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Solidarische Ökonomie
auf der Basis von
Reproduktionsgenossenschaften
Wolfgang Fabricius
[email protected]
Stand: 28.03.2008
1
2
Gliederung
Darstellung und kritische Wertung
des neoliberales Umfelds
 Grundzüge der Solidarwirtschaft
 Historische und aktuelle Beispiele
im In- und Ausland

Gustav Landauer:
„Einen Tisch kann man umwerfen und eine Fensterscheibe
zertrümmern, aber die sind eitle Wortmacher und gläubige
Wortanbeter, die den Staat für so ein Ding halten, den man
zertrümmern kann, um ihn zu zerstören. Der Staat ist ein
Verhältnis, ist eine Beziehung zwischen den Menschen,
ist eine Art, wie Menschen sich zueinander verhalten;
und man zerstört ihn, indem man andere Beziehungen
eingeht, indem man sich anders zueinander verhält.
Der absolute Monarch konnte sagen: „Ich bin der Staat“.
Wir, die wir im absoluten Staat uns selbst gefangengesetzt
haben, wir müssen die Wahrheit erkennen: Wir sind der
Staat - und sind es so lange, als wir nichts andres sind,
als wir die Institution nicht geschaffen haben, die eine
wirkliche Gemeinschaft und Gesellschaft der Menschen sind.“
„Die Randströmungen ... des heute historisch gewordenen Marxismus ... haben eines
gemeinsam: sie weigern sich standhaft, die logische Formel "negatio est determinatio"
anzuerkennen; d.h. sie schweigen wie das Grab über die konkrete Aufhebung der
fetischistischen, vom Wert gesetzten Formbestimmtheit kapitalistischer Reproduktion.
Diese Ignoranz, die ja zunächst einmal selber eine theoretische ist, speist sich daraus, dass
die Frage der Aufhebung auseinandergerissen wird in die reine Negation einerseits
("hiermit erklären und unterschreiben wir, daß wir gegen den Kapitalismus/Imperialismus
sind und ihn stürzen wollen") und in einen inhaltlich völlig leeren, erst postkapitalistisch
(nach dem "Sturz" der kapitalistischen Macht) in Gang zu setzenden Praxis-Pragmatismus
der "befreiten Gesellschaft" andererseits.
Man könne alsdann, wenn die Schwierigkeit der Machtfrage überwunden sei, ganz leicht
und geradezu nach dem Muster von Reklamesprüchen ("dann geht alles wie von selbst") die
vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte zum Wohle aller regulieren.
... das Programm dafür [könne man] in einer Viertelstunde schreiben ... aber das sei
angesichts des ungebrochen herrschenden Kapitalismus gar nicht das Problem.“
Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik. - Zur Reformulierung
der sozialen Emanzipation nach dem Ende des 'Marzismus', 2001
„Arbeit als Verhaltensstörung
der Moderne hat zu einer
Gesellschaft der allgemeinen
Unzurechnungsfähigkeit
geführt“
Robert Kurz in „Feierabend!“
Friedrich Engels: Ergänzung und Nachtrag zum
III. Buche des „Kapital“, 1894:
„ . . . seit 1865, wo das Buch verfasst [wurde], [ist]
eine Veränderung eingetreten, die der Börse heute
eine um ein Bedeutendes gesteigerte und noch stets
wachsende Rolle zuweist und bei der ferneren
Entwicklung die Tendenz hat, die gesamte
Produktion, industrielle wie agrikulturelle, und den
gesamten Verkehr, Kommunikationsmittel wie
Austauschfunktion, in den Händen von Börsianern
zu konzentrieren, so dass die Börse die
hervorragendste Vertreterin der kapitalistischen
Produktion selbst wird.
10
11
Abb. 2: Kapitalertrag und BIP
Mrd. €
2107
2000
1000
560
Staat: 2002: 47 Mrd. €
Kapitalertrag: 2002: 560 Mrd. €
Steigerungsrate: 10%
W.Fabricius
28.01.2005
16
2002
2005
2010
2015 2017
19
22
Jahr
Linear Exponential (10%)
%
Im 1. Jahr:
Im 2. Jahr:
Im 4. Jahr:
Im 5. Jahr:
Im 10. Jahr:
Im 20. Jahr:
Im 30. Jahr:
Im 40. Jahr:
Im 50. Jahr:
Im 100. Jahr
100
Einh.
100%
50%
25%
20%
10%
5%
1,10 Einh.
1,21 Einh.
1,46 Einh.
1,61 Einh.
2,59 Einh.
6,73 Einh.
17,45 Einh.
45,26 Einh.
2% 117,39 Einh.
1% 13780,61 Einh.
100
Exponentielles
Wachstum bei
10%iger Rendite
50
1. Jahr (1950): 3,5 Mrd. €
8. Jahr (1957): 7 Mrd. €
15. Jahr (1964): 13 Mrd. €
22. Jahr (1971): 26 Mrd. €
29. Jahr (1978): 50 Mrd. €
36. Jahr (1985): 98 Mrd. €
43. Jahr (1992): 191 Mrd. €
50. Jahr (1999): 373 Mrd. €
57. Jahr (2006): 727 Mrd. €
50
40
30
Exponentialer
Wachstumfaktor:
10% Rendite
20
10
W. Fabricius
Stand: 25.03.05
5
10
20
30
40
50 Jahre
Josephspfennig
(nach Wikipedia vom 18.7.2007)
Wenn Joseph seinem Sohn Jesus bei dessen Geburt
einen einzigen Pfennig auf einer Bank angelegt
hätte, wäre dieser bei einer jährlichen Verzinsung
von 5% im Jahre 2000 mit Zinseszinsen auf den
fiktiven Gegenwert von
132 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold
angewachsen. In der gesamten Geschichte der
Menschheit wurden aber schätzungsweise erst
155.000 t Gold geschürft, die gerade in einen
Würfel der Kantenlänge 20,025 Meter
passen würden.
24
Aristoteles (384-322, Politeia, 1. Buch)
"So ist der Wucher hassenswert, weil er aus
dem Geld selbst den Erwerb zieht und
nicht aus dem, wofür das Geld da ist.
Denn das Geld ist um des Tausches
willen erfunden worden, durch den
Zins vermehrt es sich dagegen durch
sich selbst.
Durch den Zins entsteht Geld aus Geld.
Diese Art des Gelderwerbs ist also
am meisten gegen die Natur."
