Interdisziplinärer AK BWT bei psychischen
Erkrankungen
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5. Tagung:
>>Bewegungstherapie Versorgungskette
Von der Prävention bis zur Nachsorge<<
Schön Klinik Roseneck (Prien am Chiemsee) 15./16.März 2012
Sport und Bewegungsangebote in der PIA
und im Rehasport(verein)
Sibylle Hornberger, Diplomsportpädagogin
UKPP Tübingen/TSV Lustnau
Wir beschäftigen uns konkret mit:
►den sportlichen Angeboten in der PIA, dem
PIA-Sport,
►den Sport- und Freizeitangeboten im TSV
Lustnau, Abteilung Rehasport, in
Kooperation mit dem Förderverein Social
Sports und dabei mit:
►den Möglichkeiten von Sport für die
Aufrechterhaltung und Verbesserung
der (bio-psycho-sozialen) Gesundheit
Wer - was – wo – wozu – wie - wie oft...
Träger der Angebote

TSV Lustnau, Abteilung Rehasport

Förderverein Social Sports (FSS)
Freundeskreis (AKKU-Tagesstätte, Spdi)

UKPP (Psych. Institutsambulanz) = PIA
SHG: Nix-wie- aus!
Überblick über die ausserklinischen Sportangebote
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
Samstag
8.30 -13.30
11.00-12.00
Sport
Rehasport
in der
Gymnastik
PIA
SHG-Aktionen
12.30 – 17.00
13.30-14.30
15.00 – 16.00
Sport
Power Gym
17.00-
18.00
in der
walking
PIA
AKKURehasport
16.20-16.50
Gong
18.00-19.00
16.20-18.00
Rehasport
Konditions-
walking
training
informelle
walkinggruppe
Sportspiele
17.15.-18.15
Qi
Rehasport
Rehasportler
Gymnastik
der
1.) Sport- und Bewegungsangebote in der PIA
Die Räumlichkeiten in der PIA
2.) Sportangebote des TSV Lustnau,
Abteilung Rehasport
3.) Sportliche Freizeitangebote des
Fördervereins (FSS) mit Abteilung
Rehasport
 4 Freizeiten/Jahr (3-4 Tage) auf Selbstversorgerbasis:

Februar: Winterfreizeit

Juni:

