Vorlesung Energierecht
Entflechtung
Dr. Jürgen Kroneberg
Mitglied des Vorstands der RWE Energy AG
Köln, 27.04.2007
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Die RWE Energy-Gruppe im RWE Konzern
RWE AG (Group Center)
RWE
Power
Stromerzeugung
RWE Dea
Aufschluss
und
Gewinnung
Gas & Öl
RWE Gas
Midstream
RWE
Trading
RWE
Energy
RWE
npower
RWE
Systems
Stromerzeugung
Regionale
Energiegesellschaften
Vertrieb
npower
Transportnetze
Strom/Gas
Gasspeicher
Erneuerbare
Energien
npower
Key Account,
Contracting
2
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Struktur der RWE Energy
RWE AG
RWE Energy
Region
Nord
RWE Westfalen-Weser-Ems
Region
Tschechien
RWE Transgas, JMP, SČP,
SMP, STP, VČP, ZČP
RWE Transportnetz Gas
Region
Mitte
RWE Rhein-Ruhr
Region
Ungarn
RWE Energy Húngária Kft
RWE Transportnetz Strom
Region
West
VSE
Region
Südwest
Süwag
Region
Ost
enviaM
Region
Süd
LEW
ELE
energis
KEVAG,
Süwag Wasser
MITGAS
Region
Slowakei
Region
Polen
ELMÜ/EMASZ, FÖGÁZ
VSE
STOEN
RWE Key Account
RWE Aqua
RWE Energy Nederland
Region
Niederlande RHG, ROG
Region
Österreich
KELAG
3
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Der Aufbau der Elektrizitätsversorgung
Großkraftwerk
dezentrale
Erzeugung
(kleinere Kraftwerke
im Verteilnetz, z.B.
Blockheizkraftwerke,
EEG-Anlagen)
Übertragungsnetz
380 / 220 kV
Verteilnetz
110 kV/20kV/230V
ggf. Verteilnetz (2)
Kunde
Großindustrie
Kunde
Industrie
Kunde
Haushalt / Gewerbe
Der Weg des Stroms vom Kraftwerk zum Verbraucher
4
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wertschöpfungsstufen und Marktteilnehmer Strom
Stromerzeugung
4 Großkraftwerksbetreiber (mit 73%
Anteil an
Stromerzeugung)
Größere Stadtwerke mit eigenen
Kraftwerken
Stromhandel
161 Teilnehmer an der
Strombörse EEX (davon
95 ausl. Firmen)
Bilateraler
Stromhandel
Übertragung
4 große Übertragungsnetzbetreiber
Verteilung
950 lokale und regionale
Verteilnetzbetreiber
5 ausländische
Betreiber in
Grenzregionen
Vertrieb
900 „traditionelle“
Stromlieferanten
100 - 150 „neue“
Stromlieferanten
unabhängige
Großstromerzeuger
Industrie, private
Betreiber (REAnlagen)
Energiemakler
Ökostromanbieter
5
Quelle: VDEW, 2007.
Stand: 03/ 2007.
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Netzebenen Strom
6
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Aufbau des Netzes in Ebenen
Übertragungsnetz
380/220kV
KW
KW
~
~
KW
~
~
Verbraucher
Kuppelleitung
~
Verteilungsnetz
KW
380/220kV
KW
Verbraucher
110kV
110kV
Verteilungsnetz
MS und NS
Verbraucher MS und NS
7
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Gasmarkt Deutschland: Struktur
Quelle: „Energiemarkt Deutschland“
8
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Der Aufbau der Gasversorgung
Import / Gewinnung
z.B. Gazprom,
Statoil,
RWE DEA,
E.ON Ruhrgas,
RWE Midstream
Fernleitung
Verteilnetz
ggf. Verteilnetz (2)
Großkunde
Kunde
Kunde
9
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Entscheidend für Wettbewerb:
Nicht-diskriminierender Netzzugang
Entflechtung des Netzes von Erzeugung, Handel, Vertrieb
Erzeugung
Börse
Handel
OTC
Transport
Verteilung
Kunden
Wettbewerb
Wettbewerb
Regulierung des Netzzugangs
und der Netzentgelte
(Regulierungsbehörde)
10
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Zielsetzung zur Entflechtung, § 6 Abs. 1 EnWG
 Gewährleistung von Transparenz (S. 1)
 Diskriminierungsfreier Netzzugang Dritter (S. 1)
 Verhinderung von Quersubventionierung, § 10 Abs. 3
Mittel: Unabhängigkeit des Netzbetreibers von anderen
Tätigkeiten der Energieversorgung „Entflechtung“ (S. 2)
11
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Gemeinschaftsrechtliche Vorgaben (1)
 Richtlinie 2003 / 54 / EG vom 26.06.2003 über gemeinsame
Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt
– Art. 8 – 12 : Übertragungsnetzbetreiber
– Art. 13 – 16 : Verteilernetzbetreiber
– Art. 18 – 19 : Rechnungslegung
 Richtlinie 2003 / 55 / EG vom 26.06.2003 über gemeinsame
Vorschriften für den Erdgasbinnenmarkt
– Art. 7 – 10 : Fernleitungsnetzbetreiber
– Art. 13 – 16 : Verteilernetzbetreiber
– Art. 18 – 19 : Rechnungslegung
12
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Gemeinschaftsrechtliche Vorgaben (2)
 „Beschleunigungsrichtlinien“
Ziele:
– wettbewerbsorientierter
– sicherer
– ökologisch nachhaltiger
Energiemarkt,
(Art. 3 Binnenmarktrichtlinie Elektrizität/Gas)
13
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Umsetzung der Richtlinien in Deutschland
 EnWG 2005
(vom 07. Juli 2005, BGBl. I, S. 1970)
– Teil 2 Entflechtung (§§ 6 – 10 EnWG)
– Herauslösung des Netzbetreibers als natürliches
Monopol
Trennung von den wettbewerblich organisierten
Bereichen der Energieversorgung
14
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Arten der Entflechtung
Buchhalterisch
(§ 10 EnWG)
Verpflichtung zur
getrennten
Kontoführung;
eigene Bilanz und
Gewinn- und
Verlustrechnung
Informationell
Operationell
Rechtlich
(§ 9 EnWG)
(§ 8 Abs. 2-4 EnWG)
(§7 EnWG)
Vertraulichkeit
und
diskriminierungsfreier Zugang für
Informationen aus
dem Netzbetrieb
Organisatorische
Trennung des
Netzbetriebs vom
vertikal integrierten
EVU; Gleichbehandlungsprogramme/-beauftragter/
-bericht
Gesellschaftsrechtliche
Trennung des
Netzbereichs vom
vertikal
integrierten EVU
(Errichtung einer
eigenen
Netzgesellschaft)
15
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (1)
↳ alle sog. „vertikal integrierten EVU“ gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 38 EnWG
↳ mit Tätigkeiten im regulierten und wettbewerblichen Bereich:


