Food Riots 2007/2008 – 17 von über 40
Food Riots: Dekonstruktion von Mythen
 Keine chaotischen Gewaltausbrüche !!!
 Keine unmittelbare zeitliche Verknüpfung zwischen
Riots und physischer Hungersnot
 Kein neues Phänomen
Food Riots: Drei historische Abschnitte
• Mitte 16. bis zweite Hälfte des 19. Jhdt.: „Collective
bargaining“ (Vorstufe gewerkschaftlicher Kämpfe auf
lokaler Ebene) in Europa, insbesondere England und
Frankreich, aber nicht nur ( Weberaufstand 1844)
• Mitte der 70er bis Mitte der 90er Jahre: Reaktion auf
Strukturanpassungsprogramme in den Ländern des
Südens
• 2007/2008 (und in der Zukunft ?): Globale Reaktion auf
soziale Folgen globaler Marktereignisse
Auszug aus Walton & Seddon (1994)
Entwicklung der Getreidepreise auf dem Weltmarkt. Grafik: FAO
2008
• Verdopplung der Preise für Weizen, Reis
oder Soja (Frühjahr 2007  2008);
multifaktoriell bedingt
• Ausgaben für Lebensmittel
(% des Gesamteinkommen):
 Industrieländer:
10-20%
 Länder des Südens: >50%
Food Riots 2007/2008 (Auswahl von 37 Ländern)
Tag (Beginn)
Land
Ort(e)
31.01. 2007
Mexiko
Mexiko-Stadt u.a.
Marokko
Sefrou und weitere Städte
Indien
Westbengalen
08.11.2007
Mauretanien
mehrere Städte
Januar 2008
Tunesien
Region Gafsa
25.02.2008
Kamerun
landesweit
Senegal
Dakar
Jemen
Dhala
Elfenbeinküste
Abidjan
Haiti
Landesweit
Ägypten
landesweit, bes. Malhalla
Burkina Faso
4 größte Städte
Bangladesh
Dhaka
Somalia
Mogadischu
Kenia
Nairobi
23.09. 2007
16.09. 2007
30.03. 2008
30.03. 2008
31.03. 2008
03.04. 2008
06.04. 2008
08.04. 2008
11.04. 2008
05.05. 2008
31.05. 2008
Quelle: K. Pedersen, Z. Zschr. Marxist, Erneuerg., Nr. 76, Dezember 2008, S. 42-50
Reaktionen der Eliten
• „Wenn es zu einem Klassenkampf kommt, dann
unterminiert das die Stabilität der Gesellschaft“ (Ifzal Ali,
Chef-Ökonom der Asiatischen Entwicklungsbank)
• „Effektive Governance-Strukturen“ (Bettina Rudloff,
Stiftung Wissenschaft und Politik)
• „die Behörden und insbesondere die Sicherheitskräfte
[sollten] die Bevölkerung vor möglichen
Gewaltausbrüchen im Zusammenhang mit hohen
Nahrungsmittelpreisen schützen“ (B. Boyle Saidi, IRK)
• „Hunger ist nicht nur eine humanitäre Frage, die unser
Mitleid verdient. Er ist auch ein Sicherheitsproblem, das
uns zum Handeln auffordert.“ (Paul King, Herausgeber
von NATO Review)
„Zunahme sozialer und politischer Unruhen in vielen
Ländern - die alarmierendste und unmittelbare Folge
der Nahrungsmittelkrise“
• „..würde kurzfristig einen Einfluss auf unsere Soldaten haben und mittel- bis langfristig
unsere eigene Sicherheit beeinflussen.“
• Überfälle auf Lebensmitteltransporte, die in Afghanistan im Rahmen des
„Comprehensive Approach“ in die zivil-militärische Zusammenarbeit integriert sind.
• Demonstrationen (die auch auf das mangelnde Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit
in Afghanistan zurückzuführen sind, dass die steigenden Lebensmittelpreise Teil eines
globalen Phänomens sind
• 30 Angriffe auf Nahrungsmitteltransporte des Welternährungsprogramm allein in 2007
Ängste vor erhöhtem Migrationsdruck bei den europäischen Regierungen.
Vorschläge von J.M. Sumpsi Viñas (FAO)
 „Einbeziehen von ernährungsbezogenen Unruhen in die
Konflikt-Frühwarnsysteme“
 „Missionen zur Friedensförderung“
Center of Excellence for Stability Police Units (COESPU)
in Vicenza, Italien
Unter den Kursteilnehmer: Polizisten aus Kamerun, Kenia, Pakistan und
Senegal, d.h. Ländern, wo Hungerproteste brutal unterdrückt wurden.
Food Riots 2007/2008: Die Akteure
Ägypten
Generalstreik ausgerufen, relativ geringe Beteiligung
wegen Repression, vor allem Textilarbeiter
Burkina Faso
Februar: spontane Proteste, April: Generalstreik (264
Verhaftungen)
Gabun
Angemeldete Demonstration von “Koalition gegen
die Teuerung” und “Schrei der Frauen”
Haiti
….. eine lange Geschichte der Unterdrückung ….
Honduras
Nationaler Streik (“Koordination des
Volkswiderstandes”)
Marokko
Gemeinsame Demonstration von Frauen &
Jugendlichen in Sefrou, später in anderen Städten
Kamerun
landesweite Proteste, gezielte Attacken (Paul Biya).
200 Tote, 1500 im Schnellverfahren Verurteilte
Mexiko
Gewerkschaftlich organisierte Proteste (SME)
Senegal
Mobilisierung von zwei großen
Verbraucherverbänden getragen
Tunesien
Gewerkschaftsbund UGTT maßgeblicher Organisator
Weitere Länder nachweislich mit organisierten Protesten: Bangladesh, Elfenbeinküste,
El Salvador, Guinea, Nicaragua, Peru
Reaktionen auf die Food Riot Erfahrung
Landgrab – “Sichere Investionen”
PR-Offensive der Gentechnik-Industrie
BBC News, 27.04.2009:
„Prof. Douglas Kell leads the Biotechnology and Biological
Sciences Research Council. He envisages further unrest
if there is not a major effort to develop agricultural science.“
The Washington Quarterly 32:pp. 7-25
©2009 by the Center for Strategic and International Studies
•Investitionen in landwirtschaftliche Entwicklungsprogramme, einschließlich 1,2
Milliarden Dollar von der Weltbank; Verdopplung des Budgets der Consultative
verstärkte
Investitionen in gentechnisch modifizierte (GM-)
Sorten; Grüne Revolution für Afrika; und eine
Gegenoffensive gegen die anti-Biotechnologie
und anti-GM-Kampagnen.
Groups on International Agricultural Research (CGIAR);
Die andere Perspektive
Walton und Seddon: 39 Riot-Länder, 146 Riots.
Länder mit 7 und mehr Food Riots von 1976-1992:
• Peru (14)
• Bolivien (13)
• Brasilien (11)
• Argentinien (11)
• Venezuela (7)
• Chile (7)
• Jugoslawien (7)

Food Riots 2007/2008