Stadtanthropologische
Perspektiven
Prof. Dr. Johannes Moser
Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Sommersemester 2010
Stadtanthropologische Perspektiven
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• Organisatorisches:
– Vorlesungstermine: 19.4., 26.4., 3.5., 10.5.,
17.5., 7.6., 14. 6., 21. 6., 28.6., 5.7., 12. 7. und
19.7.
– Der Termin am 31.5. entfällt
– Prüfung (wer eine benötigt): 25. Juli 2010 –
Zeit und Ort rechtzeitig auf der Institutshomepage (http://www.volkskunde.uni-muenchen.
de/index.html) oder im Sekretariat erfragen.
• Seminarkarte!
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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Inhalte
Geschichte der Stadt
Anfänge der Stadtforschung im 19. Jahrhundert
Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben
und Max Webers Typologie der Städte
Frühe volkskundliche Stadtforschung
Chicago School of Urban Sociology mit jüngeren
Beispielen (z.B. Wacquant)
Spätmoderne Stadt; Global City; Mega City
Mike Davis: City of Quartz
Der Habitus der Stadt (z.B. Lindner/Moser, Musner, Löw
Berking)
Stadt und Sound
Methoden der Stadtforschung
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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• Sudhir Venkatesh:
Underground Economy. Was Gangs und
Unternehmen gemeinsam haben.
Berlin: Econ 2008.
• http://sudhirvenkates
h.org/
• http://www.dislocation
film.com/soundimage.
html
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Eine Stadt ist eine Siedlung, die durch verschiedene Faktoren gekennzeichnet ist:
• Eine gewisse Größe
• Geschlossenheit der Siedlungsform
• Hohe Bebauungsdichte
• Zentrale Funktionen
– etwa in Wirtschaft/Handel
– Kultur
– Verwaltung
• Verkehrsknotenpunkt
• Vielfalt der Bevölkerung (sozial, kulturell,
konfessionell, sprachlich, ethnisch)
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Einteilung von Städten in Deutschland
• 2.000 – 5.000 Einwohner sind so genannte
Landstädte
• 5.000 – 20.000 Einwohner sind Kleinstädte
• 20.000 – 100.000 Einwohner sind Mittelstädte
• Und ab 100.000 Einwohnern spricht man von
Großstädten
• Diese Einteilung ist aber von Nation zu Nation
unterschiedlich. So liegt die Untergrenze für eine
Stadt in der Schweiz etwa bei 10.000
Einwohnern und in Japan etwa bei 50.000
Einwohnern.
Abb. 10: Grundriss Pienza
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• Verleihung des Stadtrechts (unabhängig von der
Einwohnerzahl)
• Damit verbundene Rechte:
– Marktrecht,
– Selbstverwaltungsrecht,
– gewisse Formen der Gerichtsbarkeit, u.a.m.
• Stadt ist ein von Menschen produzierter sozialer
Raum, eine Schnittstelle konkurrierender Akteure, Funktionen und Interessen, an der sich
Macht- und Verteilungskämpfe um knappe
Ressourcen artikulieren.
Abb. 10: Grundriss Pienza
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• Heute leben mehr Menschen in städtischen als
in ländlichen Regionen, und nie zuvor hat ein
Großteil von ihnen dort so elend gelebt (z.B.
Slums). Hier Bilder aus dem Internet.
• Kulturwissenschaftliche Stadtforschung
konzentrierte sich meist auf Großstädte, weil
diese den Gegenpol zur ländlichen Gesellschaft
darstellten.
• In jüngster Zeit beschäftigt sich Brigitta SchmidtLauber mit Mittelstädten.
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Drei Arten von Beschäftigung mit der Stadt:
1. Die Untersuchung in Städten – city as
locus
2. Die Untersuchung des Urbanen – city as
locus
3. Die Untersuchung von spezifischen
Städten als Ganzes – city habitus
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Geschichte der Stadt
• Ursprung im Vorderen Orient, wo vor ca.
5.000 Jahren die ersten Residenzstädte
entstanden
• Machtzentren mit Privilegien und
umfassender Ausstattung
• Handels-, Verwaltungs- und
Politikzentren
• Beispiel Persepolis
• Abbildung Grundriss des Stadtkomplexes
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Im Fernen Osten entwickelten sich städtische
Kulturen um das 2. Jahrtausend vor Chr.,
wobei der Prozess der sozialen Differenzierung
und der Herausbildung großer Staaten ähnlich
verlief.
