Einführung in die romanische
Sprachwissenschaft IVc
Sitzung am 2.11./9.11.2010
SPRACHGESCHICHTE (2)
Vom Dialekt zur Nationalsprache
1
Interne und externe
Sprachgeschichte
Zur Wiederholung
2
Interne und externe Sprachgeschichte
INTERN
EXTERN
 VERÄNDERUNGEN IM
 AUSSERSPRACHLICHE
SYSTEM EINER SPRACHE
 Lautwandel
 Formenwandel
 Wandel im Bereich der Satz-
konstruktion
FAKTOREN, DIE SICH AUF
DIE ENTWICKLUNG DER
SPRACHE AUSWIRKEN
 Gesellschaft
 Politik
 Kultur (z.B. die Literatur)
 Erfindungen
 Buchdruck
 Eisenbahn
 Computer
 Internet
3
Periodisierung: die Gliederung
der Sprachgeschichte
Dargestellt anhand von Fallstudien
4
Periodisierung
 Definition
 Unter Periodisierung versteht man die Einteilung
der Sprachgeschichte in Zeitalter, (Epochen),
d.h. in Zeitabschnitte mit gemeinsamen
Merkmalen …
 z.B. „Alt-“, „Mittel-“, „Neu-“ mit eventuellen Zwischenstufen.
 Die Unterteilungen in Epochen sind
normalerweise relativ flexibel, d.h. die Grenzen
zwischen ihnen sind fließend.
 In der Sekundärliteratur werden Sie daher auf
unterschiedliche Periodisierungsmodelle stoßen.
5
Beispiel einer Periodisierung der
Sprachgeschichte
Beisp. 1: Französisch
Beisp. 2: Spanisch
Altfranzösisch (9. Jh. bis
ca. 1300)
(2) Mittelfranzösisch (ca.
1300 bis 1500)
(3) Frühneufranzösisch (ca.
1500 bis ca. 1600)
(4) Neufranzösisch (seit ca.
1600)
(1)
(1)
6
Altspanisch (ca. 1200 bis
ca. 1450)
(2) Mittelspanisch (ca. 1450
bis 1650)
(3) Neuspanisch (seit ca.
1650)
Periodisierung
 Die Periodisierung der Geschichte einer
Sprache kann sowohl mit Hilfe sprachinterner
als auch mit Hilfe sprachexterner Kriterien
vorgenommen werden.
7
Periodisierung am Beispiel des Frz.
 ALTFRANZÖSISCH
 Konzil von Tours (813): Wahrnehmung des
Unterschieds zw. Latein und Romanisch (=
sprachexternes Kriterium)
 Auftreten erster Texte: Straßburger Eide (842),
Eulalia-Sequenz (ca. 880) … Rolandslied (ca. 1080) (=
sprachexternes Kriterium)
 Veränderungen gegenüber dem Lateinischen in Bezug
auf Grammatik und Wortschatz (= innersprachliches
Kriterium)
 Wichtig: das Altfranzösische war keine einheitliche
normierte Sprache und existierte nur in Form
verschiedener Dialekte.
8
Epochengrenzen am Beispiel des Frz.
 Vom ALTFRANZÖSISCHEN zum
MITTELFRANZÖSISCHEN
 Das Altfranzösische besaß noch Reste der lateinischen
KASUSFLEXION (im Gegensatz zum Altspanischen und
Altitalienischen):
 Nom. Sg. lat. MURUS
 Akk. Sg. lat. MURU(M)
 Nom. Pl. lat. MURI
>
 Akk. Pl. lat. MUROS >
>
afrz. murs (Casus rectus)
>
afrz. mur (Casus obliquus)
afrz. mur (Casus rectus)
afrz. murs (Casus obliquus)
 Das Mittelfranzösische z.B. kennt das Zwei-Kasus-System
nicht mehr (= sprachinternes Kriterium der Periodisierung)
9
Periodisierung am Beispiel des Frz.
Altfranzösisch
Mittelfranzösisch
 Externe Kriterien
 Externe Kriterien
 Unterschiedliche
verschriftete Dialekte (=
Scriptae): Pikardisch,
Wallonisch, Normannisch,
Franzisch (= Dialekt von
Paris) …
 Bedeutende literarische
Werke
 Keine politische Einheit
 Noch kein zentraler
Königshof
10
 Dominanz des Pariser
Dialekts („Franzisch“)
 Soziale Umwälzungen
während des
Hundertjährigen Krieges
(1339-1453)
 Weniger bedeutende
literarische Werke
 Herausbildung eines
Nationalbewusstseins
 beginnende Zentralisierung
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte (1)
Romanisierung / Latinisierung
11
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
 Romanisierung und Latinisierung: Expansion Roms
 Frühe Latinisierung in Italien
 Sprachkontakte des Lateinischen: Etruskisch, Oskisch, Umbrisch,
Keltisch, Ligurisch, Venetisch u.a. (Spuren finden sich – je nach
SUBSTRAT - im Italienischen sowie in ital. Dialekten)
 Frühe Latinisierung und auf der Iberischen Halbinsel
(Punische Kriege, 264-241 v.Chr.)
 Sprachkontakte des Lateinischen: Baskisch, Iberisch, Keltiberisch,
Keltisch (insbes. Im heutigen Galizien) u.a. (Spuren finden sich in
den iberoroman. Sprachen)
 Spätere Latinisierung in Frankreich (Gallische Kriege)
(früher und intensiver im Süden Frankreichs, 125-120 v.Chr.,
ganz Gallien 58-51 v.Chr.)
 Sprachkontakte des Lateinischen: Keltisch (Spuren finden sich im
Französischen u.a. galloroman. Sprachen)
12
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
 Vorrömische Substrateinflüsse in den
romanischen Sprachen
 Italien
 Etruskischer Einfluss
 Einige Vokabeln und möglicherweise die gorgia toscana
gehen auf ein ETRUSKISCHES SUBSTRAT zurück
 gorgia toscana = Abschwächung der intervokalischen
Verschlusslaute des Lateinischen, z.B. la casa [lahasa]
 Diese These ist in der Forschung allerdings umstritten
13
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
 Vorrömische Substrateinflüsse in den
romanischen Sprachen: Phonetik
 Spanien/Portugal
 z.B. Sonorisierung der intervokalischen
Verschlusslaute des Lateinischen
 –P-, -C-, -T- > -b-, -g-, -do lat. AMICU(M) > sp./pg. amigo
 z.B. Die Entwicklung von lat. –CT-
o lat. NOCTEM > pg. noite, sp. noche
14
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
 Vorrömische Substrateinflüsse in den
romanischen Sprachen: Phonetik
 Frankreich
 z.B. Sonorisierung (oder Verstummung) der
intervokalischen Verschlusslaute des
Lateinischen
 –P-, -C-, -T- > -b- (> v), -g- (> ), -d- (> )
o lat. AMICU(M) > frz. ami
o lat. RIPA(M) > frz. rive
o lat. VITA(M) > frz. vie (vgl. sp./pg. vida)
15
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
 Vorrömische Substrateinflüsse in den
romanischen Sprachen:Wortschatz
 Spanien/Portugal


