Vor- und Nachteile von
Auswahlinstrumenten
Prof. Dr. Lothar Schmidt-Atzert
Fachbereich Psychologie, Philipps-Universität
Marburg
Übersicht
• Vorhersage von Studienerfolg
• Kriterien: was vorhersagen?
• Anforderungsanalyse: Was wird benötigt?
• Empirische Befunde: Was ist wie valide?
• Noten
• Eignungstests
• Auswahlgespräche
• auch beachten: Ökonomie, Verfälschbarkeit, Fairness,
Akzeptanz
• Fazit
Zulässige Auswahlkriterien
Auswahlkriterien für die Hochschulen (HRG, §32, Abs. 3)
Variationen bei Umsetzung in Hochschulgesetze der Länder
• Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung
• gewichtete Einzelnoten
• Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests
•
• Art der Berufsausbildung oder Berufstätigkeit
• Ergebnis eines von der Hochschule durchzuführenden
Gesprächs (Motivation und Eignung)
• eine Kombination der o.g. Kriterien
Informationen zu folgenden
Auswahlkriterien
•
•
•
•
•
Abiturnote √
gewichtete Einzelnoten √
fachspezifische Studierfähigkeitstests √
Gespräch √
Art der Berufsausbildung oder Berufstätigkeit
(oder eine Kombination der o.g. Kriterien) √
Was soll vorhergesagt werden?
•
•
•
•
Studienerfolg (Noten)?
Berufserfolg?
Studiendauer?
Studienabbruch?
Kriterium vorab zu entscheiden!
Wie findet man das richtige
Auswahlverfahren?
1) Anforderungsanalyse
2) empirische Befunde zur Vorhersage von
Studienerfolg, …
Beide Strategien ergänzen sich.
1) Anforderungsanalyse
• Ansatz aus der Arbeitspsychologie
• Welche Anforderungen sind zu bewältigen?
• Welche Eigenschaften benötigen erfolgreiche
Studierende?
• liefert Hinweise, welche Merkmale für den
Studienerfolg relevant sind
• Die Fragen müssen für jedes Studienfach
gestellt werden.
Methoden der Anforderungsanalyse
• Befragung
von Studierenden und Lehrenden (Interview
oder schriftlich)
• „kritische Ereignisse“ nennen lassen
• Anforderungen oder Eigenschaften direkt erfragen
• Analyse von Dokumenten
(Studien- und Prüfungsordnungen)
- für Studium keine standardisierten Instrumente verfügbar
Anforderungsanalyse: Anglistikstudium
erforderliche Eigenschaften:
•
•
•
•
selbstständiger Erwerb englischer Sprachpraxis
Informationssuche
selbstorganisiertes Lernen
…
Quelle: Pixner, J., Zapf, S. & Schüpbach, H. (2005). Die Anforderungsanalyse zur
Ermittlung erfolgskritischer Aufgaben und Verhaltensweisen im Studium. Vortrag auf der
8. Arbeitstagung der Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitsforschung und
Diagnostik in Marburg am 26. und 27. September 2005.
Anforderungsanalyse: Psychologiestudium
erforderliche Eigenschaften:
•
•
•
•
Selbstorganisation
allgemeine sprachliche Kompetenz
Leistungsmotivation
…
Quelle: Wetzenstein, Vortrag 20. 4. 05 im Bühler-Kolloquium,
Universität Dresden
Wie kann man die erforderlichen
Eigenschaften messen?
Selbstorganisation:
sprachliche Kompetenz:
Leistungsmotivation:
Gespräch?
Deutschnote?
Gespräch?
zulässige Verfahren im Sinne des HRG!
