Universität zu Köln
Humanwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl „Erziehungshilfe und Soziale Arbeit“
Prof Dr. Philipp Walkenhorst
http://www.hf.uni-koeln.de/30070
40. Aus- und Fortbildungstagung der Bundesvereinigung
der Anstaltsleiter und Anstaltsleiterinnen
Vortrag
„Wertebasis für Bedienstete“
Freiburg, 22.05.2014
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1. Ausgangslagen

Kontinuierliche Präsenz des „Bösen“

Immerwährende Offenheit des Umgangs damit

Fehlende Bestärkung „positiver“ Verhaltensdispositionen

Das Gefängnis als EIN Ort von Integration und Reintegration

„Anstalt“ als angemessene Bezeichnung?

Das Gefängnis als „guter“ Förderort?
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2. Aufgabenstellungen

Die Basis: das Vollzugsziel des § 2 StVollzG

Der Ansatz der „Befähigung“ und „Förderung“

Die Einzelaufgaben

Die KlientInnen des Vollzugs

Ein anspruchsvolles Förderprogramm an einem
schwierigen Ort
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3. Ausgangslagen

Erfordernis besonderer Hilfen und Leitplanken

Die begrenzte Einigkeit darüber

Das lokale „Landrecht“ der „Anstalten“

Die Anstaltsleitereffekte

Die Forschungen und Ratschläge

Die mediale Belagerung

Die Konfrontation mit immer neuen Inhaftierten und
Entwicklungen

Die Ernüchterungen

Warum nehmen Sie das auf sich? Und was macht das mit
Ihnen?
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4. Implikationen der „Förderung“

Der Grundgedanke der Förderung

Die Förderabsicht als Maßstab des Handelns

Bewahrung – Neulernen – Abbau und Gegenwirkung

Grundformen des pädagogischen Handelns: Unterrichten –
Informieren – Beraten – Arrangieren – Animieren

Die Lenkungsmittel: Ermutigung und Gegenwirkung

Grundlagen: Hoffnung und Haltung

Die Konsequenz des Misserfolgs: ein neuer Anlauf!
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5. Entwicklungsförderung

Ansatz moderner Entwicklungspsychologie: das
Veränderungs- und Entwicklungspotential über die
Lebensspanne hinweg

Die „großen Themen“:
> Soziale Beziehungen und ihre Gestaltung
> Sozialisation und ihre Einflüsse
> Übergänge, Lebensereignisse, Krisen
> individuelle Lebenszielsetzungen

Gemeinsame Aufgabenstellung: zukunftsorientierte
Entwicklungsförderung & entwicklungsförderliche Gestaltung
des Hier und Jetzt

Das Spannungsfeld von Förderung und Strafe
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6. Der Rahmen der Freiheitsentziehung I

Kontroverse Diskussionen

Weniger Einfluss des Zwangssettings

Mehr Einflüsse durch:
> Personalengagement
> Führung
> Qualität der Förderprogramme

Hohe Wirksamkeit der Faktoren
> Hohe Erwartungen an die Beteiligten
> Animierende Führung
> lernförderliches Klima / Atmosphäre
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6. Der Rahmen der Freiheitsentziehung II

Vollzugsarbeit als Arbeit von Menschen FÜR Menschen
> die Professionellen
> die Honorar- und Teilzeitkräfte
> die Angehörigen
> die Ehrenamtlichen bzw. VollzugshelferInnen

Werte- und Haltungsgrundlagen der Professionellen

Bedeutende Rolle von Leitungen, AVD und Werkdienst

Zielführende Chancen und Möglichkeiten
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6. Der Rahmen der Freiheitsentziehung III

Die Risikofaktoren guter Tätigkeitswahrnehmung I:
> Tägliche Konfrontation mit Niederungen
> Funktion des Blitzableiters
> Förderung UND Gewährleistung der Sicherheit
> Erschwerungen durch eigene KollegInnen
> „Zurichtung“ der Neuen
> Subkulturen der Bediensteten
> Gemeinsame Wertegrundlagen der Dienste?
> Entfremdung vom Förder- und Behandlungsauftrag?
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6. Der Rahmen der Freiheitsentziehung IV

Die Risikofaktoren guter Tätigkeitswahrnehmung II:
> Annahme des „Geistes“ der Ausbildung?
> Fehlen einer eigenen Berufsethik
> Fehlende Selbsterfahrung in der Ausbildung
> Trennung von Ungeeigneten??????
> Auswirkungen des Zweitberufs und der Motivation
> Die Rolle unreflektierter Alltagstheorien
> Die Gefährdung erforderlichen Engagements
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7. Wissen – Methodik - Berufsethik

Funktionen des Berufsethos

Analogien zur Schule: das Ethos des Lehrerberufs
> positive Einstellung zu den Schülern / ihrem Wohl
> positive Einstellung zum eigenen Gemeinwesen
> positive Einstellung zum Förderauftrag
> positive Einstellung zu den Inhalten
> positive Einstellung zu den Tätigkeiten

Intrinsische Motivation als Ausnahme?

Unverzichtbarkeit gemeinsamer Grundideale
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8. Anreicherungen der Vollzugspraxis

Grundsätzlich: Anreicherung um berufsethische
Inhalte und Reflexionen, u.a. durch
> Suche und Auswahl künftiger Bediensteter
> Ausbildung an den JVS
> Fortbildung als Stabilisierungshilfe
> Supervision und Praxisbegleitung
> Einzelvorträge und punktuelle Veranstaltungen
> Gezielte berufsethische Fortbildung der Leitungen
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„Es gibt kein besseres Mittel, das Gute in
den Menschen zu wecken, als sie so zu
behandeln, als wären sie schon gut.“
(Gustav Radbruch 1906; Brief an Lina Götz vom 8.12.1906
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Wertebasis für Bedienstete von Prof Dr. Philipp Walkenhorst