kombiniert mit e. 3-täg. Hüttenwanderung

Juli/August:
Wassersport

September:
Bergwandern
Bergwandern „Blumenwanderung“
 Über das Jahr verteilt werden zusätzlich kurzfristige
Aktivitäten angeboten (Ausflüge, Disco).
Befristete Sportkurse (Morgenspaziergang, Qi Gong)
Hüttenwanderung 6/2011
4.) Brauchen wir wirklich extra
Sportangebote?
„Die können doch einfach in einen Verein
gehen oder in ein Fitnessinstitut“ –
so die Meinung vieler Ärzte – ist das so?
Berufliche und finanzielle
Situation
.. .und sehr wenig Geld!
...arbeiten wenig auf dem ersten Arbeitmarkt und
wenn überhaupt auf dem zweiten, sofern sie nicht
berentet oder arbeitslos sind.....
44% HartzIV/Sozialhilfe
20% w.o. plus kl. Zusatzverdienst
20% 1. Arbeitsmarkt
12% 2. Arbeitsmarkt
4% aktuell in Rehamaßnahme
11
Finanzierung der Rehasportangebote
Erst-Verordnung (Formular 56) vom
Hausarzt/Facharzt
Genehmigung Krankenkasse
Folgeverordnungen: nur vom Facharzt
Abrechnung mit Kassen
Übungsleiter-Zuschuss WLSB (2,25 E/Stunde)
• Voraussetzung: ÜL-Lizenz B
Förderverein (hauptsächlich Freizeiten und
Hallengebühren)
Formal-rechtliche Seite
Was ist „Rehabilitationssport“?
Rehabilitationssport ist eine gesetzlich definierte Leistung die von
(Vereins-)Gruppen, die im DBS und seinen Landesverbänden
organisert sind, bundesweit angeboten werden.
Rehabilitationssport wirkt mit Mitteln des Sports ganzheitlich auf
Menschen mit oder mit drohender Behinderung ein, er ist auf Art und
Schwere der Behinderung und den körperlichen Allgemeinzustand der
Betroffenen abgestimmt.
Rehabilitationsziel ist, insbesondere die Ausdauer und Kraft zu
stärken, Koordination und Flexibilität zu verbessern.
Leistungsumfang ist gesetzlich geregelt, Normalfall sind 50 UE
innerhalb von 18 Monaten bis 120 UE in 36 Monaten.
Allerdings: Konditionstraining an Geräten wird von den Kassen seit 2011
nicht bezuschußt.....
Methodisch-did. Leitlinien des Rehasports –Was?
Kernziele des ausserklinischen Sports
Gesundheit stabilisieren und aufbauen (Risikofaktoren vermindern)
Bindung an gesundheitorientiertes Bewegungsverhalten
Tagesstruktur und Wochenstruktur
Freizeitspezifische + sportl. Handlungsfähigkeiten (Handlungswissen)
Bewältigungsstrategien von Missbefinden/Krisen
Gruppenzugehörigkeit, soziale Fähigkeiten, Teilhabe
Selbstbewußtsein und Kompetenzsicherheit (Selbstwirksamkeit)
Beziehungsangebote gestalten...
Frage: Was aber heißt „Gesundheit“?
Methodisch-didaktische Leitlinien des
Rehasports – Wie?
Orientierung an
• Normalität/Teilhabe
• Fähigkeiten
• Interessen
Was kann Sport generell bewirken?
1.) Verbesserung der physiologischen
Fähigkeiten = KÖRPER
(Sportmedizinisches, trainingswiss. Modell)
2.) Stärkung der psychosozialen Ressourcen
= PSYCHE
(Sportpsychologisches Modell)
=> Verbesserung
der
gesundheitsrelevanten Faktoren
5.) Körperliche Leistungsfähigkeit
von psychisch kranken Menschen
Wissenschaftliche Untersuchungen belegten:
unsere Patienten sind in allen
körperlichen Fähigkeiten schlechter als
unsportliche, aber gesunde
Durchschnittsbürger.

Weshalb ist das so?
....Ungeübtheit, Unsportlichkeit,
Motivationsprobleme, Durchhalteprobleme,
mangelndes Selbstvertrauen......
Interessenlosigkeit und Antriebslosigkeit
Hospitalisierung mit eklatanter Bewegungsarmut
Suchtverhalten
Medikamentöse Behandlung....
= krankheitsbedingte und behandlungsbedingte ,
soziodemographische Aspekte mit der
Gefahr erheblicher, gesundheitlicher
Risikofaktoren.
HKS-System, Muskulatur und Koordination
lassen sich lebenslang trainieren!
Durch regelmäßiges Training finden
körperliche und psychische
Anpassungprozesse statt
bei jedem Menschen!!!

HKS-System, Muskulatur und Koordination
lassen sich lebenslang trainieren!
>>Bewegungskoordinative Übungen schützen den
Menschen vor Depression und Stürzen gleichermaßen und helfen dem Kurzzeitgedächtnis auf
die Sprünge. Der Grund liegt in der simplen
Durchblutung der Gehirnareale sowie den
Nervenverknüpfungen. Die, wie man
inzwischen weiß, nicht mit dem Abschluß des
Größenwachstums des Gehirns beendet sind.<<