16
sp./pg. cama ‚Bett‘
sp. perro, barro, charco, pestaña …
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
 Vorrömische Substrateinflüsse in den
romanischen Sprachen:Wortschatz
 Frankreich
 Keltische Substratwörter im Französischen

17
charrue, quai, marne, mouton, lieue etc.
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte (2)
Sprachkontakt während der Völkerwanderung
18
Sprachkontakt während der Völkerwanderung
Germanische Völker in
Frankreich
Fränkische Lehnwörter
im Französischen
 Alemannen
 garder
 Burgunder
 Westgoten
 Franken
 Normannen
 gagner
 gage
 garantir
 loge
 bleu
 gris
 (…)
19
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
Germanische Völker auf der
Iberischen Halbinsel
Germanische Lehnwörter im
Spanischen / Portugiesischen
 Westgoten
 ropa
 Sueben
 gana
 ganar
 ganso
20
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte
Germanische Völker in
Italien
Germanismen im
Italienischen
 Ostgoten
 grigio
 Langobarden
 guadagnare
 Franken
 guardare
 schiena
 trappola
 tappo
21
Wichtige Etappen der romanischen
Sprachgeschichte (3)
Ausbau, Standardisierung und die Herausbildung
romanischer Nationalsprachen
22
Beginnen wir bei Italien…
23
Italien
 Italien wurde unter dem byzantinischen Kaiser
Justinian im 6. Jh. n.Chr. bis 1860 nie als politische
Einheit regiert.
 Es kam zur Herausbildung zahlreicher Dialekte, die seit
dem Mittelalter neben dem Mittellateinischen in der
Literatur sowie in der Gebrauchsprosa Verwendung
fanden.
 An den Höfen Norditaliens wurde auch die
altprovenzalische Dichtung gepflegt.
 Die erste bedeutende Literatur in einer
italoromanischen Varietät stammt aus Süditalien am
Hofe Friedrichs II. (Sizilianische Dichterschule).
24
Italien
 Zwischen dem späten 13. und der Mitte des 14. Jhs. entstand