26
Die Sparda-Bank Berlin eG
schreibt in „sparda-aktuell 04/2006:
„Am 12. April 1956 legte unser Partner
Union Investment ihren Unifonds,
einen der ersten Fonds in Deutschland, auf. ...
In 50 Jahren steigerte sich
der Wert einer Anlage
von 10.000 Euro auf über 753.000 Euro,
das entspricht einer Wertentwicklung
von über 9 Prozent pro Jahr“.
28
30
„Die Situation gleicht der
einer Kollektivspeisung,
bei der mehr Essensmarken
ausgegeben werden als
Portionen vorhanden sind.“
Roland Baader, 2008
„Wo Geld ohne Bedarf ist, dort stellt
sich auch Einkommen ohne Leistung ein,
und das wiederum bewirkt, daß noch mehr
Geld ohne Bedarf und noch mehr
Einkommen ohne Leistung entstehen. Dieser
"Einkommensfähigkeit ohne eigene Leistung"
steht die Arbeitslosigkeit als
"eigene Leistungsfähigkeit ohne Einkommen"
gegenüber: Geld, das als Einkommen
ohne Leistung gezahlt wird, fehlt dann zur
Bezahlung von Einkommen aus Leistung.“
Dieter Suhr, 1983
„Es gibt keinen Weg, den finalen Zusammenbruch
eines Booms zu vermeiden,
der durch Kreditexpansion erzeugt worden ist.
Die Alternative kann nur sein:
Entweder die Krise kommt früher
– als ein Ergebnis der freiwilligen
Einstellung der Kreditexpansion –
oder später als eine finale und totale
Katastrophe des betreffenden Währungssystems.“
Ludwig von Mises: Habilitationsschrift 1922
Georg Soros:
Die übermäßigen Freiheiten der Finanzmärkte
haben „nicht eine normale Krise, sondern das
Ende einer Ära“ herbeigeführt, denn „diese
Krise unterscheidet sich von allen, die wir in
den letzten 60 Jahren gesehen haben - sie ist
schlimmer", eine Krise, bei der „alles
schiefging, was schiefgehen konnte.“ „Die
Gefahr besteht darin, dass dadurch
entstehende Spannungen, einschließlich des
Protektionismus der USA, die Weltwirtschaft
zerschlagen und die Welt in eine Rezession –
oder etwas noch Schlimmeres – stürzen
könnten.“
Verteilung der Armut und des Reichtums
Zahlen aus dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2004/5
160
(1998 und 2003 als Differenz zu 1993 in Tausend Euro pro Haushalt)
140
2003
120
100
80
60
40
Rot-GrünEffekt
20
1998
0
1993
Gruppe: 1
2
3
4
5
38
6
7
8
9
10
W. Fabricius
Stand: 28.03.05
39
41
Alexander Jung et al.:
Gipfel der Ungerechtigkeit.
Der Spiegel 23/2007, S. 40
und
Michael Sauga:
Doppeltes Risiko.
Der Spiegel 27/2007, S. 97
42
52
Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik, 2001:
„Historisch hat sich der Markt von den Grundstoffen, den Vor- und
Zwischenprodukten immer weiter vorgeschoben und immer mehr
reproduktive Bezüge okkupiert; nicht nur bis zu den Endprodukten, die
direkt in die Konsumtion eingehen, sondern darüber hinaus bis zur
Vermittlung der Konsumtion selber in Form von Dienstleistungen und
bis in den Intimbereich.“
Für eine emanzipatorische Bewegung, die sich der Notwendigkeit
bewusst ist, aus Keimformen heraus die gesellschaftliche
Identität von Produktion und Konsumtion auf einer höheren
Entwicklungsstufe wiederherzustellen, folgt daraus, daß sie in
genau umgekehrter Reihenfolge von den Dienstleistungen und
den direkt in die Konsumtion eingehenden Endprodukten
ausgehend dem Markt seine historische Beute wieder entreißen muss,
um von diesen Endpunkten aus die gesamte Reproduktion aufzurollen
und emanzipatorisch umzuformen.“
55
56
MPS-Mitglied Detmar Doering
(Friedrich-Naumann-Stiftung, Potsdam)
„Nicht die Arbeit schafft Kapital
(wie die Feinde des Liberalismus
im Gefolge von Marx behaupten),
sondern das Kapital schafft die Arbeit.
Der Kapitalismus verschafft damit
dem Menschen die realen
ökonomischen Möglichkeiten,
seine Freiheiten zu erweitern.“
58
Erik Nölting weist 1949 darauf hin,
dass:
Adam Smith,
Urvater der Liberalen und Neoliberalen,
und sein Gegenpart,
Karl Marx,
sich zumindest
in einem Punkt einig sind:
„Aller Ertrag ... stammt aus der Arbeit,
die alleinige Quelle aller
59
wirtschaftlichen Werte ist.“
Wertschöpfungskette
W=c+v+m
W' = c + v + m
W'' = c + v + m
W''' = c + v + m
W'''' = c + v + m
W''''' = c + v + m
Auf der untersten Ebene stellt c den Rohstoff Erde, Erdöl, Metall, Kohle etc.
dar. Eingesetzt wird immer wieder Arbeitskraft, von der allerdings auf jeder
Ebene der Mehrwert abgezogen wird. Vom Anfang bis zum Ende der
Wertschöpfungskette streitet sich also der Anleger – weil er angeblich c
geliefert habe - mit dem Arbeitnehmer (v) um den Anteil (m) am
Arbeitsergebnis. Der Konsument (W) jedoch muss alles finanzieren. 61
64
Marx und Engels
im Kommunistischen Manifest (1848):
„Ist die Ausbeutung des Arbeiters
durch den Fabrikanten
so weit beendigt, daß er seinen Arbeitslohn
bar ausgezahlt erhält, so fallen
die anderen Teile der Bourgeoisie
über ihn her, der
Hausbesitzer, der Krämer, der Pfandleiher
usw.“
66
„Ich habe bisweilen den Eindruck,
dass sich die meisten Politiker immer noch
nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie
bereits heute unter der Kontrolle der
Finanzmärkte stehen und sogar von ihnen
beherrscht werden.“
Hans Tietmeyer,
Präsident der Deutschen Bundesbank
auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 1996:
Finanzmärkte kontrollieren die Politik,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.2.1996
67
8
Der Spiegel führt zu unseren „Beratern“ in Heft 2/2007 aus:
„Nach den geltenden Gesetzen kann niemand einem
ausgeschiedenen Abgeordneten verbieten, in der
gleichen Branche anzuheuern, für die er zuvor die
Paragraphen gemacht hat.“
Ein Abgeordneter sollte wohl schon zu Zeiten seines
aktiven Politikerlebens an sein Leben danach denken.
