Sprachwissenschaftliche
Disziplinen
Anna Mikulová
Sprachwissenschaft

Sprachwissenschaft, auch Linguistik,
ist ein Sammelbegriff für alle
Wissenschaften, die in irgendeiner Form
Sprache untersuchen. Sie wird von
manchen als ein Teilgebiet der Semiotik
(der Lehre von den Zeichen) angesehen
und lässt sich in die Gruppe der
Strukturwissenschaften einordnen.
Teildisziplinen


Die Einteilung der Sprachwissenschaft in eindeutige
Teildisziplinen ist nicht unumstritten. Da in der konkreten
linguistischen Forschung jeder Einzelbereich eine
wesentliche Rolle spielen kann, empfinden viele
Forschende bereits die Abgrenzung der großen Blöcke
Vergleichende Sprachwissenschaft, Allgemeine
Sprachwissenschaft (Theoretische Sprachwissenschaft)
und Angewandte Sprachwissenschaft als künstlich.
Prinzipiell sind paradigmatische Unterschiede zu
beachten; wie z.B. präskriptive vs. deskriptive Arbeit,
diachrone oder synchrone Sichtweise sowie
naturwissenschaftlicher oder sozialwissenschaftlicher
Zugang.
Vergleichende Sprachwissenschaft

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
Zur Vergleichenden Sprachwissenschaft gehören:
Sprachtypologie, die synchron-vergleichende Untersuchung von
Sprachen mit dem Ziel, Sprachtypen zu erarbeiten
Arealtypologie, die synchron-vergleichende Untersuchung von
Sprachen eines geographischen Raumes mit dem Ziel, Sprachbünde
zu erarbeiten
Historische Linguistik, die diachron-vergleichende Untersuchung von
Sprachen mit dem Ziel, Sprachfamilien herauszuarbeiten
Kontrastive Linguistik, die synchron-vergleichende Untersuchung
von Sprachen mit dem Ziel, die spezifischen Unterschiede zwischen
meist nur zwei Sprachen herauszuarbeiten
Etymologie, Lehre über die Herkunft von Wörtern und ihren
Bedeutungen
Allgemeine
Sprachwissenschaft

Die Allgemeine Sprachwissenschaft wird auch
theoretische Linguistik genannt und widmet sich der
Untersuchung von Sprache als abstraktes System, aber
auch der Aufstellung von allgemeinen Theorien über
Sprache, wobei Letzteres auch von jüngeren
Teildiszplinen der Angewandten Sprachwissenschaft,
etwa der Soziolinguistik oder Diskursanalyse, versucht
wird. Folgende Bereiche gehören zur Allgemeinen
Sprachwissenschaft:
Phonetik

Die Phonetik, als Teil der Lautlehre,
untersucht die Faktoren und Komponenten
sprachlicher Laute. Sie ist ein
eigenständiges interdisziplinäres
Fachgebiet zwischen Linguistik, Biologie,
Akustik, Neurowissenschaften, Medizin
und weiteren Wissenschaften. Der
Gegenstandsbereich der Phonetik ist die
gesprochene Sprache in all ihren
Realisierungen.
Phonologie

Die Phonologie (auch: Phonemik) als Teil der Lautlehre
(hier spez. „Sprachgebilde-Lautlehre“) ist ein Teilgebiet
der Linguistik. Sie untersucht Systeme von Phonemen,
den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elementen
von Sprachen (die kleinsten bedeutungstragenden
Elemente einer Sprache werden Morpheme genannt und
fallen vornehmlich in den Aufgabenbereich der
Morphologie). Die Phonologie beschäftigt sich mit den
Lauten als Einheiten im System einer Sprache, während
sich die Phonetik („Sprechakt-Lautlehre“) mit der
detaillierten Beschreibung dieser Laute (Phone)
unabhängig von Systemüberlegungen befasst.
Morphologie

