APRAXIE
Erstellt von Theres Fernando und Melanie Kuhlmann
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Definition:
Apraxie kommt aus dem Griechischen apraxia (die Untätigkeit)
und beschreibt die Unfähigkeit, gezielte Bewegungen
auszuführen. Diese Unfähigkeit wird durch eine oder mehrere
Hirnschädigungen hervorgerufen, auch Läsionen genannt. Obwohl
die Muskeln und Gelenke zu diesen Bewegungen fähig wären,
kann keine gezielte Bewegung auf Kommando ausgeführt werden.
Es bestehen auch keine Aufmerksamkeits- oder
Verständnisschwierigkeiten, welche die Apraxie erklären könnten.
Die Funktionsstörung tritt vor allem nach linksseitigen
Hirnschäden (wie bei einem Schlaganfall) auf. Bei Rechtshändern
kommt es zu dieser Störung, wenn die linke Hemisphäre betroffen
ist.
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Häufigkeit:
tritt recht häufig nach einer Schädigung in der linken
Hirnhälfte (wie Schlaganfall) auf. So hat etwa ein Drittel
bis die Hälfte der Patienten Probleme, Gesten zu
imitieren. Betrachtet man nur Patienten mit Aphasie,
liegt dieser Anteil sogar bei zwei Dritteln.
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Formen:
Es werden verschiedene Apraxien unterschieden.
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bukkofasziale Apraxie
Die häufigste Form bei dieser Apraxie ist die
bukkofasziale Apraxie (80% der Patienten), wobei die
Gesichsmotorik und die Armmotorik betroffen sind.
Sie ist nur zu diagnostizieren, wenn vorher eine
Aufforderung erfolgte oder eine Imitationsaufgabe
gestellt wurde.
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Ideomotorische Apraxie
Bei der ideomotorischen Apraxie kommt es zu ...
Ausfällen, zum Beispiel gelingt es nicht, eine Mütze
aufzusetzen, die Haustür aufzuschließen oder sich ein Glas
Wasser einzugießen. Eine Störung in der Auswahl und der
zeitlichen Sequenzierung von aufeinanderfolgenden
Einzelbewegungen.
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Ideatorische Apraxie
Bei der ideatorischen Apraxie ist die Bewegungsvorstellung gestört: Die
Betroffen sind nicht in der Lage, den Ablauf einer Handlung in einer
logischen Reihenfolge der einzelnen Bewegungen zu planen. So wird zum
Beispiel beim Frühstück das Brötchen zuerst mit Marmelade bestrichen und
erst dann aufgeschnitten. Oder eine Flasche wird geöffnet und sofort wieder
verschlossen, noch bevor sie gekippt wird, um ein Glas zu füllen. Auch kann
man hier z.B. keine Kerze anzünden oder komplexe Handlungen vollführen
wie z.B. die Bedienung eines Telefons.
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Wesentlich häufiger ist die ideomotorische Apraxie. Hierbei
können sich die Betroffenen zwar eine Bewegungsabfolge
richtig vorstellen, sie dann aber nicht ausführen. Die möglichen
Konsequenzen sind vielschichtig: So können zum Beispiel
manche der Betroffenen eine zielgerichtete Bewegung nur
durchführen, wenn sie sie vorgemacht bekommen (wie Flasche
öffnen und Glas einschenken). In anderen Fällen ist auch
dieses Imitieren einer zielgerichteten Bewegung nicht möglich.
Bei der Unterform der bukkofazialen Apraxie ist die mimische
Gesichtsmuskulatur von der Funktionsstörung betroffen. Die
Patienten können weder bei verbaler Aufforderung noch durch
Imitation Gesichtsbewegungen wie Naserümpfen oder
Zungenschnalzen durchführen. Spontan sind solche
Bewegungen aber meist möglich.