„Selbst Verfassungsgerichtspräsident Papier sah sich
deshalb unlängst gezwungen, von einer neuen Qualität
der Einflussnahme zu warnen.
Die Lobbyisten, so Papier, entwickelten sich
zu einer 'fünften Gewalt' im Staate.“
Die Namen der Hauptakteure:
der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD),
 der ehemalige Grünen-Abgeordnete Matthias Berninger,
 der ehemalige SPD-Abgeordnete Klaus Lennartz,
 der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU),
 Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD),
 der frühere Chef der Bundesagentur für Arbeit und
Ex-Landesminister von Rheinland-Pfalz, Florian Gerster (SP
 der ehemalige Regierungssprecher von Altkanzler Helmut Ko
Friedhelm Ost (CDU),
 Caio Koch-Weser, Finanzstaatssekretär (parteilos),
 Wilhelm Schmidt, Fraktionsgeschäftsführer (SPD),
 Werner Müller, Wirtschaftsminister (parteilos),
 Siegmar Mosdorf, Parl. Staatssekretär (SPD)

Shareholder-value-Theorie von
Jensen und Meckling:
„Aktionäre als Eigentümer der Unternehmen
müssen den ungeteilten Gewinn erhalten,
denn jeder Dollar, den die Manager in Arbeit,
Umwelt und öffentliche Belange stecken,
nimmt den Aktionären das Recht, über
ihr Eigentum zu entscheiden und "ihre"
Gewinne etwa in andere Unternehmen
anzulegen,
die ihnen rentabler erscheinen.
Manager, die sich zu sehr für die Belegschaft,
die Gemeinden oder den Umweltschutz
einsetzen,
Gabor Steingart
Spiegel Online 22.09.2006
„Will er [der Westen] nicht an jedem
Handelstag als Verlierer vom Platz
gehen, muss auch er seine Betriebsräte
domestizieren, seine Umweltgesetze
lockern und die soziale Absicherung
stückweise wieder an die Familie oder
den Einzelnen zurück überweisen.“
Mont Pelérin Society (MPS)
1947 in Mont Pelérin, Schweiz, von 17 amerikanischen und 22
europäischen neoliberalen Ökonomen (u.a. Eucken, Friedman,
Hayek, Hunold, Mises, Popper, Röpke, Stigler) gegründet und
als Verein in den USA eingetragen.
Umfasst etwa 1000 Mitglieder und 100 Think-Tanks weltweit.
1974-2002: Nobelpreise für 8 MPS-Mitglieder.
Ab 1975 unterwerfen Hayek und Friedman als Berater Pinochets
Chile einer neoliberalen Radikalkur, errichten eine 'gesunde
soziale Marktwirtschaft' und bezeichnen dies als 'gelobtes Land'.
1979: Experten-Austausch zwischen Thatcher und Chile.
1980: Durch Reagan Neoliberalismus auch in den USA.
Endgültige Implementierung in Europa über Giscard d'Estaing,
Vorsitzender des Europäischen Konvents, der MPS-Mitglied ist.
In Deutschland verhilft dem Neoliberalismus das
Schröder-Blair-Papier und die Agenda 2010 zum Durchbruch.
Rentenfonds
Die Erwerbstätigen in Amerika besaßen bereits 1976
über Pensions-Fonds mehr als ein Drittel des
Eigenkapitals der amerikanischen Wirtschaft.
Dieser Anteil sollte nach Drucker bis zur
Jahrtausendwende über zwei Drittel betragen.
Außerdem kontrollierten 1976 die Pensions-Fonds
die 50 größten Unternehmen in allen „nichtproduzierenden„ Bereichen wie im Bank- und
Versicherungswesen, im Nachrichtenwesen
und Transportgewerbe.
Peter F. Drucker: The Unseen Revolution, 1976
Deutsch: Die unsichtbare Revolution. Econ 1977, Knaur 1979
Der Anfang vom Ende des Neoliberalismus:
„Mehrere Billionen Dollar haben internationale Fonds
eingesammelt – bei den Reichen der Welt,
aber auch bei Normalbürgern, die für ihr Alter
vorsorgen,
oder bei Banken und Versicherungen,
die wiederum das ihnen anvertraute Geld mehren
wollen.
Rund um den Globus suchen sie nach Anlagechancen,
sie spekulieren mit Währungen und Rohstoffen,
Anleihen und Aktien. Sie nehmen ganze
Volkswirtschaften in die Zange – und zunehmend
auch deutsche Unternehmen. ...
76Aber
wie soll ein nationaler Staat internationale
Finanzströme regulieren?“
Henner Lüttich in manager magazin vom 23.04.2004:
Gewichtung der Standortfaktoren
von 1207 Regionen in den alten und neuen EU-Ländern
1. Gesamtarbeitskostenbelastung: Gewicht 25%, davon wiederum:
1.1. Arbeitnehmerentgelte in der Industrie: Gewicht 40%
1.2. Produktivität in der Industrie: Gewicht 40%
1.3. Arbeitszeit in der Industrie: Gewicht 20%
2. Unternehmenssteuern: Gewicht 20%
3. Verkehr: Gewicht 15%, davon wiederum:
3.1. Autobahnnähe: Gewicht 33,3%
3.2. Flughafennähe: Gewicht 33,3%
3.3. Bahnanschluss: Gewicht 33,3%
4. Diverse Kostenbereiche: Gewicht 15%, davon wiederum:
4.1. Gaspreise: Gewicht 50%
4.2. Strompreise: Gewicht 50%
5. Arbeitskräfte: Gewicht 12,5%, davon wiederum:
5.1. Beschäftigte in der Industrie: Gewicht 56%
5.2. Arbeitslosenquote: Gewicht 44%
6. Regionale Attraktivität: Gewicht 12,5%, davon wiederum:
6.1. Kriminalität: Gewicht 50%
6.2. Korruption: Gewicht 50%
77
78
79
80
92
Das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes
ist ausgehebelt:
Art. 20 Abs.1: Die Bundesrepublik Deutschland
ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

Art. 20 Abs. 4: Gegen jeden, der es unternimmt,
diese Ordnung zu beseitigen, haben alle
Deutsche das Recht zum Widerstand, wenn
andere Abhilfe nicht möglich ist.