Prof.Dr. Hollmann, Sportmedizin
Deshalb sollen psychisch kranke
Menschen „richtig trainieren“?
Erhöhte körperliche Risikofaktoren von Menschen
unter Psychopharmaka/Neuroleptika:
►Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde
Lebensweise, Medikamente, alles mit dem Risiko
des metabolischen Syndroms.
►Weniger bekannt und ganz wenig beforscht sind
die cardiovaskuläre Risiken.
Wie oft? Sporthäufigkeit der Teilnehmer
zw.2000 und 2007
1x
50
1-2x
45
45
42
39
40
35
Teilnehmer
30
26
25
20
17
16
15
13
12
10
8
11
9
8
5
0
2000
2007
Jahr
2007+PIA
3x und mehr
Gesamt
Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und
Veränderungen durch Training (Abb.9, Siemßen 2003)
Körperliche Aspekte der Sportgruppen
im TRV Tübingen
Wie wirkt der medikamentös veränderte
Metabolismus auf physiologische
Trainingsparameter?
Inwieweit ist die Enervierung von Muskeln, bzw. auf jede
Informations-Übertragung generell, der Muskelstoffwechsel
(Mitochondrien) beeinträchtigt?
Inwieweit ist die Sauerstoffaufnahmekapazität (Vo2) von
psychopharmakologischer Medikation beeinflusst?
Inwieweit wird die Laktatanhäufung (mmol)beeinflusst und dieser
Parameter verändert?
Was bewirkt die hohe Pulsfrequenz (HF) langfristig bezogen auf das
Schlagvolumen und die Leistungsfähigkeit des Herzens?
Sum sum, inwieweit können wir uns überhaupt an den gängigen
Leistungs-Parametern der Sportmedizin orientieren?
Antwort: wir wissen es nicht!
6.) Sport als Medikament?
"Sport ist bei psychisch Erkrankten
das günstigste Medikament und bei richtiger Dosierung garantiert
ohne
Nebenwirkungen".

TAZ, 2008
Ausdauertraining
vs.Antidepressivum?
Untersuchung von BLUMENTHAL/ BABYAK et al.
in 1999 und 2000:

Studiendesign (mit 156 N):

Dauer 16 Wochen (4 Monate)
a) mit Medikamenten
b) mit Sport
c) mit Sport und Medikamenten
28
2 Sportpsychologie: Sport kann zur Entwicklung
der Gesamtpersönlichkeit beitragen
1.
Selbst- und Körpererfahrung tragen bei zum
Aufbau von Körperkonzept, Selbstkonzept,
Selbstwirksamkeit
2.
Sportliche Aktivität kann zur Verbesserung von
Stimmungen beitragen
3.
Sportgruppen sind soziale Netzwerke und haben Potential
für sozialen Rückhalt und Unterstützung. Sport bietet
zahlreiche Situationen zur Schulung sozialer Kompetenzen
4.
Vermutet werden auch positive Wirkungen auf
Gesundheitszustand, Beschwerdestatus, Suchtkonsum
Selbstwirksamkeit

....>>Bezeichnet die Überzeugung einer Person,
durch eigene Kompetenzen (neue oder schwierige)
Anforderungen erfolgreich bewältigen zu
können.<< („Kohärenzsinn“)

==> wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft,
sich anzustrengen und mit Ausdauer etwas zu
verfolgen. Und nicht gleich bei dem geringsten
Mißerfolg oder Frustration aufzugeben.
Trainingsvoraussetzungen!
Motivationsfördernd!
Soziale Aspekte
Befragung der verschiedenen Vereinsgruppen im Tübinger
Ruderverein, 2004
Soziale Aspekte: GSP-Freizeit
ich gerne etwas in einer Gruppe
machen möchte
wir danach immer noch zusammen
weggehen
ich im Sport meine Freunde treffe
die Gespräche mit den anderen
Sportlern wichtig sind
frei
gsp
ich neue Leute kennenlernen kann
ich weitere Verabredungen treffen
kann
die Übungsleiter so nett sind
ich mich in dieser Sportgruppe
wohlfühle
0,00%
10,00%
20,00%
30,00%
40,00%
50,00%
60,00%
70,00%
31
80,00%
90,00%
100,00%
Studie zur sozialen Unterstützung durch
die Sportgruppen
Tagesstruktur
Wochenstruktur
Gruppenzugehörigkeit
Freundschaften (durchschnittlich 3 Freundschaften mehr)
freizeitspezifische Kompetenz
soziale Kompetenz im Sport
Hackel 2003
Sport bietet zahlreiche Situationen zur Schulung
sozialer Kompetenzen