Prinzip der Verfahrensauswahl
Verfahren
Eignungsmerkmal
SelbstSprachkom- Leistungsorganisat. petenz
motivation
Abiturnote
x
Einzelnote
x
Studierfähigkeitstest
Gespräch
x
x
x
x
x
2) Empirische Befunde
• internationale Forschung zu Studienerfolg
• nationale Forschung zu Studienerfolg
Internationale Forschung zu
Studienerfolg
1) Metaanalyse von Robbins et al. (2004)
2) Metaanalyse von Hell et al. (2005) und
Trapmann et al. (2005)
Internationale Forschung zu
Studienerfolg
Metaanalyse von Robbins et al. (2004)
• Kriterium: „college outcome“ (College GPA,
Dauer)
• Prädiktoren: Schulnoten, Auswahltests +
psychosoziale Faktoren
• insgesamt 109 Studien
Robbins, S.B., Lauver, K., Le, H., Davis, D., Langley, R. & Carlstrom, A. (2004). Do psychosocial and
study skill factors predict college outcomes? A meta-analysis. Psychological Bulletin, 130, 261-288.
Vorhersage von College GPA
(Robbins et al., 2004)
multiple
Regression
Prädiktor
r
(r2) R2,R2
High School GPA
.41
(.17)
ACT/SAT
sozioökonomischer Status
.37
.16
(.14)
eigene akadem. Fähigkeiten*
.38
(.14)
+ .03
Leistungsmotivation*
.26
(.06)
+ .02
.22
(.03)
nach Robbins et al., Tab. 5; (r) = nur die beiden varianzstärksten zusätzlichen Prädiktoren aus Tab. 10 aufgeführt
(unkorrigierte Werte).
R2 für klassische Prädiktoren aus Tab. 9.
* Fragebogen; akad. Fähigkeiten (= academic self-efficacy). ,
Vorhersage der Studiendauer
(Robbins et al., 2004)
multiple
Regression
Prädiktor
r (r2)
R2,R2
High School GPA
.24
(.06)
ACT/SAT
sozioökonomischer Status
.12
.21
(.01)
Zufriedenheit mit Institution*
.20
(.04)
+ .04
akademische Fertigkeiten*
.30
(.09)
+ .07
.09
(.04)
nach Robbins et al., Tab. 4; r nicht minderungskorrigiert, nur die beiden varianzstärksten zusätzlichen Prädiktoren aus Tab.
8 aufgeführt, R2 für klassische Prädiktoren aus Tab. 9.
* Fragebogen; akad. Fertigkeiten = time management skills, study skills and habits, problem solving strategies,
communication skills,…
Zusammenfassung
Robbins et al. (2004)
Studienleistung (GPA):
• Die Klassischen Prädiktoren erklären 22%.
• Drei psychosozialen Faktoren erklären weitere 4%.
Studiendauer:
• Die Klassischen Prädiktoren erklären 9%.
• Fünf psychosozialen Faktoren erklären weitere 8%.
Fazit: GPA durch klassische Prädiktoren, Dauer
primär durch psychosoziale Faktoren
vorhersagbar
nach Robbins et al., Tab. 9 für Dauer und 11 für GPA; (nicht minderungskorrigiert)
Vorhersage von Studiennoten
Metaanalysen von Hell et al., 2005; Trapmann et al., 2005
• Kriterium: Noten, Studienabbruch
• Prädiktoren: Schulnoten, Bachelornoten, allgem.
und fachspezifische Studierfähigkeitstests (bis
hier nur Europa), Interviews, … (weltweit)
• insgesamt 211 Studien ausgewertet
Trapmann, S., Hell, B., Hirn, J.O., Weigand, S. & Schuler, H. (2005). Psychologische Konstrukte als
Prädiktoren des Studienerfolgs – eine Metaanalyse. Vortrag auf der 8. Arbeitstagung der Fachgruppe
Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik der Deutschen
Gesellschaft für Psychologie in Marburg, 26.09.-27.09.2005.
Hell, B., Trapmann, S., Weigand, S., Hirn, J.O. & Schuler, H. (2005). Die Validität von
Prädiktoren des Studienerfolgs – eine Metaanalyse. Vortrag auf der 4. Tagung der
Fachgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie in Bonn, 19.09.-21.09.2005.
