Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein - Westfalen
Optionen für den Bildungsgang am Gymnasium
Der Weg zum Zentralabitur in NRW – Chancen
und Probleme
Zwei aktuelle Problemkreise der Gymnasien in
Nordrhein-Westfalen
(revidierte und aktualisierte Version)
Westfälische Direktorenkonferenz Hamm 28.11.05
Rheinische Direktorenkonferenz Düsseldorf 05.12.05
Gerhard Orth Gruppenleiter 52
Übersicht
1. Optionen für den Bildungsgang am
Gymnasium
2. Chancen und Probleme des
Zentralabiturs
3. Grundentscheidungen für das
Zentralabitur in NRW
4. Vom dezentralen zum zentralen
Abitur – Probleme eines
Umstellungsprozesses
1. Optionen für den
Bildungsgang am
Gymnasium
Bildungsgang des Gymnasiums in der S I und der S II –
bisheriger Stand (Schulgesetz, APO S I)
–
–
–
–
Es sollen lt. APO S I beginnen
– die 2. Fremdsprachen in Klasse 6 (GE, GY, RS),
– die 3. Fremdsprachen und der bisherige
Wahlpflichtbereich II im Gymnasium in Klasse 8,
– die 4. Fremdsprache in Gymnasien in Klasse 10 und
der Gesamtschule im ersten Jahr der
Einführungsphase.
Die Klasse 10 übernimmt am Gymnasium die Aufgabe, auf
die methodische Arbeit in der gymnasialen Oberstufe
vorzubereiten und in bisher in der Jgst. 11 neu einsetzende
Fächer einzuführen (Doppelfunktion der Klasse 10)
Das Stundenvolumen wird (in allen Schulformen) der S I um
neun Stunden aufgestockt.
Noch keine Planungen zur Reform der Oberstufe
Bisheriger Bildungsgang Gymnasium (vor Schulgesetz)
Jgst.
13
12
11
Stufeneinteilung
Wahlpflichtbereiche
Fremdsprachen
Qualifikationsphase
Gymnasiale
Oberstufe
8
7
6
5
272 +
AG usw.
28-31
28-31
4. FS + neu einsetzende
Fächer (EW, IF, PL usw.)
93
30-33
30-32
10
9
Stundenzahl
Sekundarstufe I
WP II 3. FS
30-32
29-31
WP I 2. FS
Erprobungsstufe
1. FS
29-31
28-30
27-29
179
Bildungsgang Gymnasium nach jetziger Fassung Schulgesetz
Jgst.
Stufeneinteilung
13
Wahlpflichtbereiche
Fremdsprachen
34-38 (+5)
Qualifikationsphase
Einführung
gy.Oberstufe
4.FS. + neue Fächer Oberstufe
9
Sekundarstufe I
WP mit 3. FS
118-123 Stunden (+
Anteil aus den 7 – 10
Ergänzungsstunden)
Haushaltsplanung:
Kl. 7 bis 10 jeweils + 2
Stunden)
7
6
5
3
2. FS (oder Klasse 5)
Erprobungsstufe
72
34-38 (+5)
11
8
Zusammen
265 einschl.
5 AG usw.
--------------------------------------------
12
10
Stundenzahl
2. FS (oder Klasse 6)
1.FS E
59 – 61 Stunden (+
Anteil aus den 7 – 10
Ergänzungsstunden)
Haushalt: Kl. 5 + 1 Std)
188
„10 + 2“ und „9+3“ – Charakteristika und
Problemlagen (1)
„10 + 2“:
–
–
–
–
Einheitlichkeit der S I bleibt
Klasse 10 hat am Gymnasium Doppelfunktion
(Abschluss S I und Einführung Oberstufe)
Vergabe des Mittleren Schulabschlusses am
Gymnasium am Ende von Klasse 10
HS, RS, GS gehen zum Abitur über „eingeschobene“
Klasse 11 (Einführungsphase) mit einer begrenzten
Zahl von Standorten mit entsprechenden
Organisationsproblemen
„10 + 2“ und „9+3“ – Charakteristika und Problemlagen (2)
„9 + 3“
–
–
–
Einheitlichkeit der S I nicht mehr vorhanden
HS, RS, GS gehen zum Abitur über Klasse 11 an GS oder Klasse 10 am GY,
keine festen (zahlenmäßig begrenzten) Einführungsklassen, mehr (Schul-)
Wahlfreiheit für Schüler
Vergabe des Mittleren Schulabschlusses Ende 9 bei 156 + X Stunden
schwierig, deutliche Überschneidungen Leistungen am Gymnasium mit
Realschule und Gesamtschule bei PISA 2003 (siehe Grafik unten)
Schulgesetz APO
SI
Jgst.