Wie könnte Abhilfe aussehen, wie Widerstand?
94
Ahlener Programm der CDU (1947):
"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und
sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht
geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen
Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund auf erfolgen.
Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung
kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben,
sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein.
Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine
Wirtschafts- und Sozialverfasssung erhalten, die dem
Recht und der Würde des Menschen entspricht,
dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und
den inneren und äußeren Frieden sichert."
100
€
3000
Kapitalertrag bei konstant
wachsendem Arbeitsertrag
2500
2000
W. Fabricius
Stand: 14.03.05
1500
Wirtschaftswachstum
1000
500
Arbeitsertrag und
Nettostaatsquote
0
Kapitalertrag
101
0
(1950
10
1960
20
1970
30
1980
40
1990
50
2000
60
2010
70
2020)
03
€
3000
Der Kapitalertrag entspricht dem Arbeitsertrag
2500
2000
W. Fabricius
Stand: 14.03.05
1500
Wirtschaftswachstum
1000
Arbeitsertrag und
Nettostaatsquote
500
0
Kapitalertrag
0
(1950
10
1960
20
1970
30
1980
40
1990
50
2000
60
2010
70
2020)
€
3000
Kein Wirtschaftswachstum
heißt auch kein Kapitalertragswachstum
2500
2000
W. Fabricius
Stand: 14.03.05
1500
Wirtschaftswachstum
1000
Arbeitsertrag und
Nettostaatsquote
500
0
Kapitalertrag
104
0
(1950
10
1960
20
1970
30
1980
40
1990
50
2000
60
2010
70
2020)
106
Enteignung und Vergesellschaftung
Grundgesetz, Artikel 14:
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.
Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen,
das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt.
Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen
der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen.
Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der
Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.
Grundgesetz, Artikel 15:
Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel
können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz,
das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt,
in Gemeineigentum oder in andere Formen
der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung
gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.
Bedingungsloses Grundeinkommen
Auf welcher Ebene soll das Grundeinkommen angelegt
sein: national, europäisch oder global?
 Was geschieht mit Asylanten?
 Gibt es eine Krankenversicherung?
 Wie sieht das Übergangskonzept aus?
 Soll mit dem bedingungslosen Grundeinkommen das
leistungslose Einkommen der Kapitaleigner legitimiert
werden?
 Jedes leistungslose Einkommen schlägt sich letztlich
immer in den Produktkosten bzw. den Preisen nieder.
 Ein Einkommen von 800 Euro pro Monat entspricht bei
5%iger Verzinsung einem Vermögen von etwa
200.000 Euro, bei 3%iger Verzinsung etwa 300.000 Euro.

111
Bundesrepublikanisches Umverteilen
Erwerbstätig
+0
+-
Besitzend
Besitzlos
-31
113
--------------------------
Nicht erwerbstätig
++++++
++++++
++++++
++++++
++++++
+
Hartz-IV
+30
+1
Aristoteles (384-322, Politeia, 5. Buch)
"Man muß dafür sorgen, daß der
Gegensatz der Reichen und Armen
sich möglichst ausgleicht oder
daß der Mittelstand wächst."
"Namentlich muß man bedacht sein,
durch die Gesetze die Verhältnisse so zu
regeln, daß niemand aufkommen kann,
der allzu übermächtig ist
durch Anhang oder Reichtum;
und gelingt dies nicht, so muß man
solche Leute ins Ausland verbannen."
114
Aneignung
Was man sich vorher nicht hat wegnehmen lassen,
braucht man sich hinterher nicht anzueignen.
Wenn wir über alle Werte, die wir in den letzten
50 Jahren geschaffen haben, gemeinschaftlich
verfügen könnten, bräuchten wir uns um die
nächsten 50 Jahre keine Sorgen zu machen.
Tauschringe
Die Berliner Tauschringe existieren fast in jedem
Stadtteil. Sie verstehen sich als unabhängige
Selbsthilfeeinrichtungen zur Entwicklung der erweiterten
Nachbarschaftshilfe und der sozialen Ökonomie.
Berliner Tauschringe verfolgen gleichermaßen soziale
und wirtschaftliche Zielsetzungen, sind aber weder
soziale Einrichtungen im traditionellen Sinne, noch
beabsichtigen sie, ein neues wirtschaftliches Modell oder
“Ersatzwährungen” zu kreieren.
http://trb.tauschring-mitte.de//content/section/5/44/
FoodCoops und
Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften (EVG)
Verbraucher schließen sich im Lebensmittelbereich mit
Erzeugern zusammen, um sich kostengünstig ökologisch
angebaute landwirtschaftliche Produkte zu beschaffen.
Eine der ersten wurde 1982 in Berlin als Verein
gegründet und hatte 850 Mitglieder. Sie war aus dem
Ökodorf in der Kurfürstenstraße hervorgegangen und
arbeitete mit 3 niedersächsischen Öko-Bauern
zusammen. Sie löste sich 1989 mit dem Fall der Mauer
auf.
Robert Kurz 2001:
„Historisch hat sich der Markt von den Grundstoffen, den Vor- und
Zwischenprodukten immer weiter vorgeschoben und immer mehr
reproduktive Bezüge okkupiert; nicht nur bis zu den Endprodukten, die
direkt in die Konsumtion eingehen, sondern darüber hinaus bis zur
Vermittlung der Konsumtion selber in Form von Dienstleistungen und
bis in den Intimbereich. ...
Für eine emanzipatorische Bewegung, die sich der Notwendigkeit
bewusst ist, aus Keimformen heraus die gesellschaftliche
Identität von Produktion und Konsumtion auf einer höheren
Entwicklungsstufe wiederherzustellen, folgt daraus, daß sie in
genau umgekehrter Reihenfolge von den Dienstleistungen und
den direkt in die Konsumtion eingehenden Endprodukten
ausgehend dem Markt seine historische Beute wieder entreißen muss,
um von diesen Endpunkten aus die gesamte Reproduktion aufzurollen
und emanzipatorisch umzuformen.“
120
123
Permanente Enteignung des Arbeitnehmers
und des Konsumenten
Der Mehrwert „m“ wird für die Kapitaleigner
von einer Ebene der Wertschöpfungskette
zur nächsten gesperrt und auf Infrastruktur,
Arbeitsentgelt und Preise nach Bedarf verteilt.
m
m
W=c+v
W=c+v
Wertschöpfungskette ohne „Wertschöpfung“ für Anleger
W=c+v
W' = c + v
W'' = c + v
W''' = c + v
W'''' = c + v
W''''' = c + v
Auf den jeweiligen Produktionsebenen wird kein „Mehrwert“ mehr
abgezogen, sondern dem Lohn und/oder der Infrastruktur
zugeschlagen bzw. von den Preisen abgezogen. Die Infrastruktur
wird von Verbrauchern als Solidarkapital verwaltet. Über Löhne und
Preise wird von Konsumenten und Produzenten gemeinsam125
entschieden.
