz
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Maßnahmen der Erweiterten Kompetenz 3
Ja
Info 9
Die Anwendung der Maßnahmen sind dem
Rettungsassistenten unter den
besonderen Umständen des Einzelfalls zumutbar ?
Ja
Falls möglich:
Aufklärung des Patienten über Risiken
Einwilligung des Patienten
Info 10
Durchführung der Maßnahme(n) !
Dokumentation der Maßnahme(n) !
G. Scherer 2007-07
Info 11
4
Rettungsdienstbereich Mainz
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Maßnahmen der Erweiterten Kompetenz 4
Falls möglich:
Abschlussgespräch mit nachfolgendem Notarzt
& Dokumentation auf EMF o.ä.
Weiterleiten der Dokumentation:
EMF oder Kopie des DIVI Protokolls (mit Ergänzung)
an: [email protected] oder:
Kreisverwaltung Mainz-Bingen, Dr. Guido Scherer,
ÄLRD , Georg-Rückert-Strasse 11,
55218 Ingelheim
G. Scherer 2007-07
5
Rettungsdienstbereich Mainz
Schnell-kompetent-mitmenschlich
„Notkompetenz“
Info 1.1
• Der Rettungsassistent hat, wie jeder Bürger, der Pflicht zur Hilfeleistung nach
§ 323c StGB zu genügen.
• Darüber hinaus hat er in seiner Rettungsdiensttätigkeit eine Garantenstellung, da
er sich beruflich dem Rettungsdienst widmet und somit höhere Ansprüche
an seine Fähigkeit zur Hilfeleistung gegen sich gelten lassen muss.
• Für den objektiv gegebenen Verstoß gegen den Arztvorbehalt zur Ausübung der
Heilkunde, kann der Rettungsassistent in dieser Situation den
rechtfertigenden Notstand in Anspruch nehmen.
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
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6
Rettungsdienstbereich Mainz
Info 1.2
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Beispiele für Erweiterte Versorgungs-Maßnahmen
• Intubation ohne Relaxantien
• Frühdefibrillation
• Gabe der folgenden Medikamente für die aufgeführten Indikationen:
• Hypoglykämischer Schock
Glucose 40%
• obstruktive Atemwegszustände
ß2-Mimetikum
• Krampfanfall Kind
Benzodiazepin als Rectiole
• Krampfanfall Erwachsener
Tavor Expidet®
• ACS (Akutes Coronarsyndrom)
Nitro-Spray
• Anaphylaxie
Suprarenin
• Reanimation
Suprarenin
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G. Scherer 2007-07
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7
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Schnell-kompetent-mitmenschlich
Vitalparameter
Info 2
Das „Große - ABC“ des Rettungsdienstes
• Atmung
• Hautfarbe, Atem-Muster, -Frequenz, Hilfsmuskulatur
• Atemgeräusche, feucht, Giemen, Stridor
• Bewusstsein
• GCS (Glasgow Coma Scale)
• Schutzreflexe (Schluckreflex fehlt  Aspirationsgefahr)
• Cirkulation
• Puls
• Herzfrequenz
• Rhythmus
• Blutdruck
G. Scherer 2007-07
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8
Rettungsdienstbereich Mainz
Info 3
Schnell-kompetent-mitmenschlich
„Notkompetenz“
• Ein Handeln unter Berufung auf die "Notkompetenz" setzt voraus, dass…
• …die Maßnahmen, die er (der Rettungsassistent) aufgrund eigener
Diagnosestellung und therapeutischer Entscheidung durchführt…
• Trotz einer flächendeckenden notärztlichen Versorgung in der Bundesrepublik
Deutschland sind im Einzelfall für den Rettungsassistenten Situationen
denkbar, in denen er nach eigener Entscheidung …Maßnahmen…
durchführen muss, die ihrer Art nach ärztliche Maßnahmen sind
(Notkompetenz).
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
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Info 4
Schnell-kompetent-mitmenschlich
„Notkompetenz“
• Trotz einer flächendeckenden notärztlichen …sind im Einzelfall für den
Rettungsassistenten Situationen denkbar, in denen er …
überbrückende Maßnahmen zur Lebenserhaltung und Abwendung
schwerer gesundheitlicher Störungen durchführen muss….
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
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Info 5
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Verhältnismäßigkeit
• Ein Handeln unter Berufung auf die "Notkompetenz" setzt voraus, dass
•…
• das gleiche Ziel durch weniger eingreifende Maßnahmen nicht erreicht werden
kann (Prinzip der Verhältnismäßigkeit bei der Wahl der Mittel).
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
11
Rettungsdienstbereich Mainz
Info 6
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Fehlender Notarzt
• Ein Handeln unter Berufung auf die "Notkompetenz" setzt voraus, dass:
• der Rettungsassistent am Notfallort auf sich alleine gestellt ist und rechtzeitige
ärztliche Hilfe, etwa durch An- oder Nachforderung des Notarztes nicht
erreichbar ist…
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
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Info 7
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Komplikationen & Risiken
• jeweils beschrieben in der speziellen SOP
• Ergänzung durch „Checklisten“ (Beispiel „Krampfanfall des Erwachsenen“:)
Krampfanfall beendet ?
