Gliederung:
01. Einführung
02. Das Ziel der Vollbeschäftigung
03. Das Ziel der Geldwertstabilität
04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums
05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik
06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik
07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik
08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel
09. Die finanzpolitischen Mittel
10. Die einkommenspolitischen Mittel
11. Institutionelle Maßnahmen
12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik
Kapitel IX:
Die finanzpolitischen Mittel
der Konjunktur- und Wachstumspolitik
Fortsetzung
Gliederung:
01.
02.
03.
04.
05.
06.
07.
Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik
Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur?
Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik
Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik
Deficit (without) spending, spending without deficit
Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits
Zur Problematik der Staatsverschuldung
Gliederung:
01.
02.
03.
04.
05.
06.
07.
Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik
Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur?
Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik
Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik
Deficit (without) spending, spending without deficit
Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits
Zur Problematik der Staatsverschuldung
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (1)
Im Rahmen der fiskalpolitischen Beschäftigungspolitik
werden drei Instrumente unterschieden:
 Das deficit spending, bei dem das Budgetdefizit dadurch
erzielt wird, dass die Ausgaben bei gleichbleibenden Steuereinnahmen erhöht werden,
 das deficit without spending, bei dem das Budgetdefizit
durch Steuersenkungen bei gleichbleibendem Staatsausgabenniveau realisiert wird und
 das spending without deficit, bei dem Ausgaben und
Steuereinnahmen um den gleichen Betrag erhöht werden.
 Dem spending without deficit liegt das Haavelmo-Theorem zugrunde, wonach auch bei ausgeglichenem Budget
eine Vergrößerung des Budgets expansive Effekte auslöst.
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (2)
1. Frage nach der unterschiedlichen quantitativen Effizienz:
Die einzelnen Instrumenten der Fiskalpolitik unterscheiden sich erstens im Umfang der Auswirkungen auf Einkommen und Beschäftigung.
Vom deficit spending gehen die stärksten Auswirkungen
aus, der Multiplikator entspricht hier dem reziproken
Wert der Stillegungsquote.
Vom deficit without spending gehen gegenüber dem deficit spending etwas geringere Wirkungen aus, da hier in
der ersten Periode nur das verfügbare Einkommen und
nicht das Inlandsprodukt wie beim deficit spending ansteigt.
Beim spending without deficit ist der Multiplikatoreffekt
am geringsten. Er beträgt gerade eins.
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (3)
Deficit spending:
1
Y  Def *
st
St
mit Def  G-T
St
Y: Einkommen Def: Budgetdefizit s: Sparquote t: Steuersatz
G: Staatsausgaben
T: Steuereinnahmen
Deficit without spending:
1
Y  Def *
 Def
st
Spending without deficit:
Y  Def *1
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (4)
2. Frage nach der politischen Realisierbarkeit:
Nicht alle Strategien sind in gleicher Weise politisch realisierbar.
 So können Gehälter nicht kurzfristig gekürzt werden.
3. Frage nach den Sekundärwirkungen
Kürzungen von Investitionsausgaben wirken sich negativ
auf das wirtschaftliche Wachstum aus.
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (5)
Ausgangspunkt sei ein einfaches Keynes-Modell mit der Investition (I) und den Staatsausgaben (G) auf der einen und
mit der Ersparnis (S) und den Steuereinnahmen (T) auf der
anderen Seite auf der Ordinate. Auf der Abszisse werde das
Inlandsprodukt (Y) abgetragen.
Die Staatsausgaben werden um einen bestimmten Betrag ΔG
erhöht, was zu einer Verschiebung der IG-Kurve nach oben
führt.
Gleichzeitig steigen die Steuereinnahmen (ΔT) um den
gleichen Betrag.
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (6)
Da nun in unserem Diagramm die Ersparnis in Abhängigkeit
des Inlandsproduktes Y abgetragen wird,
aber die Sparquote vom privat verfügbaren Einkommen abhängt, gilt es zusätzlich zu berücksichtigen,
dass bei einer Steuererhöhung die Sparquote bezogen auf
das Inlandsprodukt verringert wird,
obwohl annahmegemäß die Sparquote bezogen auf das privat verfügbare Einkommen konstant bleibt.