Entökonomisierung der Gesellschaft
2.4 Bio. EUR
BIP+„Schwarzarbeit“
2.4 Bio. EUR
BIP+„Schwarzarbeit“
Individuelle/familiäre Bedarfsdeckung/Reproduktion
(„Grundeinkommen“)
Profitminimierung
Gemeinschaftliche Bedarfsdeckung/
(gesellschaftlich notwendige Arbeit)
Profitgesteuerte Produktion/Markt
Profitmaximierung
2005
W. Fabricius, 25.08.2004
126
2055
Gründung und Entfaltung der Genossenschaften
1820 gründete der Industrielle Robert Owen „Kommunistische Siedlungen“
1832 „Die Redlichen Pioniere von Rochdale“ eröffneten ihren ersten Laden, der
2 Jahre wider geschlossen werden musste
1844 eröffneten „Die Redlichen Pioniere von Rochdale“ ihren zweiten Laden
mit überarbeiteten Konept
1845 erfolgten erste Gründungen von Konsumvereinen in Sachsen
1848 Scheitern der Revolution und politische Reaktion bis 1860
1867: Verabschiedung des Genossenschaftsgesetzes
1871: Konsumvereine hatten 250.000 Mitglieder, Umsatz von 57 Mio. RM
1892: SPD verbietet ihren Mitgliedern die Mitwirkung in Genossenschaften
und auferlegt ihnen, ihren Gründungen entgegenzutreten
1894: Gründung der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine
(GEG) in Hamburg
1903: Gründung des Zentralverbandes Deutscher Konsumgenossenschaften
(ZdK)
1905: Genossenschaften haben 1 Million Mitglieder
1910: Internationaler Sozialisten- und Gewerkschaftskongress in Kopenhagen
1918-22: Beitrittswelle von etwa 1 Million Mitgliedern
1930: 3,5 Millionen Mitglieder, mit Familie etwa 10 Millionen versorgte
Personen
Genossenschaftsstruktur
General-/Mitgliederversammlung
(Vertreterversammlung)
Vorstand/Geschäftsführung
Aufsichtsrat
Genossenschaftsverband
128
Genossenschaftsprinzipien
Identitätsprinzip
 Barzahlung
 offene Mitgliedschaft
 Demokratieprinzip
 Förderprinzip
 Rückvergütung
 Beschränkte Kapitalverzinsung
 Bildungsarbeit
 Politische und konfessionelle
Neutralität

1910 wurde auf dem Internationalen Sozialisten- und Gewerkschaftskongress
in Kopenhagen u.a. beschlossen:
„In Erwägung, dass die Konsumvereine nicht nur ihren Mitgliedern unmittelbare
materielle Vorteile bieten können, sondern dass sie berufen sind,
- die Arbeiterklasse durch Ausschaltung des Zwischenhandels und durch
Eigenproduktion für den organisierten Konsum wirtschaftlich zu stärken und
ihre
Lebenshaltung zu verbessern,
- die Arbeiter zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheit zu erziehen und
dadurch
die Demokratisierung und Sozialisierung der Produktion und des Austausches
vorzubereiten helfen,
erklärt der Kongress, dass die Genossenschaftsbewegung, wenn sie auch allein
niemals
die Befreiung der Arbeit herbeiführen kann, doch eine wirksame Waffe im
Klassenkampf
sein kann , den die Arbeiterschaft um die Erringung ihres unverrückbaren Zieles –
der Eroberung der politischen und ökonomischen Macht zum Zwecke der
Vergesellschaftung
aller Mittel der Produktion und des Austausches – führt und dass die Arbeiterklasse
das stärkste Interesse daran hat, diese Waffe zu gebrauchen.
Der Kongress fordert deshalb alleParteigenossen und alle gewerkschaftlich
Landauer 1913 über Genossenschaften:
„Aber doch haben die Arbeiter, die ihren Konsum
zusammengetan haben, schon
eigene Fabriken, Großbäckereien, Schlächtereien, eine
Großeinkaufsgesellschaft mit eigenen Dampfern.
Wo kam das Geld her zu diesen vielen Grundstücken,
Baulichkeiten, Fabriken und Maschinen? Sie haben ihre
Kundschaft organisiert! Kundschaft ist Kredit; Kredit ist
wirtschaftliche Macht ... die Arbeitgeber sind die
Konsumenten, die Arbeitnehmer die Produzenten; und
beides sind dieselben Personen, und es gibt keine
Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr.“
131
Ursprüngliche Genossenschaftstypen

Wohnungsgenossenschaften (Victor Aimee Huber)
 Konsumgenossenschaften (Eduard Pfeiffer)
 Genossenschaftsbanken (G. S. Liedtke)
Landwirtschaftliche Genossenschaften
(Friedrich-Wilhelm Raiffeisen)
 Handwerkergenossenschaften
(Hermann Schultze-Delitsch)
 Produktivgenossenschaften (Ferdinand Lasalle)

134
Zusätzliche Genossenschaftstypen:
 Einkaufsgenossenschaften
 Maschinenringe
 Wassergenossenschaften
 Energiegenossenschaften
 Verkehrsgenossenschaften
 Dienstleistungsgenossenschaften
135
Die Besonderheit der
Konsumgenossenschaften bestand darin, dass
sich nichtbesitzende lohnabhängige Konsumenten
zusammenschlossen und durch die Einlage vieler
kleiner Beiträge Kapital zum Nutzen gemeinsamer
Interessen einsetzten. Je mehr Konsumenten
gewonnen werden konnten, desto höhere
Preisnachlässe konnten beim Einkauf erzielt
werden. Wenn dann von den
Konsumgenossenschaften die Produktion eines
ganzen Betriebes abgenommen wurde, konnten
durch die Übernahme dieses Betriebes weitere
Einsparungen erzielen. So wurde in kleinen
136
Schritten der profitmaximierende Markt vom
Franz Oppenheimers "Transformationsgesetz" von 1894
Produktivgenossenschaften waren (und sind) im Gegensatz zu den
Verbraucher-/Konsumgenosenschaften in zweierlei Hinsicht zur Schließung
verurteilt:
1. Da sie sich auf dem profitorientierten Markt behaupten mussten, waren sie
den immer wiederkehrenden Wirtschaftskrisen wie jeder andere Betrieb
unterworfen. In einer Wirtschaftskrise konnte sich die Geschäftsführung aber
nicht von ihren Mitarbeitern, die ja auch Mitglieder waren, trennen. Die
Mitglieder aber hatten, da der Betrieb ihre einzige Einnahmequelle war, wenn
sie „arbeitslos“ wurden, zusätzlich zum fehlenden Einkommen auch noch die
Betriebskosten am Hals und standen sich schlechter als die „regulären“
Arbeitslosen. Sie mussten in praktisch allen Fällen nach relativ kurzer Zeit
schließen.