Perspektivübernahme

Kommunikationsfähigkeit

Soziale Verantwortung
=
Konflikt und Kontaktfähigkeit,
Durchsetzungsvermögen, Fairness, Solidarität,
Kompromissfähigkeit...
>>Ein Sportler verhält sich sozial kompetent, wenn er
soziale Fähigkeiten auch sozial verantwortlich
einsetzt. <<
Funktion der sozialen Kontakte:
gemeinsame Freizeitgestaltung
praktische Unterstützung
emotionale Unterstützung
(„Verständnis“)
Unterstützung in Krisensituationen
Sozialisation durch und zum Sport?
Eigene Studien in Würzburg und Tübingen haben gezeigt,
daß unsere Rehasportler bestimmte Sportarten
favorisieren und schon in der Jugend favorisiert haben:



hauptsächlich Individualsportarten, oft mit zyklischer
Bewegungsstruktur, aber
kaum Mannschaftssportarten, in denen man sich
körperlich gegen einen anderen behaupten muss, bzw.,
in denen Ressourcen wie Durchsetzungsfähigkeit oder
Willensstärke stark gefordert sind.
Frage: was ist Henne, was ist Ei????
Gibt es besonders geeignete
Sportarten?
Dies war die eigentliche Forschungsfrage in Würzburg....
Sollen depressive Menschen nur walken und
joggen?
Und Suchtkranke kein Krafttraining machen
dürfen?
Oder Menschen mit Panikattacken nur
Entspannung-Gymnastik machen dürfen???
Und Borderliner nur klettern?
Antwort: Sport muss Spaß machen!
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür,
daß Ausdauertraining sinnvoller ist als
Krafttraining.
Grundsätzlich sollte man keine bestimmte Sportart
verordnen.
Sondern:
es muss dem Sportler Spaß machen!
...Dr. Strähle, Oberarzt der Charite,2008
8.)Wie geht das? Oder wie überliste
ich den inneren Schweinehund?
Ich muss den Rehasportlern die Erfahrung an die
Hand geben, daß sie selbst etwas tun
können
Selbstwirksamkeit
Unter diesem Aspekt sind Trainingsnotizen
sinnvoll oder öfters diesselben Übungen.
==>Die Motivation wächst mit der
Erfolgserfahrung
denn: Motivierend ist, was wirkt!
38
Motivierend ist was wirkt ....
......Und was Spaß macht!!!!

Merke: Erfahrungen, die in einer
emotional positiven Stimmung
gemacht werden, finden besser
Eingang in ein Selbstkonzept!
39
Positive Lernsituationen schaffen...
Als Übungsleiter muss ich eine Stimmung im
Sport, in der Gruppe, schaffen, die für die Sportler
angenehm ist, die sie nicht überfordert und doch
individuell fordernd ist.
Die Gruppe bietet die Motivationsanreize
schlechthin (soziales Netzwerk) und kümmert sich
inzwischen sogar um einzelne Sportler.
Als Ül versuche ich positive Erfahrungen
herauszustellen und negative zu zu relativieren.
Aber: unbedingt authentisch bleiben!!!
40
Sport wird zu wenig genutzt!
...sagt auch Dr. A. Ströhle, Charite, 2008
Und ich behaupte: Psychisch kranke
Menschen profitieren von den Sportund Bewegungsangeboten wie kaum
eine andere Zielgruppe!
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Kontakte/ÜL-Ausbildung

Sibylle Hornberger: 07071/2987677 die + fr.
[email protected]

ÜbungsleiterAusbildung beim WBRS oder BBS
Behinderten- und Rehabilitationssportverband
Württemberg
Baden

0711/28077620

Block 10 (C-Trainer) plus Block 80 (Psychiatrie)
www.wbrs-online.de
07221/39618-0
www.bbsbaden.de

Sport und Bewegungsangebote in der PIA und im Rehasport