Analyse der Ausbildung von Steuerleuten und
Schiffsführern auf traditionellen Segelschiffen
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Analyse der Ausbildung von Steuerleuten und
Schiffsführern auf traditionellen Segelschiffen
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Warum benötigt man eine besondere Ausbildung zum Führen
von Traditionsseglern?
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Welche gesetzlichen Regelungen gibt es?
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Wie wird die Ausbildung praktisch durchgeführt?
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Sind diese Konzepte sinnvoll und entsprechen sie den
europäischen Standards?
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Was könnte man verbessern?
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Wie geht es weiter mit den Traditionsschiffen?
Warum benötigt man eine besondere
Ausbildung zum Führen von
Traditionsseglern?
Schiffsführung auf Traditionsseglern
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Schiffsart zwischen einer Segelyacht und einem Fahrgastschiff
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Größer als Segelyachten - kleiner als Fahrgastschiffe
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Schiffsführung vereint Elemente von beiden
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Besonderheiten im Gegensatz zu Yachten und Fahrgastschiffen
+
+
+
+
+
Einfluss von Wetter und Fragen der Stabilität
Traditionssegler im Seeverkehr
Typische Crews von Traditionsseglern
Alter, Ausstattung und Takelage der Schiffe
Wirtschaftliche Aspekte
Schiffsführung auf Traditionsseglern
Einfluss von Wetter und Stabilität
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Wetterabhängigkeit
+ Arbeitsplatz Deck
+ Reiseplanung
+ Segelführung
+ Starkwind und Sturm
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Stabilität
+ Einfluss des Umbaus zum Segelschiff
+ Einfluss des veränderten Nutzungskonzeptes
+ Sinken der „GOTLAND“ (2002)
+ Beispiele für weitere Stabilitätsunfälle: „NIOBE“ (1932), „PAMIR“ (1957),
„ALBATROSS“ (1961), „MARQUES“ (1984), „PRIDE OF BALTIMORE“ (1986)
+ Sturmfahrt der „ROALD AMUNDSEN“ (2008)
Schiffsführung auf Traditionsseglern
Der Traditionssegler im Seeverkehr
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Interaktion mit Yachten und der Berufsschifffahrt teilweise schwierig
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Besonderheiten bei der Beachtung der KVR
+ Regel 2
+ Regel 9 b
+ Regel 10 c
+ Regel 10 d (i)
+ Regel 10 j
+ Regel 12 a
+ Regel 17 a (i)
+ Regel 17 a (ii)
+ Regel 17 c
+ Regel 19
+ Regel 25 e
Verantwortlichkeit
Enge Fahrwasser
Kreuzen von VTG‘s
Küstenverkehrszone
Nicht-Behinderungs-Gebot von Maschinenfahrzeugen
Segelfahrzeuge untereinander
Kurshaltepflicht
Manöver des vorletzten Augenblicks
Zulässigkeit und Machbarkeit von Segelmanövern
Verminderte Sicht
Lichterführung
Schiffsführung auf Traditionsseglern
Die typische Crew von Traditionsseglern
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Größe und Zusammensetzung der Crew
Motivation der Crew
Trainees
Alter der Crewmitglieder
Arbeiten in der Takelage
Planung und Durchführung von Segelmanövern
Führungsstil
Kommunikation
Schiffsführung auf Traditionsseglern
Alter, Ausstattung und Takelage der Schiffe
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Hohes Alter der Schiffe
Veralteter technischer Stand der Ausrüstung
+ Hauptmaschine
+ Propeller und Manöverhilfen
+ Stromversorgung
+ Frischwasserversorgung, Abwasser und WC‘s
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Minimale Brückenausstattung
+ Magnetkompass, GPS und Papierseekarte
+ Besonderheiten bei der Nutzung von Radar
+ AIS
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Rigg und Segel
+ Verwendung traditioneller Materialien
+ Vorwiegend Rah- und Gaffeltakelung
Schiffsführung auf Traditionsseglern
Wirtschaftliche Aspekte
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Hand-für-Koje
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Festivals und Segelparaden
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Fahrtgebiete
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Regatten
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Sponsoring
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Open Ship
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Tagesfahrten
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Aufliegezeiten
Welche gesetzlichen Regelungen gibt es?
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
Regelungen zum Erwerb des Sportsee- und
Sporthochseeschifferscheins
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STCW-Konvention
+ A-II/1 Nautischer Wachoffizier auf Schiffen von 500 BRZ und mehr
+ A-II/2 Kapitäne und Erste Offiziere auf Schiffen von 500 BRZ und mehr
+ A-II/3 Nautische Offiziere und Kapitäne auf Schiffen von weniger als
500 BRZ in küstennahen Gewässern
+ keine Anwendung auf Traditionsschiffe gem. Art. III der STCW-Konvention
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MOU 2005
Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe
Sportseeschifferscheinverordnung
Durchführungsrichtlinien Traditionsschifffahrt
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
MOU 2005
„Memorandum of Understanding on the mutual recognition of certificates for the
safe operation of traditional ships in European waters and of the certificates of
competency of crews of traditional ships“
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Geschlossen am 28.11.2005
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Unterzeichnet von den maritimen Behörden von Dänemark, Estland, Finnland,
Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden, U.K. und Deutschland
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Gegenseitige Anerkennung der nationalen Befähigungszeugnisse von Crews
von Traditionsschiffen insbesondere bei Hafenstaatenkontrollen
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Festlegung von Mindestanforderungen an Steuerleute und Schiffsführern in
Anlehnung an den STCW-Code unter Berücksichtigung der besonderen
Eigenschaften von Traditionsschiffen
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe
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Erstmals erlassen am 14.09.1991
Verankert in § 6 des SchSV 98
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Traditionsschiffe im Sinne der Richtlinie sind:
+ historische Wasserfahrzeuge, welche die Bundesflagge führen
+ deren Rumpflänge 55 m nicht übersteigt
+ deren Betrieb ausschließlich ideellen Zwecken dient
+ die zur maritimen Traditionspflege, zu sozialen oder vergleichbaren
Zwecken dienen
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Geplante Änderungen der neuen Überarbeitung:
+ Seetüchtigkeit und Stabilität
+ Gesundheitliche Voraussetzungen der Crew / Medizinische Versorgung
+ Neue Definition des Begriffs „Traditionsschiff“
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
Sportseeschifferscheinverordnung
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Verordnung über den Erwerb von Sportsee- und Sporthochseeschifferscheinen
und die Besetzung von Traditionsschiffen
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Erwerb des SSS, SHS und des Zusatzeintrages zum Führen von
Traditionsschiffen
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Grundsätze für die Besetzung von Traditionsschiffen
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Regelbesatzung von Traditionsschiffen mit einer Rumpflänge über 25m
+ Küstengewässer:
+ Weltweite Fahrt:
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2 x SSS mit Zusatzeintrag
3 x SHS mit Zusatzeintrag
Definition des Begriffes „Traditionsschiff“
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
Erfahrungsnachweis für die Bescheinigung einer Befähigung
als Schiffer auf Traditionsschiffen
Rahmenbedingungen
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Nautische Grundausbildung durch Erwerb des SSS bzw. SHS