2. Sollten sie eine Krise überlebt und endlich Geld in den Kassen haben,
wollten sie dieses keinesfalls mit weiteren Mitgliedern teilen. Sie tendierten
vielmehr dazu, statt neue Mitglieder anzuwerben, Angestellte zu beschäftigen,
die sie heuern und feuern konnten und hatten damit zwei unterschiedliche
Mitarbeitergruppen („Eigentümer“ und Angestellte) mit den entsprechenden
Auseinandersetzungen.
Rosa Luxemburg: Sozialreform oder Revolution? (1899):
“Was die Genossenschaften, und zwar vor allem die Produktivgenossenschaften betrifft, so stellen sie ihrem inneren Wesen nach inmitten der
kapitalistischen Wirtschaft ein Zwitterding dar: eine im kleinen sozialisierte
Produktion bei kapitalistischem Austausche. In der kapitalistischen Wirtschaft
beherrscht aber der Austausch die Produktion und macht, angesichts der
Konkurrenz, rücksichtslose Ausbeutung, d.h. völlige Beherrschung des
Produktionsprozesses durch die Interessen des Kapitals, zur Existenzbedingung
der Unternehmung. Praktisch äußert sich das in der Notwendigkeit, die Arbeit
möglichst intensiv zu machen, sie zu verkürzen oder zu verlängern, je nach der
Marktlage, die Arbeitskraft je nach den Anforderungen des Absatzmarktes
heranzuziehen oder sie abzustoßen und aufs Pflaster zu setzen, mit einem
Worte, all die bekannten Methoden zu praktizieren, die eine kapitalistische
Unternehmung konkurrenzfähig machen. In der Produktivgenossenschaft ergibt
sich daraus die widerspruchsvolle Notwendigkeit für die Arbeiter, sich selbst
mit dem ganzen erforderlichen Absolutismus zu regieren, sich selbst gegenüber
die Rolle des kapitalistischen Unternehmers zu spielen. An diesem
Widerspruche geht die Produktivgenossenschaft auch zugrunde, indem sie
entweder zur kapitalistischen Unternehmung sich rückentwickelt, oder, falls die
Interessen der Arbeiter stärker sind, sich auflöst.”
Rosa Luxemburg:
Sozialreform oder Revolution? (1899):
Daraus folgt, daß die Produktivgenossenschaft sich ihre
Existenz inmitten der kapitalistischen Wirtschaft nur
dann sichern kann, wenn sie auf einem Umwege den in
ihr verborgenen Widerspruch zwischen
Produktionsweise und Austauschweise aufhebt, indem
sie sich künstlich den Gesetzen der freien Konkurrenz
entzieht. Dies kann sie nur, wenn sie sich von vornherein
einen Absatzmarkt, einen festen Kreis von Konsumenten
sichert. Als solches Hilfsmittel dient ihr eben der
Konsumverein.
Produktivgenossenschaften
Wenn ... nur einzelne Bäckereien [Betriebe] in
Belegschaftshand übergehen und sich dann, den
Marktzwängen ausgesetzt und mit wenig Kapital
ausgestattet, in der kapitalistischen Ökonomie mit
einer prekären Randexistenz begnügen müssen,
dann ist das nicht nur nicht revolutionär, sondern
es untergräbt möglicherweise auch die reformistischen Errungenschaften der sozialen Mindestsicherung und der gewerkschaftlich erkämpften
Mindestlöhne.
Irmgard Schlosser/Bodo Zeuner
Wohnungsgenossenschaften:
Deutschland:
 Gemeinnützige Baugesellschaft (seit 1848)
 Hamburger Produktion (seit 1899)
 Charlottenburger Genossenschaft
 Bremer Höhe
Ausland:
 El Hogar Obrero (Argentinien, seit 1905)
Der Berliner Senat hat 2004 für 2 Milliarden Euro
65.000 GSW-Wohnungen an den amerikanischen
Rentenfonds Cerberus verkauft. Das sind etwa 30.000
Euro pro Wohneinheit.
Wenn diese Wohnungen den Mietern zum Kauf
angeboten worden wären, hätte selbst ein Harz IVEmpfänger mit seinen 360 Euro Wohngeld pro Monat
(2/3 Schuldendienst, 1/3 Betriebskosten,
Renovierung, Instandhaltung) diese Summe bei 5%iger Verzinsung nach spätestens 15 Jahren getilgt.
Nach dieser Zeit hätte der Senat dann die
Wohngeldzahlungen um 2/3 reduzieren und damit
Steuergelder sparen können. So aber fließt dieses
Geld jetzt in amerikanische Rentenkassen und ist für
Bürger und „ihre“ Stadt für immer verloren.
Konsumgenossenschaften:
Deutschland:
 Coop Schleswig-Holstein
 Konsum Berlin
 Konsum Leipzig
 Konsum Dresden
Ausland:
 Schweiz: Migros
 Venezuela: Cecosesola
Gottlieb Duttweilers, 1942, Begründer von
MIGROS (1,99 Millionen Mitglieder):
„Das Kapital unserer Genossenschaften,
der Franken und das geistige Kapital,
soll in sozialer Richtung wirken.