Alternative zur
Regelung Schulgesetz
mit Verlagerung von
4 Oberstufenstunden
265 Stunden als
Zwischenmodell
Verteilung der
bisherigen 272
Stunden auf 12
Jahre
260 Stunden
260 Stunden
265 Stunden
(260 für alle und 5
Stunden
Fördervolumen)
272 Stunden
Qualifikati
onsphase
36
34
34
36
36
34
34
36
Einführung
gy.Oberstufe
32 (188 bis 10)
34 (192 bis 10)
34 (192 bis 10)
34 (200 bis 10)
32 (156 bis 9)
34 (158 bis 9)
34 + 1 = 35
(158 für alle
verbindlich bis 9)
34 (166 bis 9)
32
32
32 + 1 = 33
34
32
32
32 + 1 = 33
34
6
30
30
30 + 1 = 31
32
5
30
30
30 + 1 = 31
32
12
11
10
9
8
7
Sekundarst
ufe I
Verteilung des Stundenvolumens im 12jährigen Bildungsgang
Politische Orientierungspunkte
•
•
•
•
„Abitur nach 12 Jahren ohne
Qualitätsverlust“ (Koalitionsvereinbarung)
Nachdenken über „9+3“
KMK-Diskussion über die Vergabe des
Mittleren Schulabschlusses am Gymnasium
nach Klasse 9 (Hessen u.a.)
KMK-Diskussion über neue
Oberstufenvereinbarung
Stand der Beratungen in der KMK
•
•
•
Keine Einigung über die Vergabe des Mittleren
Schulabschlusses am Gymnasium nach Klasse 9
– Vertagung bis 2006: Konsequenz „9+3“ möglich
aber (vorerst) ohne Vergabe des Mittleren
Schulabschlusses nach Klasse 9
Verständigung über einige Grundzüge der
Neufassung der Oberstufenvereinbarung auf der
Basis eines Abiturs nach 12 Jahren als Regelfall
Unterschiedliche Vorstellungen über wichtige
Details der Ausgestaltung der
Oberstufenvereinbarung
Ausgestaltung des Abschlussverfahrens S I –
Regelungen nach der jetzigen Fassung APO S I
• Zentrale schriftliche Prüfungen am Ende der Klasse 10 für
Sekundarabschluss I - Fachoberschulreife (Gesamtschule,
Gymnasium, Hauptschule, Realschule) und zentrale
Prüfungen am Ende der Klasse 10 für
Hauptschulabschluss Klasse 10 (Hauptschule), keine
Prüfung für Hauptschulabschluss Klasse 9
• Prüfungen in D, M, E, andere FS ab Klasse 5 (zentrale
Aufgaben für schriftliche Prüfung)
• Prüfungsergebnisse gehen in die Noten Ende Klasse 10 ein
• Vergabe des Q-Vermerks (HS, RS, GS) weiter über Noten
• Versetzung (Gy) in die Jgst. 11 der gymnasialen Oberstufe
(dreijähriger und demnächst zwei Bildungsgang) nach
Noten
Das Abschlussverfahren
(Stand: jetzige Fassung der APO S I)
•
•
•
•
•
•
•
•
Prüfungen mit landeseinheitlichen Prüfungsaufgaben und vorgegebene
Bearbeitungsdauer in D, M, E (bei anderer Fremdsprache ab 5 diese
Fremdsprache nach Wahl der Schülerin/des Schülers)
Prüfungsaufgaben auf Grund der Unterrichtsvorgaben für die Schulformen,
Bezug zu den erwarteten Lernergebnissen am Ende Klasse 10
Landeseinheitliche Festlegung der Termine für die schriftlichen Prüfungen und
des Zeitraums für die mündlichen Prüfungen durch das MSJK
Festlegung einer Vornote auf Grund der Leistungen seit Beginn des Schuljahres
durch die Fachlehrkraft
Gewichtung von Vornoten und zentraler schriftlicher Prüfung im Verhältnis 1 :
1,
Beurteilung durch die Fachlehrkraft 10.2, Zweitkorrektur durch zweite
Lehrkraft, ggf. Drittkorrektur
bei Abweichungen um eine Note Bestimmung der Abschlussnote durch
Konferenz, bei Abweichung um zwei Noten mündliche Prüfung nach Wunsch,
bei mehr als zwei Noten mündliche Prüfung zwingend
Mündliche Prüfung als Einzelprüfung von in der Regel 15 Minuten
Zentrale Leistungsüberprüfungen im Gymnasium in
Klasse 10 – ein Denkmodell für die Jahrgänge im