Ergebnisse
Prädiktor
Schulnoten
Schulnoten Studienfachbez.
Studierfähigkeitstests spez.
(Hell et al., 2005)
N (k)
48.178 (53)
rcorr
.46
947 (07)
.31
45.783 (37)
.43
745 (10)
Studierfähigkeitstests allg.
Bachelor-Noten
Interviews strukturiert
2.169 (30)
.43
.32
.13
Interviews unstrukturiert
2.136 (14)
.17
980 (09)
Metaanalyse von Hell et al. (2005)
N = Anzahl der untersuchten Personen, k = Anzahl der Studien
Ergebnisse
(Trapmann et al., 2005)
Prädiktor
allgem. Intelligenz
rcorr
(hier nur europ. Studien)
Intelligenzkomponenten Verarbeitungskap. num.
C Gewissenhaftigkeit
Persönlichkeit global
Persönlichkeit Facetten C Selbstdisziplin
C Kompetenz
C Leistungsstreben
.36
max. .32
max. .25
.31
.27
.24
Fazit der Autoren: Komponenten der Gewissenhaftigkeit
mit Interviews erfassen
Vorhersage von Studienabbruch
Metaanalyse von Trapmann et al. (2005)
Prädiktor
Neurotizismus
Trapmann et al. (2005)
rcorr
.06
Deutsche Forschung zu Studienerfolg
1) Metaanalyse von Baron-Bolt, Schuler & Funke
(1988) zu Schulnoten
2) Untersuchung von Steyer et al. (2005) zu
Schulnoten (Studienfach Psychologie)
3) Untersuchung von Schmidt-Atzert (2005) zu
Schulnoten und weiteren Prädiktoren
(Studienfach Psychologie)
4) Forschung zum Auswahlverfahren für
medizinische Studiengänge
Vorhersage von Studienerfolg mit
Schulnoten
Metaanalyse von Baron-Boldt et al. (1988)
Prädiktor
Vorhersage von
Gesamtnote Abitur Examen, alle
Studienfächer
Examen, einzelne
Studienfächer
rcorr
.46
.38 bis .56
(Jura bis Wirtschaftswiss.)
einzelne Noten
Examen, alle
(Sport bis Mathematik) Studienfächer
.07 bis .34
Fazit: Gesamtnote bester Prädiktor, Unterschiede zwischen
den Studienfächern
Vorhersage von Studienerfolg mit
Schulnoten
aktuelle Studie von Steyer, Yousfi und Würfel (2005)
• Stichprobe: alle 1995 bis 2001 in Jena neu
immatrikulierte Psychologiestudenten (N = 694)
• Prädiktor: Abiturnoten
• Kriterium: Noten im Vordiplom und Diplom
• Ergebnisse:
• r = .39 (Gesamtnote Vordiplom)
• r = .28 (Gesamtnote Diplom)
• einzelne Fachnoten korrelieren niedriger mit (Vor-)
Diplom
• Fazit: Gesamtnote im Abitur guter Prädiktor,
gewichtete Schulnoten nicht sinnvoll
Vorhersage von Studienerfolg mit
Schulnoten
aktuelle Studie von Schmidt-Atzert (2005)
• Studienanfänger im Fach Psychologie zum
Studienbeginn WS 2002/03 untersucht
(freiwillig!)
• Kriterium: Vordiplomnoten nach zwei
Jahren, Studiendauer, Studienabbruch
• N = max. 106
Ergebnisse: Vorhersage der
Vordiplomnote
Prädiktor
Verfahren
Schulleistung
Abiturnote
Intelligenz
Leistungsmotivation1
drei BIS-K Subtests
OLMT
Belastbarkeit
Skala N aus NEO-FFI
r (Note)
.37**
-.07
-.25*
.17
1 Leistungsmotivation
hat eine signifikante inkrementelle
Validität über die Abiturnote hinaus!
