BREMISCHE BÜRGERSCHAFT
Landtag
18. Wahlperiode
Drucksache 18/1711
20.01.15
Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Nachhaltigkeit der Bremer Trinkwassergewinnung
Antwort des Senats
auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN vom 29. 9. 2014
„Nachhaltigkeit der Bremer Trinkwassergewinnung“
Die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN hat folgende Kleine Anfrage an den Senat gerichtet:
Trinkwasser ist unser kostbarstes Lebensmittel. Die ausreichende Versorgung mit
sauberem Trinkwasser ist lebenswichtig und gehört zur Daseinsvorsorge. Dabei muss
Trinkwasser nachhaltig gewonnen werden. Dies bedeutet, dass – neben einem
möglichst geringen Wasserverbrauch – die Umweltauswirkungen der Förderung so
gering wie möglich ausfallen müssen. Es darf immer nur so viel Grundwasser
entnommen werden, wie sich in gleicher Zeit neu bilden kann. Darüber hinaus muss
das Grundwasser vor Verunreinigungen geschützt werden. Verschmutzungsgefahren
müssen frühzeitig erkannt werden.
Umweltfolge der Trinkwassergewinnung kann insbesondere ein Absinken des
Grundwasserspiegels
sein,
wenn
es
keine
ausreichend
schnelle
Grundwasserneubildung gibt. Eine negative Beeinträchtigung der Vegetation und der
Oberflächengewässer sowie schlimmstenfalls Senkungsschäden an Gebäuden können
die Konsequenzen sein.
Verunreinigungen des Grundwassers können zum Beispiel durch Schadstoffeinträge
der Landwirtschaft, durch Rohstoffgewinnung mittels Prozessen wie dem Fracking oder
durch andere diffuse Quellen entstehen.
Das Bremer und Bremerhavener Trinkwasser wird ausschließlich aus Grundwasser
gewonnen. Dies geschieht zum großen Teil in Niedersachsen. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) fordert eine ortsnahe Deckung der öffentlichen Wasserversorgung (§ 50
Abs. 2 WHG). Neben der Trinkwassergewinnung aus Grundwasser kommt in Bremen
prinzipiell auch die Gewinnung aus der Weser in Frage. Eine wesentliche Belastungsquelle für die Weser stellen allerdings die Salzabwässer aus der Kaligewinnung in
Hessen dar.
Um die Nachhaltigkeit der Bremer und Bremerhavener Trinkwassergewinnung
beurteilen zu können, muss geklärt werden:
 ob eine verstärkte Förderung von Wasser auf dem bremischen Stadtgebiet möglich
ist,
 welche Umweltauswirkungen die Trinkwasserförderung rund um die Wasserwerke in
Bremen und Niedersachsen hat,
 ob das Grundwasser auch in Zukunft ausreichend vor Verunreinigungen geschützt
ist,
 ob weitere zukünftige Entwicklungen, wie der Klimawandel, eine geänderte Wasserförderungspolitik in Bremen notwendig machen.
Wir fragen den Senat:
1. Wie hoch ist der jährliche Trinkwasserverbrauch in Bremen und Bremerhaven und
wie hat er sich in den letzten zehn Jahren entwickelt?
1
2. Aus welchen Wasserwerken beziehen Bremen und Bremerhaven ihr Trinkwasser
und in welchen Mengen? Wie hoch sind dabei die Anteile Niedersachsens und
Bremens/ Bremerhavens? Wie haben sich die Mengen und Anteile in den letzten
zehn Jahren entwickelt?
3. Wie lange laufen die Vereinbarungen über den Trinkwasserbezug aus
Niedersachsen und stehen Änderungen oder Verlängerungen an?
4. Sind dem Senat Berichte über Umwelt- und Bauschäden durch die
Trinkwassergewinnung in den niedersächsischen Wasserwerken Panzenberg und
Ristedt bekannt? Gibt es für die Gewinnung des Trinkwassers in den genannten
Wasserwerken Umweltverträglichkeitsprüfungen?
5. Gibt es eine Vereinbarung zur Finanzierung von Ausgleichsmaßnahmen für das
Entstehen von ökologischen und baulichen Schäden, die durch den Ankauf von
Trinkwasser aus Niedersachsen entstehen?
6. Werden Maßnahmen zur verstärkten Grundwasserneubildung in Niedersachsen von
Bremen finanziert (Entsiegelung, Ersetzen von Nadelwald durch Laubwald etc.)?
7. Werden Unsicherheiten der künftigen Grundwasserneubildung aufgrund des Klimawandels bei der Planung des weiteren Trinkwasserbezugs für Bremen
berücksichtigt?
8. Wie wird die Qualität des Trinkwassers in Bremen und Bremerhaven kontrolliert?
Wie werden die Wassergewinnungsgebiete geschützt?
9. Besteht in Bremen oder Bremerhaven ein Risiko der Verunreinigung des
Trinkwassers mit Schadstoffen durch Boden- oder Grundwasserkontaminationen,
zum Beispiel am Tanklager Farge?