Praktische Qualifizierung durch Borddienstzeiten und Fahrtzeiten auf
Traditionsschiffen

Aufgaben des Erfahrungsnachweises vollständig behandelt und durch
Unterschrift des Ausbilders belegt

Für den Dienst auf Maschinenschiffen kann Nachweis von segelspezifischen
Aufgaben entfallen
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Aufgaben sowohl für aufgelegte Schiffe als auch Schiffe in Fahrt
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Richtwert für die Ausführung der Aufgaben: 4 Jahre
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
Erfahrungsnachweis für die Bescheinigung einer Befähigung
als Schiffer auf Traditionsschiffen
301 Einzelnachweise, 58 Aufgaben, 12 Tätigkeitsgebiete
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Umgang mit stehendem und laufendem Gut
Umgang mit Segeln
Segelführung
Segelmanöver
Maschinenmanöver
Besondere Manöver
Reiseplanung, -durchführung und -überwachung
Seewache
Hafen- und Ankerwache
Funkwache
[Sicherheits-]Übungen erläutern und durchführen
Umgang mit [Sicherheits-]Ausrüstung gemäß Richtlinien
Erwerb der Befähigung zum Führen von Traditionsschiffen
Ausstellung des SHS mit Zusatzeintrag
gegen Vorlage anderer Nachweise
Anerkannte Nachweise der Kauffahrteischifffahrt:
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
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A 5 II, A 5, A 6, AKW, AK, AM, AGW, AG
B 4, B 5, B 6, BGW, BG
STCW A II/1, A II/2, A II/3
unabhängig von deren Gültigkeit
Ausstellung des SHS/Segel nach zusätzlichem Nachweis von 1000 sm auf
Segelyachten im Seebereich als Wachführer oder dessen Vertreter
Anerkannte Nachweise der Deutschen Marine:

C-Schein der Marine, Leistungsnachweis III für Wachoffiziere oder Dokument
zur Kommandanteneignung der Marine
Der Zusatzeintrag zum Führen von Traditionsschiffen wird auf Antrag ohne weiteren
Nachweis vorgenommen.
Wie wird die Ausbildung praktisch
durchgeführt?
Die Ausbildung zum Traditionsschiffer
Erwerb von Nachweisen an Bord und andere
Ausbildungskonzepte

Teilnahme an Fahrten auf
Traditionsseglern als Trainee oder
Gastcrewmitglied

Mitgliedschaft in einem Betreiberverein
oder einer Stammcrew,
z.B. STS „ROALD AMUNDSEN“

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
der STAG

Ergänzende Lehrgänge der
Kreuzer-Anteilung des DSV
Die Ausbildung zum Traditionsschiffer
Ausbildungskonzept STS „ROALD AMUNDSEN“
Nautikerausbildung

Stufen: Steuermannsanwärter - 2. Steuermann - 1. Steuermann - Kapitän

Möglichkeit der Rückstufung bei langen Pausen zwischen den Einsätzen

Stufe „Steuermannsanwärter“ speziell für die Ausbildung zum Traditionsschiffer
+ Einsatz in der Kapitänswache (Wache gehen unter Aufsicht des Kapitäns)
+ gezieltes Ausführen von Aufgaben
+ Manövrieren (Segel/Maschine) unter Anleitung des Kapitäns
+ abschließende Beurteilung durch den Kapitän
+ Einsatz als 2. Steuermann nach ca. 6 Wochen (wenn Beurteilungen positiv)

Spezielle Manövertrainings und Ausbildungstörns zum Üben
Die Ausbildung zum Traditionsschiffer
Ausbildungskonzept STS „ROALD AMUNDSEN“
Sicherheitstraining Mai 2008
Die Ausbildung zum Traditionsschiffer
Einsatz von Berufsnautikern

Nautiker mit STCW-Patent dürfen sofort einen Traditionssegler führen.
(ohne jeglichen Nachweis von Fahrtzeiten auf solchen Schiffen)

SportsSeeSchV: Mindestens ein Mitglied des nautischen Personals an Bord muss Inhaber
eines SHS/Segel mit Zusatzeintrag oder einer vergleichbaren Segelerfahrung sein.
(aber nicht zwingend der Schiffsführer)

SHS/Segel mit Zusatzeintrag zum Führen von Traditionsschiffen nicht aussagekräftig
(Berufsnautikern weisen Segelerfahrung nur durch Yachtmeilen nach)

Teilweise vereinsinterne Einarbeitungskonzepte der Betreiber,
z.B. STS „ALEXANDER VON HUMBOLDT“
Sind diese Ausbildungskonzepte sinnvoll und
entsprechen sie den europäischen Standards?
Vergleich der Ausbildungskonzepte
Forderungen des MOU 2005
Probleme der Ausbildung gem. SportSeeSchV:

Sicherheitsausbildung nicht ausreichend

Keine Mindestfahrzeit als Steuermann vor Einsatz als Schiffsführer
 Ausbildungsinhalte
teilweise nur auf Yachtniveau

Keine Englischkenntnisse

Keine Regelung zum Fortbestand der Befähigung
Probleme der Ausbildung gem. SchOffzAusbV:

Keine Segelkenntnisse

Keine Kenntnisse der Stabilität unter Segeln
 Ausbildungsinhalte

teilweise nicht direkt übertragbar, weil auf Containerschiffe bezogen
Keine Mindestfahrtzeit explizit auf Traditionsschiffen gefordert
Vergleich der Ausbildungskonzepte
Ausbildungsweg über den SSS/SHS
Allgemeine Probleme