verkürzten Bildungsgang
Bei „10 + 3“: Überprüfung am Ende der 10
–
–
bedeutet a) Zentrale Überprüfung der Standards für den
Mittleren Schulabschluss (einheitlich mit HS, RS, GS)
bedeutet b) Zentrale Überprüfung gymnasialer „Standards“
vor dem Eintritt in die Einführungsphase der gymnasialen
Oberstufe
Bei „9 + 3“: Ebenfalls Überprüfung am Ende der 10
–
–
a) Zentrale Überprüfung gymnasialer „Standards“ vor dem
Eintritt in die Qualifikationsphase der gymnasialen
Oberstufe (in Anlehnung an jetzige „Parallelklausuren“)
b) Nachträgliche Bestätigung der Erreichung der Standards
für den Mittleren Schulabschluss
Weiterentwicklung der Oberstufe –
Tendenzen in der KMK
•
•
•
•
•
Gleichwertigkeit von 12jähriger (Gymnasium) und 13jähriger (andere
Schulformen) Schulzeit
Stärkung der für die Studierfähigkeit zentralen Fächer Deutsch,
Mathematik, Fremdsprache („Sprachen“) durch mindestens
dreistündigen Unterricht und Verpflichtung zur Wahl zwei der Fächer für
Abitur (1 Fach mehr als bisher in NRW)
Weiterhin Differenzierung des Unterrichts auf unterschiedlichen
Anspruchsebenen (grundlegendes und erhöhtes Anforderungsniveau
statt Lk und Gk)
Bindung der Leistungsanforderungen im Abitur an EPA (Definition des
erhöhtem Anforderungsniveaus auf der Basis von 4-5 Stunden)
4 – 5 Prüfungsfächer im Abitur, 5 Fächer notwendig im Hinblick auf
Berücksichtigung von NW und GL als Abiturfach
Voraussichtliche Grundtendenzen der neuen
Oberstufenvereinbarung
•
•
•
•
•
•
•
Festhalten an AHR als allgemeiner Hochschulzugang
Festhalten an Grundzielen „vertiefte Allgemeinbildung“,
„Studierfähigkeit“ und „Wissenschaftspropädeutik“
Gliederung der Oberstufe in einjährige Einführungsphase und
zweijährige Qualifikationsphase ggf. mit Doppelfunktion der
Klasse 10 im Interesse einer qualifizierten Abiturvorbereitung
(Vorbehalte Brandenburg)
Zuordnung der Fächer zu Aufgabenfeldern
Unterscheidung von Pflicht- und Wahlfächern und Möglichkeit
der individuellen Schwerpunktsetzung
Beibehaltung des „Creditsystems“ für die Ermittlung des
Abiturergebnisses
Mindestzahl von 260 + 5 JWSt (5 Wahlunterricht) für
Bildungsgang
Diskussion um eine neue gymnasiale Oberstufe (1)
Das Beispiel Baden-Württemberg (1)
– Unterscheidung nur noch von vier- und zweistündigen
Fächern
– 5 Abiturfächer, davon 4 schriftlich
– Zentrale Orientierung auf die Sicherung eines gehobenen
Kompetenzniveaus in den für die Studierfähigkeit zentralen
Fächern D M FS mit ergänzenden Wahlmöglichkeiten
– D M FS mit jeweils vierstündigem Unterricht und
schriftlicher Prüfung im Abitur
– Individuelle Schwerpunktsetzung durch vierstündiges
„Profilfach“ (FS NW) und vierstündiges „Neigungsfach“
(frei) mit einem der beide Fächer als (viertes) schriftliches
Abiturfach
Diskussion um eine neue gymnasiale Oberstufe (1)
Das Beispiel Baden-Württemberg (2)
– Weitere Fächer zweistündig ggf. als 5. Abiturfach,
– Pflichtbindung in GL nur für das Fach Geschichte (vier
Khj.), in Verbindung mit eschichte 2 Khj. Erdkunde,
Gemeinschaftskunde, (Philosophie, Psychologie als
Fächer in bestimmten Profilen)
– Zwei vierstündige Fächer werden nach Entscheidung des
Schülers im Abitur doppelt gewichtet (wie früher LK)
– In den vierstündigen Fächern „weniger Stoff als bisher
im LK aber dasselbe Niveau“ (Interpretation aus B-W),