10. Gelten für das in Niedersachsen gewonnene Trinkwasser die gleichen Schutzstandards wie in Bremen?
11. Wie stellt sich die Qualität des zur Trinkwasserversorgung geförderten
Grundwassers, zum Beispiel hinsichtlich Nitrat und Eisen, dar? Wie hat sie sich in
der Vergangenheit geändert? Welchen Maßnahmen werden ergriffen, den Zustand
zu verbessern?
12. Sind die niedersächsischen Trinkwassergebiete gegen Verschmutzungen durch die
Gewinnung von Gas aus Sandstein mittels Fracking geschützt? Liegt dem Senat
eine Dokumentation aller Frackingeinsätze in Niedersachsen, inklusive einer
Aufstellung der eingesetzten Chemikalien in den Frackflüssigkeiten sowie der
Zusammensetzung der Fracking-Abwässer, vor? Hat der Senat Kenntnisse über den
Verlauf von Ver- und Entsorgungsleitungen für Fracking in den Fördergebieten des
bremischen Trinkwassers in Niedersachsen?
13. Gibt es Bestrebungen, den Anteil der Trinkwassergewinnung auf Bremer und
Bremerhavener Stadtgebiet zu erhöhen oder zu reduzieren oder Förderbrunnen
aufzugeben?
14. Gibt es Bestrebungen, Trinkwasser aus anderen Quellen als Grundwasser auf
Bremer
und
Bremerhavener
Stadtgebiet
zu
gewinnen?
Ist
die
Trinkwassergewinnung
aus
Weserwasser
durch
die
Umsetzung
der
Wasserrahmenrichtlinie (Erreichung eines „guten Zustandes“) in Zukunft wieder
möglich? Falls ja, zu welchen Kosten?
15. Würde eine Pipeline zur Ableitung der Salzabwässer aus der hessischen Kaligewinnung in die Nordsee die Chancen auf eine wirtschaftliche Trinkwassergewinnung
aus der Weser erhöhen?
16. Wie bewertet es der Senat, dass den Kindern in Bremer Kindergärten
Leitungswasser anstelle von Mineralwasser zu trinken gegeben wird? Wie ist die
Qualität des Trinkwassers im Vergleich zu Mineralwasser zu beurteilen?
2
Antwort zur Kl. Anfrage „„Nachhaltigkeit der Bremer Trinkwassergewinnung“:
In Deutschland wird grundsätzlich eine ortsnahe Versorgung mit Trinkwasser angestrebt
(§ 50 (2) WHG). Die ortsnahe Wasserversorgung stößt an Grenzen, wenn der lokale
Trinkwasserbedarf, etwa in großen Städten die vor Ort verfügbaren Ressourcen
übersteigt. In diesem Fall ist eine Ausnahme von der ortsnahen Versorgung möglich,
allerdings nur, wenn das Wohl der Allgemeinheit nicht an anderer Stelle beeinträchtigt
wird.
Ressourcenbewirtschaftung im Sinne der ortsnahen Versorgung kann sich daher nicht
an kommunalen oder anderen staatlichen Grenzen orientieren. Diese Einsicht hat nicht
zuletzt Eingang in das europäische Wasserrecht mit seiner Wasserrahmenrichtlinie
(WRRL) gefunden und zur Betrachtung von Einzugsgebieten von Flusssystemen als
Bewirtschaftungseinheiten über nationale wie internationale Verwaltungsgrenzen
hinweg geführt.
Dies vorausgeschickt wird die Kleine Anfrage wie folgt beantwortet:
Zu 1: Wie hoch ist der jährliche Trinkwasserverbrauch in Bremen und Bremerhaven und
wie hat er sich in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Die Versorgungsgebiete Bremen und Bremerhaven sind getrennt zu betrachten.
In Bremen wird der Verbrauch aus 4 Bezugsquellen gedeckt. Insgesamt werden rund
85 % des Trinkwassers in Niedersachsen gewonnen. 15 % von aktuell 31 Mio.
Kubikmetern werden auf Bremer Gebiet (Wasserwerk Blumenthal) gefördert und stehen
Netzeinspeisungen
aus
Förderungen
des
Oldenburgisch-Ostfriesischen
Wasserverbandes, der Harzwasserwerke und des Trinkwasserverbandes Verden
gegenüber.
Der Gesamtbezug an Trinkwasser aus der Region Bremen hat sich seit 2004 um mehr
als 2 Mio. Kubikmeter pro Jahr reduziert. Dies betrifft in erheblichem Umfang die
Lieferungen aus dem Wasserwerk Panzenberg des Trinkwasserverbandes Verden,
während die Bedeutung der Lieferung der Harzwasserwerke gestiegen und des
Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) im Wesentlichen konstant
geblieben ist (Siehe Tab. 1-1).
