3. Metaphern in der MCI
zum Buch
Interaktive Systeme
Grundlagen, Graphical User Interfaces,
Informationsvisualisierung
Band 1
Bernhard Preim
Raimund Dachselt
Springer Verlag, 2010
Metaphern in der MCI
© Bernhard Preim, Raimund Dachselt  Springer Verlag 2010
3-2
Metaphern
Gliederung
• Arten von Metaphern
• Chancen und Risiken bei der Verwendung von Metaphern
• Woher kommen Metaphern?
• Evaluierung von Metaphern
• Beispiele für Metaphern
 Metaphern für Anatomielehrprogramme
 Web-Browser nach der Buch- und Fernsehmetapher
 Metaphern für die 3D-Interaktion
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3-3
Metaphern
Begriffliche Metaphern
• Argumente verteidigen, Rededuelle, sich zurückziehen
• Ein Thema beleuchten, von allen Seiten betrachten
• Zeit sparen, opfern, investieren
Metaphern in der Wissenschaft
• Stromfluss, Planetenmodell (Aufbau von Atomen)
Allgemein
• Nutzung eines vertrauten Begriffs, einer Analogie zur
Erklärung von Systemen und Konzepten in einer unvertrauten
Zieldomäne
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3-4
Metaphern
Metaphern
Benutzung von Terminologie aus einer Quelldomäne in
einer Zieldomäne
Kriterium für die Eignung: Grad der Entsprechung beider
Domänen bei der Zielgruppe
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Chancen und Risiken bei der
Verwendung von Metaphern
Chancen
• Benutzer: Einstiegshürden verringern, Einarbeitung
erleichtern, “Idee” vermitteln
• Entwickler und Benutzer: Assoziationen wecken
• Metaphern sind vor allem für direkt-manipulative Systeme
wesentlich (VL: 8, z.B. Schreibtischmetapher)
Risiken
• Entwickler: Einengen der Sicht auf vertraute Aspekte/
Funktionalität
• Benutzer: Unter- und Überschätzung des Systems
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Chancen und Risiken bei der
Verwendung von Metaphern
Ein gescheiterter Versuch: Microsoft Bob sollte als Einstieg in
Microsoft Windows verwendet werden.
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Woher kommen Metaphern?
Gedankliche Abstraktion, Reduktion auf Kernmerkmale
Orientierung:
• Denkweise, Objekte und Handlungen von Benutzern in
einer Domäne (virtuelles Skalpell)
• Verbreitete Objekte und Handlungen im täglichen Leben
(Desktop-Metapher)
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Beispiele für Interface-Metaphern
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Metaphern aus dem täglichen Leben
Schreibmaschinen-Metapher (Textverarbeitung)
Buch-Metapher (Hypertextsysteme)
Reise- bzw. Raummetapher (Spiele, Hypertextsysteme
Fernseh-Metapher (WWW-Browser)
Desktop-Metapher mit Fenstern, Slidern, Menü, Mülleimer
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•
•
Metaphern aus Anwendungsbereichen
Atlas-Metapher (Anatomielehrsysteme)
Digitaler Lichtkasten (Befundung von Röntgenbildern)
Karten-Metapher (Geographische Informationssysteme
Baukasten-Metapher (CAD-Systeme)
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Elektronische Post
Was wird mit Post assoziiert?
Entsprechung bei e-Mail
Briefkasten
Adresse
Serienbrief (nachrichtlich an:)
Absender
Briefkopf
Briefmarken
Postfiliale
Postbedienstete
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Evaluierung von Metaphern
Benutzer befragen,
• ob sie eine Metapher kennen,
• was sie mit einer Metapher assoziieren,
• mehrere Metaphern bzgl. obiger Fragen vergleichen
Ziel:
Auswahl von Metaphern,
• die bekannt sind,
• mit denen Benutzer viele Assoziationen haben und
• die realistische Erwartungen wecken
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Anatomielehrprogramme nach der Atlas-Metapher
Anatomieatlanten enthalten:
• großformatige, farbige Bilder
• Farben entsprechen Konventionen
• Beschriftungen (bis zu 80 pro Bild)
• Detaillierte Bildunterschriften (Inhalt: was ist zu sehen?, von
wo ist es zu sehen?, welche Illustrationstechniken wurden
eingesetzt?)
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Anatomielehrprogramme nach der Atlas-Metapher
Voxel-Man, Uni Hamburg
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3 - 13
Anatomielehrprogramme nach der Atlas-Metapher
Zoom Illustrator, Uni Magdeburg
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Anatomielehrprogramme nach der Atlas-Metapher
Zoom Illustrator, Integration von zwei Sichten
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Quelldomäne: realer Atlas versus Zieldomäne:
digitaler Atlas
Fehlende Möglichkeiten:
(Druck-)Qualität der Visualisierung (1200 dpi),
inhaltliche und didaktische Qualität
Zusätzliche Möglichkeiten:
Individualisierbarkeit (Kontrolle der Informationsdichte),
Flexibles Layout,
interaktive und dynamische Bildunterschriften
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Evaluierung der Atlas-Metapher
Medizinischen Anwendern vertraut
Assoziationen:
hochwertige, detailreiche Bilder, Bildunterschriften,
Beschriftungen
Probleme:
Potenzial rechnergestützter Anwendungen wird nicht genutzt
(3D-Interaktion, Unterstützung des Benutzers)
Idee:
Entwicklung einer Metapher, die die 3D-Interaktion und konkrete
Aufgaben beinhaltet
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3D-Puzzle Metapher
Idee:
Studenten bauen ein 3D-Modell aus Einzelteilen zusammen
Aspekte:
• Sortieren der Teile,
• Nutzung verschiedener Ablagen,
• Bilder des fertigen Modells
• 3D-Interaktion
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3D-Puzzle Metapher
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Digitaler Lichtkasten
Lichtkasten:
• Gerät, mit dem Radiologen analoge Bilder (Röntgen) befunden,
insbesondere Mammogramme
Visualisierung:
• hochaufgelöste Darstellung mit extrem hohem Grauwertkontrast
(12 Bit)
• Voraufnahmen und aktuelle Aufnahmen werden gegenübergestellt
• Ansichten aus verschiedenen Winkeln
Interaktion beim konventionellen Lichtkasten:
• Bilder des nächsten Falles werden durch Fußbetätigung aktiviert
• Lupe
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Digitaler Lichtkasten
Quelldomäne: Der analoge Lichtkasten
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Digitaler Lichtkasten
Ziel:
• digitale Befundung von Mammogrammen
Interaktion:
• Lupe, Kontrast- und Helligkeitsregelung
Zusätzliche Möglichkeiten:
• Markierung verdächtiger Stellen durch Mustererkennung
(Mikroverkalkungen, sternförmige Läsionen)
• Annotation
• Kontrastregelung
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Digitaler Lichtkasten
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GIS
Metapher: Interaktive Landkarten
Aspekte:
• Verwendung von
Farben und Symbolen
• Maßstabsangaben
• Strategien zur
Beschriftung
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GIS
Interaktive Landkarten: Routensuche
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Zusammenfassung
Metaphern können:
• Entwickler inspirieren und motivieren
• Anwendern den Einstieg erleichtern
Metaphern können aber auch:
• den Blick für neue Möglichkeiten versperren
• die effiziente Nutzung eines Systems durch den Anwender
erschweren
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Zusammenfassung
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3. Metaphern in der MCI
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Interaktive Systeme
Grundlagen, Graphical User Interfaces,
Informationsvisualisierung
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Metaphern in der Mensch-Computer Interaktion