Integrative Stadterneuerung
Begriff – Philosophie – Arbeitsweisen
SRL
Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung e.V., Berlin
Ausschuss Integrative Stadterneuerung
2007
www.srl.de
Integrative Stadterneuerung
1
Rahmenbedingungen
Städtische Transformationsprozesse werden immer durch vielschichtige und
räumlich differenzierte Wachstums-, Stagnations- und Schrumpfungsvorgänge geprägt. Diese drei Phänomene bilden die wesentlichen
Ausgangspunkte der aktuellen Debatte über die Zukunft der Stadt.
Zentrale Rahmenbedingungen sind:

Demografischer Wandel

Ökonomischer Wandel

Globalisierung und Regionalisierung

Individualisierung der Lebensverhältnisse

Sozialräumliche Segregation
Die Perspektive der Europäischen Stadt liegt in der strategisch geordneten
Ausrichtung dieser städtischen Transformationsprozesse durch „Integrative
Stadterneuerung“.
Integrative Stadterneuerung
3
Begriffsverständnis
Stadterneuerung umfasst den zielgerichteten Prozess zur Erhaltung,
Aufwertung, Umgestaltung und Weiterentwicklung bestehender Teile und
Strukturen einer Stadt.
Integrative Stadterneuerung setzt integrative Stadtentwicklungskonzepte
voraus, die Ziele und Räume sowohl in Bezug auf das Projekt als auch
übergeordnete Vorstellungen beziehen sowie alle relevanten Akteure und
ergebnisorientierten Verfahren berücksichtigen.
Integrative Stadterneuerung
4
Begriffsverständnis „integrativ“
Integrative Stadterneuerung verbindet alle wichtigen Handlungs- und
Politikfelder im Entwicklungsprozess. Sie setzt auf eine aktive Rolle der
Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil.

Integrative Stadterneuerung ist als komplexe, kommunale Daueraufgabe
Motor für die soziale, gesellschaftliche und ökonomische Erneuerung der
Stadt(-teile).

Integrative Stadterneuerung setzt ein gebündeltes Planen und Handeln
zur Bewältigung der Transformationsprozesse voraus.

Integrative Stadterneuerung ist eine Querschnittsaufgabe mit
interdisziplinärem Anspruch.

„Integrativ“ setzt Kooperation als gesellschaftliche Notwendigkeit voraus;
die Maßnahmen werden mit den Akteuren der Stadt gemeinsam
entwickelt und abgestimmt.

Es gilt, lokale Potenziale zu wecken und die Fähigkeiten und Mittel aller
Beteiligten optimal zu nutzen.
Integrative Stadterneuerung
5
Programme
Das 1971 in der BRD erlassene Städtebauförderungsgesetz bildet die
förderrechtliche Basis der Stadterneuerung in Deutschland. Nach 1990
wurden Ergänzungsprogramme – teilweise mit Vorläufern in einzelnen
Bundesländern – aufgelegt, um neuen Aufgaben sowie veränderten
Rahmenbedingungen und Konzepten gerecht zu werden:

1991 Programm Städtebaulicher Denkmalschutz in den neuen
Bundesländern, www.staedtebaulicher-denkmalschutz.de;

1993 Programm Städtebauliche Weiterentwicklung großer
Neubaugebiete in den neuen Bundesländern und Berlin (Ost)
(ausgelaufen);

1999 Programm Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die
Soziale Stadt, www.sozialestadt.de;

2001 Programm Stadtumbau Ost, www.stadtumbau-ost.info;

2004 Programm Stadtumbau West (Vorlauf: ab 2002 Pilotprojekte im
Experimentellen Wohnungs- und Städtebau) www.stadtumbauwest.de.
Integrative Stadterneuerung
6
Motivation für die Initiierung
Es gibt unterschiedliche Motivationen und Strategien für das konkrete
Verfahren vor Ort.

Top-down-Strategien zur Erzwingung von Aktionen und
Verhaltensweisen (finanziell und juristisch motivierte Arbeitsweisen)
Top-down-Strategie
Bottom-up-Strategie

Bottom-up-Strategien (überwiegend informelle Arbeitsweisen)
Integrative Stadterneuerung
7
Abgrenzung und Organisation des Verfahrens
Zur Bestimmung von Art und Organisation des Verfahrens sind zu Beginn
folgende Punkte zu klären:








Eindeutige räumliche Abgrenzung unter Berücksichtigung der
übergeordneten Raumeinheit (Stadt)
Organisationsstruktur – Möglichkeit zur Anpassung an Veränderungen,
Prozessoffenheit
Verantwortlichkeiten/Zuständigkeiten – für Gesamt- und Einzelprojekte
Kommunikationsformen – Akteurskonstellationen, Moderationsverfahren,
Öffentlichkeitsarbeit
Partizipation – Öffentlichkeit, Kooperation, Partnerschaft, Beteiligung
Ressourcen – Finanzen, Personen, Zeitrahmen, Bündelung und
Vernetzung
Ziel- und Ergebnisorientierung – Konsens, Ergebnisoffenheit,
Plausibilität, Transparenz
Fokussierung und Konzentration auf realisierbare, den
Handlungserfordernissen und Ressourcen angemessene Lösungen
Integrative Stadterneuerung
8
Beteiligung
Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist zentrale Voraussetzung für das
Gelingen integrativer Erneuerungsstrategien.

Integrative Stadterneuerung allein durch die öffentliche Hand ist nicht
möglich.

Der Zugang zu einzelnen Akteursgruppen erfordert differenzierte
Beteiligungsformen und Motivationsstrategien.

Rechtzeitige Beteiligung sensibilisiert die Akteure und Betroffenen und
bindet sie in den Erneuerungsprozess ein.