Tab. 1-1: Lieferungen der Wasserverbände/Wasserwerke für Bremen-Stadt [1.000er m3]
1
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
1
HWW
12.700
12.404
12.711
12.568
12.826
13.975
13.929
13.545
13.515
13.532
%
38
38
38
38
40
44
44
43
43
44
2
OOWV
4.572
4.531
4.504
4.502
4.513
4.506
4.510
4.509
4.504
4.501
%
14
14
13
14
14
14
14
14
14
15
Wittkop3
penberg
1.807
1.833
1.819
1.821
1.829
1.608
1.391
1.274
1.254
1.251
%
5
6
5
6
6
5
4
4
4
4
Panzen3
berg
8.558
8.116
8.893
8.551
7.975
6.682
7.130
7.104
7.020
7.127
%
25
25
27
26
25
21
22
22
22
23
Blumen4
thal
6.119
5.883
5.487
5.432
5.239
5.101
4.894
5.174
5.011
4.622
%
18
18
16
17
16
16
15
16
16
15
Gesamt
33.757
32.768
33.414
32.874
32.382
31.872
31.854
31.607
31.303
31.033
Harzwasserwerke
Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband
3
Trinkwasserverband Verden
4
Wesernetz Bremen GmbH
2
Bremerhaven wird durch vier Wasserwerke versorgt, WW-Wulsdorf und WWLeherheide befinden sich in Bremerhaven, WW- Langen und WW-Bexhövede befinden
3
in Niedersachsen, wobei alle genannten Wasserwerke von wesernetz Bremerhaven
GmbH betrieben werden. Insgesamt werden rund 57 % des Trinkwassers für
Bremerhaven in Niedersachsen gewonnen, rund 43 % in Bremerhaven. Auch in
Bremerhaven ist ein Rückgang der Trinkwassermengen um nahezu 800.000
Kubikmeter seit 2004 festzustellen.
Tab. 1-2: Jahresabgaben der Wasserwerke für Bremerhaven [1.000er m 3]
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Bexhövede
2.122
2.216
2.313
2.468
2.531
2.377
2.324
1.876
1.489
1.640
%
26,04
27,67
27,76
29,74
31,40
30,77
30,35
25,13
20,18
22,28
Wulsdorf
1.445
1.228
1.312
1.143
1.105
1.033
1.187
1.597
1.554
1.442
%
17,73
15,33
15,75
13,78
13,71
13,37
15,50
21,39
21,06
19,59
Leherheide
1.595
1.629
1.615
1.620
1.518
1.427
1.596
1.297
1.646
1.700
%
19,58
20,34
19,38
19,52
18,84
18,47
20,84
17,37
22,30
23,10
Langen
2.987
2.936
3.093
3.068
2.906
2.889
2.551
2.696
2.691
2.579
%
36,65
36,66
37,12
36,97
36,05
37,39
33,32
36,12
36,46
35,03
Gesamt
8.150
8.009
8.333
8.298
8.060
7.726
7.658
7.466
7.379
7.361
Zu 2: Aus welchen Wasserwerken beziehen Bremen und Bremerhaven ihr Trinkwasser
und in welchen Mengen? Wie hoch sind dabei die Anteile Niedersachsens und
Bremens/ Bremerhavens? Wie haben sich die Mengen und Anteile in den letzten zehn
Jahren entwickelt?
Mit Frage 1 beantwortet.
Zu 3: Wie lange laufen die Vereinbarungen über den Trinkwasserbezug aus
Niedersachsen und stehen Änderungen oder Verlängerungen an?
Der Wasserversorger Bremens wesernetz Bremen GmbH schließt mit anderen
Wasserverbänden oder Wasserwerken privatrechtliche Verträge über Lieferungen an
Wasser. Die unterschiedlichen Vertragspartner der Wesernetz Bremen GmbH treten
durchaus in Konkurrenz auf; so dass Vertragsdetails nicht öffentlich gemacht werden
können.
Wesernetz Bremen
GmbH stimmt die Lieferungen so ab, dass die
Versorgungssicherheit auch bei Störfällen oder unter klimatischen Besonderheiten wie
extremen Trockenjahren gewährleistet ist. Die Laufzeit der Verträge ist sehr lang
angelegt.
In Bremerhaven ist wesernetz Bremerhaven GmbH der Inhaber der wasserrechtlichen
Bewilligungen mit einer Laufzeit von 30 Jahren und übernimmt damit die Rolle der
Wassergewinnung und des Wasserversorgers. Wasserlieferungen durch Dritte sind hier
nicht nötig.
Zu 4: Sind dem Senat Berichte über Umwelt- und Bauschäden durch die
Trinkwassergewinnung in den niedersächsischen Wasserwerken Panzenberg und
Ristedt bekannt? Gibt es für die Gewinnung des Trinkwassers in den genannten
Wasserwerken Umweltverträglichkeitsprüfungen?