Die Morphologie ist der Teilbereich der
Linguistik, der die Erforschung der bedeutungsoder funktionstragenden Elemente einer
Sprache, der Morpheme, zum Gegenstand hat.
Viele Morpheme (Einheit der langue) werden in
unterschiedlichen Formen, Allomorphen
verwendet. Morpheme setzen sich aus
Phonemen zusammen und bilden ihrerseits
Wörter. Die Prinzipien bzw. Regularitäten der
inneren Struktur von Wörtern gehören ebenfalls
zum Gebiet der Morphologie.
Lexikologie
Die Lexikologie ist innerhalb der Linguistik die
Lehre von den Strukturierungen im Wortschatz.
 Die erst seit den 1960er Jahren innerhalb der
Linguistik eigenständig existierende Disziplin
untersucht die Bestandteile einer Sprache
(spezielle Lexikologie) oder von Sprache
allgemein (allgemeine Lexikologie) und versucht,
zwischen den einzelnen lexikalischen
Bestandteilen (Morphemen, Wörtern und festen
Wortgruppen) Beziehungen und Regeln
festzustellen.

Lexikographie
Die verwandte Lexikografie beschäftigt sich mit
der Erstellung von Wörterbüchern und greift
dabei auf lexikologische Ergebnisse zurück
beziehungsweise liefert neue Informationen zur
lexikologischen Untersuchung.
 Weitere verwandte linguistische Disziplinen sind
die Onomasiologie, Semasiologie, Etymologie,
Wortbildung, Phraseologie und Onomastik.

Onomasiologie
Die Onomasiologie oder Bezeichnungslehre
ist ein Teilgebiet der Lexikologie. Man geht von
Begriffen (Konzepten und Sachverhalten) in
einem bestimmten Bereich der Wirklichkeit aus
und sucht die entsprechenden Bezeichnungen.
Durch das Aufstellen von Wortfeldern werden
Bezeichnungen systematisiert und graduelle
Bedeutungsänderungen dargestellt.
 *BS* Fragestellung: „Wie wird dieses
Denotat bezeichnet?“

Semasiologie



Das Gegenteil der Onomasiologie ist die Semasiologie, die die
Bedeutung von Bezeichnungen untersucht.
Nicht in allen, aber doch in vielen Fällen wird die Onomasiologie
eher historisch verstanden, d. h. als Lehre vom Bezeichnungswandel
Die Semasiologie (von griechisch semeion: Zeichen) ist innerhalb
der Semiotik und als Teilgebiet der Semantik die Lehre von den
Wortbedeutungen. Semasiologische Fragestellungen sind
beispielsweise "Was bedeutet das Wort Arbeit?" oder "Was ist der
Unterschied zwischen (bzw. die Gemeinsamkeit von) Konzern und
Unternehmen?". Da ein Wort als Homonym oder Polysem je nach
Kontext verschiedene Bedeutungen haben kann, untersucht die
Semasiologie auch immer den Zusammenhang zwischen Text und
Wort, ohne den sich solche Mehrdeutigkeiten nicht auflösen lassen.
Etymologie


Die Etymologie (von altgriechisch ἔτυμος [étymos]
„wahrhaftig, wirklich, echt“ und λόγος [lógos] „das Wort,
die Lehre, die Kunde“) ist ein Wissenschaftszweig der
historischen Linguistik, der die Herkunft und Geschichte
der Wörter ergründet und damit, wie sich ihre
Bedeutung und Form entwickelt haben. Ursprünglich war
man dabei auf der Suche nach der „wahren Bedeutung“
der Wörter.
Weiterhin verwendet man „Etymologie“ auch in
gepflegtem Sprachgebrauch in der Bedeutung
„sprachliche Herkunft und Entwicklung“, beispielsweise
Die Etymologie des Wortes zeigt …
Wortbildung

