Europäischer und Deutscher
Qualifikationsrahmen
Wo sind wir gefordert?
Dresden, 9.11.2009
Hermann Nehls
E-Mail: [email protected]
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Folie 1
Lissabon Strategie
Strategisches Ziel des Europäischen Rates der
Ministerpräsidenten in Lissabon 2000:
 „ bis 2010 … die Union zum wettbewerbsfähigsten
und dynamischsten wissensbasierten
Wirtschaftsraum der Welt zu machen – einem
Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes
Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren
Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen
Zusammenhalt zu erzielen.“
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Folie 2
Die fünf EU-Benchmarks für allgemeine
und berufliche Bildung (2003)
•
Frühzeitige Schulabgänger/innen: Bis 2010 soll ein EU-Durchschnittswert
von höchstens 10 % frühzeitiger Schulabgänger/innen erreicht werden.
•
Abschlüsse Mathematik, Naturwissenschaften und Technik: Bis 2010
soll die Gesamtzahl der Absolvent/innen des tertiären Bereichs in
Mathematik, Naturwissenschaften und Technik um mindestens 15 %
steigen, wobei gleichzeitig das Geschlechterungleichgewicht abnehmen soll.
•
Abschluss der Sekundarstufe II: Bis 2010 sollen mindestens 85 % der 22Jährigen in der EU über einen Schulabschluss der Sekundarstufe II
verfügen.
•
Grundlegende Fertigkeiten: Bis 2010 soll der Anteil der 15-Jährigen in der
EU, die im Bereich der Lesekompetenz schlechte Leistungen erzielen, im
Vergleich zu 2000 um mindestens 20 % gesunken sein.
•
Lebenslanges Lernen: Bis 2010 soll der EU-Durchschnitt der Erwachsenen
im erwerbsfähigen Alter (Altersgruppe 25 bis 64 Jahre), die sich am
lebenslangen Lernen beteiligen, mindestens 12,5 % betragen.
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Folie 3
16 Kernindikatoren für die fortlaufende
Beobachtung des Fortschritts zur Umsetzung der
Lissabon-Ziele in der allgemeinen und beruflichen
Bildung
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
Teilnahme an Vorschulbildung
Sonderpädagogische Förderung
Schulabbrecher
Grundkompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik,
Naturwissenschaften
Sprachkenntnisse
IKT-Kenntnisse
Bürgerkompetenzen
Lernkompetenz
Abschluss der Sekundarstufe II durch junge Menschen
Berufliche Entwicklung von Lehrkräften und Ausbildern
Hochschulabsolventen
Länderübergreifende Mobilität von Studierenden
Teilnahme Erwachsener am lebenslangen Lernen
Qualifikation von Erwachsenen
Bildungsstand der Bevölkerung
Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung
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Folie 4
Fortschrittsbericht 2008 über die Umsetzung
des Arbeitsprogramms „Allgemeine und
berufliche Bildung 2010
Unzureichende Fortschritte in:
•
Praktische Umsetzung des Lebenslangen Lernens
•
Grundfertigkeiten für alle
•
Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften
•
Hochschulbildung (Spitzenleistungen, Partnerschaft und Finanzierung)
•
Beteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen
•
Attraktivität, Qualität und Relevanz der beruflichen Bildung
•
Grenzüberschreitende Mobilität
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Folie 5
Instrumente
•
Europäischer Qualifikationsrahmen (EQF)
•
Europäisches Leistungspunktesystem in der Beruflichen Bildung (ECVET)
•
Europäischer Rahmen für Qualitätssicherung in der Beruflichen Bildung
(EQARF-VET)
•
EUROPASS
•
Europäische Prinzipien zur Identifikation und Validierung von non-formalen
und informellen Lernen
•
Lebenslange Begleitung (Career guidance)
•
Statistik
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Folie 6
Europäischer Qualifikationsrahmen
„Der EQR ist ein gemeinsamer europäischer Referenzrahmen, der die Qualifikationssysteme verschiedener Länder miteinander verknüpft und als Übersetzungsinstrument
fungiert, um Qualifikationen über Länder- und Systemgrenzen hinweg in Europa
verständlicher zu machen. Er verfolgt dabei zwei Kernziele: Förderung
der grenzüberschreitenden Mobilität von Bürgern und Unterstützung ihres lebenslangen
Lernens.“
Die Empfehlung trat im April 2008 formell in Kraft. Sie empfiehlt Ländern die
Verknüpfung ihrer nationalen Qualifikationssysteme mit dem EQR bis 2010, und bis
2012 sollen die Länder sicherstellen, dass individuelle Qualifikationsbescheinigungen
einen Verweis auf das zutreffende EQR-Niveau enthalten.