N = 48 (Belastbarkeit) bis 79 (Abiturnote); negatives Vorzeichen wegen Notenskala 1 - 5
Abiturnote und Vordiplomnote
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
VD_NOTE
1,5
1,0
,5
,5
1,0
Abischnitt
1,5
2,0
2,5
3,0
Leistungsmotivation und Vordiplomnote
4,0
3,5
r = -.25*
3,0
n = 57
2,5
2,0
VD_NOTE
1,5
1,0
,5
40
50
60
70
80
OLMT Aufgabenbezogene Anstrengung
90
Ergebnisse: Studiendauer und -abbruch
Prädiktor
hat VD
Abbruch
kein VD
Diff.
zu VD
Abiturnote
1.7
1.8
1.9
n.s.
Leistungsmotivation
100
105
100
n.s.
98
109
107
*
101
93
104
*
Belastbarkeit (N)
Wissen über Studium
Belastungen
7 von 77 11 von 16 3 von 11
VD = Vordiplom; Werte, die sich signifikant von der Gruppe „VD“ unterscheiden, farbig markiert
*
Zusammenfassung zur Studie
• Vordiplomnote durch Abiturnote vorhersagbar
(r = .37)
• Leistungsmotivation hat eine inkrementelle
Validität
• Studienabbrecher
• haben höhere Neurotizismus-Werte
• sind schlechter über Studium informiert
• berichten viele Belastungen (Jobs, Familie, …)
Auswahlverfahren für medizinische
Studiengänge
• in Deutschland 1986 bis 1998 „Test für
medizinische Studiengänge“ TMS
• seit 1998 Nachfolgertest in der Schweiz
zum TMS: Testaufbau
Untertest
angezielte Fähigkeit
Min.
Muster zuordnen
differenzierte visuelle Wahrnehmung
22
med..-naturwiss.
Grundverständnis
Verständnis für medizinischnaturwissenschaftliche Probleme
60
Schlauchfiguren
räumliches Vorstellungsvermögen
15
Quantitative und
formale Probleme
Bearbeitung quantitativer und formaler
Probleme
60
konzentriertes und
sorgfältiges Arbeiten
Konzentrationsfähigkeit,
Aufmerksamkeit
8
zum TMS: Testaufbau
Untertest
angezielte Fähigkeit
Textverständnis
Verständnis und Integration wiss. Texte
60
Gedächtnistests:
- Figurenlernen
- Fakten lernen
Behalten von Grafiken (visuelles Ged.)
Behalten von Fakten (verbales Ged.)
5
7
Diagramme und
Tabellen
Integration von Diagrammen und
Tabellen
60
Gesamtdauer: ca. 5 Stunden
Quelle: Langfeldt & Tent (1999)
Min.
Vorhersage der Ärztlichen Vorprüfung
schriftlicher Teil
______________________________________
Teststandardwert:
r = .50
Abiturdurchschnitt:
r = .48
„Wertzahl“ (Note 55%, Test 45%):
r = .57
______________________________________
Ergebnisse aus drei Testkohorten ( N = 27.876)
* unkorrigierte Validitätskoeffizienten
Quelle: Klieme & Nauels, 1994, S.158)
Fazit: Abiturnote guter Prädiktor, inkrementelle Validität
durch Test
Nachfolgetest EMS in der Schweiz
•
•
•
•
gleicher Aufbau wie TMS
seit 1998 angewandt
bis 2005 freie Zulassung, kein NC!
Validität: r = .55
• Kriterium: Durchschnittsnote (Human- und
Veterinärmedizin)
• Trainierbarkeit gering
Quelle: Hänsgen, K.-D. (2005). Acht Jahre Eignungstests für das Medizinstudium in der
Schweiz. Vortrag auf der 8. Arbeitstagung der Fachgruppe Differentielle Psychologie,
Persönlichkeitsforschung und Diagnostik in Marburg am 26. und 27. September 2005.
