Sprechakttheorie, Illokutionsindikatoren,
Indirekte Sprechakte, Sprechaktklassifikation
12.02.2010
Implikatur und Präsupposition
„Eine Frau, die so sein will wie ein Mann, hat einfach keinen Ehrgeiz.“ (B.
Hauser, zit. nach BUSCH/STENSCHKE 2005, 216)
Was ist damit gemeint?
‚Frauen haben keinen Ehrgeiz‘ oder
‚Frauen sind ohne hin besser als Männer‘ oder
‚Frauen wollen wie Männer sein‘
Implikatur – Das, was stillschweigend mitbehauptet wird. Es wird mehr
kommuniziert, als eigentlich gesagt wurde. Gemeintes vs. Gesagtes.
Gemeintes – Nicht explizierte Elemente einer Sprachhandlung
Präsupposition – hier: Wissen über gängige Geschlechterstereotype und die
Chancenverteilung zwischen Geschlechtern in unserer Kultur und
Gesellschaft
Def. – Selbstverständliche (implizierte) Voraussetzungen sprachlicher
Ausdrücke bzw. Äußerungen.
Präsuppositionen
LINKE/NUSSBAUMER/PORTMANN, 234
.
Präsuppositionen
Gebrauchsgebundene P.
Ich mach mal eben die Tür zu. Die Milch ist übergelaufen.
Nicht sprachlich formulierte, sondern durch den Text vorausgesetzte (und meist
problemlos mitverstandene Alltagserfahrungen und Wissensbestände.
Sie werden verbal expliziert, wenn einer der Kommunikationspartner
entsprechende Verständnisprobleme hat.
Kohärenzbildende Funktion: zwei im selben Text ausgedrückte, syntaktisch und
inhaltlich aber nicht direkt verbundene Sachverhalte können aufgrund von
Präsuppositionen in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden.
Zeichengebundene P.
a) referentielle P.
Der König von Frankreich hat eine Glatze.  Es gibt einen König von
Frankreich.
hier: ausgelöst durch den bestimmten Artikel und definierendes Attribut
Präsuppositionen
b)
semantische P.
Ist an die Semantik einzelner Wörter oder Ausdrücke gebunden.
Sven hat es geschafft, Karten für das Michael-Jackson-Konzert zu bekommen.
 Sven hat sich in irgendeiner Form um diese Karten bemüht.
es schaffen, etw. zu tun schließt ein Sich-bemüht-haben mit ein
----------------------------------------------------------------------------------------------------------Die präsupponierten Sachverhalte bleiben auch erhalten, wenn wir die
entsprechenden Aussagen verneinen oder in Fragesätze verwandeln.
Der König von Frankreich hat eine Glatze.
Der König von Frankreich hat keine Glatze!
Hat der König von Frankreich hat eine Glatze?
 Es gibt einen König von Frankreich.
Die referentielle Präsupposition bleibt bestehen.
Genauso bei anderen Präsuppositionstypen.
Präsuppositionen
Zeichengebundene P. – eine Art verdeckte Rekurrenz oder verdeckte Subsitution.
Sie sind direkt an den materiell gegebenen Text (an bestimmte Konstruktionen
oder Bedeutungen) gebunden.
Pragmatische P. – werden durch eine Art textueller Leerstellen ausgelöst, ähnlich
wie dies auf formal-syntaktischer Ebene durch Ellipsen bewirkt wird.
Wenn Textproduzent und –rezipient über dasselbe Weltwissen, denselben
Erfahrungsschatz usw. verfügen, dann ist es für den Rezipienten problemlos
möglich die ... Präsuppositionen zu ergänzen. Dies läuft dann automatisch und
unbewusst ab. Wenn nicht, dann muss er die P. Erschließen, d.h. sinnvolle
‚Textzwischenstücke‘ konstruieren.
 Es sieht nicht schön aus, wenn der Herd schmutzig ist.
Inferenz – Schlussverfahren, die dazu dienen P. zu (re-)konstruieren.
Verstehensstrategien – Herstellung von Kohäsion und Kohärenz bei Texten, die an
der Oberfläche ‚zerstört‘ sind. Auch: moderne Poesie, Äußerungen von
Kleinkindern, kompliziere Fachtexte, fremdsprachige Texte (Kohärenz =
Lernen).
Sprechakte - Teilakte
Sind auf der Handlungsebene miteinander
verbunden.
Bsp. Sprecher 1 hat Sprecher 2 zum Haschisch
Rauchen verleitet (= perlokutionärer Akt),
indem er ihn aufgefordert hat, Haschisch zu
rauchen (= illokutionärer Akt),
indem er äußerte: Komm, rauch doch einen
Joint mit! (= Äußerungs- und propositionaler
Akt).
Sprechakte - Teilakte
Illokutionsindikatoren
Durch Illokutionsindikatoren wird angezeigt, was wir in
der Kommunikation mit einem Sprechakt
beabsichtigen. Wir gehen davon aus, dass unsere
Gesprächspartner dieses Wissen mit uns teilen.
Im Deutschen sind dies meist:
• Wortstellung
• Abtönungspartikeln
• Höflichkeitsformeln
• Intonation
• Modus
• performative Verben
performative Verben
Diese Verben kennzeichnen die illokutionäre
Rolle eines Sprechakts. Durch das
Aussprechen dieser Verben (in der 1. P. Sg.,
manchmal auch 1. P. Pl.) wird die Illokution
der Sprechhandlung vollzogen. z.B. danken,
warnen, verwarnen, bitten, taufen, befehlen.
indirekte Sprechakte
Können Sie mir sagen, wie spät es ist?
Ich rate dir, das nicht noch einmal zu versuchen!
Hältst du dich da bitte raus!
Aufgabe: Ermitteln Sie die Illokutionsindikatoren
Indirekte Sprechakte liegen dann vor, wenn eine andere Illokution als
die durch Indikatoren angezeigte vorliegt oder wenn eine
zusätzliche Illokution vorliegt.
Verschiebungen sind nicht beliebig: Drohung und Ratschlag beziehen
sich auf Zukünftiges usw.
Die Illokution ist nicht immer eindeutig.
Bsp. Es läuft eine langweilige Sendung. Anna gähnt und sagt zu Peter:
„Komm, wirf den Fernseher aus dem Fenster!“
Indirekte Sprechakte sind häufig bedingt durch Höflichkeit, Hang zum
Sprachwitz ...

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