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Folie 7
Europäischer Qualifikationsrahmen
Schaffung eines europäischen Bildungsraums mit
• Mobilität in der Aus- und Weiterbildung
• Transparenz und Qualität der Bildungssysteme und -angebote
• Gleichwertigkeit der beruflichen gegenüber der schulischen bzw.
hochschulischen Bildung
• Orientierung an Kompetenzen
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Folie 8
Country A
Country B
EQF Level 8
Q
Q
NQ
F/
NQ
S
NQ
F/
NQ
S
Q
NQ
F/
NQ
S
Q
NQ
F/
NQ
S
EQF Level 7
EQF Level 6
EQF Level 5
EQF Level 4
NQ
F/
NQ
S
NQ
F/
NQ
S
Q
Q
EQF Level 3
EQF Level 2
EQF Level 1
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NQ
F/
NQ
S
Q
Folie 9
Struktur des EQF
Methode:
• Beschreibung einer Hierarchie von Qualifikationen
• Einstufung nach Lernergebnissen (learning outcomes)
Details:
• verschiedene Bildungsebenen (8 Levels) für alle
erworbenen Qualifikationen; Ebenen skizzieren
Qualifikationsniveaus
• Bewertungen mit Hilfe von 3 „Deskriptoren“
• Zuordnung bestehender Abschlüsse zu
Ebenen/Deskriptoren
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Folie 10
Aufbau eines EQF
Level
8
7
6
5
4
Kenntnisse
Fertigkeiten
Kompetenz
breites Spektrum an
Theorie-und Faktenwissen
in einem Arbeits-oder
Lernbereich
eine Reihe kognitiver und
praktischer Fertigkeiten,
um Lösungen für spezielle
Probleme in einem Arbeitsoder Lernbereich zu finden
Selbstständiges Tätigwerden innerhalb von
Handlungsparametern
Beaufsichtigung der
Routinearbeit anderer
Personen, mit def.
Verantwortung
3
2
1
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Folie 11
Nationaler Qualifikationsrahmen
Kontroverse Punkte der DQR Debatte:
•
die Zielsetzung und Aufgaben eines DQR
 Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit
 Orientierung an umfassender beruflicher Handlungsfähigkeit statt
funktionale Ausrichtung am Bedarf der Betriebe
•
die begriffliche und theoretisch – konzeptionelle Fassung von
Kompetenz und Deskriptoren
 Kompetenz beinhaltet Reflexivität und Gestaltung - EQR orientiert sich
an engem Kompetenzbegriff ‚proven ability‘
•
einseitige Outcomeorientierung
•
Verfahren der Erarbeitung
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Folie 12
Deutscher Qualifikationsrahmen
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Folie 13
Deutscher Qualifikationsrahmen
Niveau 6
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Folie 14
Phasen des DQR-Prozesses
Phase 1
Mitte 2007 bis
Februar 2009
Konstituierung der Bund-Länder-Koordinierungsgruppe DQR und des
Arbeitskreises DQR
Auftakttagung März 2007
Konsens über Ziele und Leitlinien, übergeordnete
Kompetenzkategorien, Terminologie und Niveaustufen
Erarbeitung eines Modells für den DQR mit Beschreibung der
Lernergebnisse für die einzelnen Niveaustufen (Deskriptoren)
Phase 2
bis Januar 2010
Exemplarische Zuordnung bestehender Abschlüsse zu den
Niveaustufen des DQR
Phase 3
bis Ende 2011
Fertigstellung des DQR
Politische Entscheidung über Umsetzung
Zuordnung bestehender Abschlüsse zu den Niveaustufen des DQR
in der Breite des deutschen Bildungssystems
des DQR
Phase 4
bis Ende 2012
Verweis auf die Niveaustufen des EQR in allen neuen
Qualifikationsnachweisen
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Folie 15
Arbeitskreis DQR
BMBF
Freier Zusammenschluss von studentInnenschaften
Bundesagentur für Arbeit
Hochschulrektorenkonferenz
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
Konzertierte Aktion Weiterbildung – Bundesverband Deutscher Privatschulen
Bundesinstitut für Berufsbildung
Kultusministerkonferenz
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung
dbb beamtenbund und tarifunion – Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an
Wirtschaftsschulen
Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland
Deutscher Gewerkschaftsbund – GEW, IG Metall
Wissenschaftsrat
Deutscher Industrie- und Handelstag
Zentralverband des Deutschen Handwerks
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Folie 16
Phase I: Das DQR-Dokument
Diskussionsvorschlag eines Deutschen Qualifikationsrahmens
für lebenslanges Lernen vom Februar 2009
• Einführungstext
• DQR-Matrix
• Glossar
Download unter: www.deutscherqualifikationsrahmen.de
Englische Version:
Discussion proposal for a
German Qualifications Framework for Lifelong Learning
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Folie 17
Phase II:
Aktueller Stand der DQR-Entwicklung
• Exemplarische Zuordnung ausgewählter Qualifikationen des
Deutschen Bildungssystems zu allen Niveaustufen (Phase II bis Januar 2010)
• Ausgewählte Bereiche:
Gesundheit, Handel, IT, Metall/Elektro
• Beteiligung von Expertinnen und Experten aus allen Bildungsbereichen
• Rückkopplung der Ergebnisse und ggf. Weiterentwicklung der DQR-Matrix
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Folie 18
Phase II: Zielsetzung
• Konsensfähige exemplarische Zuordnungen ausgewählter Qualifikationen des deutschen Bildungssystems
• Überprüfung der Handhabbarkeit der DQR-Matrix und ggf. Weiterentwicklung
• Empfehlungen für die Erstellung eines Handbuchs zur Zuordnung von Qualifikationen in der Breite des deutschen
Bildungssystems
• Einbeziehung der Ergebnisse informellen Lernen
(Erarbeitung von Vorschlägen in einer Studie)
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Folie 19
Phase II: Zuzuordnende Qualifikationstypen
• Bildungsgänge mit allgemeinbildenden Abschlüssen
• Bildungsgänge in der Berufsvorbereitung
• Einstiegsqualifizierungen nach § 235 b SGB III
• Teilqualifizierende Erstausbildungsgänge an beruflichen Schulen
• Vollqualifizierende Erstausbildungsgänge an beruflichen Schulen
• Berufliche Bildungsgänge zum Erwerb einer Hochschulreife
• Duale Bildungsgänge nach Berufsbildungsgesetz
• Bildungsgänge nach Berufsbildungsgesetz § 66 BBiG (Behinderte)
• Geregelte Fortbildungen
• Bildungsgänge an Hochschulen unter Einbeziehung dualer Studiengänge
Über alle Bildungsbereiche hinweg in den vier ausgewählten Feldern
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Folie 20
Phase II: Verfahren der Zuordnung
• Grundlage: Ordnungsmittel wie Lehrpläne, KMK-Rahmenvereinbarungen etc.