Die Wortbildung untersucht und beschreibt Verfahren und
Gesetzmäßigkeiten bei der Bildung neuer komplexer Wörter
(Lexeme) auf der Basis schon vorhandener sprachlicher Mittel.
Hierfür werden sprachliche Elemente wie einfache und komplexe
Wörter, Morpheme, Affixe und Fugenelemente eingesetzt. Sie ist
also eine Möglichkeit der Wortschatzerweiterung. Weitere Arten der
Wortschatzerweiterung sind Entlehnung, Bedeutungswandel und
Neuschöpfung. Die Wortbildung ist neben Bedeutungswandel und
Entlehnung eines der Hauptverfahren der Bezeichnungsfindung
beziehungsweise des Bezeichnungswandels; diese sind
Untersuchungsgegenstand der Onomasiologie. Hauptverfahren im
Deutschen zur Bildung neuer Wörter ist die Neukombination
vorhandener Wörter oder besonderer Wortbildungselemente.
Phraseologismus

Unter einem Phraseologismus (latinisierte Form des
griechischen Wortes φρασεολογισμός, fraseolojismós,
von altgriechisch phrazein – anzeigen, vortragen und
griechisch-neulateinisch logismós / logismus – die
Wortbildung) versteht die Sprachwissenschaft eine zu
einer festen Form geronnene Kette mehrerer Elemente.
Die Bedeutung eines solchen sprachlichen
„Fertigbausteins“ geht über die rein wörtliche Bedeutung
ihrer Bestandteile hinaus. Er hat in der Regel eine feste,
nur begrenzt veränderbare Struktur.
Onomastik


Die Namenforschung (auch die Onomastik, von griech.:
ὀνομαστική [ἐπιστήμη], onomastiké [epistéme], „die
Namenwissenschaft“) beschäftigt sich mit der Bedeutung, Herkunft
und Verbreitung von Namen, also unter anderem Personennamen
(Anthroponymie), aber auch der Namen geographischer Objekte
(Toponomastik) oder anderen Dingen.
Die Onomastik beschreibt als Teildisziplin der Sprachwissenschaft
die spezifischen Eigenschaften der Eigennamen (Vor-, Familien-,
Orts-, Gewässer-, Flur-, Warennamen etc.). Da diese in vielen
Lebensbereichen begegnen, berücksichtigt sie auch Sachbezüge
derselben und arbeitet mit zahlreichen Gesellschafts- und
Naturwissenschaften eng zusammen, für die Namen die Funktion
einer wichtigen Quellengattung haben. Ähnlich wie bei der
Sprachgeschichtsforschung verfolgt sie die Namenentstehung und geschichte im Zusammenhang mit den Namengebern, den
Namenbenutzern und den wechselnden Benennungssituationen.
Syntax


Die Syntax (griechisch σύνταξις ['sʏntaksis] „die
Zusammenstellung“, deutsch vereinfachend: Satzbau) behandelt
die Muster und Regeln, nach denen Wörter zu größeren
funktionellen Einheiten wie Phrasen (Teilsätze) und Sätzen
zusammengestellt und Beziehungen wie Teil-Ganzes, Abhängigkeit
etc. zwischen diesen formuliert werden.
In der Linguistik ist die Teildisziplin der Syntax die wissenschaftliche
Untersuchung von Form und Struktur natürlicher Sprache. Diese
wird anhand universeller, angeborener Formprinzipien (Noam
Chomsky) oder ihres kommunikativen Zwecks (Funktionale Syntax)
oder ihrer Rolle beim Aufbau von komplexen Bedeutungen (logische
Semantik, Montague-/kategoriale Grammatik) untersucht.
Semantik