Abgestimmte Maßnahmen tragen besser dazu bei, die Probleme des
Stadtteils zu bewältigen.

Beteiligung im Sinne von Kooperation nutzt allen, beschleunigt das
Verfahren und erhöht die Akzeptanz gegenüber deren Notwendigkeit im
Prozess.
Integrative Stadterneuerung
9
Leitbild Definition
Der Leitbildbegriff hat seine dogmatische und normative Bedeutung
weitgehend verloren. Leitbilder der Stadtentwicklung sind heute nicht
mehr nur architektonische oder städtebauliche Bilder; sie sind
gesellschaftliche Visionen, schließen Wertehaltungen, Entwicklungen in
Wirtschaft, Gesellschaft und Politik ein.
Leitbilder ...
... sind Zukunftsvisionen für eine „bessere“ Entwicklung
... sind nur tragfähig, wenn ihre Verwirklichung auf freiwilliger Basis
erfolgen kann
... sind Themen übergreifend und erfordern eine Bündelung
verschiedener Ziele und Interessen
... leiten zum nachvollziehbaren Handeln an und lassen doch Spielräume
für die „Feinjustierung“ konkreter Projekte
... sind auf verschiedenen räumlichen Ebenen möglich
Integrative Stadterneuerung 10
Leitbildprozess
• Geprägt durch hierarchische Strukturen
• Expertenprozess in Führungszirkeln
• Ein „Leitbild von oben“ findet sich auf
allen politischen und verwaltenden
Ebenen
„Von oben“

Leitbild

„Von unten“
• Das Lokale als zentrale Handlungsebene
• Selbstbestimmte und bedürfnisorientierte
Partizipation der Bürger
• (integriertes) Handeln in Netzwerken
• Orientierung am Gestaltungsprozess und
weniger an konkreten Ergebnissen
• Überwinden ressortbezogener, hierarchischer
Strukturen (intersektorale Kooperation)
Integrative Stadterneuerung 11
Schlüsselprojekte definieren und umsetzen
Konzepte und Leitbilder erfahren ihre Umsetzung in Schlüsselprojekten.
Schlüsselprojekte zu definieren bedeutet, Prioritäten zu setzen und
Anstoßfunktionen zu übernehmen.





Schlüsselprojekte sollen geeignet sein, Leitbildthemen zu repräsentieren
und stellvertretend die Sichtbarkeit der Leitbildumsetzung im Stadtbild zu
gewährleisten.
Prioritätensetzung bedeutet somit auch, dass andere Projekte (die
durchaus ebenfalls im Sinne des entwickelten Leitbildes sein können)
zunächst nicht unmittelbar umgesetzt werden können.
Die Schlüsselprojekte müssen in übersichtlicher und verständlicher Form
dargestellt und begründet werden.
Für die einzelnen Maßnahmen ist ein klarer Zeitplan mit Klärung der
Verantwortlichkeiten zu entwickeln.
Die Budgetierung des Maßnahmenkataloges ist vorab zu klären.
Integrative Stadterneuerung 12
Wirkungsbeobachtungen
Die Beobachtung der Wirkungen von Konzepten und Maßnahmen
(Monitoring) ist heute wichtiger denn je. Die Beteiligung privater Akteure,
aber auch ein verändertes Verständnis beim Mitteleinsatz bei den
Kommunen erfordern Wirtschaftlichkeit. Ziele sind dabei:





Bildung eines (Früh-)Warnsystems für negative Entwicklungen,
kontinuierliche Erfassung von Entwicklungen im Gebiet, u. a. der
Einwohner- und Sozialstruktur, Einkommenssituation, baulichen
Veränderungen etc.,
Darstellung der Erfolge/Misserfolge von Projekten/Entwicklungen,
Gewinnung potenzieller Akteure für das Projekt,
Beobachtung des (Förder-)Mitteleinsatzes.
Integrative Stadterneuerung 13
Wirkungsbeobachtungen
Um Wirkungen von Konzepten und Maßnahmen beobachten zu können,
müssen mindestens folgende Voraussetzungen zu Beginn des Prozesses
erfüllt werden:

Eindeutige mess-, zähl- oder beschreibbare Ziele für die
Maßnahmen, Projekte und das Maßnahmengebiet definieren

Schlüssige Indikatoren festlegen
- bezogen auf grundsätzliche Entwicklungen
- bezogen auf Maßnahmen und Projekte
- bezogen auf das Maßnahmengebiet
Akzeptables Verhältnis von Aufwand und Nutzen zu Beginn festlegen

Integrative Stadterneuerung 14
Fazit
Integrative Stadterneuerung bezieht alle wichtigen Handlungs- und
Politikfelder im kommunalen Entwicklungsprozess ein. Als Basis für die
Umsetzung dienen räumliche Entwicklungskonzepte. Voraussetzung sind
Ressourcenbündelung, fach- und ressortübergreifende Kooperationen sowie
die Bildung neuer strategischer Allianzen.
Integrative Stadterneuerung braucht die Mitwirkung von Akteuren
unterschiedlicher Interessen wie Bewohnerschaft, Unternehmen,
Wohnungswirtschaft, Wohlfahrtsverbände, Freie Träger, Verwaltung, Politik.
Integrative Stadterneuerung als aktive Planungs- und Umsetzungsstrategie schließt Erhaltung, Umbau und Rückbau des städtischen
Gemeinwesens ein. Aufgabe ist, negative Folgen der demografischen
Entwicklung sowie des ökonomischen und gesellschaftlichen
Strukturwandels zu kompensieren und die Bedingungen für ein gutes
Zusammenleben in den Städten zu verbessern.
Integrative Stadterneuerung 15

Integrative Stadterneuerung