• Outcome-orientierte Betrachtung der Ordnungsmittel:
Auswertung hinsichtlich angestrebter Lernergebnisse im Sinne des
im DQR definierten Kompetenzbegriffs
• Identifikation von Übereinstimmungen mit Niveaustufenbeschreibungen des DQR-Entwurfs
• Offenlegung der Argumente für die Zuordnung einer Qualifikation
• Beschreibung von Einstufungsschwierigkeiten
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Folie 21
Phase II: Methodische Ansätze
„Induktiver Ansatz“:
Die Beschreibung der Outcomes/des Profils einer Qualifikation erfolgt
ausgehend von der Gliederung der vorliegenden Ordnungsmittel.
„Deduktiver Ansatz“:
Die Beschreibung der Outcomes/des Profils einer Qualifikation erfolgt
ausgehend von der erwarteten (typischen) Anforderungsstruktur.
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Folie 22
Phase II:
Zusammensetzung der Arbeitsgruppen
In den vier Arbeitsgruppen sind jeweils vertreten:
• allgemeinbildende Schule
• Verordnungsgeber und Einvernehmensministerium der betrieblichen Seite der Berufsbildung
• betriebliche Seite der Berufsbildung
• Gewerkschaften
• berufliche Schulen
• Weiterbildungsbereich
• Hochschule, unter Berücksichtigung von Universität und Fachhochschule
• wissenschaftliche Experten
• Jugendsozialarbeit und Wohlfahrtspflege
sowie unterstützend und begleitend: B-L-KG DQR, AK DQR, DQR-Büro
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Folie 23
Mögliche Zuordnungen
EQR
AN – Vorschlag
5 Niveaus
AG – Vorschlag
8 Niveaus
Länder (in BIBB AG)
8 Niveaus
8/5
Weitere berufliche Fortbildung,
Doktoratsebene
Weitere berufliche Fortbildung,
Doktoratsebene
Doktorat,
Herausragende
Leitungspositionen
7/4
3. Ebene der Aufstiegsfortb., wie
Master - Ebene
3. Ebene der Aufstiegsfortb., wie
Master - Ebene
MA, Meister+ ,
strat. Professional
6/3
2. Ebene der Aufstiegsfortb., wie
Bachelor – Ebene
2. Ebene der Aufstiegsfortb., wie Meister,
Ebene
BA, Meister,
Operativer Professional
5/2
Fachkräfte mit Zusatzquali.,
1. Ebene der Aufstiegsfortbildung
Fachkräfte mit Zusatzquali.,
1. Ebene der Aufstiegsfortbildung
Spezialist, Betriebsassistent
4/1
Ausbildungsberufe
Ausbildungsberufe mit komplexem
Fachkräfte 3 – 3,5 Jahre
3/0
Vorberufliche Qualifikationen
Ausbildungsberufe mit weniger
Fachkräfte 2 Jahre
2/0
Pflichtschulabschluss + BVJ, QB, EQ
BVJ,
Qualibausteine
1/0
Ausbildungsreife
Beschäftigungsbefähigende
Basisqualifikationen, wie Schulpraktika
Allgemeine und berufliche
Basiskompetenzen
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Folie 24
DQR Entwicklung – offene Fragen
• DQR – Status Quo Beschreibung oder
Reformperspektive?
• Beschreibung von Qualifikationen über
Abschlüsse oder Kompetenzen?
• Anerkennung und Zuordnung non formal und
informell erworbener Kompetenzen?
• Wer ordnet Was Wie zu?
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Folie 25

EQF / DQF Hermann Nehls - Euro