Es gibt allerdings Besonderheiten, die mit den
geografischen Bedingungen, der ökonomischen Entwicklung und mit kulturellen Eigenheiten zusammen hängen:
Lage – durch Himalaya vom restlichen Asien
getrennt.
Flache Landschaften mit Reisanbau als
Monokultur.
Dies fördert die Bildung großer Staaten.
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Anhäufung großen Reichtums
Wurde eingesetzt zur Regulierung des Wassers – einerseits Bewässerung und andererseits bei Hochwasser
Städteplanerische und architektonische Regeln
etwa in China bildeten sich zwischen 1100 und
200 vor Chr. heraus
Abbildung 1 von Kanton – regelmäßige Anlage
Städte dienten als Wohnsitz der Führungsschicht, aber auch als Fluchtstätte der bäuerlichen Bevölkerung
Daher zwei Mauerringe für einen inneren und
einen äußeren Bereich
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 1: Kanton
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•
Einwohnerzahl erreichte bereits im ersten
vorchristlichen Jahrhundert die
Millionengrenze.
• Abbildung von Beijing (Peking)
– in der Mitte die kaiserliche Stadt
– innerhalb der kaiserlichen Stadt die
verbotene Stadt
– um die kaiserliche Stadt herum befindet sich
die innere Stadt
– rechts davor die Äußere Stadt
• In Japan Stadtentstehung erst ab 3. Jh. v. C.
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Abb. 2: Beijing
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Griechenland
• Griechenland: seit dem 4. Jh. vor Christi die
aristokratische oder auch demokratische Polis
• ökonomischen Innovationen wie das Eisen
und die Münzprägung
• Geldwirtschaft, die sich im gesamten östlichen
Mittelmeerraum verbreitete
• Entfaltung von Kunst, Literatur und Wissenschaft
• Städte eher klein: Athen hatte zur Zeit des
Perikles ca. 40.000 Einwohner
• Bevölkerung sollte groß genug sein, um ein
Heer aufzustellen
Abb. 10: Grundriss Pienza
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•
nicht zu groß, um die Funktionsfähigkeit der
Bürgerversammlungen nicht einzuschränken
• Einwohner sollten sich untereinander kennen,
um entscheiden zu können, welche Person für
eine Funktion am besten geeignet sei
• Vier Charakteristika lassen die griechische
Stadt zum Stadtplanungsvorbild werden:
1. Einheit: Die griechische Stadt kannte weder
Sperrbezirke noch selbständige Stadtteile.
2. Interne Offenheit: Das Stadtgebiet war in
drei Bereiche aufgeteilt: privater Bereich,
heiliger Bereich und öffentlicher Bereich
Abb. 10: Grundriss Pienza
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•
Abb. 3 + 4: Agora von Athen & Athen-Plan
3. Ausgewogenes Verhältnis zur Natur
4. Bewusste Begrenzung des Wachstums
• Ab dem 4. vorchr. Jh. wurden die Errungenschaften der Griechen – ihre Philosophie, ihre
wissenschaftl. Erkenntnisse, ihr Wirtschaftssystem, ihre Architektur und Städteplanung – in
der gesamten zivilisierten Welt verbreitet
• Unter Alexander den Gr. und seinen Nachfolgern entstanden dann auch große Metropolen
• Alexandria zählt eine halbe Million Menschen,
Antiochia 200.000 bis 300.000
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Abb. 3: Agora von Athen
Abb. 4: Plan von Athen zur Zeit des Perikles
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Rom: Die Stadt und das Weltreich
• Von der unbedeutenden Stadt zur Hauptstadt
eines Weltreichs
• Drei Abbildungen von Rom
• Rom ist Beispiel dafür, wie die Römer erober-tes
Land kolonisierten und Städte ausbauten:
1. durch den Aufbau einer Infrastruktur: Straßen,
Brücken, Aquädukte, Verteidigungswälle
2. die Aufteilung des fruchtbaren Bodens in
einzelne bebaubare Ländereien
3. die Gründung neuer Städte
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Abb. 5: Plan von Rom
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Abb. 6: Rom
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•
•
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In der Spätzeit Dezentralisierung politischer
Funktionen
Ausbildung regionaler Hauptstädte – eindrücklichstes Beispiel war Konstantinopel (heute
Istanbul)
Abbildungen Konstantinopel
Nach Teilung und Niedergang des römischen
Reichs wurde Rom zunächst unbedeutend
Dem Römischen Reich verdanken sich aber
einige Gründungen bedeutender Städte: Paris,
London, Wien, Köln, Mailand, Turin, Florenz
oder Bologna
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Abb. 7: Konstantinopel
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Islamische Städte
• Die Araber eroberten ab der zweiten Hälfte des
7. Jh. nach Chr. die Küste der Mittelmeerländer
• Sie besetzten bereits existierende Städte wie
Alexandria, Damaskus oder Jerusalem und
veränderten sie nach ihren Vorstellungen
• Neugründungen wie Bagdad oder Kairo
• Zweitrangige Städte wie Palermo oder Cordoba wurden zu Metropolen mit mehreren
hunderttausend Einwohner
• Was zeichnete die islamischen Städte aus:
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
1.