letzte Tendenz Oberstufenvereinbarung: gehobenes
Niveau muss sicher gestellt werden
Diskussion um eine neue gymnasiale Oberstufe (2)
Alternativen zum Modell Baden-Württemberg auf der Basis der
Tendenzen der Oberstufenvereinbarung (versch. Bundesländer)
–
Beibehaltung der Unterscheidung von Grund- und
Leistungskursen (3 und 5 Stunden) und damit
Schwerpunktsetzung in zwei Fächern mit - aus Sicht der
Befürworter - besserer Chance der Exzellenz in den LK
–
In Umsetzung Oberstufenvereinbarung Stärkung der Fächer
D M FS (zwei Fächer schriftliches Abiturfach)
–
Ansonsten erweiterte Wahlmöglichkeiten
–
Beibehaltung des Grundsatzes der Gleichwertigkeit der
Fächer für die Wertigkeit im Abitur (fünf- bzw. dreistündig,
alle Fächer schriftliche Abiturprüfungsfächer mit externer
Überprüfung mit den entsprechenden Anreizen zur Sicherung
von Qualitätsstandards)
2. Chancen und Probleme des
Zentralabiturs
Empirische Erkenntnisse zu dezentralem und zentralem
Abitur: Erkenntnisse aus Vergleichsstudien
• Vergleich Bayern – Niedersachsen 1994 für Deutsch
– Zentrale Abituraufgaben solide aber etwas schematisch
– Dezentrale Abituraufgaben vielfältiger im Hinblick auf Aufgabenarten,
Aufgabenstellungen und Textvorlagen
• Vergleich Baden-Württemberg und Niedersachsen 1994 für Chemie
– Zentrales Abitur mehr Reproduktion von Wissen
– Dezentrales Abitur mehr Überprüfung des naturwissenschaftlichen
Erkenntnisprozesses
• TIMSS 1997
– Mathematikleistungen in den Grundkursen beim Zentralabitur höher
– Mathematikleistungen in den Leistungskursen und Physikleistungen in den
Grundkursen gleich bei dezentralen und zentralem Abitur
– Physikleistungen in den Leistungskursen beim dezentralen Abitur höher
Thesen über die Wirkungen des Zentralabiturs auf
dem Hintergrund der empirischen Erkenntnisse
• Das Zentralabitur
– ist im Sinne der Rechenschaftslegung die Kehrseite einer erweiterten
Schulautonomie,
– wirkt sich im Hinblick auf die Einhaltung von grundlegenden Standards
der jeweiligen Fächer positiv aus,
– sichert besser die Vergleichbarkeit von Anforderungen,
Lernergebnissen und erteilten Berechtigungen,
– könnte einen zu großen Wert auf die Reproduktion von Wissen legen,
– schränkt angesichts der Notwendigkeit, heterogene
Schülervoraussetzungen zu berücksichtigen, die Vielfalt von Material
und Aufgabenformen eher ein,
– erlaubt nur eingeschränkt eine Überprüfung von Leistungen
herausgehobener Exzellenz (Aufgabenkonstruktion zielt unvermeidlich
auf ein mittleres Anforderungsniveau),
Politische Entscheidung für das Zentralabitur in NRW
im Ergebnis gut begründet – siehe FAQ in Learn:line
• „In Nordrhein-Westfalen sind wir auf dem Weg zu einer größeren
Selbstständigkeit der Schule. Der angestrebte größere pädagogische
Gestaltungsspielraum der Schule erfordert zugleich, schulübergreifende
Standards transparent zu machen und ihre Einhaltung systematisch zu
überprüfen. Dazu sind zentrale Leistungsüberprüfungen notwendig. … (Es
werden deshalb) ab dem Jahr 2007 im Rahmen der schriftlichen
Abiturprüfung landeseinheitliche Aufgaben gestellt. Diese
Abschlussverfahren mit zentral gestellten Aufgaben in den schriftlichen
Prüfungen haben die Funktion einer Abschlusskontrolle über die
Lernergebnisse und dienen zugleich einer Rückmeldung an die Schule im
