ZfRV
Zentrum für
Rechts- und Verwaltungswissenschaften
Cottbus
6. Tagung der DFN-Nutzergruppe Hochschulverwaltung
[email protected]
13.5.2003
Ausgewählte rechtliche Fragen der Einbindung von
E-Mail in die Hochschulverwaltung
Dr. jur. Horst Henrici
Wissenschaftlicher Mitarbeiter d. Zentrums für Rechtsu. Verwaltungswissenschaften an der BTU Cottbus
Justiziar der BTU Cottbus (abgeord.)
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Einführung
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Entwicklung und Ausstattung der Hochschulverwaltungen mit Informations- und Kommunikationstechnik
Steigende Akzeptanz
Vorteile der Nutzung von E-Mail
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Schnelle formlose Übermittlung von Nachrichten
Kostenersparnis
Bestrebung, internetfähige Dienstleistungen
anzubieten (vgl. Initiative der Bundesregierung
„BundOnline 2005“)
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Rechtsgrundlagen
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Öffentliches Recht:
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Verwaltungsverfahrensgesetze iVm SigG, SigV
Novellierung des VwVfG auf Bundesebene
Umsetzung durch parallele Gesetzgebung der
Länder (vgl. § 137 II VwGO)
Privatrecht: §§ 126 ff. BGB, iVm SigG, SigV
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Rechtsgrundlagen
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Die Einführung der Verwendung elektronischer
Dokumente im Verwaltungsverfahren
Grundsatznorm: § 3 a VwVfG
Kein Zwang
Zugang eröffnet
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Objektiv: Einrichtung eines Postfachs
Subjektiv: bereit zum Empfang im Rechtsverkehr (Verkehrsanschauung: Angabe einer E-Mail-Adresse auf Briefkopf/
Homepage od. vorherige Kontaktaufnahme per E-Mail)
Unabhängig von der Form des Verwaltungshandelns
(formgebunden und formfrei)
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Rechtsgrundlagen: § 3 a VwVfG
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Ohne Schriftformerfordernis reicht die einfache
(unsignierte) E-Mail aus
Gleichwertigkeit zwischen angeordneter Schriftform
und einem Dokument mit qualifizierter elektronischer
Signatur, §§ 3 a II VwVfG, 2 SigG
Funktionen der Signatur nach § 2 Nr. 2, 3 SigG:
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Identitätsfunktion
Echtheitsfunktion
Verifikationsfunktion
Warnfunktion
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Rechtsgrundlagen: § 3 a VwVfG
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Bei Kommunikationsproblemen unverzügliche
Mitteilung an Absender und ggf. Ersatz durch
geeignetes Medium, § 3 a Abs. 3 VwVfG
Veröffentlichung der technischen Rahmenbedingungen sinnvoll (Software-Formate,
Verschlüsselungs- und Signierverfahren)
Speicherung in einem Verzeichnis nach § 5
Abs. 1 Satz 2 SigG oder Ausdruck des
Dokuments mit Beglaubigung nach § 33
VwVfG
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Rechtsgrundlagen: § 37 a VwVfG
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Der elektronische Verwaltungsakt (VA) als
Kategorie neben dem schriftlichen und mdl. VA
(Abs. 2 Satz 1)
Inhaltliche Anforderungen entsprechen denen
an schriftliche Verwaltungsakte (Abs. 3)
Beweiswert der unsignierten E-Mail umstritten
Anscheinsbeweis (Lit.)
– Wegen Manipulationsmöglichkeit keine
Beweiserleichterung (Rspr.)
=> Dadurch Abwertung der einfachen E-Mail
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Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Verletzung des Schriftformerfordernisses
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Durch unsignierte E-Mail bei Formbedürftigkeit
=> keine wirksame Abgabe
=> Hinweis durch Hochschulverwaltung
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Bei Fristversäumnis: evtl. Wiedereinsetzung in
den vorigen Stand (§ 32 VwVfG)
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Der Arbeitgeber und die E-Mail
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Gestattung od. Verbot privater Nutzung
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Übermaßverbot des Arbeitnehmers
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Bei Missbrauch (Reduzierung der Arbeitszeit, zusätzliche
Kosten)
Abmahnung, Kündigungsgrund
Generell: Kontrollverbot des Arbeitgebers
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Ausdrücklich (ArbV, DstV, Geschäftsanweisung)
Konkludent (insbesondere durch Betriebsübung)
§ 85 TKG: Wahrung des Fernmeldegeheimnisses
SchErsPflicht aus ArbV und Delikt
Strafbarkeit nach § 206 StGB
Ausnahme: Verdacht auf Missbrauch, Störung, richterliche
Anordnung
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus
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Cottbus
Die E-Mail und die Mitbestimmung
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Mitbestimmungspflicht bei Einführung, da
unabhängig von beabsichtigter Überwachung
eine solche möglich ist (§ 75 Abs. 3 Nr. 17
BPersVG)
Verbot privater Nutzung nur deklaratorisch,
daher keine Mitbestimmung
Keine Umgehung der Nutzerrechte durch
Dienstvereinbarung (§ 73 BPersVG) möglich
Dr. Horst Henrici, BTU Cottbus

HenriciDFN-13_5_03 - Nutzergruppe Hochschulverwaltung