„Schlichtheit des neuen kulturellen Systems“, führte zu einer Beschränkung der sozialen Kontakte.
Es gab keine Foren, Basilika, Theater, Amphitheater, Stadien oder Gymnasien, sondern nur private
Wohnhäuser und Paläste sowie zwei Arten öffentlicher Gebäude:
–
–
2.
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Bäder zur Reinigung des Körpers
Moscheen für den religiösen Kult
Prinzip der Regelmäßigkeit der hellenistischen und
römischen Städte wurde aufgegeben. Eingeschossige Häuser und schmale Straßen und bildeten ein
Labyrinth von gewundenen Gassen und Passagen
(Abb. Kairo und Algier)
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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3. Die Stadt wurde zu einem Organismus, der von
einem Mauerring umschlossen ist. Innere Bezirke ebenfalls durch Mauern getrennt, verschiedene ethnische oder religiöse Gruppen
lebten in eigenen Stadtteilen
4. Religiöse Vorschriften verbaten die Nachbildung
menschlicher Gestalt. Stattdessen abstrakte
Dekorationen mit geometrischen Figuren und
Schriftzeichen, die direkt in die architektonische Gestaltung der Bauwerke einbezogen
wurden. Bemerkenswerte Einheitlichkeit der
Motive in der gesamten islamischen Welt
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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Zwischen dem 8. und 12. Jh. v. Chr. arabische
Städte die größten und reichsten der Welt
Bagdad hatte mehr als eine Million Einwohner und
war lange Zeit das bedeutendste Handels- und
Kulturzentrum der Welt
1248 von den Mongolen zerstört und zwar an
derselben Stelle, aber nicht mehr in derselben
regelmäßigen Struktur wieder aufgebaut
Abbildung Bagdad
Nach den Kreuzzügen dehnt sich der Islam nur
noch nach Osten aus
Isfahan, Agra & Delhi als wichtige Gründungen
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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Die mittelalterliche Stadt in Europa
• Mit dem Zerfall des Römischen Reiches ging das
städtische Leben im heutigen Westeuropa deutlich
zurück
• Erst um die Jahrtausendwende bildete sich eine
neue Wirtschaft und Kultur heraus, die Städte
erlebten einen neuen Aufschwung
• Bruch mit der antiken Kultur
• Zunächst fehlen Ressourcen, qualifizierte
Architekten und Handwerker.
• Neue Ansiedlungen nutzen die vorhandenen
Möglichkeiten (Abbildungen Arles & Split)
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
•
Für das Städtewesen im Mittelalter sind zwei
Aspekte bedeutend:
Die Entwicklung neuer Stadtstaaten
1.
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•
•
•
2.
