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23.09.2015, 09:45 Uhr | zuletzt aktualisiert: vor 1 Stunde
Genossenschaft will Windpark bei Mayen betreiben
Mayen/Hirten. Im Mayener Hinterwald oberhalb der Gemeinde Hirten sollen weitere
Windkraftanlagen entstehen. Wenn alles glattgeht, könnte dort der erste Bürger-Energie-Windpark
in Rheinland-Pfalz entstehen.
ABO-Wind-Projektleiterin Susanne Adams stellte den bei Mayen geplanten Windpark vor.
Foto: Winfried Scholz
Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz
Geplant sind zwei Masten vom Typ Gamesa G132 mit jeweils fünf Megawatt (MW) Leistung oder
drei Masten vom Typ Nordex N117 mit einer Nabenhöhe von 140 Metern, die jeweils maximal drei
Megawatt elektrische Leistung liefern könnten. Antragsteller und Bauherr ist die Wiesbadener
ABO-Wind AG. Die Genossenschaft Neue Energie Bendorf (NEB) besitzt ein Vorkaufsrecht für die
kaufmännische Betriebsführung, das heißt, sie würde dann den Strom verkaufen und die Einnahmen
kassieren.
Die Mayener Windkraftanlage war eines der Themen, die im Rahmen der Aktionswoche
"Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie" im alten Wasserwerk Niederwerth präsentiert wurden.
Veranstalter war die Energieagentur Rheinland-Pfalz, Region Rhein-Mosel-Eifel.
ABO-Wind-Projektleiterin Susanne Adams stellte hier die verschiedenen erforderlichen
Verfahrensschritte vor. Sie betonte: "Der Wald oberhalb von Hirten ist für uns wegen der hohen
Windgeschwindigkeit von 6,7 bis 7 Meter pro Sekunde ein Topstandort." Adams bezifferte den
Ertrag nach internen Prognosen auf rund 24 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Auch die
Andienung mit Großfahrzeugen sei hier gut möglich. Eine Reservierung für den Netzanschluss an
das Umspannwerk May-en liege vor. Der entsprechende Flächennutzungsplan sei in der
Fortschreibung, aber noch nicht verabschiedet.
Die Projektleiterin listete die verschiedenen erforderlichen Gutachten im Genehmigungsverfahren
auf: Schall-, Schatten- und Turbulenzgutachten, des Weiteren diverse Naturschutz- und
Artenschutzgutachten, einen landespflegerischen Begleitplan zu Schutz- und
Ausgleichsmaßnahmen und gegebenenfalls eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Seit Januar laufen einjährige Kartierungen über das Vorkommen der hauptsächlich bedrohten
Tierarten Rotmilan, Schwarzstorch und Mopsfledermaus. Die Inbetriebnahme der Anlage ist noch
vor Ende 2016 geplant. Ein Hauptgrund: Ab 2017 gibt es für die Einspeisung von Strom aus
erneuerbaren Energien ins Stromnetz keine garantierten Vergütungen mehr nach dem EnergieEinspeisegesetz (EEG). Die Betreiber müssen dann wegen einer Einspeisevergütung an einer
Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen, wo die günstigsten Anbieter zum Zug kommen.
Für Anlagen, die vor 2017 ans Netz gehen, gilt diese Regelung nicht.
Den wirtschaftlichen Aspekt für die Neue Energie Bendorf erläutert deren Vorstandsvorsitzender
Frank Simonis im Gespräch mit unserer Zeitung. Er zeigte sich erleichtert, dass eine von der
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) angeregte Gesetzesänderung für
Genossenschaften vom Tisch ist. Wäre diese umgesetzt worden, wäre es Genossenschaften so gut
wie unmöglich gemacht worden, Windparks zu betreiben. Simonis erläutert: "Die
Investitionssumme für das Mayener Windkraftprojekt liegt bei 15 Millionen Euro. Unsere
Genossenschaft muss rund 2,2 Millionen Euro Eigenkapital aufbringen, um 51 Prozent der
Betreibergesellschaft zu erwerben."
Damit hätte die Neue Energie Bendorf die Mehrheit in der operativen kaufmännischen
Betriebsführung. Die technische Betriebsführung soll in Händen der ABO-Wind bleiben.
Simonis ist optimistisch, dass die erforderliche Summe durch Nachtragskredite bei den
Genossenschaftsmitgliedern aufgebracht werden kann. Er betont: "Das wäre dann der erste BürgerEnergie-Windpark in Rheinland-Pfalz."

Genossenschaft will Windpark bei Mayen betreiben