25
die wichtigste Literatur aus der Toskana, genauer gesagt
aus Florenz.
Sie wurde in ganz Italien rezipiert.
Zu den wichtigsten Vertretern gehören Dante Alighieri
(Divina Commedia), Giovanni Boccaccio (Decamerone) und
Francesco Petrarca (Canzoniere).
In seinem Traktat De vulgari eloquentia setzt sich Dante
Alighieri als erster mit der sprachlichen Zersplitterung
Italiens auseinander.
Außerdem sucht Dante in De vulg. eloqu. nach einer
gemeinsamen Dichtersprache für ganz Italien, das lediglich
eine geographische Größe darstellte, keine politische.
Italien
 Die Literatur blieb bis zum 19. Jahrhundert ein
wichtiges Identifikationsmittel für die Elite im
politisch und dialektal zersplitterten Italien.
 Die heutige italienische Standardsprache
basiert auf der Florentiner Literatursprache
des 14. Jahrhunderts.
 Hätte sich in Italien bereits im Mittelalter
eine zentrale politische Macht etablieren
können, wäre die Standardsprache heute
sicherlich eine andere.
26
Italien
 Wieso basiert das moderne Italienische auf der
Literatursprache eines mittelalterlichen Stadtdialekts?
 Florentiner Texte des 14. Jhs. lassen sich auch heute noch
relativ problemlos verstehen.
 Der Grund:
 Seit dem frühen 16. Jahrhundert wurde die 150 Jahre alte
Literatursprache mit Hilfe von Texten, Grammatiken und
Wörterbücher gelernt, wie das (im 15. Jh. rekonstruierte)
klassische Latein (Cicero = Modell für die Prosa, Vergil =
Modell für die Lyrik).
 Es wurde allerdings über Jahrhunderte hinweg über das
geeignete Sprachmodell gestritten (= Questione della
lingua).
27
Italien
 Die
Questione della lingua
 Es gab im 16. Jh. folgende Hauptströmungen:
 Anhänger des Lateinischen: Ablehnung der it.
Volkssprache (sie ist durch Sprachmischung der
Völkerwanderungszeit entstanden und daher
minderwertig)
 Anhänger der Volkssprache (gleichzeitig auch gute
Kenner des Lateinischen)
 Anhänger des Florentischen des ausgehenden
Mittelalters
 Anhäger des modernen Florentinischen (wie es im 16.
Jh. gesprochen wurde) [nur in Florenz]
 Anhänger einer höfischen Mischsprache
28
Italien
 Die Questione della lingua
 Durchgesetzt haben sich die Anhänger der Florentiner
Literatursprache des ausgehenden Mittelalters.
 Die Anhänger stammten alle nicht aus Florenz oder der
Toskana, sondern aus anderen Dialektzonen (insbes. aus
Nord- und Süditalien).
 Die schriftliche Überlieferung der Texte, die seit dem
späten 15. Jh. auch gedruckt wurden, ermöglichte die
systematische Erlernung wie eine Fremdsprache.
 Die Grammatiken des 16. Jhs. beschrieben ausschließlich
die Literatursprache des 14. Jhs., nicht die Sprache der
Gegenwart wie in Spanien und Frankreich).
29
Italien
 Etappen des Erfolges - Sprachpflege
 1516: erste gedruckte Grammatik (G.F. Fortunio, Regole
grammaticali).
 1525: der venezianische Kardinal Pietro Bembo
veröffentlicht seine programmatische Schrift Prose della
volgar lingua.
 In der zweiten Hälfte des 16. Jhs. beginnt sich P. Bembos
Modell auch in Florenz durchzusetzen.
 1583: Literaten gründen in Florenz die Accademia della
Crusca, welche das mittelalterliche Florentinische
institutionalisiert.
 1612: es erscheint in erster Auflage das normative und
puristischeVocabolario degli Accademici della Crusca.
30
Italien
 Bis zur staatlichen Einigung (1860) dominierte P. Bembos
Sprachmodell.
 Das Italienische war jedoch eine fast ausschließlich geschriebene





