Die Vorlesung hat folgendes Programm:
21. 2. Kurze Einführung mit allgemeinen Hinweisen
zum Programm und zur Organisation
28. 2. Merkmale analytischen Erzählens und Bauformen der
Kriminalerzählung
13. 3. – 20. 3. – 3. 4.
Petra Ivanov, Kalte Schüsse √
3. 4. – 10. 4. – 17. 4.
Susy Schmid, Das Wüste lebt √
24. 4. – [1. 5.] – [8. 5.] – 15. 5.
Peter Zeindler, Der Mauersegler
29. 5.
Soft-skill-Prüfungen
Vorlesung 7
Vorlesung 7
Susy
Schmids6 Roman „Das Wüste lebt“:
Vorlesung
- Der allmähliche Aufbau des Raumes:
- Susy
Schmids
Roman:
2 Arten
der Raumdarstellung
und
Der Romananfang:
der Fall● „Beatrice
Gebhardt“: Zu erwarten wäre,
Raumdarstellung?
Situierung?
Räumliche zur
dass Evi Exposition?
so etwas wie eine
Alternativdetektion
polizeilichen unternimmt!
-
● Die Personeneinführung:
Aufbau einer „geschlossenen“,
zugleich
isolierten
Der „Angriff“
gegen
Evi: einGesellschaft,
blindes Motiv?!
vgl. Referieren
auf Agatha
Christie!
Die überraschende
Wende
(Identität
der Toten)
● Der „Aufbau“ des Raumes im Einzelnen
Der Aufbruch und die Lösung des Falls in Essaouira
● Einige Karten und Bilder zur Topographie und
Der Zufallzur
und
die Vorgeschichte (der Schmals) zum Fall
Landschaft
● Die Verhöre, der Beginn der polizeilichen Detektion,
in die man aber keinen Einblick mehr hat!
● Zwei interessante Referenzen
(Tradition des Kriminalromans und „Himmelskönigin“)
2 Möglichkeiten:
- Analytisches Vorgehen:
Allmählicher
Aufbau einer
Topographie:
Ausweitung (so in S. Schmids Roman) =
„Erklärung“ des Ortes oder
- Synthetisches
Vorgehen:
Breite Exposition des Ortes und dann
Fokussierung auf den räumlichen Ausschnitt
(vom Panorama zur Szene)
S. 5: Zelte, Küchenzelt
S. 7: Die Wüste, die Sahara
S. 9: „im marokkanischen Hinterland“
S. 13: „der Laden da vorn“
S. 20: „Campingplatz „La Palmeraie Camping – Restaurant –
Super Marché – Hot Showers“
S. 47: „in Marokko, ganz im Osten“
S. 48f.: La Palmeraie „weit“ „von jeder anderen Siedling entfernt“
S. 49: Ausführlichere Ortsbeschreibung aus Evis Perspektive
S. 49:
„Wüstenei, so weit das Auge reicht“
S. 60: eine etwas ausführlichere
Beschreibung
S. 80f.: nächste grössere Orte, die genannt werden,
sind Oua(r)zazate und Er-Rachidia, „halbe Stunde hinter Tinehir“, „Höhe
von Marrakesch“.
Allgemeine Beobachtungen zum Schlussteil
• Übersichtliche Temporalstruktur: [Dienstag = Tag oder Nacht des
Mordes] – Mittwoch (Erzähleinsatz) bis Sonntag [Lösung des
Mordfalls]
• Genaue Zeitangaben S. 132f.: Beatrice ist zu Hause am 8.
September abgereist, hat mit ihrer Freundin Margrit Schär eine
Woche Ferien an der Algarve gemacht und „ist“ am 15. 9. in
Albufeira zur Reisegruppe gestossen. Am 24. 10. wollte sie wieder
zu Hause sein.
• Es gibt viele erzählerische Exkurse im Roman, der von der
gewohnten Zielstrebigkeit des Kriminalromans abschweifen
– z. B. S. 150: Viele erzählerische „Nebengeleise“ über Evis Reiselust;
– Gegen Schluss des Romans: Viele Abschweifungen über Evis
Kochkünste, einheimische Rezepte und Gewürze;
– Im Schlussteil (ab S. 150): Es wird sehr viel landeskundliche Information
über Marokko geliefert (vgl. z. B. „Ambra“ etc.)
– Die Transvestitenepisode mit Adrian in Evis Zelt (S. 134ff.)
• Aufgabe des „isolierten Ortes“ und Abreise am Samstag (mit
Genehmigung von Rachid Madnane, S. 140, Abreise S. 150)
• Nicht zu erwarten: Lösung des Mordfalls in Essaouira am Atlantik (S.
161 – 193). In diesem Zusammenhang: Ein 3. Bezug!
Zwei interessante Referenzen und eine weitere!
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1. Bezug zu Himmelskönigin:
Evis Freund „Schmatzme“ wird als Polizist Markus Schatzmann im
Fall des Mordes an Pfarrer Ursprung und ehemaliger Schulfreund von
Evi dort eingeführt, ebenso Evis Schwester Marianne. S. 84f.: HandyAnruf von „Schmatzme“, wo er auf den Mord, „drei Jahre her“, Bezug
nimmt und ironisch meint, sie sei ständig in Mordfälle verwickelt.
2. Bezug zu Agatha Christie, Ten Little Niggers
(eigentlich Letztes Weekend 1939): Schatzmann spielt auf Morde an
einem „abgelegenen Ort an, wozu Evi sagt, Agatha Christie‘s Roman
sei „einer meiner Lieblingskrimis“ (S. 85). Dieser Bezug bestätigt, dass
die Autorin hier nach einem traditionell bewährten Muster arbeitet.