Strom:
Übertragung /
Verteilung
+
Erzeugung /
Versorgung
Gas:
Fernleitung /
Verteilung /
Betrieb einer
LNG-Anlage /
Speicherung
+
Gewinnung /
Lieferung
16
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (2)
 Einzelnes EVU (z. B. unabhängiges Stadtwerk) oder auch
 Gruppe von EVU (Konzern) (§§ 15 ff AktG)
 Erforderlichkeit einer Konzernbetrachtung ergibt sich aus
Definition „vertikal integriertes Energieversorgungsunternehmen“
in § 3 Abs. 1 Nr. 38 EnWG:
auch „Gruppe von Unternehmen, die im Simme des Art. 3 Abs. 2 der
Verordnung (EG) Nr. 139/2004 des Rates vom 20. Januar 2004 über die
Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen [Fusionskontrollverordnung] miteinander verbuinden sind“
 Verbundenes Unternehmen liegt vor, wenn ein bzw. mehrere
Unternehmen über ein anderes Unternehmen Kontrolle ausüben
( z.B. Kapital- oder Stimmrechtsmehrheit, Beherrschung, oder
50/50 Beteiligung, gemeinsame Beherrschung)
17
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (3)
Rechtliche Entflechtung:
 Alle Übertragungs- bzw. Fernleitungsnetzbetreiber
 Alle vertikal integrierten EVU, § 7 Abs. 1
– mit mehr als 100.000 Kunden im Verteilnetz Strom bzw.
Gas, § 7 Abs. 2
– selbst oder im Konzern § 3 Nr. 38
18
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (4)
Operationelle Entflechtung:
 Alle Übertragungs- bzw. Fernleitungsnetzbetreiber
 Alle vertikal integrierten EVU, § 8 Abs. 1
– mit mehr als 100.000 Kunden im Verteilnetz Strom bzw.
Gas, § 8 Abs. 6
– selbst oder im Konzern § 3 Nr. 38
19
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (5)
Informationelle Entflechtung, § 9
 Alle Netzbetreiber
 Alle vertikal integrierten EVU
Buchhalterische Entflechtung, § 10
 Alle vertikal integrierten EVU
20
Vorlesung Energierecht –Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (6)
de-minimis-Regelung (Übersicht)
< 100.000 Kunden
≥ 100.000 Kunden
Buchhalterisch
+
+
Informationell
+
+
Operationell
-
+
Rechtlich
-
+
(VNB ab 1. Juli 2007)
21
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist von Entflechtung betroffen? (7)