31
Sprache.
In der Alltagskommunikation verwendeten auch gebildete Sprecher
normalerweise den örtlichen Dialekt.
Nach der Proklamation des Königreichs Italien stellte sich das Problem
der Schaffung einer gesamtitalienischen Sprache, die nicht nur
geschrieben, sondern auch gesprochen wurde.
Der Mailänder Schriftsteller Alessandro Manzoni machte sich bereits in
den 30er Jahren des 19. Jhs. Gedanken über eine gesamtitalienische
Sprechsprache.
Sprachliches Vorbild sollte der gesprochene Florentiner Dialekt der
Oberschicht werden.
Dies Modell wurde im späten 19. Jh. von der Regierung übernommen.
Italien
 Die Geschichte der italienischen Sprache unterscheidet sich
grundlegend von der Geschichte anderer europäischer
Sprachen.
 Das Französische, Spanische und Portugiesische
entwickelten sich seit dem Mittelalter auf der Basis
gesprochener Sprachen zu Nationalsprachen.
 Das Italienische entwickelte sich seit dem 16. Jh. aus einer
bereits 200 Jahre alten Literatursprache zur
Nationalsprache.
 Ohne den Einfluss einer numerisch bedeutsamen
Sprecherschaft wie in Frankreich oder Spanien waren die
strukturellen Veränderungen daher sehr gering.
32
… nun zu Frankreich…
33
Frankreich
 Wir erinnern uns…
 Dante Alighieri unterschied in seinem Traktat
De vulgari
eloquentia (ca. 1305) in Bezug auf die Volkssprache in
Frankreich zwischen einer lingua oc und einer lingua oil (=
nfrz. oui)
 Die lingua oil wurde in der nördlichen Hälfte gesprochen und
hatte sich relativ weit vom Lateinischen fortentwickelt.
 Sie gliederte sich in diverse Dialekte (Pikardisch, Wallonisch,
Normannisch…), wobei der Dialekt von Paris [Ile-de-France] (seit dem
19. Jh. als „Franzisch“, frz. „francien“ bezeichnet) mit der Macht des
Königshauses an Bedeutung gewann.
 Die
lingua oc im Süden war konservativer als die lingua oil und
näher an der lat. Ausgangssprache (nahe am Katalanischen).
 Sie gliederte sich ebenfalls in verschiedene Dialekte, bildete aber
frühzeitig eine relativ einheitliche Literatursprache heraus.
34
Frankreich
 Die französische Sprache hat sich im Laufe der
Jahrhunderte aus dem Dialekt von Paris entwickelt.
 Sie brachte seit dem Mittelalter bedeutende Literatur
hervor.
 Sie emanzipierte sich zunehmend von der Dominanz des
Mittellateinischen im schriftlichen Bereich:
 Sie löste das Lateinische bereits im Mittelalter als alleinige
Urkundensprache ab.
 Sie fand Verwendung in Philosophie und Wissenschaft (z.B.
Medizin)
 Sie wurde auch außerhalb (Nord)Frankreichs gepflegt, z.B. in
Oberitalien (Marco Polos Reisebericht wurde in
altfranzösischer Sprache verfasst).
35
Frankreich
 In der Renaissance erführ das Französische am Pariser
Konigshofzahlreiche Einflüsse aus dem Italienischen,
was zu gewissen Abwehrreaktionen bei einem Teil der
intellektuellen Elite Frankreichsführte.
 Henri Estienne, Deux dialogues du nouveau langage
francois italianizé (1578)
 Buchdrucker und Grammatiker begannen mit der
Regulierung der Sprache:
 Einige der Grammatiker versuchten (ohne Erfolg), die
frz. Orthographie zu reformieren, z.B. Louis Meigret
mit seinem Werk Le Trette de la grammere
françoeze (1550).
36
Frankreich
 Sprachpolitik und Sprachpflege
 1539: das erste frz. Sprachgesetz
 Ordonnance de Villers-Cottérêts
 Festlegung des Französischen bei Gericht
 Im 17. Jahrhundert bekommt die Sprache des Pariser Hofes
Vorbildcharakter
 Seit 1605: Einfluss des Hofdichters François de Malherbe
(puristisches Sprachmodell)
 Schaffung sprachpolitischer Institutionen
 1634: Gründung der
Académie française unter der
Schirmherrschaft von Kardinal Richelieu
 1647: Vaugelas, Remarques sur la langue françoise
 Unterscheidung zw. BON USAGE und MAUVAIS USAGE
 1694:
37
Dictionnaire de l‘Académie française
Frankreich
 Sprachpolitik und Sprachpflege
 Intensivierung der Sprachpolitik nach der
FRANZÖSISCHEN REVOLUTION
 Politische Propaganda zunächst in den
Minderheitensprachen (z.B. auf Okzitanisch)
 Volksbefragung zur Verbreitung der französischen
Standardsprache in Frankreich (Enquête Grégoire)
 Sprachpolitische Wende
 Französisch für das ganze Volk
 Bekämpfung der frz. Dialekte
 Bekämpfung der ethnischen Minderheitensprachen
38
… werfen wir nun einen Blick auf die
Iberische Halbinsel…
39
Die Iberische Halbinsel
 Auf der Iberischen Halbinsel haben sich
unterschiedliche Sprachgruppen herausgebildet.
 Kastilisch
 Katalanisch
 Aragonesisch
 Leonesisch
 Galizisch
 Mozarabisch (romanische Sprache im arabischen
Herrschaftsgebiet)
 Erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der
sprachlichen Situation hatten die Eroberung durch die
Araber 722 und die bis 1492 andauernde Reconquista.
40
Die Iberische Halbinsel
Mit der
Reconquista
schoben sich
die Sprachen
des Nordens
nach Süden
Besonders
erfolgreich
waren das
Kastilische im
Zentrum sowie
das Galizische
im Westen.
41
Arabismen
Spanisch
Portugiesisch
 alcalde
 alfalate
 alfombra
 alfândega
 azucar
 almofada
 atalaya
 (…)
 (…)
42
Bezeichnung der Sprachen, die aus dem
Vulgärlatein hervorgegangen sind
 Eugeniu Coseriu unterscheidet zwischen
 PRIMÄREN,
 SEKUNDÄREN
 und TERTIÄREN DIALEKTEN
43
Bezeichnung der Sprachen, die aus dem
Vulgärlatein hervorgegangen sind
 PRIMÄRE DIALEKTE
 haben sich direkt aus dem gesprochenen Lateinischen der
Alltagskommunikation (= Vulgärlatein) weiterentwickelt
 z.B. Kastilisch, Katalanisch, Aragonesisch …
 SEKUNDÄRE DIALEKTE
 Können aus primären Dialekten entstehen…
 Andalusisch hat z.B: sich im Zuge der
Kastilischen entwickelt.
Reconquista aus dem
 TERTIÄRE DIALEKTE
 Die lokale/regionale Variante der Standardsprache, z.B.
die SPANISCHE Standardsprache, wie sie in Andalusien
gesprochen wird.
44
Die Iberische Halbinsel
 Die spanische Sprache basiert auf dem Dialekt
Kastiliens
 Das Kastilische dehnte sich im Zuge der Reconquista nach
Süden aus
 Es wurde insbesondere im 13. Jh. unter Alfons X (Alfons
der Weise) ausgebaut.
 Verwendung als Urkundensprache
 Literarische Werke
 Wissenschaftliche Fachliteratur (u.a. Übersetzungen aus dem
Arabischen
 Das Asturisch-Leonesische und das Aragonesische wurden
im Schriftverkehr zunehmend kastilianisiert und am Ende
ganz durch das Kastilische abgelöst
45
Die Iberische Halbinsel
 Das Galizische dehnte sich im Rahmen der




