Kriegsromane
Das Bild der Urkatastrophe im
Roman und bei Karl Kraus
Namen und Titel
Ernst Jüngers:In Stahlgewittern (1920)
Ludwig Renn: Krieg (1928)
Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues (1929)
Edlef Köppen: Heeresbericht (1930)
Alexander Moritz Frey: Die Pflasterkästen (1929)
Theodor Plievier: Des Kaisers Kulis. Roman der deutschen
Kriegsflotte (1930), Stalingrad (1945)
Werner Beumelburg: Sperrfeuer um Deutschland (1929),
Gruppe Bosemüller (1930)
Ernst Jünger
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In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtrupp-führers
von
Ernst Jünger
Kriegsfreiwilliger, dann Leutnant und Kompagnieführer
im Füs. Regt. Prinz Albrecht v. Preußen (Hann. Nr. 73)
Leutnant im Reichswehr-Regiment Nr. 16 (Hannover)
• Zur Erinnerung an meine gefallenen Kameraden.
• Füsiliere:
• leichte Infanteristen als Füsiliere bezeichnet und sind vergleichbar
mit der Jägertruppe in Deutschland oder Österreich.1943 führte die
Wehrmacht wieder Füsilierbataillone ein, die infanteristische und
Aufklärungsaufgaben übernahmen.
In Stahlgewittern
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Vorwort.
Noch wuchtet der Schatten des Ungeheuren über uns. Der gewaltigste der
Kriege ist uns noch zu nahe, als daß wir ihn ganz überblicken, geschweige
denn seinen Geist sichtbar auskristallisieren können. Eins hebt sich indes
immer klarer aus der Flut der Erscheinungen: Die überragende Bedeutung
der Materie. Der Krieg gipfelte in der Materialschlacht; Maschinen, Eisen
und Sprengstoff waren seine Faktoren. Selbst der Mensch wurde als
Material gewertet. Die Verbände wurden wieder und wieder an den
Brennpunkten der Front zur Schlacke zerglüht, zurückgezogen und einem
schematischen Gesundungsprozeß unterworfen.
Das Bild des Krieges war nüchtern, grau und rot seine Farben; das
Schlachtfeld eine Wüste den Irrsinns, in der sich das Leben kümmerlich
unter Tage fristete. Nachts wälzten sich müde Kolonnen auf zermah lenen
Straßen dem brandigen Horizont entgegen. Licht aus Ruinen und Kreuze
säumten den Weg. Kein Lied erscholl, nur leise Kommandoworte und
Flüche unterbrachen das Knirschen der Riemen, das Klappern von Gewehr
und Schanzzeug. Verschwommene Schatten tauchten aus den Rändern
zerstampfter Dörfer in endlose Laufgräben.
In Stahlgewittern
• Nicht wie früher umrauschte Regimentsmusik ins
Gefecht ziehende Kompagnien. Das wäre Hohn
gewesen. Keine Fahnen schwammen wie einst im
Pulverdampf über zerhackten Karrees, das Morgenrot
leuchtete keinem fröhlichen Reitertage, nicht ritterlichem
Fechten und Sterben. Selten umwand der Lorbeer die
Stirn des Würdigen.
• Und doch hat auch dieser Krieg seine Männer und seine
Romantik gehabt! Helden, wenn das Wort nicht wohlfeil
geworden wäre. Draufgänger, unbekannte, eherne
Gesellen, denen es nicht vergönnt war, vor aller Augen
sich an der eigenen Kühnheit zu berauschen. Einsam
standen sie im Gewitter der Schlacht, wenn der Tod als
roter Ritter mit Flammenhufen durch wallende Nebel
galoppierte.

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