2012
Vernetzung der Systeme – Jugendhilfe und
Schule im Aufbruch
Zum warm werden…
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Vernetzen sie sich !
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Regel: Beide Hände müssen benutzt werden
Vernetzung ist eine Kunst!
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Feedbackfragen
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Was brauchten Sie für die „Vernetzung“
untereinander?
Mögliche Antworten:
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Kommunikation, Kontakt, Freude, Koordination,
Kooperation, gemeinsames Verständnis von dem
was wer tut, gemeinsames Ziel ...
Warum eigentlich?
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Steigende Anforderungen an die Systeme
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Im Kontext Kinderschutz (Gesetzl.
Vernetzungsauftrag!)
Im Kontext Inklusion (z.B. Eingliederungshilfen)
Bildung- und Teilhabe (Schulsozialarbeit)
Schaffen von Synergieeffekten
Handlungssicherheit verbessern
„Multiplizieren“ von Informationen Öffentlichkeitsarbeit
Rechtsgrundlagen
Schule
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§ 42 Abs. 6 Schulgesetz NRW („Die
Sorge für das Wohl des Schülers
erfordert es, jedem Anschein von
Vernachlässigung und Misshandlung
nachzugehen. Schule entscheidet
rechtzeitig über Einbeziehung des JA
und anderer Stellen“)
§ 19 SchulVG („Bei begründetem
Verdacht der Kindeswohlgefährdung
besteht eine Verpflichtung zur
Datenübermittlung an das JA“)
§ 5 Schulgesetz NRW (Öffnung der
Schule; Zusammenarbeit mit
außerschulischen Partnern)
Jugendhilfe
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§ 1 Abs. 3 Satz 3 SGB VIII („Kinder
und Jugendliche sind vor Gefahren für
ihr Wohl zu schützen“)
§ 8a SGB VIII (Novellierung Okt.
2005 = Abschätzung d. Gefährdung
auf breiter Ebene mit zwei „insofern
erfahrenen Fachkräften“;
Einbeziehung der Sorgeberechtigten;
Abwendung von Gefährdung)
§ 1666 BGB (Handlungsverpflichtung
bei Gefährdung; Einschaltung des
Familiengerichtes bei fehlender
Mitwirkung d. Eltern)
Hinzu kommt:
Das Bundeskinderschutzgesetz
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Generell: BKiSchG in 4 Artikel unterteilt
Kontextrelevante Neuerungen in Art. 1:
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§ 1 KKG – Staatliches Wächteramt beinhaltet
Gefahrenvorsorge und Gefahrenabwehr
§ 3 KKG – Schaffen von Rahmenbedingungen für
verbindliche Netzwerkstrukturen (u. a. mit Schule)
§ 4 KKG – Anspruch auf Beratung durch insofern
erfahrene Fachkraft; Übermittlung von Informationen
durch Geheimnisträger nun „erlaubt“
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Kreis der Berufsgeheimnisträger um Lehrer erweitert
Im Notfall: Es gab schon immer den rechtfertigenden Notstand
nach § 34 StGB
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Des Weiteren verschiedene Änderungen im SGB
VIII
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§ 8 Abs. 3 SGB VIII – Anspruch von Kindern auf
Beratung ohne Kenntnis der Eltern (nur in Not- /
Konfliktsituationen; PSB nur vorläufig ausschaltbar)
Regelungen zum Schutzauftrag in § 8a SGB VIII
konkretisiert - Jugendamt muss einen Hausbesuch
machen (wenn dies nach fachlicher Einschätzung
erforderlich ist …)
Was tut das Jugendamt – oder warum
tut es „nichts“?