Ja, dem Senat sind Berichte bekannt. Im Jahr 2014 haben sich Umweltverbände an den
SUBV gewandt und darauf aufmerksam gemacht, dass aus ihrer Sicht Umweltschäden
durch die Wasserentnahmen zu beobachten sind. Zuständig für wasserrechtliche
Verfahren, die Bewilligung von Entnahmen und die Überwachung von damit
4
verbundenen Auflagen sind die jeweiligen Unteren Wasserbehörden der
niedersächsischen Landkreise. Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr steht
bezüglich der Berichte in Kontakt mit den zuständigen niedersächsischen Stellen.
Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) müssen nach UVP-Gesetz ab einer
Entnahmemenge von über 10 Mio. Kubikmetern vorgelegt werden. Bei geringeren
beantragten Fördermengen wird im Einzelfall durch die Untere Wasserbehörde geprüft,
ob eine UVP vorgelegt wird.
Die Bewilligung für Wasserentnahmen durch das Wasserwerk Panzenberg vom
16.11.1979 galt bis zum 30.11.2009. Seit dem 24.11.2009 ist dem Trinkwasserverband
Verden (TWV) die Grundwasserentnahme bis zum bestandskräftigen Abschluss des
laufenden Bewilligungsverfahrens unter Maßgabe der bisherigen Bewilligung vorläufig
erlaubt worden. Der Trinkwasserverband Verden bereitet derzeit Unterlagen vor, um
eine Bewilligung zu erhalten. Hierfür sind Gutachten notwendig, die die Auswirkung der
Wasserförderung auf die Natur und die Landschaft darstellen und die Anforderungen
einer UVP erfüllen
Für die Bewilligung der Wasserentnahmen in Ristedt liegt eine UVP vor.
Zu 5: Gibt es eine Vereinbarung zur Finanzierung von Ausgleichsmaßnahmen für das
Entstehen von ökologischen und baulichen Schäden, die durch den Ankauf von
Trinkwasser aus Niedersachsen entstehen?
Sowohl der Senat als auch der in Bremen und Bremerhaven tätige
Trinkwasserversorger gehen davon aus, dass sämtliche erteilten Fördergenehmigungen
– auf bremischen wie auch auf niedersächsischem Gebiet – entsprechend der
gesetzlichen Vorgaben so erteilt wurden, dass ökologische und bauliche Schäden
auszuschließen sind. Vereinbarungen zur Finanzierung von Ausgleichsmaßnahmen
wurden nicht abgeschlossen.
Zu 6: Werden Maßnahmen zur verstärkten Grundwasserneubildung in Niedersachsen
von Bremen finanziert (Entsiegelung, Ersetzen von Nadelwald durch Laubwald etc.)?
Nein, derartige Maßnahmen werden nicht finanziert (siehe auch Antwort zu Frage 5).
Zu 7: Werden Unsicherheiten der künftigen Grundwasserneubildung aufgrund des
Klimawandels bei der Planung des weiteren Trinkwasserbezugs für Bremen
berücksichtigt?
Eine fachliche Grundlage im Rahmen eines Wasserrechtsverfahrens zur Entnahme von
Grundwasser zu Trinkwasserzwecken stellt ein hydrogeologisches Gutachten dar. Im
Rahmen dieser Gutachten wird für bestimmte Szenarien, die den regionalen
Wasserhaushalt betreffen, berechnet, wie groß das Wassereinzugsgebiet der Brunnen
sein wird und wie sich Wasserstände im Gebiet entwickeln werden. Im Zuge dessen
werden auch Szenarien mit hohen und niedrigen Grundwasserneubildungen durch sich
verändernde Niederschläge, sei es als Ergebnis von Trockenjahren oder
Klimaänderungen, berücksichtigt.
5
Zusätzlich gehört ein Monitoring der Grundwasserstände nach Erteilung der Bewilligung
zu den Instrumenten, welches einerseits die Verifizierung der Berechnungen erlaubt,
aber auch Reaktionen auf unerwartete Änderungen ermöglicht1.
Zu 8: Wie wird die Qualität des Trinkwassers in Bremen und Bremerhaven kontrolliert?
Wie werden die Wassergewinnungsgebiete geschützt?
Gemäß den Vorgaben der Trinkwasserverordnung 2001 in der Fassung der
Bekanntmachung vom 02. August 2013 wird das Trinkwasser vom Wasserversorger an
den Einspeisestellen regelmäßig auf die in der Trinkwasserverordnung geforderten
Inhaltsstoffe/Parameter (mikrobiologisch, chemisch und chemisch-physikalisch)
untersucht.
In der Stadtgemeinde Bremen wird darüber hinaus das Trinkwasser an weiteren 47 über
das gesamte Gebiet verteilten Zapfstellen im Trinkwassernetz auf die nach
Trinkwasserverordnung erforderlichen Parameter untersucht. Weitere ausgewählte
Parameter wie Arzneimittelwirkstoffe werden ebenfalls analysiert.
In Bremerhaven wird die Trinkwasserqualität an insgesamt 37 Messstellen untersucht.