Die Semantik (Bedeutungslehre, aus gr. σημαίνειν
sēmainein bezeichnen, anzeigen) ist das Teilgebiet der
Sprachwissenschaft (Linguistik), befasst sich mit der
Bedeutung sprachlicher Zeichen. Als sprachliche Zeichen
gelten alle Ausdrücke, die eine lautliche oder schriftliche
(oder andere) Form mit einer Bedeutung verbinden. Die
kleinsten Zeichen sind in diesem Sinne die Morpheme,
die nächstgrößeren die Wörter bzw. Lexeme; es folgen
die Satzglieder, Teilsätze, Sätze und Texte. Alle diese
Einheiten erfüllen die Bedingungen für "Zeichen".
Traditionell sind aber Morpheme und Wörter die
Hauptgegenstände der linguistischen Semantik. Erst
später ist etwa eine Satzsemantik dazu gekommen
Pragmatik
Die Pragmatik ist eine linguistische Disziplin,
die sprachliches Handeln und die Verwendung
von Sprache erforscht. Sie ist neben der
Syntaktik und der Semantik ein Teilgebiet der
Semiotik, die sich mit den Eigenschaften des
sprachlichen Zeichens befasst.
 Sie beschäftigt sich mit der Interpretation von
Zeichen auf der Empfängerseite des
Informationsmodells. Dabei ist ein Interpret
derjenige, für den das Zeichen eine Bedeutung
hat

Textlinguistik
Die Textlinguistik befasst sich mit Texten aus linguistischer Sicht. Das
bedeutet, dass sie vor allem die Frage beantworten muss, welche Kriterien
eine Einheit mindestens erfüllen muss, um als Text zu gelten. Kann ein
einziges Wort, ein Ausruf, bereits als Text verstanden werden? Wenn ja:
warum? Bei größeren Einheiten gilt es, die Frage zu beantworten, was eine
Folge von Wörtern oder Sätzen zu einem Text macht. Also: Worin besteht
der Unterschied zwischen einer willkürlichen Aneinanderreihung von
Wörtern oder Sätzen und einem Text? Bei umfangreichen sprachlichen
Einheiten (Aufsatzsammlung, Novellensammlung) muss überlegt werden,
ob es sich insgesamt um einen Text handelt oder worum sonst. Ist also z.B.
Boccaccios Decamerone mit seinen 100 Novellen und der Rahmenerzählung
ein Text? Sind es 101 Texte? Kann man dafür Kriterien entwickeln?
 Eine weitere Aufgabe besteht in der Antwort auf die Frage, wie man Texte
zu Textsorten (= Klassen von Texten) klassifizieren kann und welche
kommunikative Bedeutung ihnen zukommt. Welche sprachlichen Merkmale
unterscheiden etwa ein Kochrezept von einer Bauanleitung und in welchem
Zusammenhang stehen diese Unterschiede mit der kommunikativen
Funktion der Textsorten?

Quantitative Linguistik


Die Quantitative Linguistik ist eine Disziplin der Mathematischen
Linguistik und damit der Linguistik/ Sprachwissenschaft insgesamt.
Gegenstand der Quantitativen Linguistik sind Spracherwerb,
Sprachwandel sowie Verwendung und Struktur von Sprachen. Sie
untersucht Sprachen mit den Mitteln der Statistik; ihre Aufgabe ist
es, Sprachgesetze aufzustellen, um als höchstes Ziel eine Theorie
der Sprache, verstanden als eine Menge miteinander verbundener
Sprachgesetze, zu entwickeln. [1] Einen solchen Verbund
zusammenwirkender Sprachgesetze hat sich besonders die
linguistische Synergetik von Anfang an zum Ziel gesetzt.
Die Quantitative Linguistik stützt sich auf Ergebnisse der
Sprachstatistik, die man entweder als Statistik der Sprachen oder als
Statistik beliebiger sprachlicher Gegenstände verstehen kann, ohne
dass damit unbedingt weitergehende theoretische Ansprüche
verbunden sind.
Angewandte Sprachwissenschaft

Die Angewandte Sprachwissenschaft ist keineswegs als
homogener Teilbereich zu verstehen, vielmehr
subsumiert er die Teildisziplinen, die sich nicht nur mit
Sprache als abstraktem System befassen, sondern auch
Sprache im Zusammenhang mit ihrer "realen" Umwelt
sehen, sei es jetzt in der Psycholinguistik oder
Soziolinguistik. Diesem Verständnis von "angewandt",
also applied linguistics, steht die Idee der linguistics
applied gegenüber, wie z.B. bei der "Computerlinguistik"
(wo Erkenntnisse der allgemeinen Linguistik in der
Informatik eingesetzt werden können), der "Klinischen
Linguistik" (Forschungsergebnisse beeinflussen
Therapieformen), der "Sprachlehrforschung"
(Entwicklung von Lehrmaterial) oder der
"Schreibforschung und - didaktik".
Psycholinguistik