3. Weiterer Bezug zu Himmelskönigin:
Nach der Entdeckung der eigentlichen Identität der Toten fordert
Adrian Evi auf (S. 120f.), ein „Ermittlerduo“ zu bilden, das „cleverste
Ermittlerduo seit Sherlock und Holmes“, und gemeinsam den Fall zu
lösen. Evi darauf (121): „Keine Detektivspielchen mehr! Ich habe
meine Erfahrungen gemacht.“ „Am Schluss“ ihres Herumfragens seien
drei Leute tot“ gewesen. Sie wolle nicht mehr „Evi Colombo“ sein
sondern „nur noch Evi Bossi“. Bereits hier ist die Erwartung auf einen
aktiven weiblichen Detektiv enttäuscht.
Evi und Adrian als „Detektive“?
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Evi versteht sich mit Adrian Isenschmid gut, der seinerseits immer wieder
seinen Schabernack mit ihr treibt und uns den Eindruck gibt, er hofiere sie
(z. B. S. 92). Sie sind als „detektivisches Duo“ für die Lesenden vorstellbar.
Der „Anschlag“ gegen Evi: Ein blindes Motiv, wenn man es nicht mit Adrians
„Flirten“ verbindet! In der Nacht auf Freitag wird Evi nachts im Schlaf
betätschelt („Grapschattacke“) und erwacht davon, die Zeltwand ist mit
einem scharfen Messer aufgeschnitten worden (96 – 100). Evi erwägt einen
Zusammenhang mit dem Mord!
Ankunft von Laura Dätwyler, Beatrice‘s Schwester (S. 102ff.): Sie stellt fest,
dass die Tote nicht ihre Schwester sei (S. 113), aber sie an jemanden
erinnere, den sie zu kennen meint. Man erinnert sich, dass „Beatrice“ oft
nicht auf den Ruf reagiert habe.
Einzige detektivische Aktion: Evi lässt Adrian die Tote durchsuchen, bevor
sie zum Abtransport von zwei angereisten Beauftragte übernommen wird:
Man findet einen zweiten, den eigentlichen Pass der Toten: Er lautet auf
Margrit Schär, genannt „Magi“, Beatrice Gebhardts Freundin, mit der sie
eine Woche an der Algarve verbrachte. Laura Dätwyler reist nach dorthin
ab, um nach ihrer Schwester zu forschen.
Madnane wird von Meili über die überraschende Entdeckung informiert und
reist an.
Er lässt die Gruppe Richtung Meer abreisen. Reiseroute:
Die Reise über den Atlas nach Essaouria
Aït Ben Haddou
Marrakesch
Ouazazate
Abbildung in der Vorlesung
zu sehen!
Die acht bzw. neun Personen
der kleinen geschlossenen Gesellschaft
Claire Salathé, S.
10: „kleine ältere
Dame“
Nicole Roth, „die
Jüngste“; S. 9: „Sie
sah nicht gut aus.“
Marc Meili,Tour
Leader, Fahrer
Evi Gygax (S. 31),
Lagerköchin, eig.
Buchhändlerin
Adrian
Isenschmid, S. 7:
„dünn und
zerstreut“
June, „eine
gemögige Frau“
Margrit Schär
Hans Schmal,
religiöser Eiferer
Josy Schmal,
Schmals Ehefrau
Beatrice
Gebhardt
Die Lösung(en)
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Laura Dätwyler unternimmt Recherchen bezüglich ihrer verschwundenen
Schwester (telefonisch S. 131ff. und durch die Reise an die Algarve, wo
sich ihre Schwester zuletzt aufhielt (S. 144ff., Abflug S. 156)
Die Detektionshandlung kommt mit der Abreise Richtung Marrakesch –
Essaouira (Samstag, S. 148ff.) zum vorläufigen Stillstand.
Besichtigung von Aït Ben Haddou (Hollywood-Kulisse in vielen Filmen, S.
157) und Fahrt über den Atlas. Telefonanruf an Evi: Laura Dätwyler ist in der
letzten Bleibe ihrer Schwester in Albufeira, Hotel „Solimar“ (S. 160)
angekommen. Ankunft in Essaouira, S. 161ff.
Lösung Fall Beatrice Dätwyler (S. 172f.): Tod durch Herzinfarkt, vor ca. 3
Wochen gefunden worden. „Magi“ Schär sei dann vermutlich in ihre Identität
geschlüpft, nachdem sie die Leiche versteckt und mit Ästen bedeckt hatte.
Frage (S. 176): Auf wen hatte es der Mörder abgesehen?
Evi unternimmt einen Bummel zur Festungsruine, lässt sich dort nieder und
schläft ein. Als sie erwacht, ist es nebelig. Beim Gang am Strand entlang
Richtung Stadt entdeckt sie plötzlich Josy und Hans Schmal in
Sonntagskleidung, die sich umarmen und dann gemeinsam ins Meer
hinauswaten. Evi (S. 182) schwimmt hinaus, um Josy zu retten, was Adrian
für sie übernimmt. Hans Schmal wird nicht gefunden.
Adrian kennt inzwischen die ganze Geschichte und die VG (S. 186ff.)
Evi Gygax (S. 31),
Lagerköchin, eig.
Buchhändlerin
Margrit
Schär, Opfer
Hans Schmal,
religiöser Eiferer
Josy Schmal,
Schmals Ehefrau
Beatrice
Gebhardt
VG
Chiara Gatti

8. 5. - UniFr Web Access