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Zuzug in Städte
Selbstbewusstes Bürgertum und Hierarchien
Neue städtische Organe
Wichtige Akteure/Vereinigungen sind Schöffen,
Geschworene, Gilden, Zünfte, kirchliche Vertreter
Die Besiedlung des ländlichen Raums
–
–
Produktionssteigerung am Land durch Aufschwung
der Städte
Bedarf an Arbeitskräften und neue Siedlungsformen
Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
•
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Es gibt kein typisches mittelalterliches Stadtbild, aber einige allgemeine Charakteristika:
1. Die mittelalterliche Stadt hatte ein unregelmäßig
verlaufendes Straßennetz –wie islamische Städte
2. Der öffentliche Bereich war wegen verschiedener
Machtzentren komplex strukturiert: Bischofssitz,
Stadtverwaltung, religiöse Orden und Zünfte
3. Städte hatten eine privilegierte Stellung. Das Zentrum der Stadt war Machtzentrum mit den wohlhabendsten Menschen und den höchsten Bauwerken
4. Die mittelalterlichen Städte, die bis heute erhalten
geblieben sind, erhielten ihre endgültige Form
zwischen 15. und 18. Jahrhundert
Abb. 10: Grundriss Pienza
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•
•
•
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Die drei erstgenannten Charakteristika der mittelalterlichen Stadt – die Kontinuität, die Komplexität
und die Konzentration – erwiesen sich als stabile
Faktoren der Stadtentwicklung und sind bis heute
grundlegende Elemente aller europäischen Städte
geblieben
Es gab keine Metropolen wie in der Antike, sondern eine Vielzahl von mittelgroßen Städten, deren
Einwohnerzahl zwischen 50.000 und 150.000 lag
Die bevölkerungsreichsten Städte Mailand und
Paris hatten max. 200.000 Einwohner, Venedig
150.000, Florenz 100.000, Gent und Brügge
80.000
Abb. 10: Grundriss Pienza
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•
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An Paris (Abbildung) ist die Stadterweiterung gut
erkennen.
Renaissance
•
•
•
Renaissance bedeutet Wiedergeburt und bezeichnet die geistigen und künstlerischen Bewegungen,
die an ältere Traditionen anknüpfen – in der europäischen Kulturgeschichte war es meist eine
Rückbesinnung auf die Antike
Hier geht es um die Renaissance als eine Epoche,
die – seit dem 15. Jahrhundert – den Übergang
der europäischen Gesellschaften in die Moderne
markiert
Mittelalter kannte noch keine Trennung zwischen
geistlicher und weltlicher Herrschaft
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Abb. 8: Plan von Paris
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Jedes Wissen wurde dem dogmatischen Primat
des christlichen Glaubens unterstellt
Nun entsteht ein profan-säkularistisches Denken,
das auf Vernunft und Erfahrung basierte und damit
die Naturwissenschaft revolutionierte
Am bedeutendsten waren – neben dem Aufkommen der Naturwissenschaften – die Entwicklungen
in der bildenden Kunst und Architektur
Diese Epoche brachte bedeutende Künstler oder
gar Universalgenies hervor (z.B. Leonardo da Vinci
oder Michelangelo)
Situation der Künstler ändert sich – sie werden
selbständige Spezialisten
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Italienische Städte der Renaissance
• In italienischen Städten gibt es viele Renaissancebauten, richtige Renaissancestädte gibt es allerdings wenige (Beispiel Pienza, Urbino, Ferrara)
• Rom, das um 1500 eine zweitrangige Stadt war,
wurde in großem Maße umgestaltet. Rom wurde
so zu einer Art Stadt-Museum europäischer Kultur,
wo sowohl die Ursprünge des antiken als auch des
neuzeitlichen Klassizismus studiert werden können
Kolonisierung der Welt durch die Europäer
• In Europa wurden viele Städte nur um- oder ausgebaut, in Überseegebieten entstanden jedoch
neu gegründete Städte mit bedeutenden neuen
Bauwerken
Abb. 10: Grundriss Pienza
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Abb. 9: Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 10: Grundriss Pienza
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 11: Ferrara
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Die Spanier etwa besetzten den Ort Tenochzitlan
(das spätere Mexiko-Stadt) und veränderten ihn
nach ihren Vorstellungen
Einheitliches Modell der Stadtanlage:
– schachbrettartig angelegtes Straßennetz
