An
die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder
Berlin, den 6. Mai 2015
Offener Brief: Fracking in Deutschland verbieten
Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen, sehr geehrte Ministerpräsidenten,
die Bundesregierung plant, Fracking in Deutschland zu ermöglichen. Die UmweltministerInnen der Bundesländer haben die Pläne der Regierung am 22. April 2015 abgelehnt und statt
dessen eine Änderung des Bundesberggesetzes gefordert, um „das Aufbrechen von Gesteinen unter hydraulischem Druck zur Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen“
zu verbieten. Mit dieser Entscheidung berücksichtigen die UmweltministerInnen die unzähligen Gefahren des Fracking für das Grundwasser, die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung.
Fracking gefährdet das Grundwasser und kann Erdbeben auslösen. Die Entsorgung des
Rückflusses, der wieder an die Oberfläche gepumpten Mischung aus Frackflüssigkeiten und
Lagerstättenwasser, ist ungeklärt. Ein wirksamer Schutz vor den Gefahren, die durch Betriebsstörungen bei der Anwendung des Fracking-Verfahrens entstehen, existiert nicht.
Eine Erlaubnis der Hochrisikotechnik Fracking in Deutschland konterkariert auch das Ziel der
Bundesregierung, „engagierten Klimaschutz zum Fortschrittsmotor zu entwickeln“ und
bremst den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Noch ist nicht klar, wie
wir das nationale Ziel, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber
1990 zu senken, erreichen wollen. Klar ist jedoch, dass wir dieses Ziel nur erreichen können,
wenn zusätzliche Maßnahmen zur Reduktion umgesetzt werden. Zwei Drittel der weltweit
bekannten fossilen Brennstoffvorkommen müssen nach Einschätzung der Internationalen
Energieagentur im Boden bleiben, wenn wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindern wollen.
Hinzu kommt, dass Fracking in Deutschland weder einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit noch zur Beschäftigung leisten kann – zu diesem Ergebnis kommt unter
anderem der Sachverständigenrat für Umweltfragen. Arbeitsplätze und eine nachhaltige
Energieversorgung kann auf Dauer allein der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien sicherstellen. Wir brauchen daher in Deutschland kein Gesetz, das die Gasförderung
bei einem hohen Flächenverbrauch und großen Risiken für Böden, Grundwasser und Gesundheit ausweitet.
In Deutschland gibt es bereits mehr als 2000 Kommunen und Gemeinden, die Fracking auf
ihrem Gebiet nicht zulassen wollen. Jede Fracking-Bohrung führt zu Flächenversiegelung
und zur Einschränkung der Lebensqualität der AnwohnerInnen. Der Bevölkerung werden
die volkswirtschaftlichen Folgekosten einer Fördertechnik aufgebürdet, die ihr keinen Nutzen bietet.
Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen, sehr geehrte Ministerpräsidenten, zeigen Sie, dass
der Schutz von Grundwasser, Umwelt und Gesundheit für Sie höchste Priorität hat und
schließen Sie sich dem Votum Ihrer UmweltministerInnen für ein Fracking-Verbotsgesetz in
der Bundesratssitzung am 8.Mai an.
Mit freundlichen Grüßen
gezeichnet
Birgit Bauer
geschfd. Vorstandsmitglied
Aktionsgemeinschaft Artenschutz
Wolfgang Schürger
Sprecher
Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD
Oliver Kalusch
Mitglied des geschfd. Vorstands
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz
Andy Gheorghiu
Bürgerinitiative lebenswertes
Korbach e.V.
Tim Steindamm
Bürgerinitiative Fracking freies
Hessen
Prof. Dr. Hubert Weiger
Vorsitzender
BUND (Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland e.V.)
Andreas Link
Vorstandsmitglied
BUNDjugend
Christoph Bautz
Geschäftsführer
Campact
Bernhard Fricke
Vorsitzender
David gegen Goliath
Klemens Glies
Präsident
Deutsche Gesellschaft Agenda
21, Bayern
Jörg Sommer
Vorsitzender
Deutsche Umweltstiftung
Manfred Hederer
Präsident
Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund
Liselotte Unseld
Generalsekretärin
Deutscher Naturschutzring
Hans-Josef Fell
Energy Watch Group
Geert de Cock
Director EU-Affairs
Food & Water Europe
Gabriele Obschernicat
Netzwerk Gegen Gasbohren
Brigitte Behrens
Hauptgeschäftsführerin
Greenpeace
Reiner Ehret
Vorsitzender
Landesnaturschutzverband
Baden-Württemberg
Dr. Werner Zittel
Stiftungsvorstand
Ludwig-Bölkow-Stiftung
Leif Miller
Bundesgeschäftsführer
NABU (Naturschutzbund e.V.)
Uwe Hicksch
Mitglied im Bundesvorstand
Naturfreunde Deutschlands
Claus-Harald Güster
stellv. Vorsitzender
Gewerkschaft NahrungGenuss-Gaststätten
Peter Fuchs
geschfd. Vorstand
PowerShift
Florian Kubitz
Vorstandsprecher
ROBIN WOOD
Christina Hacker
Vorstand
Umweltinstitut München e.V.

Offener Brief