Nein
„Nach-Schlaf“ ?
Nein
Alkohol-Intoxikation ?
Nein
(Rausch-)medikamenten-Intoxikation ?
Nein
Myasthenia Gravis ?
Nein
Wenn alle Fragen mit „Nein“ beantwortet werden können:
Tavor Expidet – Gabe möglich bzw. sinnvoll
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G. Scherer 2007-07
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Info 8.1
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Qualifikationsüberprüfung
• Dies ist erforderlich, da alle für den Rettungsassistenten im Rahmen der
Notkompetenz in Betracht kommende Maßnahmen risikobehaftet sind und
individuelle Beherrschung dieser Maßnahmen nicht alleine durch das
Erreichen des Ausbildungszieles als Rettungsassistent gewährleistet ist,
zumal alle genannten Maßnahmen der fortlaufenden und nachweisbaren
Übung bedürfen, da sie auch manuelle Fähigkeiten erfordern.
• Die individuelle Überprüfung, welche Maßnahmen im Rahmen der Notkompetenz
der einzelne Rettungsassistent unter dem Aspekt der sicheren
Durchführung übernehmen kann, muss der fortlaufenden ärztlichen
Kontrolle unterliegen, da nur ein Arzt Feststellungen hinsichtlich der
sicheren Beherrschung der Maßnahmen treffen kann.
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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14
Rettungsdienstbereich Mainz
Info 8.2
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Qualifikationsüberprüfung
• Somit können Rettungsassistenten ärztliche Maßnahmen im Rahmen der
Notkompetenz unter dem Aspekt der Verhältnismäßigkeit nur dann
durchführen, wenn durch ständige ärztliche Überprüfung ihres Wissens
und Könnens sichergestellt ist, daß eine Übernahme der Maßnahmen
erfolgen kann, ohne daß sich der Rettungsassistent wegen mangelnden
Wissens und Könnens dem Vorwurf des Übernahmeverschuldens
aussetzt, wenn aus der Hilfeleistung Schäden resultieren.
• Die Träger des Rettungsdienstes müssen sicherstellen,dass ein weisungsbefugter
Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes die individuelle Qualifikation ihrer
Rettungsassistenten fortlaufend überprüft. Nur so können sie dem Vorwurf
des Organisationsverschuldens vorbeugen, wenn ihre Rettungsassistenten unter Berufung auf die Notkompetenz Patienten schädigen.
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
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Rettungsdienstbereich Mainz
Info 9
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Einzelfall
• Der Rettungsassistent darf daher nur solche Maßnahmen übernehmen, die er
gelernt hat und deren sichere Ausführung er zum Zeitpunkt der
Durchführung der Maßnahme gewährleisten kann.
Aus: „Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Notkompetenz von
Rettungsassistenten und zur Delegation ärztlicher Leistungen im
Rettungsdienst“ 2005
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G. Scherer 2007-07
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Rettungsdienstbereich Mainz
Info 10
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Einwilligung
• Die Aufklärung sollte angepasst an die jeweilige Situation erfolgen
• z.B. nicht bei Reanimationen, Defibrillation, Gabe von Suprarenin
• Die Einwilligung kann in anderen, dringenden Fällen mündlich vom Patienten, falls
nicht möglich ggf. auch von Angehörigen eingeholt werden
• z.B. Krampfanfall
• die Aufklärung sollte beinhalten:
• möglicher Nutzen der Maßnahme
• mögliche Risiken der Maßnahme
• erwartetes günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis
• die Tatsache, dass die Maßnahme als eine eigentlich Ärztliche Maßnahme
von einem Rettungsassistenten durchgeführt werden wird
• die Aufklärung sollte nachträglich auf dem DIVI-Protokoll mit Unterschrift beider
Rettungsassistenten dokumentiert werden
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G. Scherer 2007-07
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Info 11.1
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Dokumentation: DIVI Protokoll
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G. Scherer 2007-07
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18
Rettungsdienstbereich Mainz
Info 11.2
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G. Scherer 2007-07
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Dokumentation: EMF
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Rettungsdienstbereich Mainz
Info 11.3
Schnell-kompetent-mitmenschlich
Dokumentation allgemein
• Die Dokumentation ist absolut notwendiger Bestandteil jedes Rettungseinsatzes.
• Sie sollte in jedem Fall vollständig, ordentlich, gut lesbar und sauber sein.
• Eine gute Dokumentation dient einer standardisierten Übergabe von
Notfallpatienten in die weitere medizinische Behandlung.
• Sie dient dem Nachweis der eigenen Tätigkeit.
• Sie dient ebenso als Grundlage für eine korrekte Rechnungsstellung.
• Sie kann durchaus rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
• Sie dient damit, wenn sie gut ausgeführt wird, vor allem der eigenen rechtlichen
Absicherung und Sicherheit.
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G. Scherer 2007-07
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SOP Erweiterte Versorgung