Ein Zwischenfazit
• zwei gute Prädiktoren für Studienerfolg: Noten
und Studierfähigkeitstests
• Kombination besser als ein Prädiktor
• Studiendauer und –abbruch durch psychosoziale
Faktoren vorhersagbar
Empirische Befunde zu
Auswahlgesprächen
Metaanalysen zur Validität verschiedener Prädiktoren
für (beruflichen) Ausbildungserfolg (Auszug)
Prädiktor
Intelligenz
Schmidt
& Hunter
(1998)
.56
Salgado
et al.
(2003)
.54
Gewissenhaftigkeit
.30
-
Interview
.35
-
(strukt./unstrukturiert)
Kriterium: „performance in job training programs“ Korrelationen korrigiert für Varianzeinschränkung und
Reliabilität. Nur die besten Prädiktoren nach Schmidt & Hunter aufgeführt.
Gespräche ???
• Was leisten Auswahlgespräche bei der
Vorhersage von Studienerfolg?
Untersuchungen zur Vorhersage des
Studienerfolgs in Medizin
Vergleich verschiedener Auswahlverfahren.
Zulassung zum Studium nach fünf Quoten:
_____________________________________
vorab bis 10 % für Ausländer
N=
592
15 % nach Auswahlgespräch
N = 2.010
45 % nach Abitur und Test N = 12.550
10 % nach Testergebnis
N = 1.983
20 % nach Wartezeit
N = 3.707
______________________________________
Quelle: Nauels & Klieme, 1994; N = Anzahl der Studierenden, die nach vier Semestern zur Prüfung angetreten sind
15 % Kandidaten nach Vorabquote per Los Auswahlgespräch oder der
„gestaffelten“ Restgruppe zugewiesen
Auswahlgespräch
• Selektionsquote: 1/3 (d.h. drei mal mehr
Kandidaten eingeladen als Studienplätze)
• Gespräch mit zwei Hochschullehrern
• Motivation und Eignung für das Studium und
den angestrebten Beruf feststellen
Quelle: Nauels & Klieme, 1994
Validität: Studiendauer
Häufigkeit in%
Studiendauer:
nach 4 Semestern zur
Vorprüfung angetreten
90
80
70
60
50
40
Quelle: Nauels & Klieme (1994)
30
20
10
0
Abi/Test
Test
Gespräch
Validität: Prüfungserfolg
Prüfungserfolg:
Vorprüfung nach 4
Semestern im ersten
Anlauf bestanden
Quelle: Nauels & Klieme (1994)
Erfolgsrate in %
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Abi/Test
Test
Gespräch
Validität: Prüfungsleistung schriftlich
Prüfungsleistung
schriftliche
Prüfungsleistung:
Standardwerte
106
104
102
100
98
96
Quelle: Nauels & Klieme (1994)
94
92
90
Abi/Test
Test
Gespräch
Validität: Prüfungsleistung mündlich
Note
mündliche
Prüfungsleistung: Note
3,5
3
2,5
2
Quelle: Nauels & Klieme (1994)
1,5
1
0,5
0
Abi/Test
Test
Gespräch
Zwischenfazit zu Auswahlgesprächen
• Validität von Auswahlgesprächen bei allen
Kriterien schlechter als die von Eignungstest
Weitere Aspekte von Auswahlverfahren
•
•
•
•
Ökonomie
Verfälschbarkeit
Fairness
Akzeptanz
Ökonomie
zeitlicher und finanzieller Aufwand für
• die Bewerber
• die Prüfer
• die Organisation
• Einladungen, Bescheide, Abwehr von Klagen, …
Ökonomie
Aufwand für Bewerber
Kostenfaktor
Abitur
Tests
note
Anreise
-
Durchführung
-
ca. 2 Stunden
ca. 5 Stunden
Gespräch
ca. 2 Stunden
ca. ½ Stunde
Aufwand für die Prüfer (pro Bewerber)
Durchführung
-
ca. 6 Min.*
ca. 1 Stunde**
Sonstiges
-
Auswertung
Schulung und
Auswertung
* bei Gruppenuntersuchungen mit N = 150 pro Termin mit drei „Prüfern“ anwesend
** bei 2 Interviewern pro Gespräch
Ökonomie
• Die nach einem validen Verfahren ausgewählten
Studierenden erzielen am Ende bessere
Studienleistungen.