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Organisationsform „ASD“ – Das Aufgabenprofil
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Beratung §§ 16-21 SGB VIII
Fallsteuerung erzieherischer Hilfen §§ 27-41 SGB VIII
Rechtliche Vertretung von Minderjährigen §§ 53-56 SGB
VIII
Gefahrenabwehr bei Kindeswohlgefährdung §§ 8a, 42,
50, 72a SGB VIII
Sozialraumarbeit § 1, 8, 78 SGB VIII
Zwischen Dienstleistung und Kontrolle
Das alltägliche Spannungsfeld …
Planungsprozesse in der Jugendhilfe…
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Generell: SGB VIII als Leistungskatalog für:
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unterschiedlichste Familien unterstützende Leistungen
Familienergänzende Leistungen
Familienersetzende Leistungen
§ 36 SGB VIII – Die Hilfeplanung als zirkulärer
Prozess
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Unter Berücksichtigung des Wunsch und Wahlrechtes
Der Bedarfslage im Einzelfall
Geeignetheit und Notwendigkeit der Hilfe
Zirkuläre Planung einer Hilfe
Weitere Angebote der Jugendhilfe
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Prävention
Kinder- und Jugendschutz
Qualifikation
Information
Den breiten Überblick über Strukturen und
Angebote vor Ort bieten!
Krisenmanagement – Jugendhilfe und
Schule im Umfeld von Krisen
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Regelmäßige Lehrerfortbildung über Regionale
Schulberatung REK
Auftrag: Bildung von Krisenteams an Schulen mit
„Vernetzungskompetenz im Krisenfall“
Erkennen von Krisen und Gefährdung – Kindeswohl als Teil
einer Krise
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Gefährdungsdiagnostik
Identische Kriterien für Krisen und Gefährdung
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Gefahren für körperliches und seelisches Wohl, Vernachlässigung,
Sexueller Missbrauch (§ 1666 BGB) erkennen und handeln
Fremd- und Selbstgefährdung – Das PsychKg
Zugespitzte Krise – Der „Amok-Fall“ = Notfallpläne
Prozessablauf gem.
Kooperationsvereinbarung
Risikoeinschätzung /
Erörterung mit Kind u.
Personensorgeberechtigten /
Hinwirken auf Hilfe
Gefährdungseinschätzung mit
Einholen von
Fachberatung
Sonderfall: Akute Gefährdung – Unmittelbare
Information an das Jugendamt notwendig
Einbeziehung des
Jugendamtes mit
Hinweis an die
Sorgeberechtigten
(niedrigste
Beteiligungsfrom)
Allgemeines zur Feststellung von
Gefährdung
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Äußere Erscheinung des Kindes
Verhalten des Kindes
Verhalten der Eltern
Familiäre Situation
Persönliche Situation d. Eltern
Wohnsituation
Beispiel von Verwahrlosung …
Aspekte des Datenschutzes
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Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung nur umsetzbar
durch Datenerhebung, Speicherung und Übermittlung ( z.B.
an Familiengericht)
Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung
Falls zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgabe notwendig
(Übermittlung zu dem Zweck zu dem sie erhoben werden)
Amtsermittlungsgrundsatz / Untersuchungsgrundsatz nach
VwVfG
Andere Perspektive: „Kinderschutz braucht Datenschutz“
Die niedrigste Form der Beteiligung ist die Information
Auf dem Weg zur Inklusion
Im „Handlexikon der Behindertenpädagogik“ (2006) definiert Andreas
Hinz den Ansatz der Inklusion als
„...allgemeinpädagogische[n] Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten
argumentiert, sich gegen jede gesellschaftliche Marginalisierung
wendet und somit allen Menschen das gleiche volle Recht auf
individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer
persönlichen Unterstützungsbedürfnisse zugesichert sehen will. Für
den Bildungsbereich bedeutet dies einen uneingeschränkten Zugang
und die unbedingte Zugehörigkeit zu allgemeinen Kindergärten und
Schulen des sozialen Umfeldes, die vor der Aufgabe stehen, den
individuellen Bedürfnissen aller zu entsprechen - und damit wird dem
Verständnis der Inklusion entsprechend jeder Mensch als
selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt.“
Förderkonferenzen als eine Ebene der
Kooperation
"Eine Kultur des Behaltens und der
individuellen Förderung aller Kinder und
Jugendlichen, die eine Grundvoraussetzung
für ein inklusives schulisches Bildungssystem
ist, entwickelt sich über den Dialog und das
gemeinsame Abwägen der nächsten Schritte.„
(Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung,
Schule NRW 03/11)
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Der gemeinsame Auftrag der Eingliederung
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Was ist unter Eingliederungshilfe zu verstehen?