Alle vertikal integrierten EVU müssen dass rechnerische und
informationelle Unbundling umsetzen
 das operationelle und das rechtliche Unbundling jedoch
nur die „größeren“ EVU
⇒ Stichwort:
de-minimis-Regelung
(„100.000 Kunden“)
22
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Wer ist vom Entflechtung betroffen? (8)
Zusammenfassung De minimis-Regelung
 Keine
– rechtliche
– operationelle
Entflechtung für Unternehmen mit weniger als 100.000
Kunden im Elektrizitätsverteilernetz
ebenso für Gasverteilernetz,
ggf. spartenspezifisch unterschiedlich
23
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Rechtliche Entflechtung, § 7 Abs. 1 EnWG (1)
 Formale Trennung in juristische Personen
 Geschäftsbereich Netzbetrieb muss in eine unabhängige
Rechtsform überführt werden (i. d. R. Kapitalgesellschaft)
 Keine Vorgaben zur Ausstattung mit Netzeigentum
 Keine Pflicht zur Ausgliederung des Eigentums in die
Netzgesellschaft
Problem: 2 Geschäftsführer ohne Mitarbeiter – GmbH
personelle und technische Leistungsfähigkeit,
§ 4 Abs. 1 EnWG
24
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Rechtliche Entflechtung, § 7 Abs. 1 EnWG (2)
Zulässig:
 Eigentum an Netzen beim Netzbetreiber
 Netzbetreiber als Pächter von Netzen
 „Singuläre“ Netzbetreiber für eine Energieart (Strom oder Gas)
 Kombi-Netzbetreiber für mehrere Energiearten (Strom und Gas)
(horizontal integrierte Netzbetreiber)
 Kombi-Netzbetreiber für Transport- und Verteilnetz
(vertikal integrierte Netzbetreiber, in Deutschland derzeit nicht
umgesetzt)
25
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Rechtliche Entflechtung, § 7 Abs. 1 EnWG (3)
Zuordnung von Anlagevermögen
Netzeigentum
Vertikal integriertes
EVU
Ausgliederung oder
Einzelrechtsnachfolge
Netzeigentum
Netzgesellschaft
Vertikal integriertes
EVU
Pachtvertrag
Netzgesellschaft
• Eigentumsübertragung im Wege • Pächter hat Besitz und
Entscheidungsbefugnis bei
der Einzelrechtsübertragung, z.B.
Betrieb, Wartung und Ausbau des
Veräußerung oder Sacheinlage
Netzes; Eigentum verbleibt beim
oder Ausgliederung nach
Verpächter
Umwandlungsgesetz (erhebliche
Kosten und erheblicher Aufwand)
26
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Rechtliche Entflechtung (4)
Netzbetreiber, Beispiel RWE
RWE Energy AG
RWE Transportnetz
Strom GmbH
Singulärer Netzbetreiber mit Netzeigentum
RWE Transportnetz
Gas GmbH
Singulärer Netzbetreiber mit Pachtnetz
RWE Regionalgesellschaft
Eigentümerin von Verteilnetzen
Vertriebsgesellschaft
RWE Rhein-Ruhr
Verteilnetz GmbH
Kombi-Netzbetreiber Strom/Gas
mit Pachtnetz
Ziel: Formale Trennung des regulierten Netzbetriebs vom wettbewerblich
organisierten Bereich Erzeugung / Handel / Vertrieb
27
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Rechtliche Entflechtung (5)
Mögliche Rechtsformen der Netzbetreibergesellschaft
Grundsätzlich Wahlmöglichkeit
(sofern kommunalrechtlich zulässig und Unabhängigkeit des
Netzbetreibers gewährleistet)
GmbH
AG
• Vorteil: "Sicherste" Umsetzung da
Eigenständigkeit der Entscheidungen des Vorstands gesetzlich
gewährleistet ("unter eigener
Verantwortung")
• Nachteil:
- Höhere Gründungskosten,
erhöhte Anzahl von Organmitgliedern (Aufsichtsrat)
- u.U. Kommunalrechtlich
bedenklich, da kein Weisungsrecht
ggü. Vorstand, § 93 AkrG
• Vorteil: Geringere Gründungskosten
und geringerer Aufwand
• Nachteil:
- Informations- und Einflussrechte
des Gesellschafters widersprechen den Entflechtungsvorgaben, §§ 51a und 37 GmbHG
eingeschränkt durch § 8 Abs. 4
EnWG)
- Einschränkungen durch Satzung
notwendig
Personengesellschaft
• Reine Personengesellschaft mangels
Haftungsbeschränkung kommunalrechtlich unzulässig
• GmbH & Co. KG und AG & Co. KG
möglich
• Nachteil: Erfordert bei GmbH & Co.
KG ebenfalls Beschränkung der
Einflussrechte in der Satzung
28
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung, § 8 EnWG (1)
 Ziel: Sicherung der tatsächlichen Unabhängigkeit des
Netzbetreibers
 Problem: Rechtliche Entflechtung garantiert keine
Unabhängigkeit
– Beherrschungsvertrag gegenüber AG, §§ 291 ff AktG
– Weisungsrecht des Gesellschafters der GmbH, § 37
GmbHG
 Einflussmöglichkeit des Gesellschafters ist Ausfluss der
Eigentumsgarantie Art. 14 GG
 Spannungsfeld operationelle Entflechtung als zulässige
Sozialbindung
29
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung, § 8 EnWG (2)
Übersicht über die Anforderungen