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Andere Formen:
Es gibt noch weitere Formen der „Apraxie“, die aber keinen
Bezug zur oben beschriebenen Apraxie im engeren Sinne
haben. Es zählt dazu beispielsweise die Lidapraxie – eine
Störung des willentlichen Schließens oder Öffnens der
Augen. Auch die Sprechapraxie fällt in diese Gruppe: Man
versteht darunter eine Störung der Planung von
Sprechbewegungen, was Auswirkungen auf Artikulation,
Sprechmelodie und –rhythmus sowie das Sprechverhalten
hat. Die Sprechapraxie geht oft mit Aphasie einher.
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Ursache:
Eine Apraxie wird durch Hirnschäden (Hirnläsionen) in der
sprachdominanten Hirnhälfte hervorgerufen. Meist handelt es sich
dabei um einen linksseitigen (oder beidseitigen) Schlaganfall oder
andere Läsionen. Daneben kann eine Apraxie beispielsweise auch
durch degenerative Erkrankungen hervorgerufen werden. So ist
Morbus Alzheimer die häufigste Ursache schwerer Apraxie. Auch
andere Demenz-Formen (Lewy-Körperchen-Demenz,
Frontotemporale Demenz = Pick-Krankheit) kommen als Ursache in
Frage
Die Apraxie ist meist Folge einer Schädigung der linken Hirnhälfte
(etwa durch einen Schlaganfall). Sie betrifft in der Regel beide
Körperhälften und geht in den meisten Fällen mit einer zeitgleich
auftretenden Sprachstörung (Aphasie) einher. Oft wird die Apraxie
auch von einer Lähmung der rechten Körperseite begleitet, sodass
die Auswirkungen der Funktionsstörung dann nur auf der linken
(noch beweglichen) Seite erkennbar sind.
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Diagnose:
Was macht der Arzt?
Bei Verdacht auf eine Apraxie wird der Arzt zunächst die
Krankengeschichte erheben. Dazu ist er oft auf Angaben
von Angehörigen und des Pflegepersonals angewiesen
(Fremdanamnese), da viele Patienten zusätzlich an einer
Sprachstörung (Aphasie) leiden und daher nicht selbst
Auskunft geben können. Wichtig für den Arzt sind zum
Beispiel Beobachtungen, dass der Patient seine Wünsche
nicht durch Geste anzeigen kann, die Suppe mit dem Löffel
zu essen versucht oder aus einer noch verschlossenen
Zahnpastatube Zahnpasta herausdrücken will.
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Mithilfe verschiedener Untersuchungen und Tests kann der Arzt
anschließend einzelne Handlungen und Bewegungsabläufe
überprüfen, die bei einer Apraxie oft gestört sind. So wird er den
Patienten zum Beispiel bitten, einfache Handbewegungen,
Fingerstellungen oder Gesten zu imitieren. Er kann den Patienten
auch verbal zu bestimmten Gesten auffordern (Beispiel: „Zeigen
Sie mir, wie man hämmert!“). Ebenfalls getestet wird etwa der
Gebrauch von Objekten (Papier mit Schere schneiden, Brille
aufsetzen, Sicherheitsnadel öffnen etc.). Zur Abklärung einer
bukkofazialen Apraxie kann der Arzt den Patienten beispielsweise
auffordern, zu pfeifen, mit der Zunge zu schnalzen, ein Streichholz
auszublasen, an einem Strohhalm zu saugen oder die Wangen
abwechselnd aufzublasen.
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Therapie:
Behandlung einer Apraxie
Die Behandlung der Apraxie stützt sich vor allem auf
ergotherapeutische Maßnahmen. Allerdings muss nicht jede
Funktionsstörung behandelt werden – ausschlaggebend ist die
Alltagsrelevanz der Symptome: Eine Störung von Handlungen und
Bewegungsabläufen, die den Patienten in seinem Alltag nicht
oder kaum behindert, muss nicht therapiert werden. Das
bedeutet, dass die Behandlung einer Apraxie möglichst genau an
die tatsächlichen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden
sollte.
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Vielen Dank
für die
Aufmerksamkeit
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