Die Messstellen setzen sich aus sog. Verbrauchermessstellen wie z.B. Kita- und
Schulmessstellen sowie Rohrmessstellen wie z. B. die Einspeisungspunkte
zusammen.15 Messstellen befinden sich im Stadtgebiet Bremerhaven, 2 Messstellen
liegen im Fischereihafen und 18 Messstellen liegen in Bremerhaven. Darüber hinaus
befinden sich diverse Grundwassermessstellen in der Umgebung der Wasserwerke.
Die Wasserwerke und die direkte Wasserwerksumgebung werden mindestens einmal
jährlich durch die Wasserbehörden und die Gesundheitsämter gemeinsam begangen.
Die Qualität des Trinkwassers wird darüber hinaus von den Gesundheitsämtern Bremen
und Bremerhaven regelmäßig kontrolliert.
Die zur Versorgung dienenden Wasserwerke für Bremerhaven sind durch
Wasserschutzgebietsverordnungen geschützt.
Das Wassergewinnungsgebiet um das Wasserwerk Blumenthal wird durch die im
Februar 2014 beschlossene Wasserschutzgebietsverordnung Blumenthal geschützt.
Ein entsprechender Schutz ist im Trinkwassergewinnungsgebiet Vegesack nicht
gegeben. Für die meisten Wassergewinnungsgebiete des Lieferanten OOWV
(Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband) existieren Wasserschutzgebiete,
während alle Wassergewinnungsgebiete der HWW (Harzwasserwerke) und des TVV
(Trinkwasserverband Verden) durch Wasserschutzgebiete geschützt sind.
Zu 9: Besteht in Bremen oder Bremerhaven ein Risiko der Verunreinigung des
Trinkwassers mit Schadstoffen durch Boden- oder Grundwasserkontaminationen, zum
Beispiel am Tanklager Farge?
Risiken für das Grundwasser können grundsätzlich nicht vollkommen ausgeschlossen
werden. Doch die geltenden umweltrechtlichen Bestimmungen und speziell die
strengen Verbotsbestimmungen in den jeweiligen Wasserschutzgebietsverordnungen
gewähren ein hohes Schutzniveau für das Grundwasser.
Eine zusätzliche Sicherungsebene für die Trinkwasserversorgung über den
Grundwasserschutz
hinaus
stellen
sogenannte
Vorfeldmessstellen
zur
Grundwasserüberwachung im Einzugsgebiet von Förderbrunnen dar.
So existiert beispielsweise auch im Einzugsbereich der Wasserfassung Blumenthal eine
Reihe von Messstellen zusätzlich zu den Förderbrunnen, die die Überprüfung des
Grundwassers erlauben, bevor es der Aufbereitung zu Trinkwasser im Wasserwerk
1
Eckl, H. und Raissi, F. (2009): Leitfaden für hydrogeologische und bodenkundliche Fachgutachten bei
Wasserrechtsverfahren in Niedersachsen. 99 S. Geoberichte Nr. 15. Hannover
6
zugeführt wird. Dies betrifft auch das Auftreten von Schadstoffen im Grundwasser, die
vom Tanklager Farge ausgehen. Würde in den entsprechenden Vorfeldmessstellen eine
Belastung des Grundwassers erkannt werden, könnte rechtzeitig – z.B. mit der
Änderung der Förderleistung einzelner Brunnen – reagiert werden, so dass belastetes
Grundwasser das Wasserwerk Blumenthal nicht erreicht.
Die bestehenden Risiken für das Grundwasser werden so kontrolliert, dass eine Gefahr
für das Trinkwasser ausgeschlossen wird.
Zu 10: Gelten für das in Niedersachsen gewonnene Trinkwasser die gleichen
Schutzstandards wie in Bremen?
Sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven gibt es länderübergreifende
Wasserschutzgebiete. Die Verordnungen dieser Wasserschutzgebiete sind für Bremen
und Niedersachsen inhaltlich gleich.
Die Qualität des Trinkwassers selbst wird durch die Trinkwasserverordnung als eine
bedeutende Regelung des vorsorgenden Gesundheitsschutzes auf einem hohen
Niveau gehalten. Die Trinkwasserverordnung gilt bundesweit.
Zu 11: Wie stellt sich die Qualität des zur Trinkwasserversorgung geförderten
Grundwassers, zum Beispiel hinsichtlich Nitrat und Eisen, dar? Wie hat sie sich in der
Vergangenheit geändert? Welchen Maßnahmen werden ergriffen, den Zustand zu
verbessern?
In beide Versorgungsnetze, sowohl Bremerhaven wie auch Bremen, wird Wasser aus
verschiedenen Wasserwerken eingespeist. Bei der Gewinnung von Grundwasser zum
Zwecke der Trinkwasserversorgung existiert in diesen Wasserwerken ein
Überwachungssystem, welches aus 3 Säulen besteht. Es wird das Grundwasser
überwacht, welches die Förderbrunnen anströmt (Vorfeldmessstellen), es wird das
geförderte Grundwasser kontrolliert (Rohwasser) und dann das aufbereitete
Trinkwasser.