Die Psycholinguistik ist die Wissenschaft von der menschlichen
Sprachfähigkeit. Traditionell wird die Psycholinguistik in drei
Bereiche unterteilt, die Sprachwissensforschung, die
Spracherwerbsforschung und die Sprachprozessforschung. Die
Sprachwissensforschung fragt nach dem Wissen, über das ein
kompetenter Sprecher einer Sprache verfügen muss. So müssen
etwa nicht nur die Bedeutungen von einzelnen Wörtern bekannt
sein, ein Sprecher muss auch wissen, nach welchen Prinzipien diese
Wörter zu Sätzen zusammengefügt werden können. Nun kommen
Babys nicht als kompetente Sprecher einer Sprache auf die Welt; die
Spracherwerbsforschung untersucht daher, wie heranwachsende
Kinder sprachliches Wissen erwerben und zur Anwendung bringen.
Von einem kompetenten Sprecher wird nicht nur gefordert, dass er
über abstraktes Wissen verfügt, vielmehr muss dieses Wissen
erfolgreich zur Anwendung gebracht werden. Die
Sprachprozessforschung untersucht daher, welche Aufgaben
gemeistert werden müssen, wenn man eine sprachliche Äußerung
verstehen oder produzieren will.
Teildisziplinen der angewandten
Sprachwissenschaft
– Kognitive Linguistik, die Untersuchung des
Zusammenhangs zwischen Sprache und Denken
– Patholinguistik, die Untersuchung von Problemen bei
Sprachperzeption, -verarbeitung und -produktion
– Neurolinguistik, die Untersuchung der Verarbeitung
von Sprache im Gehirn
– Klinische Linguistik
– Spracherwerbsforschung, die Untersuchung von Erstund/oder Zweitspracherwerb
Computerlinguistik
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In der Computerlinguistik wird untersucht, wie natürliche
Sprache mit Hilfe des Computers algorithmisch verarbeitet werden
kann. Sie ist Teilbereich der Künstlichen Intelligenz und gleichzeitig
Schnittstelle zwischen Sprachwissenschaft und Informatik.
Hauptmotivation sind dabei folgende zwei Bestrebungen:
Die Unterstützung der sprachwissenschaftlichen Forschung durch
den Einsatz von Computern. Das geschieht z. B. durch die
automatische Analyse großer Korpora, um sprachliche Phänomene
zu untersuchen oder die Gültigkeit von Theorien zu prüfen.
Die Entwicklung sprachverarbeitender Systeme, z. B. für die
maschinelle Übersetzung, automatische Textzusammenfassung,
Extraktion von Informationen aus Texten, natürlichsprachige
Interaktion mit Maschinen usw. Es steht hierbei also mehr die
Anwendung im Vordergrund.
Soziolinguistik

Die Soziolinguistik ist eine Spezialisierung innerhalb
der Linguistik, die sich mit kultur- und
gesellschaftsspezifischen Sprachformen beschäftigt.
Diese linguistische Disziplin steht in einer engen
Beziehung mit der Angewandten Sprachwissenschaft,
der allgemeinen Linguistik sowie der historischvergleichenden Linguistik. Sie weist weiters
Überschneidungen mit der Soziologie, der Anthropologie,
der Sozialpsychologie und der Erziehungswissenschaft
auf. Der Gegenstand der soziolinguistischen
Untersuchungen ist die soziale Bedeutung sprachlicher
Systeme und der Variationen des Sprachgebrauchs
Teilbereiche der Soziolinguistik
– Varietätenlinguistik
– Standardologie
– Sprachlehr- und -lernforschung, Untersuchung von Sprachunterricht und
Lernverhalten von Sprachenlernenden
– Sprach- und Sprachenpolitik, Untersuchung von politischen
Rahmenbedingungen für Sprachstandardisierung oder Mehrsprachigkeit
– Spracheinstellungsforschung, Untersuchung von Einstellungen
(Meinungen) zu Sprachen und/oder Dialekten
– Interlinguistik, die Untersuchung der internationalen Kommunikation
und der Plansprachen
– Medienlinguistik, in erster Linie zur Untersuchung von Mehrsprachigkeit
in den Medien, aber auch zur Erfassung medialer Diskurse
– linguistische Gesprächsanalyse, Untersuchung authentischer
Kommunikation mittels linguistischer Transkriptionsmethoden
– linguistische Diskursanalyse
Diskursanalyse