• Auswahl hat diesbezüglich den gleichen Effekt
wie eine Verbesserung der Ausbildung.
• Eine Verbesserung der Ausbildung kostet viel
Geld.
• Ein valides Auswahlverfahren kostet
vergleichsweise wenig Geld.
Rechenbeispiel
1)
2)
3)
jedes Jahr 500 Bewerber, 100 Studienplätze
70 Prozent der Bewerber sind geeignet (würden das
Studium erfolgreich abschließen)
Kriterium = schließt Studium erfolgreich ab
Abiturnote:
+ Verfahren x:
Validität
r = .40
r = .50


Erfolgreiche
87.7%
91.4 % 
Bei zusätzlichem Einsatz von Auswahlverfahren x werden
jedes Jahr 4 Studierende mehr das Studium erfolgreich
abschließen.
[Was kosten 4 Studienplätze die Universität?]
Verfälschbarkeit
• Studierfähigkeitstests: kommerzielles Training
möglich
 Trainingsmaterial für alle im Internet
• Itemdiebstahl möglich
 Items regelmäßig austauschen
• Auswahlgespräche: Antworten verfälschbar
•
•
•
•
Tipps in den Medien
Erfahrungen anderer Bewerber nutzbar
bei Standardisierung immer die gleichen Fragen
neue Fragen schwer generierbar
Auswahlgespräche an der LMU
München für Psychologie:
• „Warum wollen Sie Psychologie studieren?“
• "Welche Fragestellungen in der Psychologie
interessieren Sie ganz besonders?“ (vier
Angaben mit Begründung in Stichworten)
• "Welche Literatur haben Sie bereits gelesen und
was war dabei besonders interessant?“
etc.
und gleich 10 Tipps für die Bewerber dazu!
Quelle: Focus online 30. Mai 2005
http://bildung.focus.msn.de/bildung/bildung/auswahlgespraech?page=3
Fairness
• Abiturnote bedingt fair wegen
unterschiedlicher Ausbildungs- und
Benotungsstandards in den Ländern und an den
Schulen
• Tests in Durchführung und Auswertung objektiv
(alle Bewerber werden gleich behandelt)
• Tests benachteiligen bei guter Konstruktion
keine bestimmten Bewerbergruppen
• Auswahlgespräche sind nicht völlig objektiv in
Durchführung und Auswertung (anfällig für
Urteilsfehler, Willkür)
Fairness
Akzeptanz (bei Studierenden)
• Befragung von Studierenden
(Wirtschaftswiss., Wirtschaftspädagogik,
Agrarwiss., Sozialmanagement; N = 237)
• 11 Verfahren zur Studierendenauswahl
genannt
• Aufgabe: Rangreihe bilden
Hell und Schuler (im Druck)
Präferenzen
Verfahren
Rang
Studierfähigkeitstest
3.6
Auswahlgespräch,
Schulnoten
4.2
4.2
anforderungsbezogen, strukturiert
Auswahlgespräch, frei geführt
5.1
Intelligenztest
6.2
Losverfahren
9.3
Graphologie
10.2
Hell & Schuler (im Druck)
Akzeptanz: Argumente für (und gegen)
Auswahlgespräche
• „Bei
Auswahlgesprächen
entsteht ein
persönlicher Kontakt
mit Vertretern der
Hochschule und damit
auch eine Bindung.“
• Die Bindung nutzt
nichts, wenn der
Bewerber sich für
eine der vielen
anderen Unis
entscheidet, bei
denen er sich
vorgestellt hat.