Beispielsweise für das Wasserwerk Blumenthal werden Werte zur Beschaffenheit dieser
Wässer jährlich zusammengefasst und von einem unabhängigen Fachgutachter
bewertet. Diese Bewertung wird dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr vorgelegt
und mit weiteren zuständigen Stellen daraufhin geprüft, ob Änderungen in der
Grundwasserqualität auch bezogen auf Nitrat und Eisen vorliegen, auf die zu reagieren
ist.
Während Eisen sich natürlicherweise im Grundwasser befindet und durch die
Wasseraufbereitung in den Wasserwerken sicher entfernt wird, sind die
Nitratkonzentrationen im Grundwasser zu einem erheblichen Maß auf den Eintrag durch
Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft zurückzuführen.
Deshalb werden in den Wasserschutzgebieten Blumenthal, Langen- Leherheide sowie
Wulsdorf und Bexhövede auf bremischen und niedersächsischen Gebiet in Kooperation
mit den Landwirten Maßnahmen zur Reduktion des Nährstoffeintrags durchgeführt. Der
Erfolg dieser Maßnahmen wird von den zuständigen Stellen in Niedersachsen und
Bremen regelmäßig geprüft und diese Maßnahmen werden nach dem Stand des
Wissens weiterentwickelt.
Aktuell liegen die Werte für Nitrat beispielsweise im Rohwasser des Wasserwerks
Blumenthal fast immer unter 8 mg/l und damit unter dem Grenzwert von 50 mg/l für
Nitrat2.
2
Da die Brunnen unterschiedliche Teile des gesamten Wasserschutzgebietes bewirtschaften, hier im
Einzelnen die Werte: Von 1998 bis 2013 weist das Rohwasser aus Brunnen BR 12 die höchsten
Nitratkonzentrationen mit Werten zwischen ca. 4,0 mg Nitrat/L und 8,0 mg Nitrat/L auf. Im Jahr 2012
7
Statistisch abgesicherte Trends, also steigende oder fallende Nitratkonzentrationen sind
an keiner Messstelle erfasst worden.
Weitere Messstellen im Wasserschutzgebiet und Sickerwasseruntersuchungen
verdeutlichen aber, dass mit dem Sickerwasser aus dem Boden in einigen Bereichen
mehr als 50 mg Nitrat/L in das Grundwasser eingetragen werden. Dies führt momentan
noch nicht zu einer Erhöhung der Konzentrationen im geförderten Grundwasser, da
diese
erhöhten
Nitrateinträge
durch
das
Denitrifizierungspotential
des
Grundwasserleiters
gepuffert
werden.
Diese
natürliche
Eigenschaft
des
Grundwasserleiters stellt aber eine endliche Ressource dar. Sollte diese aufgezehrt
werden, können höhere Nitrateinträge mit dem Sickerwasser nicht mehr wie bisher
gepuffert werden und werden später unvermindert im Grundwasser auftreten.
Zu 12: Sind die niedersächsischen Trinkwassergebiete gegen Verschmutzungen durch
die Gewinnung von Gas aus Sandstein mittels Fracking geschützt? Liegt dem Senat
eine Dokumentation aller Frackingeinsätze in Niedersachsen, inklusive einer Aufstellung
der eingesetzten Chemikalien in den Frackflüssigkeiten sowie der Zusammensetzung
der Fracking-Abwässer, vor? Hat der Senat Kenntnisse über den Verlauf von Ver- und
Entsorgungsleitungen für Fracking in den Fördergebieten des bremischen Trinkwassers
in Niedersachsen?
Alle Wasserschutzgebiete Niedersachsens unterliegen den gleichen Schutzkriterien,
auch gegenüber Erdgasgewinnung durch Fracking. Wasserschutzgebiete werden in
Niedersachsen von den unteren Wasserbehörden festgelegt und mit einer
entsprechenden
Schutzgebietsverordnung
rechtlich
gesichert.
In
den
Schutzgebietsverordnungen
unterliegen
bestimmte
Grundwasser-gefährdende
Tätigkeiten einem generellen Verbot oder sind nur beschränkt zulässig. Hiervon können
die zuständigen Behörden Ausnahmen machen.
Dies gilt auch für bergbauliche Vorhaben, so dass die bergbaulichen Belange von der
Bergbehörde und die wasserrechtlichen Belange im Zusammenhang mit der
Inanspruchnahme von Wasserschutzgebieten durch die Wasserbehörde geprüft
werden.
Die für Bremen zuständige Bergbehörde ist das Landesamt für Bergbau, Energie und
Geologie (LBEG) mit Sitz in Hannover.