Einschätzen von Fähigkeiten schwierig

Erhalt von Unterschriften von Schiff zu Schiff verschieden geregelt

Erfahrungen meist nur auf einem Schiff

Lange Pausen zwischen den Einsätzen
Defizite durch den starken Yachtbezug der theoretischen Ausbildung

Maschinenmanöver ganz anders als mit Yachten

Segeln eines Rahseglers sehr stark unterschiedlich von Yachten

Stabilität einer Segelyacht ganz anders als auf Traditionsseglern

Personalführung bei einer großen Crew
 Administration
und Dokumentation

Medizinische Versorgung

Schiffsmaschinenbetrieb
Vergleich der Ausbildungskonzepte
Anerkennung von Fahrenszeiten
Traditionssegler als Vorstufe zum Nautikstudium:

Wecken Interesse für maritime Berufe

Testen der Eignung für die Seefahrt

Erwerb von seemännischen Grundkenntnissen

Erwerb von Soft Skills

Frühes Übernehmen von Verantwortung
Kriterien zur Anerkennung:

Unterscheidung zwischen SOLAS-Schiffen und
Traditionsseglern

Mindestgröße 25 m

Dokumentation im TRB

Einhaltung von Zeitrichtwerten
Was könnte man verbessern?
Vorschläge zur Verbesserung
Erweiterung des Erfahrungsnachweises

Einfügen von Inhalten des TRB in den Erfahrungsnachweis
+ Führen eines Berichtsheftes
+ Nachweis über die Sicherheitseinweisung
+ Angaben zu den Schiffen
+ Anfertigen von Projekten

Einführung einer Mindestborddienstzeit von 112 Tagen

Pflicht zum Sammeln der Nachweise auf mindestens 3 verschiedenen Schiffen

Gewichtung der Unterschriften
+ Eingewiesen / Teilgenommen
+ Durchgeführt, bzw. Manöver / Übung geleitet
+ Kompetent

Reduzierung der notwendigen Einzelnachweise pro Aufgabe

Einfügen von zusätzlichen Aufgaben in den Bereichen
+ Maschinenmanöver
+ Brückenausstattung
+ Sicherheit
+ Stabilität
+ Fürsorge für an Bord befindliche Personen
+ Vorschriften und Verwaltung
+ Schiffsmaschinenbetrieb
Vorschläge zur Verbesserung
Einführung eines Erfahrungsnachweises für Berufsnautiker
 Aufgaben
reduziert auf die segelschiffspezifischen Inhalte
+ traditionelle Seemannschaft
+ Segelführung auf Traditionsseglern
+ Segelmanöver mit Rah- und Gaffelsegeln
+ Reiseplanung und Seewache unter Segeln
+ Stabilität von großen Segelschiffen
 Anfertigung
eines Projektes zum Thema „Vorbereitung und Durchführung von
Segelmanövern auf Traditionsseglern“

Zeitrahmen: 14tägiger Törn als Steuermann oder Steuermannsanwärter auf einem
Traditionssegler

Einsatz als Schiffsführer nur nach Erfüllung aller Aufgaben
Wie geht es weiter mit den Traditionsschiffen?
Zusammenfassung und Ausblick

Gegenwärtig gute Ausbildung von Traditionsschiffern unter Berücksichtigung
der Besonderheiten der Schiffsführung auf diesen Schiffen.
 Anpassung
an die seit ihrer Entwicklung veränderten nationalen und internationalen
Anforderungen notwendig.

Nautiker mit Befähigungszeugnissen gemäß STCW müssen vor dem Einsatz auf
Traditionsseglern entsprechend geschult werden.
Mit der Neufassung der Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe werden einige dieser
Schiffe nicht mehr als Traditionsschiff anerkannt. Sie müssen dann mit Berufsnautikern
besetzt werden. Eine Regelung, wie Traditionsschiffer zum Berufspatent geführt werden
können wird dann benötigt, damit diese Leute weiter auf ihren Schiffen fahren können.
Danke für Ihr Interesse!
Die komplette Diplomarbeit können Sie unter dem Titel
„Ausbildung auf Traditionsschiffen – Vereinbarkeit mit STCW
und MOU“ im Buchhandel erwerben.
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Präsentation meiner Diplomarbeit