Die Sparquote bezogen auf das Inlandsprodukt sinkt bei gestiegenen Steuereinnahmen, da eine Steuererhöhung
bedeutet, dass bei gleichem Inlandsprodukt das privat
verfügbare Einkommen zurückgeht.
Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom
deficit without spending und vom spending
without deficit ? (7)
Bringen wir ein Beispiel:
Das Inlandsprodukt betrage 100, die Sparquote bezogen auf
das privat verfügbare Einkommen sei 10% und zunächst
würden keine Einkommensteuern erhoben.
Im Ausgangspunkt beträgt die Ersparnis somit 10, da das Inlandsprodukt und das privat verfügbares Einkommen zusammenfallen.
Nun werde eine Steuer von 50 erhoben, mit der Folge, dass
das privat verfügbare Einkommen auf 50 absinkt.
Die 10%ige Sparquote bezogen auf das privat verfügbare
Einkommen ergibt eine Ersparnis von 5.
Dies sind bezogen auf das Inlandsprodukt nur noch 5% (5
von 100).
Haavelmo-Theorem
S 1+ T 1
S,I
S0+T0
S 0+ T 1
 G=  T
I+G
Def.: s Y = s prv * ( 1-t )
da s prv = const.
wenn t steigt
dann sinkt s Y
Y
T
Fazit: (5a)
Die Forderung, der Staat solle das Nachfragedefizit der privaten
Wirtschaft durch einen Nachfrageüberschuss von Seiten des Staates kompensieren, lässt sich auf unterschiedliche Weise realisieren.
Drei Möglichkeiten wurden diskutiert:
Deficit spending: Der Staat erhöht die Ausgaben, ohne die Steuereinnahmen anzuheben.
Deficit without spending: Ein Nachfrageüberschuss kann auch
dadurch erzielt werden, dass der Staat die Steuereinnahmen bei
gleichbleibendem Staatsausgabenvolumen senkt.
Spending without deficit: Im ersten Abschnitt dieses Kapitels
hatten wir bereits gesehen, dass auch von einer Erweiterung eines
ausgeglichenen Budgets expansive Effekte ausgehen.
Fazit: (5b)
Für
welche dieser 3 Arten der kompensatorischen Fiskalpolitik
sich der Staat entscheidet, hängt vor allem von drei Fragen ab:
Wie unterscheiden sich die einzelnen Maßnahmen in ihrer quantitativen Effizienz voneinander?
Welche Maßnahmen lassen sich politisch besser realisieren?
Welche unterschiedlichen Sekundärwirkungen gehen von den
einzelnen Maßnahmen aus?
Beschränkt man sich auf die Frage der Effizienz, so weist das
deficit spending den höchsten und das spending without defict
den geringsten Multiplikator auf.
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Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik
Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur?
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Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik
Deficit (without) spending, spending without deficit
Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits
Zur Problematik der Staatsverschuldung
Frage 6: Auf welche Weise kann ein Defizit finanziert
werden ? (1)
Ein Defizit des Staatsbudgets kann auf dreierlei Weise
finanziert werden:
Entweder werden die durch Steuereinnahmen nicht gedeckten Staatsausgaben aus einem Überschuss der vorhergehenden Perioden gedeckt
oder aber der Staat erhält die notwendigen Mittel dadurch,
dass er auf dem Kapitalmarkt Schuldverschreibungen anbietet
oder schließlich wird das Defizit über einen Kredit bei der
Notenbank finanziert,
wobei auf diese Weise die umlaufende Geldmenge ausgeweitet wird.
Frage 6: Auf welche Weise kann ein Defizit finanziert
werden ? (2)
Nicht immer führt ein Defizit des Staatsbudgets zu einer
Mehrnachfrage im Umfang des Defizites.
