Führung für Projekte - angewandte
Soziologie in betrieblichen
Veränderungsprozessen
XV. Tagung für angewandte Soziologie
Sozialwissenschaftliche Theorien und Methoden im Beruf
5. und 6. Juni 2009 in Hamburg
vero projects
Kopsch Projektmanagement GmbH
Großer Burstah 36
D-20457 Hamburg
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1. Wirtschaft im Wandel und die steigende Bedeutung
von Projekten
– Der Anteil von temporären Kooperationsformen an der
Wertschöpfung wird weiter steigen („Projektwirtschaft“)
– Flexibilität gewinnt
– Die Anwendung von verschiedensten Standards inkl. ihrer
Zertifizierungen wird weiter steigen
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2. Organisationssoziologische Einordnung des „Projekts“
– wo ist es?
– Projekte sind temporäre aber eigene
Entscheidungszusammenhänge in und zwischen
Unternehmensorganisationen (konkurrierende Spielregeln)
– Der Rationalisierungsdruck wird verstärkt auch zu einem
organisierten Reflektionsdruck auf die Organisation
– Projekte verstärken den Zeitdruck auf Organisationen und
irritieren deren „innere Uhr“
– Projekte sind Fremdkörper
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Erfolgsfaktoren von Projekten
3.1 Wissen, Kulturen und Symbole – die
unternehmenskulturelle Konstruktion von
Wirklichkeiten
Ausgangssituation
– Mitarbeiterschaft läßt selbstorganisiert großes Kundenprojekt „liegen“
Theorie
– Berger / Luckmanns Wechselspiel zwischen objektivierter Welt und
subjektiviertem Sinn durch Internalisierung und Externalisierung
Anwendung und Ergebnis
–
–
–
–
Gemeinsame Wirklichkeit durch „Faktenschock“
Befriedung durch symbolische Maßnahmen
Planung als faktische Kraft des Normativen
Selbstverstärkung durch Meilensteinerfolge
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Erfolgsfaktoren von Projekten
3.2 Macht und Herrschaft – die Legitimation des
Projektmanagers
Ausgangssituation
– Herstellen der Chance, dass ein Arbeitsauftrag ausgeführt wird
Theorie
– Webers Idealtypen der legitimen Herrschaft
Anwendung und Ergebnis
– Rationale Legitimation durch „vernünftige“ Verfahren (angepasste
PM-Standards)
– Charismatische Legitimation durch
• hermeneutisches Verstehen von Akteuren und Figurationen
• intensive Kommunikation
• außeralltägliche Maßnahmen
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Erfolgsfaktoren von Projekten
3.3 Rationalisierung und Reflektion im Prozess der
schöpferischen Zerstörung
Ausgangssituation
– Dienstleister meldet Verzögerung bei der Einführung eines ERPSystems an
Theorie
– Schumpeters „schöpferische Zerstörung“
Anwendung und Ergebnis
– Durchsetzung einer neuen Kombinationen von Verhaltensmustern
• Stärkung der Verantwortlichkeit des Kundenunternehmens
• Stärkung der Ergebnisorientierung durch Transparenz
– Organisation des Voran- und Mitgehens des Managements
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Erfolgsfaktoren von Projekten
3.4 Konfliktlösungen zwischen harten und weichen
Ansätzen
Ausgangssituation
– Dienstleister stellt zu wenig Ressourcen zur Verfügung
– Ein finanzieller Schaden war beiden Seiten bereits entstanden
Theorie
– Dahrendorfs Konflikttheorie
Anwendung und Ergebnis
– Vitalisierung des Lenkungsgremiums durch gezielte Eskalation
– Entlastung der Arbeitsebene durch Verlagerung des manifesten
Interessengegensatzes in das Lenkungsgremium
– Neue Spielregeln für das Lenkungsgremium
– Vermittlung und De-Eskalation der latenten Konflikte
– Beschleunigung des Projekts durch erhöhten Ressourceneinsatz
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4 Schlußbetrachtungen
Gute Führungsgrundsätze
– Die Menschen werden so motiviert, dass das Mitgehen weitestgehend freiwillig
erfolgt.
– Sie fühlen sich in Ihren Motivationen, Interessen, Handlungen, Bedürfnissen
und Werten verstanden, es wird ihnen zugehört und Aufmerksamkeit
geschenkt.
– Personen fühlen sich in ihrer Entwicklung gefördert. Es wird ihnen das
Zutrauen vermittelt, die anstehenden Herausforderungen meistern zu können.
– Kommunikation erfolgt klar und verständlich. Ziele werden vermittelt und ggf.
geht eine sinnvolle und realistische Botschaft darüber hinaus (Vision).
– Entscheidungen werden getroffen, sind nachvollziehbar und werden
kommuniziert. Sie sind gekennzeichnet von Ziel- und ProblemlösungsOrientierung bei gleichzeitigem Realismus.
– Der Führung wird vertraut, weil ihr zugeschrieben wird, verlässlich und integer
zu sein und keine eigenen Vorteile zu suchen. Es gibt keine bösen
Überraschungen mit ihr, weil keine Widersprüche wahrgenommen werden
zwischen Danken, Sagen und Handeln.
– Gründe und Früchte der Erfolge werden in der Wahrnehmung „gerecht“
verteilt.
Soziologie stellt die Voraussetzungen dafür bereit.
Damit hat sie das Potential, Führungskräftentwicklung entscheidend
zu beeinflussen.
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Literatur
– Berger / Luckmann, 1987, Die gesellschaftliche Konstruktion der
Wirklichkeit
– Dahrendorf, Ralf, 1957, Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der
industriellen Gesellschaft
– Dahrendorf, Ralf, 1972, Konflikt und Freiheit
– Deutsche Bank Research (DBR), 2007, Deutschland im Jahr 2020 Neue Herausforderungen für ein Land auf Expedition“,
www.expeditiondeutschland.de
– Elias, Norbert, Was ist Soziologie?
– Kieser, Alfred, 2001, Organisationstheorien
– Luhmann, Niklas, 1981, Soziologische Aufklärung 3
– PMI, 2008, A Guide to the Project Management Body of Knowledge
– 4th Edition
– PMI, 2008, The Standard for Program Management – 2nd Edition
– PMI, 2008, The Standard for Portfolio Management – 2nd Edition
– Schumpeter, Joseph, 1997 Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
– Weber, Max, 1988, Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre
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Führung für Projekte