Max Steinhardt
Das erste Opfer im KZ Hailfingen/Tailfingen
Soldat im Ersten Weltkrieg
Max Steinhardt wurde am 8.12.1896 in Witzenhausen geboren. Während des Ersten
Weltkriegs hatte er als Soldat das Gehör fast ganz verloren.
Er heiratete im Mai 1926 Therese Katzenstein, die damals 27 Jahre alt war.
Das Ehepaar lebte in Witzenhausen in der Marktgasse 7.
Witzenhausen, Marktgasse 7
Schatzmeister der jüdischen Gemeinde
Am 5.8.1927 wurde die Tochter Marga geboren, 1932 der Sohn Alfred.
Im August 1941 mussten alle jüdischen Familien in Witzenhausen zusammen in wenige
jüdische Gebäude ziehen. Erste Verhaftungen gab es in der Reichspogromnacht 1938.
Max Steinhardt war der Schatzmeister der jüdischen Gemeinde.
Familie Steinhardt
Marga und Alfred Steinhardt 1935
Flucht aus Witzenhausen
Max Steinhardt versuchte, die männlichen Gemeindemitglieder zu warnen und floh nach
Hannover und später nach Frankfurt. Die Männer, die in Witzenhausen geblieben waren,
wurden nach Buchenwald gebracht.
Max Steinhardt
Deportation nach Riga
Während viele Freunde Deutschland verließen, blieb Max Steinhardts Familie in
Deutschland. Als die Steinhardts endlich realisierten, dass es keine Hoffnung gab,
war ein Weggehen fast unmöglich geworden. Sie hatten eine sehr hohe
Quotennummer für die Emigration in die USA.
Am 8. Dezember 1941 wurde die Familie nach Riga deportiert. Das Vermögen
wurde eingezogen.
Eingezogenes Vermögen
Im Rigaer Ghetto
Der Sammelpunkt war Kassel. Von dort ging es in Viehwagen nach Riga. Die
Familie lebte im Ghetto auf engstem Raum; erst nach einer Weile gab es
Essensrationen: 40 Gramm Zucker, 30 bis 50 Gramm Margarine im Monat, ein
paar gefrorene oder ver-faulte Kartoffeln, gelegentlich eine winzige Portion Fleisch.
Max Steinhardt und seine Frau arbeiteten in verschiedenen Arbeitskommandos.
Arbeitskommando im Rigaer Ghetto
Von Riga nach Stutthof
Am 6. August 1944 gab es frühmorgens einen Appell.
Mit kleinen Booten wurde die Familie Steinhardt zum Rigaer Hafen gebracht. Ein
großes Schiff transportierte sie nach Danzig. Auf Lastkähnen, dichtgedrängt, ging
es weiter. Schließlich mussten sie auf die offenen Wagen einer Schmalspurbahn
stei-gen, die sie in das KZ Stutthof brachte.
Schmalspurbahn Stutthof
Im Männerlager Stutthof
Marga Steinhardt und ihre Mutter kamen ins Frauenlager, Max Steinhardt und sein Sohn
Alfred ins Männerlager.
Morgens gegen 4 Uhr mussten wir uns zum Appell aufstellen. Die Nächte waren kalt
und wir standen stundenlang. Da Stutthof nicht als Vernichtungslager gebaut war, hatte
es nur eine sehr kleine Gaskammer und ein kleines Krematorium. (Marga Griesbach geb.
Steinhardt)
Einlieferungsbuch Stutthof
Deportation nach Hailfingen
Als meine Mutter und ich mit dem nach Bromberg gehenden Transport das Lager
Stutthof verließen, gingen wir durch das Männerlager. Mein Vater stand dort allein. Ich
wagte, auf ihn zuzulaufen und ihm ins Ohr zu sagen, dass wir nach Bromberg geschickt
würden. Man hatte ihm ein knallgelbes Jackett gegeben. Das war das letzte Mal, dass
ich ihn sah. (Marga Griesbach)
Von Stutthof wurde Max Steinhardt im November 1944 nach Hailfingen deportiert.
Stutthof
Hailfingen
Zusammen mit 600 jüdischen Häftlingen kam Max Steinhardt am 19. November in
Hailfingen an.
Im Nummernbuch des KZ Natzweiler wurde er unter der Nummer 40 938 eingetragen.
Auszug aus dem Natzweiler Nummernbuch
Tod
In Hailfingen starb er am 21. November 1944 um 5 Uhr als erstes Opfer. In der
„Totenmeldung“ mit der Unterschrift des Lagerkommandanten SS-Unterscharführer Witzig
gab der Stabs- und Truppenarzt Dr. Rothe - wie meist - eine fiktive Todesursache an,
nämlich „Herzschwäche“.
Totenmeldung Krematorium Reutlingen 1944
Einäscherung in Reutlingen
Am 25. November 1944 wurde Max Steinhardt im Reutlinger Krematorium im
Friedhof Unter den Linden eingeäschert. Seine Asche wurde mehrfach umgebettet
und liegt nun unter dem Mahnmal in diesem Friedhof.
Einäscherungsverzeichnis
Die Tochter
Marga Griesbach, die Tochter von Max Steinhardt, fand nach langer Suche den
Ort, an dem ihr Vater starb. Sie kam im Sommer 2008 nach Tailfingen und
besuchte auch den Friedhof Unter den Linden in Reutlingen.
Marga Griesbach auf dem Friedhof in Reutlingen
Bildnachweis
Marga Griesbach: 2, 4 und 8
Volker Mall: 3
ITS: 6 und 11
Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (bpk) 30013528 : 7
Stutthof: 9 und 10
StA Reutlingen: 12 und 13
Harald Roth: 14
Text: Volker Mall/Harald Roth

PPP