Das LBEG hat eine Liste der bisher genehmigten und durchgeführten hydraulischen
Bohrlochbehandlungen (Fracking-Maßnahmen) in Erdgas- und Geothermiebohrungen
in Niedersachsen zusammengestellt. Die Liste zeigt die zwischen 1961 und Juli 2011
vorgenommenen Fracking-Maßnahmen - mit Angabe des Bohrungsnamens, des
Bodenschatzes, des Bergbauunternehmers, der Nummer der Stimulation, des Datum
des Fracs, der Teufe des Fracs, dem Rechts- und Hochwert der Bohrung, der
Gemeinde, dem Landkreis sowie der Formation, in der die Stimulation durchgeführt
wurde. Entsprechend der Auflistung wurden in Niedersachsen bisher 329 FrackingMaßnahmen durchgeführt (siehe auch
http://www.lbeg.niedersachsen.de/download/82740)
Für die unter Bergaufsicht stehenden Betriebe erteilt das LBEG auf der Grundlage des
Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes
(UVPG)
in
Verbindung
mit
dem
wurde in BR 10 ein Nitratwert von 16,5 mg Nitrat/L erfasst, der bei Folgemessungen nicht bestätigt
wurde. Ende 2012 und in 2013 lagen die Werte unter 4 mg Nitrat/L. Im Bereich von BR 19 schwanken die
Werte zwischen < 0, 5 mg und ca. 5 mg Nitrat/L und wurden zuletzt bei 2,2 mg Nitrat/L erfasst. Brunnen
BR 17 7 mg Nitrat/L ‐ Ende 2013 auf. Die Nitratfrachten im Bereich der Brunnen BR 7, BR 8, BR 15, BR
16 und BR 18 liegen seit 2003 in der Regel unterhalb von 2 mg Nitrat/L (Ausnahme BR 15, Juni 2012, mit
3,4 mg Nitrat/L).
8
Bundesberggesetz die Genehmigung von Rohrleitungsanlagen zum Befördern
wassergefährdender Stoffe. Darunter fallen auch Leitungen für den Transport von
Lagerstättenwasser.
Dem zuständigen LBEG liegen sämtliche Informationen über das Vorhandensein
derartiger Rohrleitungen in den Fördergebieten des bremischen Trinkwassers in
Niedersachsen vor.
Dem Senat ist bekannt, dass im Wasserschutzgebiet Panzenberg Lagerstättenwasser
mittels Rohrleitungen transportiert wurde. Diese Transporte finden aber zur Zeit mit
Tankwagen statt.
Zu 13: Gibt es Bestrebungen, den Anteil der Trinkwassergewinnung auf Bremer und
Bremerhavener Stadtgebiet zu erhöhen oder zu reduzieren oder Förderbrunnen
aufzugeben?
In Bremen erfolgt die Trinkwasserversorgung aus dem Bezug aus niedersächsischen
Wasserwerken und aus der Trinkwassergewinnung im Bremischen Wasserwerk
Blumenthal. Die dort geförderte Menge an Trinkwasser wird aller Voraussicht nach
relativ konstant bleiben. Eine Erhöhung auf bremischen Gebiet ist allein aufgrund der
naturräumlichen Verhältnisse kaum möglich.
Die Trinkwasserversorgung in Bremerhaven erfolgt ausschließlich aus Wasserwerken
von Wesernetz Bremerhaven GmbH. Der Anteil der Trinkwassergewinnung im
Stadtgebiet Bremerhaven wird sich dem zukünftigen Wasserbedarf, der seit einigen
Jahren sinkt (siehe Tab 1-2, Frage 1), anpassen.
Konkret sind keine Bestrebungen bekannt,
Fördermengen grundsätzlich zu reduzieren.
Förderbrunnen
aufzugeben
und
Zu 14: Gibt es Bestrebungen, Trinkwasser aus anderen Quellen als Grundwasser auf
Bremer und Bremerhavener Stadtgebiet zu gewinnen? Ist die Trinkwassergewinnung
aus Weserwasser durch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (Erreichung eines
„guten Zustandes“) in Zukunft wieder möglich? Falls ja, zu welchen Kosten?
Interessenverbände der Wasserversorger wie beispielsweise der Deutsche Verband
des Gas- und Wasserfachs (DVGW) und unabhängige Forschungseinrichtungen in
Deutschland widmen sich der Neuentwicklung und Optimierung von Verfahren zur
Wasseraufbereitung regelmäßig. Grundsätzlich gilt es als technisch machbar, Regen-,
Weserwasser und auch Abwasser zu Trinkwasser aufzubereiten. Nicht zuletzt aus
diesem Grund wurden einstmals planungsrechtliche Vorkehrungen für die Einrichtung
einer Anlage zur Aufbereitung von Weserwasser an geeigneter Stelle getroffen. Konkret
wurden hierzu andere Nutzungen wie Wohnbebauung so begrenzt, dass eine
Trinkwasseraufbereitung direkt an der Weser räumlich möglich ist. Für die technische
Umsetzung dieser Option wäre die Koppelung mehrerer Aufbereitungsschritte der
Wasseraufbereitung wie Ultrafiltration, Umkehrosmose, UV-Behandlung sowie
Einstellung chemisch-physikalischer Parameter notwendig. Bei Einsatz dieser
Verfahrenstechniken wäre dabei mit einer Vervielfachung der Kosten verglichen mit den
heutigen Trinkwassergestehungskosten zu rechnen.