Man spricht hierbei vom Problem des crowding out:
 Die Nachfragesteigerung des Staates kann teilweise dadurch kompensiert werden, dass die private Investitionsnachfrage aufgrund von Zinssteigerungen zurückgeht.
 Die Zinssteigerung wird dadurch ausgelöst, dass der
Staat als Nachfrager auf dem Kapitalmarkt auftritt.
 Nachfragesteigerungen führen bei gleichbleibendem Angebot ganz allgemein zu Preissteigerungen,
 auf dem Kapitalmarkt also zu Zinssteigerungen.
Es gilt also folgende Gleichung:
(G- T) i  I
Frage 6: Auf welche Weise kann ein Defizit finanziert
werden ? (3)
Mit einem crowding out ist also vor allem dann zu rechnen,
wenn auf der eine Seite der Staat das Budgetdefizit über Kapitalmarktmittel finanziert,
und wenn auf der anderen Seite die Investitionen auf Zinsänderungen elastisch reagieren.
Keynesianer empfehlen, die Budgetdefizite durch Notenbankkredite (also durch Geldschöpfung) zu finanzieren
und waren der Auffassung, dass die Investionen zinsunelastisch seien.
Eine Finanzierung des Budgetdefizites durch Notenbankkredite ist allerdings durch das Grundgesetz der BRD verboten.
Im Hinblick auf die Zinselastizität der Investitionen muss
mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass zwar sinkende
Zinsen keine Investitionszunahme auslösen,
dass aber bei steigenden Zinsen sehr wohl die Investitionsnachfrage zurückgeht.
Fazit: (6a)
Im Rahmen der fiskalpolitischen Diskussion wurde die Frage erörtert, auf welche Weise das Defizit des Staates finanziert werden
soll. Folgende Finanzierungsarten lassen sich unterscheiden:
Finanzierung aus einem vorher angesammelten Überschuss,
Finanzierung durch Kapitalmarktmittel,
Finanzierung durch Aufnahme eines Kredites bei gleichzeitiger
Geldschöpfung.
Laut Grundgesetz dürfen außerordentliche Staatsausgaben allerdings allenfalls vorübergehend durch Kredite bei der Notenbank
abgedeckt werden.
Fazit: (6b)
Die Entscheidung zugunsten der einen oder der anderen Finanzierungsart hängt wiederum von der Beantwortung der Frage ab,
in welcher Weise diese Instrumente als effizient gelten können,
wie sich diese einzelnen Finanzierungsarten politisch durchsetzen
lassen (ob z. B. eine Finanzierung durch Notenbankkredite von
der Verfassung ausgeschlossen wird)
und welche Nebenwirkungen u. U. von den einzelnen Instrumenten ausgehen.
Fazit: (6c)
Eine
Minderung der Effizienz tritt bei einer Finanzierung aus
Kapitalmarktmitteln ein, da sich die Tatsache, dass der Staat als
Nachfrager auf dem Kapitalmarkt auftritt, zinssteigernd auswirkt und
da die Zinssteigerung zu einer Verringerung der effektiven Nachfrage (Investition) führt.
Sofern in Zeiten der Rezession und Depression die Liquiditätspräferenz hoch und die Zinselastizität der Nachfrage gering ist,
kommt diesen Effizienzminderungen allerdings nur eine untergeordnete Bedeutung zu.
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Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik
Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur?
Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik
Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik
Deficit (without) spending, spending without deficit
Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits
Zur Problematik der Staatsverschuldung
Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (1)
Eine Staatsverschuldung wird aus sehr unterschiedlichen
Gründen oftmals abgelehnt.
So wird bisweilen die Forderung erhoben, dass sich der Staat
wie ein privater Haushalt zu verhalten habe.
 Für private Haushalte gelte aber, dass eine langfristige
Verschuldung unerwünscht sei.
 Eine langfristige Verschuldung eines privaten Haushaltes
gehe immer auf Kosten Dritter.
 Dieses Prinzip ist jedoch nicht auf den Staat anwendbar,
da hier eine Verschuldung bei sich selbst und nicht bei
Dritten vorliegt.
Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (2)
Weiterhin wird davon gesprochen, dass eine Staatsverschuldung verfassungswidrig sei.
 Aber nur bestimmte Formen der Verschuldung waren bis
vor kurzem grundgesetzwidrig.
 So durfte z. B. die Verschuldung nicht den Investitionsumfang übersteigen.
 Auch durfte ein Budgetdefizit nicht mit Notenbankkrediten finanziert werden.
 Vor kurzem wurde das Grundgesetz daraufhin geändert,
dass nur noch in Ausnahmefällen ein Defizit der Staatshaushalte erlaubt ist. (sogenannte Schuldenbremse).
 Leider berücksichtigt diese Bestimmung zu wenig, dass in
Abschwungsphasen eine prozyklische Politik den Abschwung verschärft und dass deshalb eine vorübergehende Verschuldung erwünscht ist
 und dass darüber hinaus nur konsumtive Ausgaben die
zukünftigen Generationen belasten.
Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (3)
Eine Staatsverschuldung kann drittens abgelehnt werden,
weil nur bei einem ausgeglichenen Budget die Politiker einer
ausreichenden Kontrolle durch die Bürger unterworfen werden.
 Ausgabensteigerungen bringen Wählerstimmen, Steuererhöhungen kosten Wählerstimmen.
 Nur bei ausgeglichenem Budget ist gewährleistet, dass
Ausgabensteigerungen nur dann durchgeführt werden,
wenn die Wähler bereit sind, die dadurch entstehenden
Kosten in Form von Steuererhöhungen zu tragen.
 Bei einer defizitären Finanzierung der Staatsausgaben
müssen zwar die dadurch entstehenden Kosten ebenfalls
in Form von Preissteigerungen vom Bürger getragen werden,
 der Zusammenhang zwischen Budgetdefizit und Inflation
wird jedoch vom Wähler zumeist nicht gesehen.
Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (4)
Eine Staatsverschuldung wird viertens auch wegen ihrer inflationären Wirkung abgelehnt.
 Im Allgemeinen führt eine Steigerung des Inlandsproduktes sowohl zu Preis- wie Mengensteigerungen.
 ( G - T )  Y  = ( P * X )  (beide variabel)
 Die Keynesianer gehen zwar davon aus, dass bei Unterbeschäftigung Nachfragesteigerungen vorwiegend einen Zuwachs in der Menge und nicht im Preis auslösen.
 Je mehr wir uns aber der Vollbeschäftigung nähern, um
so mehr verpuffen die Nachfragesteigerungen in Preissteigerungen,
 da auf zahlreichen Märkten bereits Knappheitserscheinungen auftreten, lange bevor auf allen Märkten Vollbeschäftigung erreicht wurde.
Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (5)
Eine
Staatsverschuldung wird oftmals fünftens auch deshalb
abgelehnt, weil mit der Zunahme des Budgetdefizites der Anteil der unproduktiven Transfereinkommen am Gesamteinkommen ansteigt.
 Nur eine Anlage der Ersparnisse in Risikokapital führt
zu Produktivitätssteigerungen.
 Dieser Produktivitätszuwachs bleibt bei der zumeist konsumtiven Verwendung der Staatsverschuldung aus.
 Also dürfte bei hoher anhaltender Staatsverschuldung die
Wachstumsrate des Inlandsproduktes zurückgehen.
Sechstens schließlich wird eine Staatsverschuldung abgelehnt, da hier eine Bereicherung der gegenwärtigen Generation auf Kosten der zukünftigen Generationen stattfinde.
SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (1)
Gegenwart: ( G - T)  beabsichtigte Wirkung: Y 
mögliche Wirkung:
i   I  Y
In der Gegenwart kann die beabsichtigte Steigerung des Inlandsproduktes zumindest zum Teil dadurch vereitelt werden,
dass die Kreditaufnahme des Staates zur Finanzierung des Defizites
zur Zinssteigerung
und diese zu einem Rückgang in der privaten Investitionsnachfrage
führt.
SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (2)
Zukunft:
Tilgung
notwendige Folge: T   E pr  ?
Wenn in der Zukunft die heute eingegangenen Schulden zurückgezahlt werden, sind hierzu Steuererhöhungen notwendig,
welche das privat verfügbare Einkommen der zukünftigen Generation verringern.
SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (3)
Kritik:
Bezogen auf das Gesamtvermögen der zukünftigen Bevölkerung findet kein Vermögensverlust statt, da die zusätzlichen Steuern voll an
die Besitzer der Schuldtitel zurückfließen.
Ein Teil der zukünftigen Bevölkerung wird zwar durch die Steuererhöhung belastet,
der Vermögensstatus des Staates wird hingegen dadurch verbessert,
dass er seine Schulden vermindert,
die Vermögensposition der Gläubiger bleibt schließlich gleich, da
lediglich an die Stelle von Forderungen an den Staat Geldvermögen
tritt.
SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (4)
Gegenkritik:
Diese Kritik würde nur dann gelten, wenn aufgrund der Staatsverschuldung in der Gegenwart keinerlei negative Auswirkungen auf
das Wachstum der Volkswirtschaft zu befürchten wären.
Wird nämlich aufgrund der Staatsverschuldung die Wachstumsrate
des Inlandsproduktes reduziert, ist das Inlandsprodukt der zukünftigen Generation vermindert.
Eine Verminderung der Wachstumsrate des Inlandsproduktes muss
einmal aufgrund des oben dargestellten crowding-out befürchtet
werden.
Zum anderen muss befürchtet werden, dass bei einer Staatsverschuldung der Anteil des Risikokapitals zurückgeht.
In diesem Falle dürfte jedoch die Produktivität und damit die
Wachstumsrate ebenfalls zurückgehen, da nur bei risikobehafteten
Investitionen mit Produktivitässteigerungen zu rechnen ist.
Fazit: (7a)
Unabhängig
von der Frage, inwieweit eine defizitäre Fiskalpolitik zu der erwünschten Konjunkturbelebung und Steigerung des
Beschäftigungsgrades führt, begegnete die konjunkturpolitisch
motivierte Forderung nach einer Verschuldung des Staates einer
Vielzahl von Einwänden:
Genauso wie ein privater Haushalt dürfe sich auch der Staat als
öffentlicher Haushalt nicht verschulden.
Diese Argumentation überzeugt jedoch nicht, da sich ein privater
Haushalt stets bei einem andern Haushalt verschuldet, während
der Staat als Vertreter des Volkes sich bei der Bevölkerung, also
bei sich selbst, verschuldet.
Der Forderung nach einer defizitären Konjunkturpolitik habe bis
vor kurzem die Verfassungsvorschrift entgegen gestanden, dass
das Budget des Staates ausgeglichen sein müsse.
Fazit: (7b)
Heute
sieht das Grundgesetz mit der sogenannten Schuldenbremse vor, dass der Staat nur noch in Ausnahmesituationen
Ausgaben defizitär finanzieren darf.
Unabhängig davon, welche Auslegung die Forderung nach ausgeglichenem Budget im Verfassungsrecht erhalte, werde ein ausgeglichenes Budget gefordert, da nur auf diese Weise die Politiker einer echten politischen Kontrolle unterlägen.
Bei einer Verschuldung des Staates bereichere sich die gegenwärtige Generation auf Kosten der zukünftigen.
Eine Benachteiligung der zukünftigen Generationen ist allerdings
nur dann zu erwarten, wenn aufgrund falscher incentives (z. B.
durch gleiche Zinserträge für risikoarme Staatspapiere wie für
risikoreiche Aktien) das wirtschaftliche Wachstum vermindert
wird.
Fragen zu Kapitel 9b: (1)
01. Welche drei Instrumente einer Defizitpolitik unterscheidet man?
02. Welches dieser drei Instrumente hat den größten multiplikativen
Effekt?
03. Nach welchen drei Kriterien sollte entschieden werden, welches
dieser drei Instrumente der Defizitpolitik gewählt wird?