Diskursanalyse ist ein Oberbegriff für die sprachwissenschaftliche
Analyse von Diskursphänomenen. Je nachdem, was als Diskurs
betrachtet wird, gibt es dafür unterschiedliche Interpretationen. In
den Sozialwissenschaften ist nicht nur die Form, sondern auch der
Inhalt des Diskurses Gegenstand der Analyse.
Allgemein untersucht sie den Zusammenhang von sprachlichem
Handeln und sprachlicher Form, sowie den Zusammenhang
zwischen sprachlichem Handeln und gesellschaftlichen,
insbesondere institutionellen, Strukturen. Aus
sprachwissenschaftlicher Sicht ist dabei die Abgrenzung des
Diskurses (als pragmatisches Phänomen) gegenüber dem Text (als
sprachliche Struktur des Diskurses, welcher u. a. in der
Textlinguistik untersucht wird) bemerkenswert.
Feministische Linguistik



Feministische Linguistik sieht sich als Teil der Linguistik, die
einerseits die Sprache selbst, andererseits das Sprachverhalten der
Individuen unter feministischen Gesichtspunkten analysiert und
beurteilt.
In zwei Punkten unterscheidet sich die feministische von der
herkömmlichen Linguistik: Einerseits bezeichnet sie sich selbst als
"intervenierende Wissenschaft" – also nicht nur als Wissenschaft,
sondern auch als Teil einer politisch-sozialen Bewegung;
andererseits beschreibt die feministische Linguistik die Sprache nicht
nur, sondern sie kritisiert sie anhand soziologischer und politischer
Kriterien.
Die feministische Linguistik entstand, wie die Frauenforschung
selbst, in den 1960er Jahren im angelsächsischen Sprachraum und
wurde in den französischen und deutschen Sprachraum
übernommen.
Uneindeutige Zuordnungen


Des Weiteren gibt es Fachbereiche, deren
Bezeichnungen je nach Universität, Teildiszplin oder
paradigmatischer Ausrichtung unterschiedliches
Verständnis hervorruft und die nur bedingt zugeordnet
werden können:
Sprachstatistik,
– als Statistik der Sprachen Teil der Sozio-, Varietäten- oder
Interlinguistik
– als Erhebung statistischer Daten zu beliebigen sprachlichen
Aspekten, meist im Bereich der allgemeinen Sprachwissenschaft,
aber auch der historischen Linguistik, Psycholinguistik, der
Spracherwerbsforschung, Sprachtypologie und weiterer
Disziplinen
Uneindeutige Zuordnungen

Dialektologie
–
–
–
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
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deskriptive Untersuchungen von Dialekten in der allgemeinen wie auch vergleichenden
Sprachwissenschaft
Verwendung von Dialekten, also aus soziolinguistischer Perspektive
Verhältnis von Sprache und Dialekt, also in der Varietätenlinguistik
Ökolinguistik, mäßig etablierter Zweig soziolinguistischer Grundlage, der sich im
Wesentlichen mit der Ökologie von Sprache und der Sprache von Ökologie widmet
Paläolinguistik, die Untersuchung der Entstehung menschlicher Sprache,
Überschneidungen mit Psycholgie und Anthropologie
Kontaktlinguistik als Schnittstelle allgemeiner, angewandter und vergleichender
Sprachwissenschaft
Schreibforschung und Schreibdidaktik, an der Schnittstelle Textlinguistik -
soziolinguistische Institutionenforschung - Sprachlehrforschung
Allgemeine Semantik ist eine Sonderdisziplin der Semantik bzw. Bedeutungslehre. Sie
untersucht die Bedeutung der Bedeutung. Die Allg. Semantik beschäftigt also mit der
individuellen bzw. subjektiven Bedeutung des Wortes, z.B. welche Assoziation ein
Wort bei einem Individuum auslöst, und greift dadurch auch auf die Psychologie
über.
Geschichte der
Sprachwissenschaft

