Prekäre Beschäftigung in
Europa
Ein wachsendes Problem
Was bedeutet prekär?
• Als „atypisches Arbeitsverhältnis“ wird jedes Arbeitsverhältnis
bezeichnet, das vom Normarbeitsverhältnis“ (unbefristet, Vollzeit)
abweicht. Damit ist allerdings noch nichts über die soziale Lage
des/der ArbeitnehmerIn ausgesagt. Als atypisch Beschäftigte
können zum Beispiel auch sehr gut verdienende Selbständige
zählen.
• Der Begriff „prekär“ ist gegenüber dem Begriff „atypisch“ der
politischere Begriff, da er schon eine Bewertung enthält, nämlich,
dass sich hier um eine schwierige/unsichere Situation für die
Betroffenen handelt. Der Begriff enthält eine subjektive
Komponente.
Definition
„Prekäre Beschäftigung“ kann konkret heißen:
•
•
•
•
•
•
•
Dumpinglöhne
Leiharbeit
(ungewollte) Teilzeitarbeit
befristete Beschäftigung
(Schein-)Selbständigkeit
geringfügige Beschäftigung
etc.
Besonders betroffen sind junge Menschen und Frauen
Prekäre Beschäftigung in Deutschland
Prekäre Beschäftigung in Deutschland
• Insgesamt Rückgang der Vollzeit-Arbeitsstellen
zwischen 1991 und 2004 um ein Fünftel gesunken,
Gesamtumfang von ehemals 29,5 Millionen Vollzeitbeschäftigten
auf 23,75 Millionen verringert
• Immer mehr Geringfügig- und Teilzeitbeschäftigte
seit Anfang der neunziger Jahre von 5,5 Millionen auf heute knapp
11 Millionen nahezu verdoppelt (für fast 5 Millionen Menschen ist
nicht sozialversicherungspflichtigen Teilzeit-Beschäftigungen
einzige Einkommensquelle aus Arbeit)
Prekäre Beschäftigung in Deutschland
• (Schein-)Selbständigkeit
auf 11 % (=4,25 Millionen Erwerbstätige) angewachsen ist, Anfang
der neunziger Jahre hatte der Anteil noch bei 9 % gelegen
• Leiharbeit/Zeitarbeit
ca. 600.000 Beschäftigte (Januar 2007), Tendenz steigend, Hälfte
der neu entstehenden Arbeitsplätze
Prekäre Beschäftigung in Europa
Befristete Beschäftigung
Eurostat Jahrbuch 06/07 S. 138 – Deutschland befindet sich an 8. Stelle!
Prekäre Beschäftigung in Europa
Befristete Beschäftigung
G e rm a ny
12 .2
10,0
F ra nc e
4,7
N e t he rla nds
12 .9
7,5
D e nm a rk
14 .6
9 .3
12,3
10,4
F inla nd
* S we de n
16 .3
15 .1
10,0
Ire la nd
16 .8
7,3
G re a t B rit a in
6 .1
It a ly
4,8
7,0
9 .9
15,8
S pa in
13,8
P o rt uga l
6,7
** C ze c hia
** P o la nd
6,6
0 .0
5 .0
2 1.1
1985
9 .2
19 .4
4,8
** H unga ry
2003
3 0 .6
7 .5
10 .0
15 .0
2 0 .0
2 5 .0
3 0 .0
3 5 .0
Prekäre Beschäftigung in Europa
Teilzeitbeschäftigung
18.4
Germany
16.7
France
22.3
17.3
38.9
Netherlands
Denmark
22.2
11.4
Finland
22.3
13.5
Sweden
23.6
19.8
Ireland
16.5
16.8
Great Britain
25.8
24.5
Italy
12.7
7.3
Spain
8.7
7.8
Portugal
11.0
Czech Republic
4.9
2004
1998
10.8
10.4
3.8
0
11.3
5.7
Poland
Hungary
45.5
4.7
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
Prekäre Beschäftigung in Europa
Leiharbeit
Anteil der Leiharbeitnehmer an
allen Erwerbstätigen in %
5,0
4,0
1999
2004
2,6
2,1
2,7
2,2
2,1
2,0
1,6
1,9
1,5
1,4
1,3
1,0
1,0
0,7
0,7
0,8 0,8
0,6
0,5
0,2
UK
NL
FR
BEL USA POR AUS
Quelle: CIETT, nationale Berichte, eigene Zusammenstellung
JAP GER
ES
IT
0,7
0,3
DK
Prekäre Beschäftigung in Europa
Jugendarbeitslosigkeit
Prekäre Beschäftigung in Europa
Jugendarbeitslosigkeit im Kontext
• Jugendliche sind besonders Arbeitslosigkeit betroffen
(fast doppelt so häufig):
Arbeitslosenquote von 15,2% (2006) unter den Alter von 15 bis 24
gegenüber 8,1% aller Erwerbsfähigen.
• Arbeitslosenquoten im EU Vergleich (2006):
-EU 25: 17,2%.
-Besonders schlecht: Polen (32,6%), Slowakei (28,9%) und Finnland
(26,0%)
-Besonders gut: Niederlande (6,0%), Dänemark (7,2%) und Österreich
(8,4%) – (! Alle diese Staaten haben auch insgesamt eine niedrige
Erwerbslosenquote.)
Prekäre Beschäftigung –
Herausforderungen für Gewerkschaften
• Handlungsmöglichkeiten auf nationaler Ebene?
• Handlungsmöglichkeiten auf europäischer Ebene?
• Politische Forderungen?
• Was können wir konkret tun?

Prekäre Beschäftigung - DGB