Laudatio zur Ausstellungseröffnung
im Warburger Museum im „Stern“am 19.11.2007
vorgetragen von Prof. Dr. Hartmut Riemenschneider
Die Einführung in die Ausstellung gestaltet am 19.11.2006
Prof. Dr. Hartmut Riemenschneider
mit einer Laudatio:
(Universität Dortmund, Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Prof. Dr. H. Riemenschneider (li) im
Gespräch mit Dr. C. Humburg (re)
Kompetent, gezielt pointierend,beeindruckend
zeichnet er vor dem kulturgeschichtlichen Hintergrund
Leben und Werk des Künstlers aus:
„Zwei legendäre Dinge
zeichneten Lorenz Humburg aus –
der Blick und das Urteil.“
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Lehrer Lorenz Humburg
Sehen zu können
und die Fähigkeit, dieses Sehen weiter zu geben,
stellen die Primärtugenden des Lehrers der Künste
dar.
Wahrnehmungsfähigkeit wird immer und überall
als Reichtum angesehen.
Letztlich ist es das,
was bleibt aus dem Kunstunterricht.
Und Lorenz Humburg verstand das zu vermitteln.
Wenn heute
das Paradigma der Kunst- und Literaturdidaktik
die Handlungs- und Produktionsorientierung ist,
so mag man Humburgs Lehrtätigkeit
eine Art Pilotstatus beimessen.
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Künstler Lorenz Humburg
Das Werk Humburgs ist thematisch vielgestaltig und doch einheitlich
in der stilistischen Entwicklung und Positionierung.
Humburg verändert Malweisen, Themen, Genres, hakt sie aber nie als
überwunden ab, um sich ausschließlich gänzlich Neuem zuzuwenden.
Im Gegenteil: ein zu beobachtender zunehmender Abstraktionsgrad
der Gestaltung hindert ihn nicht, immer wieder zu konkreten Formen
zurückzukehren oder mit Materialien und Techniken
bei gleicher Thematik zu experimentieren.
Sein Werk liegt zwischen Spätexpressionismus und neuer Sachlichkeit
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Künstler Lorenz Humburg
Bei aller Stilisierung und Konzentration auf das Wesentliche verlässt Humburg
faktisch nie den Gegenstand.
Besonders Lichteinfall und Perspektivführung sind immer der Natur geschuldet.
Dennoch sind die Kompositionen scharf gegliedert nach Farben und Formen,
vergleichbar den Elementen der musikalischen Komposition:
Melodien und Harmonien.
Humburgs Farb-Form-Korrelat scheint in der Kandinskyschen Tradition zu liegen,
nur eben gebunden an den Gegenstand, das „Ding“.
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Künstler Lorenz Humburg
Humburg hatte eine besonders innige Beziehung zum Stillleben,
zum Ding also,
das er aus dem alltäglichen Funktionszusammenhang heraushebt,
oft durch ungewöhnliche Zusammenstellungen mit anderen Dingen verfremdet.
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Künstler Lorenz Humburg
Lorenz Humburg war ein großer Verehrer des Lyrikers
Rainer Maria Rilke.
In einem frühen Gedicht
aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts
thematisiert Rilke in einem Gedicht
eine zeitgenössische poetische Sprachkrise.
Tenor:
Die Sprachbilder reichen nicht mehr
zur Vermittlung der seelischen Anrührung,
die durch Anschauung des alltäglichen Gegenstandes,
des Dings eben,
geschieht:
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Künstler Lorenz Humburg
Ich fürchte mich so vor Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn. Ihr Spiel mit dem Spott,
Sie wissen alles, was wird und war;
Kein Berg ist ihnen mehr verwundbar;
Ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt alle die Dinge um.
Rilke
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Der Künstler Lorenz Humburg
Die Gegenbewegung setzt in den zwanziger Jahren ein.
Der Gegenstand, das Ding, wird nicht mehr metaphorisch umschreiben,
es wird gesagt, oder besser gesagt: gesetzt.
Auf die Malerei übertragen, und dort auf das Stillleben:
Das Ding bzw. die Sache hat einen Bedeutungswert,
aber gleichzeitig auch einen ästhetischen, der sich dadurch potenziert,
dass Dinge mit anderen verbunden werden - nicht semantisch, aber ästhetisch.
Vortrag des Laudators Prof. Dr. Riemenschneider
Kunst lässt sich nie total erklären.
Es muss immer ein Rest als Geheimnis bleiben.
Hintergründe bereitzustellen ist die Aufgabe des professionellen Betrachters.
„Bedeutung zu zeugen“, ist die eines jeden von uns.
Den Söhnen Reinhard Humburg, Esq., Rechtsanwalt in New York, und Dr. Christoph Humburg,
Caritasdirektor in Solingen, war es eine Ehre, die Bilder ihres Vaters Lorenz Humburg
anlässlich seines 100. Geburtstages der Öffentlichkeit in einer großen Ausstellung zu
präsentieren.
Diese Website soll ein weiterer Beitrag sein, einige Werke von Lorenz Humburg über das Ende
der Warburger Ausstellung hinaus öffentlich zugänglich zu machen.
Copyright: Dr. Christoph Humburg, Reinhard Humburg

Der Künstler Lorenz Humburg