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Leistungsbereiche:
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LRS und Dyskalkulie
Störungen aus dem Autismusspektrum
Psychische Erkrankungen
Suchterkrankungen
Voraussetzungen zum Tätigwerden des Jugendamtes
Hilfen nach § 35a SGB VIII in Abgrenzung zu Hilfen für
geistig und körperlich behinderte Kinder
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Verfahrensstandard und Zuständigkeiten
Grenzen der Jugendhilfe
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Die Frage der Mitwirkungsbereitschaft…
Psychiatrische Krankheitsbilder
Sucht!
Sog. „Systemsprenger“
Kooperations-/Strukturgrenzen
Gerichte
Schulsozialarbeit als Schnittstelle
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Aktuelle Situation: Im Kontext der Umsetzung von Bildung
und Teilhabe: Flächendeckende Einführung von
Schulsozialarbeit
Klassische Schulsozialarbeit mit folgenden Schwerpunkten:
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Einzelfallhilfe
Gruppenangebote
Projektarbeit
„Leistungsberatung“ im Kontext von Bildung- und Teilhabe
Schnittstelle Allgemeiner Sozialer Dienst
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Fachkompetenz und „Know How“
Synergieeffekt: Strukturwissen
BUT-Leistungen im Überblick
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Schulausflüge und mehrtägige Klassenfahrten für
Schülerinnen und Schüler und für Kinder, die eine
Kindertageseinrichtung besuchen,
Schulbedarf für Schülerinnen und Schüler (Geldleistung an
die Berechtigten),
Schülerbeförderungskosten für Schülerinnen und Schüler
(Geldleistung an die Berechtigten)
Lernförderung für Schülerinnen und Schüler
Zuschuss zum Mittagessen für Schülerinnen und Schüler und
für Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, und
Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben für Kinder und
Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres.
Vernetzung funktioniert, wenn…
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Kommunikation auf Augenhöhe
Authentizität (Verlässlichkeit)
Abgleich über Inhalt und Erwartungshaltung
Respekt und Wertschätzung für die jeweilige
Arbeit
Metakommunikation (Evaluation auf
Sachebene und regelmäßige Bilanzierung)
Persönliches Kennen !
Tipps für eine gelingende
Kommunikation
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„Man kann nicht nicht kommunizieren“ (P. Watzlawik)
Aus: „9 Regeln für die Kommunikation mit Kindern ….“
(Ratgeber: Familienstreit)
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1. In´s Gespräch kommen
2. (Blick-) Kontaktaufnahme – Auf Augenhöhe
3. Stimmiges Verhalten (Authentizität)
4. Klare Aussagen (Kurz und knapp / Klipp und klar)
5. Aktives Zuhören (Habe ich dich richtig verstanden …)
6. Lösungssprache und Konsensorientierung
7. Ich-Botschaften
8. Offenheit und Transparenz
9. Regelmäßigkeit
Die kritische Frage der konsequenten
staatlichen Verantwortungsübernahme
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Wo bleiben die Eltern?
Entscheidungsfreiheit?
Welche Verantwortung bleibt Ihnen noch?
Passgenaue Unterstützungsstrukturen machen
Hilflos!?
Je enger der Rahmen, desto weniger
individuelle Förderung möglich?
Zum Schluss…

Vernetzung der Systeme - Jugendhilfe und Schule im