04. Mit welchem Theorem lässt sich erklären, dass auch von einem
ausgeglichenen Budget expansive Wirkungen ausgehen?
05. Mit welchen drei Arten kann ein Defizit finanziert werden?
06. Welches dieser drei Finanzierungsinstrumenten galt in der BRD
bis vor kurzem als verfassungswidrig?
07. Was versteht man unter einem crowding out im Zusammenhang
mit der Fiskalpolitik?
08. Warum gehen Keynesianer davon aus, dass mit keinem crowding out der staatlichen Fiskalpolitik zu rechnen ist?
Fragen zu Kapitel 9b: (2)
09. Warum gehen die Neoklassiker von der Annahme aus, dass ein
Budgetdefizit die Investitionsnachfrage vermindert?
10. Warum lässt sich eine Ablehnung der Staatsverschuldung nicht
damit rechtfertigen, dass auch für private Haushalte eine langfristige Verschuldung unerwünscht ist?
11. Inwiefern verhindert das Zulassen einer Staatsverschuldung eine
effiziente demokratische Kontrolle der Politiker?
12. Unter welchen Voraussetzungen kann eine staatliche Verschuldung die zukünftigen Generation belasten?
Antworten zu Kapitel 9b: (1)
01. Innerhalb der Defizitpolitik unterscheidet man zwischen einem
deficit spending, einem deficit without spending und einem spending without deficit.
02. Das Instrument des deficit spendings hat den größten Multiplikator.
03. Die Entscheidung zugunsten eines dieser drei Instrumente sollte
anhand der Frage nach der Effizienz, den möglichen Sekundärwirkungen sowie der politischen Realisierbarkeit entschieden
werden.
04. Mit Hilfe des Haavelmo-Theorems lässt sich der expansive Effekt eines ausgeglichenen Budgets erklären.
05. Ein Defizit kann aus bisherigen Überschüssen, durch Auflegung
von Staatspapieren sowie durch Notenbankkredite finanziert
werden.
Antworten zu Kapitel 9b: (2)
06. Das Grundgesetz verbat bisher, ein Budgetdefizit über Notenbankkredite langfristig zu finanzieren.
07. Im Zusammenhang mit der Fiskalpolitik versteht man unter
crowding out die Tatsache, dass eine staatliche Defizitpolitik zu
einer Reduzierung der privaten Nachfrage führt.
08. Keynesianer empfehlen auf der einen Seite das Budgetdefizit mit
Hilfe von Notenbankkrediten und damit mit Geldschöpfung zu
finanzieren. Auf der anderen Seite gehen sie davon aus, dass die
Investitionsnachfrage nicht auf mögliche Zinssteigerungen reagiert.
09. Nach Auffassung der Neoklassiker ist mindestens ein Teil der
Investitionsnachfrage zinsabhängig, nämlich die langfristigen
Investitionen im Bausektor, sowie die Rationalisierungsinvestitionen.
Antworten zu Kapitel 9b: (3)
10. Der Hinweis auf eine Unerwünschtheit einer privaten Verschuldung kann nicht als Rechtfertigung einer Gegnerschaft einer
staatlichen Verschuldung gelten, da eine Staatsverschuldung
eine Verschuldung der Volksgemeinschaft bei sich selbst darstellt.
11. Nur dann, wenn die Wähler erfahren, welche Verminderung
ihres privat verfügbaren Einkommens durch eine Erhöhung der
Steuern aufgrund von Steigerungen in den Staatsausgaben zu
erwarten ist, können sich die Wähler jeweils für die Politiker
entscheiden, welche ihren Nutzen maximieren.
12. Eine Belastung der zukünftigen Generation aufgrund einer staatlichen Verschuldung ist immer dann zu befürchten, wenn im
Zuge einer staatlichen Verschuldung Anreize geschaffen werden, Investitionen für weniger produktive Aktivitäten einzusetzen.
Ende

Kapitel 9: Die finanzpolitischen Mittel Forts.