Es soll stets für die Schwachen - und das ist
die grosse Mehrheit - gegen die Starken,
die ihre Macht missbrauchen, entstehen:
gegen Truste, gegen gewalttätige Verbände,
gegen alle Gewaltanwendung
von Kapital und Koalition.“
Central Cooperativa de Servicios Sociales del Estado Lara
1967 gegründet als Transportunternehmen mit letztlich
127 Bussen
1979 Konkurs, führt zum Umdenken in den Organisationsgrundsätzen
Heute arbeiten in 22 Stadtteilbasiskooperativen und
45 Produktions- und Versorgungskooperativen 2.000 Menschen
für 40.000 aktive Cooperatistas miteinander, ohne dass ein
Vorstand oder eine Mehrheit die Abstimmungen entscheidet.
Kernelemente sind Basisentscheidung, Rotation und Konsens.
Die Produktionsstätten liegen in einem Umkreis von 160 km
um Barquisimeto. Wöchentlich werden rund 50.000 Familien
mit rund 700 t Früchte und Gemüse versorgt.
Ein eigenes Gesundheitszentrum versorgt monatlich
10.000 Menschen. Mit über 140.000 assoziierten Mitgliedern
soll ein neues erweitertes Gresundheitszentrum errichtet werden.
Genossenschaftsbanken:
Volks- und Raiffeisenbanken
Sparda-Bank
Ökobank
GLS-Bank
Apotheker- und Ärztebank
Indien:
Grameen Bank?
(genossenschaftsähnliche Züge)
151
Einkaufsgenossenschaften:
Lebensmittel:
 Edeka (mit Netto, Spar etc.)
 Rewe (mit MiniMal etc.)
Internetproviding:
 InternetSPezialisten (ISP eG)
 Hostsharing
152
Wassergenossenschaften:



Die älteste und größte Deutschlands:
Emschergenossenschaft
Die erste in den neuen Bundesländern:
Wassergenossenschaft Hartau
Die erste die Investoren entzogen werden sollte:
Wassergenossenschaft Ellerhoop
153
Genossenschaft zum Rückkauf der Berliner
Wasserbetriebe
Die Rückkaufsumme sollte anstandshalber die Kaufsumme
von 1,687 Mrd. Euro nicht übersteigen und könnte von den
Bürgern Berlins folgendermaßen finanziert werden: Auf
jeden der 1,878 Mio. Berliner Haushalte würde ihrem
anteiligen Verbrauch von 68% entsprechend ein Betrag von
618 Euro entfallen.
Dieser Betrag würde als Geschäftsanteil in eine
Genossenschaft eingezahlt. Die Bürger Berlins wären damit
Anteilseigner der Genossenschaft und damit auch
Teileigentümer der Wasserwerke. Falls ein Darlehen
aufgenommen werden muss, könnte die Genossenschaft
bei Bedarf die Bürgschaft übernehmen. Bei einer
Verzinsung von 5% pro Jahr müssten dann über 14,5
Jahre von jedem Haushalt monatlich 5 Euro aufgebracht
Der Wasser-/Abwasserpreis: Der Wasser-/Abwasserpreis setzt sich aus den Produktionskosten und der
Rendite zusammen. Über den Wasserpreis wurden
2005 bei einem Verkauf von 198,9 Mio m³ Wasser 928
Mio. Euro eingenommen. Die ausgeschüttete Rendite
betrug 212 Mio. Euro, das sind etwa 22,84%. Ohne
diese Rendite hätte der Wasserpreis statt 4,66 Euro
nur 3,60 Euro pro m³ betragen. Pro Haushalt wäre
das bei dem durchschnittlichen Ver-brauch von 72,84
m³ pro Jahr eine Einsparung von 77,65 Euro pro Jahr.
Bei einem Rückkaufpreis von 60 Euro pro Haushalt
und Jahr hätte die Einsparung noch 17,65 Euro
betragen.
Die Konsumgenossenschaften und das Dritte Reich
Die Mittelständler forderten die sofortige Auflösung der "marxistischen" Konsumgenossenschaften, was
allerdings zu bedrohlichen Ernährungsengpässen geführt hätte. Der Angriff auf die Konsumgenosse- schaften
erfolgte also schrittweise auf mehreren Ebenen:
 Das 1933 bereits erlassene Rabattgesetz reduzierte in § 5 die Rückvergütung auf den handelsüblichen
Rabattwert von 3%,
 es wurden regelrechte Beutezüge veranstaltet und überall Verteilungsstellen der Konsumgenossen- schaften
zerstört,
 bereits zugesagte Kredite wurden gestrichen,
 Neugründungen wurden verboten,
 eine Konzessionspflicht wurde eingeführt,
 Zentralen und Filialen der Arbeiterbank, der Volksfürsorge und eines Teils der Baugesellschaften
wurden
besetzt,
 die demokratische Selbstverwaltung wurde durch das Führerprinzip ersetzt, d.h. Vorstands- und
Aufsichtsratsmitglieder wurden von oben bestellt. (z.B.: Als sich Vorstände diesem Vorhaben widersetzten,
marschierte eine Hundertschaft SA auf. Als die Anwesenden der Gewalt weichen wollten, wurden sie
teilweise mit Waffengewalt daran gehindert, den Saal zu verlassen. Die entsprechende Neubesetzung von
Vorstand und Aufsichtsrat war dann nur noch reine Formsache.)
 in Pressekampagnen wurde der wirtschaftliche Bankrott unterstellt und einzelnen Genossenschaftern
persönliche Bereicherung vorgeworfen,
1934 Erlass des Kreditwesengesetzes
 Einlagen mussten ausbezahlt werden,
 das 1935 erlassene "Gesetz über die Verbrauchergenossenschaften" schrieb vor, dass wirtschaftlich
gefährdete Konsumgenossenschaften aufzulösen seien,
 das Vermögen der ca. 1.500 Konsumgenossenschaften mit ca. 12.000 Läden, 400 Lagern, 300 Bäckereien,
60 Fleischereien und 200 sonstigen Betrieben wurde in das neu gegründete Gemeinschaftswerk der
Deutschen Arbeitsfront überführt.