Hinblick auf definierte Ziele des Bildungsgangs. Sie sind ein Beitrag zu
gleichen Anforderungen und Bewertungen in allen Schulen und damit zur
Bildungsgerechtigkeit. Weiter dienen sie einer breiten Einhaltung von
Mindeststandards.“
3. Grundentscheidungen
für das Zentralabitur in
NRW
Grundentscheidungen zur Konstruktion von Aufgaben
für das Zentralabitur in NRW (1): Lehrplananbindung
• Grundlage des Zentralabiturs sind die geltenden Lehrpläne
(Sonst Zentralabitur erst nach Lehrplanrevision und –
implementation - Verzögerung um mehrere Jahre)
• Deshalb zunächst keine Lehrplanrevision (z.B. nach dem Vorbild
Bayerns mit Festschreiben einer begrenzten Obligatorik und
Überprüfung des fachlichen Wissens im Abitur in der Breite der
Obligatorik)
• Orientierung hinsichtlich der Lehrplananbindung an dem (mit
der Lehrplansituation in NRW kompatiblen) Modell BadenWürttemberg: Fachliche Vorgaben aus der Obligatorik der
Lehrpläne (B-W: „Sternchenthemen“)
Grundentscheidungen zur Konstruktion von Aufgaben für
das Zentralabitur in NRW (2): Charakter der Vorgaben
• Keine Orientierung an einer Vorgabe von zu erreichenden
Kompetenzen nach dem Vorbild der Bildungsstandards (keine
fachlich geklärten Kompetenzmodelle, EPA geben das nicht her)
• Keine Vorgabe von konkreten und festen Kurssequenzen
• Vorgabe von ausgewählten Prüfungsinhalten ohne die
didaktische „Einkleidung“ der Inhalte in den Lehrplänen
(thematische Zugriffe, Problematisierungsperspektiven usw.)
• Gleichzeitig Vorgabe der Verbindlichkeit der allgemeinen
inhaltsübergreifenden Obligatorik des Faches
• Vorgaben zu den im zentralen Abitur zu verwendenden
Aufgabentypen
• Vorgaben zu Aufgabenauswahl und Hilfsmitteln
Zum Bewertungssystem 1: Curriculare Vorgaben
• EPA/Lehrplan: Unterscheidung von drei
Anforderungsbereichen, die hierarchisch angeordnete Klassen
kognitiver Operationen darstellen, aber keine eindeutige
Progression von Aufgabenschwierigkeiten erlauben.
• Je nach Unterricht variiert für die einzelnen Schüler die
Zuordnung von Teilaufgaben zu Anforderungsbereichen
• Vorgaben für die Bewertung im Lehrplan: Schwerpunkt der
Anforderungen im AfB II und ansatzweise im AfB III
• „Hermeneutisch-interpretatives“ Bewertungsverfahren in
vielen Fächern mit einem „holistischen“ Zugriff unter den
Kriterien des Erwartungshorizontes mit drei Oberkategorien
„Qualität“, „Quantität“ und „Darstellungsvermögen“
• Keine quantitativen Vorgaben für die Bewertung von
Teilleistungen und die Festlegung der Gesamtnote
Zum Bewertungssystem 2: Bewertungssysteme im „Umfeld“
• Lernstandserhebungen
– Aufschlüsselung der Anforderungen einer Aufgabe in einer
Reihe von Teilleistungen
– Angabe von genauen z.T. quantitativen Kriterien für die
Bewertung von Teilleistungen
• Abitur
– „Punktesysteme“ für die Bewertung von Teilleistungen und
die Ermittlung der Gesamtnote im Abitur in einigen Fächern
(z.B. M, NW)
– Explizitere Unterscheidung von inhaltlicher Leistung und
sprachlicher Leistung bzw. Darstellungsleistung in Deutsch
und Fremdsprachen
– Schwierige Operationalisierbarkeit von allgemeinen
Formulierungen für „gut“ und „ausreichend“ aus EPA und
Lehrplan für die Bewertung von Schülerleistungen
Zum Bewertungssystem 3: Anforderungen an ein
Bewertungssystem zum Zentralabitur in NRW