46
Reconquista
ebenfalls nach Süden aus (heutiges Portugal).
Im Galizischen entstanden große literarische Werke, die auch
von Alfons dem Weisen geschätzt wurden.
Im ausgehenden Mittelalter wurde das Galizische immer
weniger im schriftlichen Bereich verwendet.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde es dann auch in der
gesprochenen Sprache immer mehr vom Kastilischen
beeinflusst.
Im von Kastilien unabhängigen südlicheren Sprachgebiet des
Galizischen hat sich mit der Entstehung von Portugal das
Portugiesische herausgebildet (= Sprachspaltung).
Die Iberische Halbinsel
 Einen Ausbau erfuhr ebenfalls das Katalanische durch
 Bedeutende Literatur
 Wissenschaftliche Traktate
 Urkunden etc.
 Nach der Vereinigung der Königreiche Kastilien und Aragon
im späten 15. Jh. verlor das Katalanische immer mehr an
Bedeutung.
 Das Kastilische wurde neben dem Portugiesischen
Kolonialsprache.
 Nachdem Katalonien im spanischen Erbfolgekrieg bis zuletzt
die „falsche Seite“ unterstützt hatte, wurde das
Katalanische im 18. Jahrhundert aus dem öffentlichen Leben
verbannt.
47
Die Iberische Halbinsel
 Sprachpolitik und Sprachpflege
 Obwohl bereits unter Alfons X. das Kastilische
gefördert wurde, gab es keine Sprachpolitik im
heutigen Sinne.
 Der humanistische Gelehrte Elio Antonio de Nebrija
wollte das Kastilische in seiner Gramática castellana
(1492) vor Veränderung und Verfall bewahren.
 Nebrijas kastilische Grammatik stieß bei seinen
Zeitgenossen auf ein eher geringes Interesse, sie
schätzten vor allem seine Introductiones latinae.
48
Die Iberische Halbinsel
 Sprachpolitik und Sprachpflege
 Während des 16. Jhs. entstanden zahlreiche Grammatiken und
Wörterbücher.
 Bis zum 18. Jahrhundert veränderte sich das Spanische vor allem
auf phonetisch-phonologischer Ebene (revolución fonológica).
 Eine institutionalisierte Sprachpolitik gab es erst nach dem
spanischen Erbfolgekrieg unter der Dynastie der Bourbonen
(sie brachten den Zentralismus nach frz. Vorbild nach
Spanien).
Real Academia Española nach dem Vorbild der
FlorentinerAccademia della Crusca und der Académie française.
 1713: Gründung der
 1714: offizielle Anerkennung durch Philipp V.
 1726-39:Diccionario
de autoridades in 6 Bänden.
 1771: Grámatica de la lengua castellana.
49
Die Iberische Halbinsel
 Die
Real Academia Española ist in der
spanischsprachigen Welt bis heute eine
wichtige Instanz.
50
Literaturhinweise zur
selbständigen Nachbereitung