Die Geschichte der Sprachwissenschaft erstreckt sich
von antiken Anfängen in Indien und Griechenland, in
denen die Beschäftigung mit Sprache noch anderen
Zwecken – in Indien der Interpretation ritueller Texte, in
Griechenland als Vorbereitung für die Philologie –
untergeordnet war, bis hin zu der modernen, autonomen
Wissenschaft mit vielen Subdisziplinen, die sie heute ist.
Wichtige Stationen auf diesem Weg waren insbesondere
die Etablierung der strukturalistischen
Sprachbeschreibung durch Ferdinand de Saussure sowie
die Entwicklung der Generativen Grammatik durch Noam
Chomsky.
Verwandte Wissenschaften
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Bildwissenschaft
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Medienwissenschaft
Sprachphilosophie
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Textwissenschaft
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Bekannte Sprachwissenschaftler (Auswahl)
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Leonard Bloomfield, wichtigster Vertreter des amerikanischen Strukturalismus in der
Zeit zwischen den beiden Weltkriegen
Karl Brugmann Mitbegründer der Indogermanistik, einer der führenden Vertreter der
Junggrammatiker
Franz Bopp Mitbegründer der Indogermanistik
Karl Bühler entwickelte das weithin bekannte Organon-Modell der Sprachfunktionen
Noam Chomsky begründete die Generative Grammatik
Joseph Greenberg (führte umfangreiche Untersuchungen zu Sprachtypologie und
Universalien von Sprache aus, begründete die heutige Grobklassifikation der
afrikanischen Sprachen und postulierte die Makro-Sprachfamilien Amerind und
Eurasiatisch)
Jacob Grimm und Wilhelm Grimm sind die Begründer der Deutschen Philologie
Zellig S. Harris, Hauptautor des amerikanischen Deskriptivismus
Louis Hjelmslev, Hauptvertreter der Kopenhagener Schule, Glossematik
Wilhelm von Humboldt begründete die Vergleichende Sprachwissenschaft
George Lakoff ist ein wichtiger Vertreter der Kognitiven Linguistik
Roman Jakobson Mitglied der Prager Schule, bahnbrechende Untersuchung zum
Spracherwerb
Bekannte Sprachwissenschaftler (Auswahl)
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Antoine Meillet beschäftigte sich mit den indogermanischen Sprachen, behandelte
Ökonomie als Triebkraft des Sprachwandels
Hermann Osthoff Mitbegründer der Indogermanistik, einer der führenden Vertreter
der Junggrammatiker
Hermann Paul war ein wichtiger Sprachtheoretiker, einer der führenden Vertreter der
Junggrammatiker
Edward Sapir, Namensgeber der Sapir-Whorf-Hypothese und wichtiger Forscher bes.
für die Sprachtypologie
Ferdinand de Saussure, Hauptvertreter der Genfer Schule, gilt als Begründer der
modernen synchronen Linguistik und prägte den zweiseitigen Zeichenbegriff
August Schleicher gilt als Begründer der Stammbaumtheorie in der vergleichenden
Sprachforschung
Johannes Schmidt gilt als Begründer der Wellentheorie
Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy, führender Vertreter der Prager Schule, Begründer
der Phonologie
George Kingsley Zipf ist mit den Zipfschen Gesetzen bahnbrechender Forscher für die
Quantitative Linguistik

Allgemeine Sprachwissenschaft