– zwischen den Straßen befand sich eine Vielzahl – meist quadratischer – Häuserblocks
– In der Mitte der Stadt wurden einige Häuserblocks weg gelassen oder in ihrer Größe reduziert, um Raum für einen freien Platz zu schaffen, um den die bedeutendsten Gebäude gruppiert wurden: Kirche, Rathaus, die Häuser der
Kaufleute und der reichsten Kolonisten
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 12: Festung Daman
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Es gab aber auch Städte vor der Koloniosierung
wie die Inka-Stadt Machu Picchu
Auf dem amerikanischen Kontinent entstanden so
die bedeutendsten Beispiele der Stadtplanung des
16. Jahrhunderts
Ziel war, die Stadtlandschaft nach den Prinzipien
der Symmetrie und der geometrischen Regelmäßigkeit zu strukturieren
Schachbrettstruktur wurde über die Stadt hinaus
zu einem Planungsinstrument – etwa bei der Aufteilung von Ackerland oder bei der Festlegung von
Stadtgrenzen
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 13: Machu Picchu
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 14: Plan von Quito
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Abb. 15: New York
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Hauptstädte Europas im Zeitalter des Barock
• Barock ist ein Kunststil in Europa zwischen 1600
und 1770 – ist zugleich Epochenbezeichnung
• Der Tod und das Transzendente bedeutend Menschen zwischen Weltlust und Weltflucht
• Dies drückt sich in prunkvollen Bauten, Gemälden
und Innenausstattung ebenso aus wie in glanzvollen Festen und dem Theater – Tod immer wichtig
• Paris wurde künstlerisches Vorbild und erreichte
Anfang 18. Jh. eine Einwohnerzahl von 500.000
• Wien hatte Ende des 18. Jh. 200.000 EW. Amsterdam war Handels- und Bankenzentrum
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Abb. 16: Vaux le Vicomte
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Abb. 17: Versailles
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•
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London löste um 1800 Amsterdam als bedeutendstes
Finanz- und Handelszentrum ab und überholte Mitte
des 18. Jahrhunderts Paris als einwohnerstärkste
Stadt. Ende des 18. Jahrhunderts erste europäische
Stadt mit einer Million Einwohner
Auswirkungen der Industriellen Revolution:
1. Das Bevölkerungswachstum (durch das Sinken der
Sterblichkeitsrate)
2. Das Anwachsen der Produktion von Gütern und
Dienstleistungen aufgrund des technischen Fortschritts und des wirtschaftlichen Aufschwungs
3. Umverteilung der Bevölkerung innerhalb der einzelnen
Länder als Folge des Bevölkerungswachstums und der
Veränderung der Produktivkräfte
Stadtanthropologische Perspektiven
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Abb. 18: Amsterdam
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4. Die Entwicklung der Verkehrsmittel und –wege
5. Schnelligkeit und Vorläufigkeit der Veränderungen
6. Die neuen Strömungen im politischen Denken
• Materielle Auswirkungen der unkontrollierten
Stadtentwicklung (Verkehrschaos, Gesundheitsgefährdung, Hässlichkeit) bedrohten die Menschen.
Zwei Problemlösungsversuche
1. Man fand sich mit der Realität ab, dass die Mängel
der Industriestädte nicht völlig zu beheben sind –
Durchführung begrenzter Reformen
2. Man suchte nach Alternativen zu dieser Realität,
die es meist aber nur in der Theorie gab
Stadtanthropologische Perspektiven
Abb. 19: Armenviertel von London
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Stadtanthropologische Perspektiven
Abb. 20: Armenviertel von London
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Stadtanthropologische Perspektiven
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Die „post-liberale“ Stadt
• Es setzte sich die Vorstellung durch, dass die
Entwicklung der Stadt reguliert werden muss.
• Hauptmerkmale des neuen Modells :
1. Öffentliche Verwaltung und Grundstücksbesitzer anerkannten die Verfügungsgewalt des anderen im jeweiligen Bereich. Die Verwaltung verfügte über ein
Minimum an Grund und Boden, um ein Verkehrsnetz anzulegen und diverse Versorgungsleistungen
zu sichern (Wasser, Kanalisation, später Elektrizität)
2. Über die Nutzung der Grundstücke entschied allein
der Besitzer. Die Verwaltung hatte nur durch Verordnungen indirekten Einfluss.