Aus diesen Gründen gibt es keine Bestrebungen, die Aufbereitung von Grundwasser zu
Trinkwasser in Bremen oder Bremerhaven durch andere Quellen zu ergänzen.
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Die Trinkwassergewinnung aus der Weser stellt lediglich eine grundsätzliche Option für
die Zukunft der Bremer Wasserversorgung dar, welche aber immer mit einem deutlich
erhöhten Aufwand für Aufbereitung verbunden sein würde, auch wenn ein guter Zustand
des Weserwassers im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie erreicht wäre.
Denn das aus der Weser gewonnene Wasser müsste im Gegensatz zu Grundwasser
desinfiziert werden, bevor es eingespeist wird. Zusätzlich wären finanzielle
Rückstellungen erforderlich, da die Chlorid-Konzentrationen in der Weser auch nach
Erreichen eines „guten Zustandes“ der Weser, selbst wenn die Konzentrationen unter
der Trinkwassernorm lägen, erhöhte Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeiten
des Bremer Leitungsnetzes stellen würden als momentan.
Die Höhe des erforderlichen Aufwandes, der mit der Einspeisung von Weserwasser in
das Trinkwassernetz verbunden wäre, ließe sich erst nach mehrjährigem Testbetrieb
eingrenzen.
Zu 15: Würde eine Pipeline zur Ableitung der Salzabwässer aus der hessischen
Kaligewinnung in die Nordsee die Chancen auf eine wirtschaftliche
Trinkwassergewinnung aus der Weser erhöhen?
Eine Nordseepipeline zur Ableitung von Salzabwasser aus dem Kalibergbau würde die
Qualität des Weserwassers verbessern:
Die Chloridkonzentrationen schwankten 2011 an der Wesermessstelle Hemelingen
zwischen 130 und 320 mg/l bei einem Median von 260 und einem 90 Perzentilwert von
ca. 300 mg Cl/l. Die Chlorid-Konzentration könnte durch eine Pipeline um mehrere 10er
Prozent auf einen Chloridwert von ca. 150 mg/L reduziert werden.
Konzentrationsreduzierungen sind auch für andere Wasserinhaltsstoffe zu erwarten.
Trotzdem wäre auch nach Bau einer Nordseepipeline mit Salzkonzentrationen im
Weserwasser zu rechnen, die über denen liegen, was momentan im Bremer
Leitungsnetz für Trinkwasser gemessen wird (zwischen ca. 18 - 50 mg Cl/L).
Grundsätzlich gilt, dass Grundwasservorkommen durch die vorhandenen
Bodenschichten besser geschützt sind vor negativen Einflüssen auf die Wasserqualität
als Oberflächenwasser. Dadurch ist für die Trinkwassergewinnung aus
Oberflächengewässern immer mehr technischer Aufwand zu betreiben als bei der
Aufbereitung von Grundwasser zu Trinkwasser. Eine Trinkwassergewinnung aus der
Weser wäre damit immer unwirtschaftlicher verglichen mit der Aufbereitung von
Grundwasser.
Gleichwohl ist es im bremischen Interesse, die Option zur Trinkwasser-Gewinnung aus
der Weser für die Zukunft zu erhalten, um ggf. auf derzeit nicht absehbare Engpässe in
der Trinkwasserversorgung Bremens reagieren zu können.
Der Bau einer Nordseepipeline in der Produktionsphase des Kaliabbaus oder
gleichwertige Minderungsmaßnahmen erhöhen auf jeden Fall die Chancen für diese
Option.
Zu 16: Wie bewertet es der Senat, dass den Kindern in Bremer Kindergärten
Leitungswasser anstelle von Mineralwasser zu trinken gegeben wird? Wie ist die
Qualität des Trinkwassers im Vergleich zu Mineralwasser zu beurteilen?
Das in das Bremer Netz eingespeiste Trinkwasser hält alle Vorgaben der
Trinkwasserverordnung sicher ein und ist von einwandfreier Qualität. Es unterscheidet
sich im Wesentlichen von Natürlichem Mineralwasser durch seinen geringeren Anteil an
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Mineralstoffen. Dieser Unterschied ist im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung
allerdings nicht relevant.
Der Abgabe von Leitungswasser steht deshalb nichts entgegen, zumal das aus der
Leitung entnommene Trinkwasser leicht in Mengen portioniert werden kann, die
individuell getrunken werden, keine Kohlensäure besitzt und hierdurch allseits
verträglich ist. Die Verwendung des Leitungswassers hat zudem ökologische Vorteile,
da Transport, Herstellung, Aufbereitung zur Wiederverwendung bzw. Vernichtung von
Mineralwasserflaschen entfallen.
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Nachhaltigkeit der Bremer Trinkwassergewinnung