Einheit IV
Sozialer Wandel
Grundbegriffe
• Fauna und Flora als
Faktoren für sozialen
Wandel
• Globalisierung
• Postindustrielle
Gesellschaft
• Informationsgesellschaft
• Kodifiziertes Wissen
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Risikogesellschaft
Das Ende der Geschichte
Individualisierung
Neuer Kapitalismus
McDonaldisierung
Kulturkampf
Umweltökologie
Sozialer Wandel
Eine Veränderung der Gesellschaft, die alle
grundlegenden Bereiche betrifft: Soziale
Institutionen wie Religion und Familie,
Arbeitsverhältnisse, demographische
Entwicklung, Kultur, Vorstellungen, Rollen,
(Aus)Bildung, Erziehung etc.
Definitionsversuche
• „Sozialer Wandel ist die Abweichung von relativ stabilen Zuständen, deren
Stabilitätsbedingungen wir kennen müssen, um Wandlungspotenziale und
Entwicklungsrichtungen analysieren und erklären zu können.“ (Wolfgang
Zapf 1969)
• Sozialer Wandel bedeutet eine Änderung der Basisinstitutionen (Giddens)
• „sozialer Wandel (wird definiert) als Veränderung in der Struktur eines
sozialen Systems. Sozialer Wandel ist auf verschiedenen gesellschaftlichen
Ebenen zu beobachten, auf der Makroebene der Sozialstruktur und Kultur,
auf der Mesoebene der Institutionen, korporativen Akteure und
Gemeinschaften, auf der Mikroebene der Personen und ihrer Lebensläufe.“
(Ansgar Weymann 1998)
Sozialer Wandel heute
• Extreme Geschwindigkeit: „Der Engländer des Jahres
1750 befand sich, was die Versorgung mit materiellen
Gütern betrifft, in größerer Nähe zu den Legionären
Cäsars als zu seinen Urenkeln.“ (David Landes 1973)
• In den letzten 200 – 300 Jahren wurden die
Gesellschaftsordnungen aufgelöst, in denen Menschen
seit Tausenden von Jahren gelebt hatten.
Einflüsse auf sozialen
Wandel
Drei Hauptfaktoren:
1. Die physische Umwelt
2. Die politische Organisation
3. Kulturelle Faktoren
Die physische Umwelt
• Die physische Umgebung hat Auswirkungen auf
soziale Organisationen
z.B. indigene Bevölkerung Australiens →
immer Jäger und Sammler, da kaum Pflanzen für
Ackerbau vorhanden; auch keine Tiere zur
Domestizierung
• Günstige Verkehrsverbindungen auf dem Landweg,
Nähe von Seewegen → wichtig für das Entstehen von
Zivilisationen
Jared Diamond (1997):
„Kanonen, Krankheitserreger und Stahl“
• Jene Gesellschaften, die in den Besitz von Schrift und
Metallwerkzeugen gelangt waren, unterwarfen die
anderen Gesellschaften oder löschten sie gar aus.
• „Die Völker eurasischen Ursprungs und insbesondere die
heutigen Bewohner Europas und Ostasiens sowie die
nach Nordamerika ausgewanderten Europäer spielen mit
ihrem Reichtum und ihrer Macht eine beherrschende
Rolle in der Gegenwart.“
Jared Diamond:
Einfluss der Geographie, der Fauna und der Flora
ist entscheidend:
• In abgeschiedenen Gegenden können sich Ideen und
Erfindungen kaum ausbreiten
• Domestizierbare Tiere sind wichtig für Viehzucht
und Reiterei
• Pflanzen, die sich für den Ackerbau eignen, führen
zu planmäßiger Landwirtschaft
Die politische Organisation
• Die Entwicklung spezifischer politischer Instanzen
ist wichtig für sozialen Wandel.
• Das Vorhandensein eines Entscheidungsträgers
beeinflusst den Entwicklungsgang der Gesellschaft.
• Bei ähnlichen Produktionssystemen kann die
politische Ordnung sehr unterschiedlich sein.
• Die militärische Macht hat großen Einfluss auf die
weitere Entwicklung und Expansion einer
Gesellschaft.
Kulturelle Faktoren
• Religion: innovativ oder konservativ
• Kommunikationssysteme:
z.B. Erfindung der Schrift, moderne Massenmedien etc.
• Führerschaft:
Religiöse, militärische, politische, wissenschaftliche
Führer können die Welt verändern
Der Wandel in der
Moderne
• Wirtschaftliche Einflüsse: Industrieller Kapitalismus
• Politische Einflüsse: politische Entscheidungen treiben
Wandel voran oder behindern ihn, haben direkten
Einfluss auf „die Masse“; z.B. Einfluss auf
Wirtschaftswachstum, Globalisierung;
Bsp.: Weltkriege → veränderten gesamte politische und
soziale Landschaft
• Kulturelle Einflüsse: Entwicklung der Wissenschaft und
Säkularisierung des Denkens → Veränderung der Werte
Zeitdiagnostik
Die „postindustrielle Gesellschaft“:
• Informationsgesellschaft
• Dienstleistungsgesellschaft
• Wissensgesellschaft
Zeitdiagnostik
• Die Postmoderne:
Pluralismus, Flexibilität, Differenzierung, Internationalisierung
• Das „Ende der Geschichte“ (Fukuyama):
Siegeszug von Kapitalismus und liberaler Demokratie
• Die „nachindustrielle“ Gesellschaft (Bell):
→ tertiärer Sektor wächst, sekundärer nimmt ab
→ kodifiziertes Wissen entsteht
→ Wertewandel auf kultureller Ebene
• Kritikpunkte
„Der Kampf der Kulturen“
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Samuel P. Huntington,
The Clash of Civilizations (1996)
Westliche Kultur ist in der Phase des Niedergangs
Erstarken des Islam, der asiatischen Kulturen
Gefahr des Multikulturalismus für den Westen
Westen muss seine Identität erneuern und seine Macht
ausbauen
Warnt vor Intervention des Westens in Angelegenheiten
anderer Kulturkreise
Globale Bedrohung
der Umwelt
• Begrenzte Ressourcen
• Ausstoß von Treibhausgasen/ Globale
Erwärmung
• Klimakonferenz von Nairobi, Kyoto-Protokoll
• Wenige Verursacher, viele Leidtragende
• Soziale Konsequenzen ökologischer Probleme:
„Risikogesellschaft“
Ulrich Beck
„Vom Verschwinden der Solidarität“:
• Die Menschen werden aus der relativen
Sicherheit der Industriegesellschaft in eine
Risikogesellschaft entlassen.
• In der Industriegesellschaft gab es Ressourcen
von Natur und Kultur, die sich nun im Laufe der
Zeit immer mehr auflösen.
• Ähnliches Konzept wie Anomie bei Durkheim
Richard Sennett
Der „flexible Mensch“ im neuen Kapitalismus:
• Angst vor Kontrollverlust
• Zielloses Dahintreiben
• Ungewissheiten der neuen Ökonomie
• Mehr Bürokratie durch flexible Arbeitsweise
• Auflösung enger gesellschaftlicher Bindungen
(„flexible“ Freundschaften)
George Ritzer
The McDonaldization of Society (1996)
Vier Prinzipien:
1. Effizienz
2. Quantität für wenig Geld
3. Vorhersagbarkeit
4. Kontrolle
Ende der Einheit „Sozialer Wandel“

Die „postindustrielle Gesellschaft“