Stadtanthropologische Perspektiven
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3. Der Verlauf der Grenzlinien zwischen öffentlichem
und privatem Bereich bestimmte die Grundstruktur
einer Stadt
4. Billiger und minderwertiger Wohnraum für die ärmsten Bevölkerungsschichten wurde notwendig, die Städte dehnten sich entsprechend immer weiter aus
5. Stadtzentrum wurde immer dichter – öffentliche
Parks als Ersatz für die natürliche Landschaft
6. Die „post-liberale“ Stadt stülpte sich über die aus früheren Zeiten stammenden Stadtanlagen mit der Tendenz, diese zu zerstören. Aus ursprünglichen Straßen
wurden Durchgangsstraßen, Objekte wurden umgebaut oder abgerissen. Bedeutende Monumente oder
charakteristische Straßen/Plätze blieben bestehen
Stadtanthropologische Perspektiven
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7. Die für das Funktionieren der Städte verantwortlichen Fachleute mussten sich mit einer zweitrangigen,
der Bürokratie und den privaten Immobilienbesitzern
untergeordnete Position zufrieden geben. Dabei wurden auch technische und künstlerische Aspekte getrennt, was zu einem Verlust von Einheitlichkeit und
Geschlossenheit führte
•
•
Paris zwischen 1851 und 1870 ist allerdings ein
positives Beispiel für einen Entwicklungsprozess
Unter dem Präfekt Georges-Eugène Hausmann
wurde ein weit reichendes Stadtplanungsprogramm umgesetzt, das sich durch folgende
Elemente auszeichnete:
Stadtanthropologische Perspektiven
Abb. 21: Place de l'Etoile in Paris
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Stadtanthropologische Perspektiven
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1. Neugestaltung des Straßenverlaufs im Zentrum und
in der Peripherie.
2. Neue primäre Infrastruktureinrichtungen wie
Wasserleitungen, Kanalisation, Gasbeleuchtung und
ein öffentliches Verkehrsnetz mit Pferdeomnibussen
3. Neue sekundäre Infrastruktureinrichtungen wie
Schulen, Krankenhäuser, Kasernen, Gefängnisse
und öffentliche Parks.
4. Eine neue Verwaltungsstruktur
•
Paris wuchs auf zwei Millionen Einwohner
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Abb. 22: Owen-Siedlung für Harmony/Indiana
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Stadtanthropologische Perspektiven
Abb. 23: Uniformität englischer Stadtrandsiedlungen nach 1875
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Stadtanthropologische Perspektiven
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Die moderne Stadt
– Hier kam es zu Änderungen, die mit den neuen
technischen Möglichkeiten und mit stadtplanerischen Diskursen zusammen hängen
– Ausgegangen war dies von Architekten wie Walter
Gropius, Mies van der Rohe oder Le Corbusier
– Diese Überlegungen wurden von Forschungsarbeiten begleitet. Die wichtigsten Elemente waren:
1. Analyse der Aktivitäten des Lebens in der modernen Stadt. Le Corbusier unterschied etwa vier solche Aktivitäten:1. Wohnen; 2. Arbeiten; 3. Kultivierung von Geist und Körper; 4. Fortbewegung
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•
•
•
•
•
•
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In der „post-liberalen“ Stadt waren die produktiven
Tätigkeiten und der Verkehr zentral.
Kritik und Neubestimmung dieser Prioritäten:
Der Wohnbereich soll von den anderen Bereichen
nicht mehr getrennt werden dürfen.
Alle Sektoren des produktiven Bereichs (Landwirtschaft, Industrie, Handel) sind wichtig
Möglichkeit für Freizeitaktivitäten in der Stadt (vor
allem Grünanlagen).
Ein reformiertes Verkehrswesen mit unterschiedlichen Verkehrswegen für diverse Fahrzeuge.
Grund und Boden unter öffentlicher Kontrolle
Stadtanthropologische Perspektiven
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2. Die Bestimmung der Grundelemente, die für jede
der genannten städtischen Funktionen nötig sind
3. Suche nach Modellen für die einzelnen funktionellen
Elemente - langfristig nach dem Modell für die
komplexe Gesamtstruktur der modernen Stadt
• Allgemein akzeptiert wurde in der Stadtplanung
das Prinzip der Funktionsteilung; Zuweisung jeder
Funktion an einen eigenen Bereich der Stadt
• öffentliche Bauprojekte vor allem für Arbeitersiedlungen
• Insgesamt mussten die Städte durch den Bevölkerungszuwachs ausgebaut und erweitert werden

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