Reinhard Kiesler:


Einführung in die Problematik des Vulgärlateins. Tübingen
2006.
Wolfgang Pöckl / Franz Rainer / Bernhard Pöll:

Einführung in die romanische Sprachwissenschaft. 3., neu
bearbeitete Auflage. Tübingen 2003, S. 26-33.

Christpoph Gabriel /Trudel Meisenburg:
 Romanische Sprachwissenschaft. Stuttgart 2007, S. 7189.

Johannes Kabatek / Claus D. Pusch:
 Spanische Sprachwissenschaft. Tübingen 2009, S. 241297.

Horst Geckeler / Wolf Dietrich:

Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Ein
Lehr- und Arbeitsbuch. 4., durchgesehene Auflage. Berlin
2007.

Johannes Klare:

51
Französische Sprachgeschichte. Stuttgart u.a. 1998.
Literaturhinweise zur
selbständigen Nachbereitung


Wolf Dietrich / Horst Geckeler:


durchgesehene und aktualisierte Auflage. Berlin 2004, S.
119-171.
Andreas Wesch:

Grundkurs Sprachwissenschaft. 2001, S. 120-156.

Annegret Bollée / Ingrid Neumann-Holzschuh:
 Spanische Sprachgeschichte. Stuttgart u.a. 2003.

Paul Teyssier:


História da Língua Portuguesa. Lisboa 1984.
Eduardo Blasco Ferrer:

52
Einführung in die spanische Sprachwissenschaft. 4.,
Handbuch der italienischen Sprachwissenschaft. Berlin
1994, S. 114-173.

Einführung in die romanische Sprachwissenschaft IVb - UK