• Abgrenzung von Musterlösungen als Bewertungsgrundlage
wegen folgender Nachteile:
– Vernachlässigung der Spielräume für die Bewertung individueller
Leistungen
– unangemessene Einschränkung der Deutungs- und
Beurteilungshoheit der Beurteiler
– Keine hinreichende Transparenz für die die Beurteilung leitenden
Kriterien
• Größtmögliche Transparenz im Hinblick auf die erwarteten
Leistungen
• Sicherung einer möglichst einheitlichen kriterienorientierten
Bewertung
• Herausforderung der Deutungs- und
Beurteilungsverantwortung der Lehrkräfte in einem
einheitlichen Rahmen
• Möglichkeit der Würdigung besonderer individueller
Leistungen
Zum Bewertungssystem 4: Entscheidungen für das
Bewertungssystem zum Zentralabitur in NRW
• Entscheidungen
– bisheriger Erwartungshorizont im Zentralabitur nicht anwendbar
– Abkehr von einem „holistischen“ Zugriff auf die Leistungen
– differenzierte Ausweisung der Kriterien nach den Anforderungen der
Aufgabenstellung mit Zuordnung zu den AfB I, II und III, vorgegebenen
Höchstpunktzahlen entsprechend einer antizipierten Einschätzung der
Aufgabenschwierigkeit
– exemplarische Hinweise bei Teilaufgaben für vollständige und
hinreichende Lösungsqualität
– Anordnung der Teilleistungen entsprechend einer plausiblen logischen
Abfolge der Lösungsschritte
– Möglichkeit nicht erwartete Schülerleistungen in einem begrenzten
Umfang zu berücksichtigen
– Gesonderte Ausweisung der (standardisiert) vorgegebenen
Darstellungsleistung
Konsequenz: An Kriterien orientiertes, mit quantitativen Elementen
arbeitendes, aber letztlich auf einem hermeneutischen
Beurteilungsprozess beruhendes Bewertungssystem
4. Vom dezentralen zum zentralen
Abitur
Probleme eines
Umstellungsprozesses
Zentralabitur: Paradigmenwechsel
„Abiturprüfungen mit zentral gestellten schriftlichen Prüfungsaufgaben“
Bisher:
„Vor Ort“ erstellte
Abiturvorschläge auf der Basis
des konkreten Unterrichts der
eigenen Lerngruppe
Unterricht als Maßstab der
Beurteilung, wie er konkret
erteilt worden ist – auf der Basis
Lehrplan, Schulcurriculum,
Lehrergestaltung und verantwortung
Neu:
MSW lässt zentrale
Abituraufgaben auf der Basis
landesweit einheitlicher
Vorgaben erstellen
Unterrichtliche Vorbereitung auf
der Basis der Vorgaben bei weiterhin geltenden
Lehrplänen, deren
Anforderungen weiterhin
verbindlich sind
Vor- und Nachteile des Zentralabiturs für die Lehrkräfte unter
den Bedingungen der Ausgestaltung in NRW
• Keine arbeitsaufwändige Erstellung von Abiturvorschlägen mehr
• Verpflichtung zur Berücksichtigung einer „Prüfungsobligatorik“, die
nicht unbedingt mit eigenen Unterrichtsvorstellungen übereinstimmt
• Notwendigkeit der (immer etwas unsicheren) Konkretisierung
unvermeidlich nicht über einen bestimmten Konkretisierungsgrad
herausgehender Vorgaben
• Ggf. Abschied von erprobten Unterrichtsreihen und Notwendigkeit,
neue Unterrichtsreihen auch zu bisher nicht berücksichtigen Themen
zu entwickeln
• Abhängigkeit von der Qualität der zentralen Vorgaben und Aufgaben
• Umdenken von einem „holistischen“ zu einem kriteriengesteuerten,
mit quantitativen Elementen arbeitenden Beurteilungssystem
• Unsicherheit, ob die Schüler mit den zentral gestellten Aufgaben „klar
kommen“

Aktuelle Probleme Gymnasium Westf. Rhein. Direktorenkonferenz