160
Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische
Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss
und den Ausschuss der Regionen, 2004:
„In der Europäischen Union gibt es
mindestens 300.000 Genossenschaften,
die 2,3 Millionen Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
Genossenschaften gibt es in allen Mitglieds- und
Beitrittsländern der Europäischen Union (EU) und
allen Kandidatenländern. Sie beeinflussen das
tägliche Leben von
über 140 Millionen Bürgern, die Mitglieder von
Genossenschaften sind.“
161
Genossenschaften weltweit
Weltweit: 800 Millionen Mitglieder
Europa (25): 140 Millionen Mitglieder
Deutschland: 22 Millionen Mitglieder
USA:
100 Millionen Mitglieder
Indien:
200 Millionen Mitglieder
Japan:
70 Millionen Mitglieder
Neoliberalisierung des Genossenschaftsgesetzes
Novellierung 18. August 2006
Senkung auf drei Gründungsmitglieder
 auf eine Nachschusspflicht muss hingewiesen werden
 statt postalischer Einladung: Einladung über die
Mitgliederzeitung
 Zulassung juristischer Personen als investierende Mitglieder
 Genossenschaften unter 20 Mitgliedern brauchen keinen
Aufsichtsrat
 Nur natürliche Personen können Organmitglieder werden
 Satzungsänderungen für die eine ¾-Mehrheit erforderlich ist,
können
nicht mehr durch eine Vertreterversammlung vorgenommen
werden
 Genossenschaften mit bis zu 20 Mitgliedern wird ein
Ein-Personen-Vorstand ermöglicht
 Stimmrecht auf der Generalversammlung auch schriftlich oder
elektronisch

Johannes Agnoli:
„Können Menschen in ein menschlicheres System
hineinwachsen, wenn sie dies nicht vorher
erfahren und betrieben haben? Eine Organisation,
die sich die Emanzipation zum Ziel setzt,
muss in der Lage sein, im Vorlauf zu diesem
Ziel selber die Emanzipation zu verwirklichen.
Eine Organisation, die, um die Emanzipation
zu erzielen, sich eine hierarchische Struktur gibt,
wird unmöglich dieses Ziel erreichen.
Gerade die Geschichte der sozialdemokratischen
und kommunistischen Parteien zeigt das.“
166
Markt und Staat
Polanyi lehnt ... nicht den Markt schlechthin
ab und ist weit davon entfernt, den Staat in der
Rolle des idealen Organisators der sozialen und
gesellschaftlichen Dienstleistungen sehen zu
wollen, wie das in der
Antiglobalisierungsbewegung zunehmend der Fall
zu sein scheint. Der Staat hat sich wahrhaftig nicht
als besonders effizient erwiesen, weder in seiner
stalinistischen
noch in seiner sozialdemokratischen
Erscheinungsweise.
Gabriele Herbert
170
Nationalstaaten
Die modernen bürgerlichen Nationalstaaten
als potentielles Gegengewicht zum
Kapitalismus (miss-)zuverstehen und
nicht als sein integraler Bestandteil,
verweist auf ein Staatsverständnis,
das im Nationalstaat eine an sich neutrale
Instanz sieht, derer sich alle gleichermaßen
bedienen können, um ihre Interessen zu
verwirklichen.
Aus BUKO-Kritik an Attac, 2000
171
Mont-Pelérin-Society (MPS)
1947 in Mont Pelérin, Schweiz, von 17 amerikanischen und 22
europäischen neoliberalen Ökonomen (u.a. Eucken, Friedman,
Hayek, Hunold, Mises, Popper, Röpke, Stigler) gegründet und
als Verein in den USA eingetragen.
Umfasst etwa 1000 Mitglieder und 100 Think-Tanks weltweit.
1974-2002: Nobelpreise für 8 MPS-Mitglieder.
Ab 1975 unterwerfen Hayek und Friedman als Berater Pinochets
Chile einer neoliberalen Radikalkur, errichten eine 'gesunde
soziale Marktwirtschaft' und bezeichnen dies als 'gelobtes Land'.
1979: Experten-Austausch zwischen Thatcher und Chile.
1980: Durch Reagan Neoliberalismus auch in den USA.
Endgültige Implementierung in Europa über Giscard d'Estaing,
Vorsitzender des Europäischen Konvents, der MPS-Mitglied ist.
In Deutschland verhilft Ihm das Schröder-Blair-Papier zum
Durchbruch
Friedrich August von Hayek, MPS, 1981:
,,Eine freie Gesellschaft benötigt moralische
Bestimmungen, die sich letztendlich
darauf zusammenfassen lassen,
dass sie Leben erhalten:
nicht die Erhaltung aller Leben,
weil es notwendig sein kann,
individuelles Leben zu opfern,
um eine größere Zahl von
anderen Leben zu erhalten.“
173
Gerhard Schwarz, MPS
(Chef des Wirtschaftsressort der Neuen Zürcher Zeitung, 1997):
"Die zentrale Sorge der Mont Pèlerin Society gilt ... der
Perversion des Wohlfahrtsstaates.
Er stellt für die meisten Mitglieder die aktuelle Herausforderung
überhaupt dar. 1947 kämpften die MPS-Mitglieder
gegen die Kontrolle der Güterproduktion,
heute kämpfen sie gegen die
Kontrolle der Einkommensverteilung.
Beide stellen gleichermaßen
gravierende Eingriffe in die Freiheit
dar. Und die Idee der Einflussnahme auf die Einkommensverteilung ...
ist so tief in das Bewusstsein der westlichen Staaten eingedrungen, dass
der Übergang von der Wohlfahrtsdiktatur ...
zu einer freien, deregulierten Gesellschaft ...
als fast so schwierig erscheint wie der Übergang vom Plan zum Markt."
„Für Henry Everling [vor und nach dem zweiten
Weltkrieg Vorstand der Großeinkaufsgesellschaft
der Konsumgenossenschaften] war die freie
Gemeinwirtschaft ein Sektor der Gesamtwirtschaft, der von dem privatwirtschaftlichen Sektor
scharf abgegrenzt war. Für ihn war das auf
Gewinn ausgerichtete Unternehmen und das dem
Verbraucher dienende gemeinwirtschaftliche
Unternehmen ihrem Wesen nach grundsätzlich
verschieden, ja entgegengesetzt.“
Erwin Hasselmann 1971
175
Solidarwirtschaft gleich Privatwirtschaft?
„Für Walter Hesselbach [Vorsitzender der Bank
für Gemeinwirtschaft] dagegen gilt es als sicher,
dass sich die Grenzlinien zwischen Gemeinwirtschaft und Gewinnwirtschaft schon
weitgehend verwischt haben. Nicht nur die
Methoden, auch die Ziele der gewinnorientierten
Kapitalgesellschaften und der großen gemeinwirtschaftlichen Unternehmen nähern sich
seiner Meinung nach immer mehr an.“
Erwin Hasselmann, 1971
Georg Christoph Lichtenberg:
»Was jedermann für
ausgemacht hält,
verdient am meisten
untersucht zu werden«
177

Folien - Gesundheitsladen Berlin