Berücksichtigung von Nuklideinträgen ins Grundwasser bei Rückständen
J. Gerler BfS Berlin, [email protected]
Berücksichtigung von Nuklideinträgen ins Grundwasser bei Rückständen
 StrlSchV Anlage XII, Teil B, Nr. 2:
„Abweichend von Nummer 1 gilt C = 0,5 Bq/g, wenn im Einzugsbereich eines nutzbaren
Grundwasservorkommens im Kalenderjahr mehr als 5000 Tonnen Rückstände deponiert
werden.“
 StrlSchV Anlage XII, Teil B, Nr. 5:
„Abweichend von Nummer 1 und 2 gelten die Bedingungen C(U238max)  0,2 Bq/g und
C(Th232max)  0,2 Bq/g wenn bei der Deponierung oder Verwertung im Straßen-, Wege- oder
Landschaftsbau auch im Bereich von Sport- und Spielplätzen im Einzugsbereich eines
nutzbaren Grundwasserleiters eine Fläche von mehr als 1 Hektar mit Nebengestein belegt
wird.
Nutzbarer Grundwasserleiter i.S.d. StrlSchV
Hintergrund für Regelungen zum Grundwasser in Anlage XII, Teil B:
• Bei der Ableitung der Überwachungsgrenzen wurde angenommen, dass Grundwasserentnahmen und –nutzungen im Nahbereich von Rückstandsablagerungen, insbesondere
durch Privatpersonen, nicht ausgeschlossen werden können.
• Die strengeren Überwachungsgrenzen bei Grundwassernutzungen basieren auf
Nuklidausbreitungsmodellen, die auch bei der Freigabe von Abfällen zur Deponierung
verwendet wurden.
• Maßstab für die Festlegung der Überwachungsgrenzen war nicht die Einhaltung
wasserrechtlicher Anforderungen (z.B. der Trinkwasserverordnung – 0,1 mS/a) sondern das
Schutzziel der StrlSchV (1 mSv/a) und die Konsistenz der strahlenschutzrechtlichen
Regelungen.
• Es wurde davon ausgegangen, dass überwachungsbedürftige Rückstände entsprechend den
einschlägigen Rechtsvorschriften nicht in Trinkwasserschutzgebieten abgelagert werden
dürfen und das bei kommunalen Trinkwassergewinnungsanlagen durch behördliche Auflagen
und Überwachungen die Einhaltung der Anforderungen der Trinkwasserverordnung
sichergestellt ist.
• Expositionen über den Grundwasserpfad sind radiologisch dann relevant, wenn Größe und
Eigenschaften eines Grundwasserleiters so beschaffen sind, dass private Hausbrunnen
betrieben werden können.
Nutzbarer Grundwasserleiter i.S.d. StrlSchV
Begriffsdefinition:
„Ein nutzbares Grundwasservorkommen im Sinne von Anlage XII Teil B Nr. 2 StrlSchV bzw. ein
nutzbarer Grundwasserleiter im Sinne von Anlage XII Teil B Nr. 5 StrlSchV ist ein Grundwasserabschnitt nach DIN 4049 Teil 3, der durch private Hausbrunnen zur Trinkwassergewinnung
genutzt werden kann.“
Dies erfordert u.a.
• einen nicht zu großen Grundwasserflurabstand,
• ein hinreichend nutzbares Grundwasserdargebot und
• eine geeignete Grundwasserqualität hinsichtlich seiner (geogenen) chemischen und
biologischen Beschaffenheit.
Sofern das Anlegen von Hausbrunnen über lange Zeiträume durch planungsrechtliche Festsetzungen
oder durch die Prägung des Gebietes ausgeschlossen werden kann, oder im Einzugsbereich eine
dauerhafte, anthropogen verursachte hohe Schadstoffbelastung des Grundwassers vorliegt, wegen
der eine Nutzung als Trinkwasser durch administrative Maßnahmen langfristig ausgeschlossen ist,
kann dies zu einer Einstufung des Grundwasserleiters als „nicht nutzbar“ führen.
Der Einzugsbereich eines nutzbaren Grundwasservorkommens bzw. Grundwasserleiters i.S.d.
StrlSchV umfasst neben dem Bereich des nutzbaren Grundwasserabschnitts selber auch den
überirdischen und unterirdischen Bereich, aus dem der Grundwasserabschnitt gespeist wird.
Nutzbarer Grundwasserleiter i.S.d. StrlSchV
Mögliches Vorgehen in der Praxis:
1.
Prüfen, ob der Ablagerungsort innerhalb der Grenzen eines nach Artikel 7 (1) der Richtlinie
2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) erfassten Grundwasserkörpers liegt.
(Erfassung aller Wasserkörper, die für die Entnahme von Wasser für den menschlichen
Verbrauch genutzt werden und durchschnittlich mehr als 10 m3 täglich liefern oder mehr als
50 Personen bedienen oder die für eine solche Nutzung künftig vorgesehen sind.)
Ist dies der Fall, ist das Vorliegen eines nutzbaren Grundwasserabschnitts nach DIN 4049
Teil 3 zu unterstellen.
2.
Falls 1 nicht zutrifft, muss im zweiten Schritt standortspezifisch geprüft werden, ob
gegenwärtig und künftig private Grundwasserentnahmen in der erforderlichen
Größenordnung ausgeschlossen werden können.
3.
Falls 1 und/oder 2 zutrifft, kann im dritten Schritt eine Einzelfallprüfung zur Entlassung aus
der Überwachung nach § 98 StrlSchV durchgeführt werden (Nachweis der Einhaltung des
1 mSv-Kriteriums).
Nutzbarer Grundwasserleiter i.S.d. StrlSchV
Begriffsbestimmungen:
Nach Artikel 2 Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie):
• Grundwasserleiter: eine unter der Oberfläche liegende Schicht oder Schichten von Felsen
oder anderen geologischen Formationen mit hinreichender Porosität und Permeabilität, so
dass entweder ein nennenswerter Grundwasserstrom oder die Entnahme erheblicher
Grundwassermengen möglich ist.
• Grundwasserkörper: ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer
Grundwasserleiter.
Nach DIN 4049 Teil 3:
• Grundwasserleiter: Gesteinskörper, der geeignet ist, Grundwasser weiterzuleiten.
• Grundwasserkörper: Abgegrenztes Grundwasservorkommen oder abgrenzbarer Teil eines
solchen.
• Grundwasserabschnitt: Teil eines Grundwasserkörpers, der durch Grundwasserlängsschnitte
und Grundwassequerschnitte oder entsprechenden hydrogeologischen Grenzen bestimmt
wird.
Nutzbarer Grundwasserleiter i.S.d. StrlSchV

Nutzbarer Grundwasserleiter iSd StrlSchV