• „Bindungsgespräche“
besser nach Antritt
des Studiums
Auswahlgespräche: pro und kontra
• „Bei
Auswahlgesprächen
können sich die
Bewerber zugleich
Informationen über
den Studiengang und
die Hochschule
einholen.“
• Die dafür benötigte
Zeit muss zum
eigentlichen
Auswahlgespräch
hinzugerechnet
werden.
• Die Studienberatung
sollte diesen Service
ökonomischer
anbieten können.
Auswahlgespräche: pro und kontra
• „Auswahlgespräche
dienen auch der
Selbstdarstellung des
Instituts und der
Universität.“
• Stimmt - kann bei
geringer Nachfrage
(zu wenig Bewerber)
sinnvoll sein
• Es gibt aber auch
andere Möglichkeiten
der Werbung.
Zusammenfassung: Vor- und Nachteile
verschiedener Auswahlverfahren
Verfahren
valide
objektiv ökono- unvermisch fälschbar
(+)
+
+
Abiturnote
+
Einzelnoten
-
(+)
+
+
Tests
+
+
(+)
+
Interview
-
(+)
-
-
Was tun (am Beispiel Psychologie)?
1) Randbedingungen1:
• 3.436 Studienplätze (WS 2004/05), davon 2.121 von
den Universitäten direkt zu vergeben2
• 12.490 Bewerber für 2.121 Studienplätze an 41
Hochschulen
• 41 Hochschulen mit durchschnittlich 52 Studienplätzen
• pro Hochschule durchschnittlich 305 Bewerber auf 52
Studienplätze
• realistisch sind 5 Bewerbungen pro Person
2) Konsequenz für jede einzelne Hochschule:
• durchschnittlich 1.525 (!) Bewerbungen zu bearbeiten
1) nach Stemmler (2005); 2) 60 Prozent; Vorabquote vernachlässigt
Was tun? Empfehlung
(Kommission Studierendenauswahl der DGPs 2005)
• vorerst nach Abiturnote auswählen
• spezifische Studierfähigkeitstests entwickeln
• sobald verfügbar, mit Kombination von
Abiturnote und Studierfähigkeitstests auswählen
• dabei der Profilbildung der Institute Rechnung
tragen: Module institutsspezifisch gewichten
Testmodule für Psychologie
Vorschlag der Kommission Studierendenauswahl
der DGPs
• psychologisches Verständnis
• methodisches, kritisches Denken (Reasoning)
• studienrelevantes Wissen aus den Schulfächern
• Biologie
• Mathematik
• Textverstehen Englisch
Empfehlungen zur Umsetzung
Vorschlag
1) Tests zentral entwickeln,
bereitstellen, evaluieren
und „pflegen“
2) Tests dezentral
zeitgleich an vielen
Orten in Deutschland
durchführen
Nutzen
• ökonomisch, weil keine
parallelen Entwicklungen,
hohe Qualität durch
Kompetenz
• ökonomisch für Bewerber
- wohnortnah
- nur eine Untersuchung
- Ergebnis gilt für alle
Unis
• Itemdiebstahl sinnlos
Empfehlungen zur Umsetzung
Vorschlag
3) mehrere Testmodule
Nutzen
• Gewichtung der Module
je nach Profil des
Instituts
4) Informationen im
Internet über Studienfach
und das eigene Institut
• informierte Bewerber,
Selbstselektion der
Bewerber
5) (freiwilliger) Wissenstests
über das Studium vor der
Bewerbung
• keine Fehlbewerbungen
durch Unwissen
Prof. Dr. Lothar Schmidt-Atzert
Psychologische Diagnostik
Universität Marburg
Tel: 06421-2823640
e-Mail: [email protected]
www.pass-mr.de

Studienerfolg - Hochschulkurs