Organisatorische/Personelle Unabhängigkeit des
Netzbetriebs, Abs. 2

Persönliche Unabhängigkeit der Netzleitung, Abs. 3

Unabhängigkeit bei wirtschaftlichen Entscheidungen, Abs. 4

Aufstellung eines Gleichbehandlungsprogramms; Ernennung
eines Gleichbehandlungsbeauftragten; jährlicher Bericht an
die BNetzA, Abs. 5
30
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung, § 8 EnWG (3)
Systematik des § 8 Abs. 2 EnWG

Gesetzliche Vorgaben zur Zuordnung des Personals und der
Aufgaben unterscheiden zwischen
– Leitungsaufgaben (Nr. 1)
– Sonstige Tätigkeiten des Netzbetriebs (Nr. 2)
31
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung (4)
Anforderungen an die Netzleitung, § 8 Abs. 2 Nr. 1 EnWG
 „Leitung“:
– GF Netzgesellschaft bzw. Bereichsleiter Netz
– ggf. auch weitere Personen, etwa leitende Angestellte
(sofern Einflussnahme auf Unternehmenspolitik)
 Rechtsfolge:
– darf keine weitere Aufgabe/Tätigkeit im Elektrizitäts- bzw.
Gassektor ausüben (Vermeidung von Interessenskollisionen)
– nur außerhalb dieser Sektoren, z.B. in anderen Sparten
(Fernwärme, Wasser)
32
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung (5)
„Sonstige Tätigkeiten des Netzbetreibers“, § 8 Abs. 2 Nr. 2 EnWG
 Keine Pflicht zur eigenen Durchführung
 Ausgliederung und Dienstleistung zulässig
 „sind insoweit der fachlichen Weisung der Leitung des
Netzbetreibers zu unterstellen“
(Sicherstellung im Dienstleistungsvertrag)
33
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung (6)
Struktur der regionalen Energiegesellschaften
 Gebündelte Vertriebsverantwortung
in der jeweiligen Region für Strom,
Gas und Wasser
 Zentrale kaufmännische Funktionen
 Eigenständige Gesellschaften für
Kundenservices und den
Netzbereich
* z.B. Recht, Personal, Rechnungswesen
**) “sonstige Tätigkeiten i.S. v. § 8 Abs. 2 Nr. 2
Regionale Energiegesellschaften
Vertrieb
Querschnittsfunktionen *) **)
Kundenservices **)
Verteilnetzbetreiber
Netzservices **)
34
= Gesellschaftsrechtliche Einheiten
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung (7)
Funktion von Netzbetreibern, Netzservices und Kundenservices
Beispiel RWE
Mit der Bildung eigenständiger Einheiten erfüllt RWE EnWGVorgaben rechtlicher und operationeller Entflechtung
Transport-/
Verteilnetzbetreiber
Netzservices
Kundenservices
 Netzentwicklungsplanung
 Betrieb von Netzen und  Betrieb von Call- und
Anlagen (u.a. Wartung,
Billing-Centern
Instandhaltung,
 Investitionsstrategie
 Gemeinsame IT-Lösungen
Entstörung)
 Instandhaltungs Als Dienstleister für

Als
Dienstleister
für
strategie und –planung
Netzbetreiber und
Netzbetreiber
Vertriebsgesellschaft
 Vertrieb von
Netzsystemdienstleistungen
35
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung (8)
Wirtschaftliche Unabhängigkeit; § 8 Abs.4 EnWG
Konsequenzen:

Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit des Betriebs, der
Wartung und Instandhaltung; S. 1

Keine Weisungen zum laufenden Netzbetrieb, S.4

Grundsätzlich keine Weisungen zu einzelnen baulichen
Maßnahmen an Leitungen und Anlagen, S. 4

Geschäftsbereich Netz bzw. Netzgesellschaft darf sich im
Rahmen des genehmigten Finanzplans “frei” bewegen, darf
diesen sowie allgemeine Verschuldungsobergrenzen jedoch
nicht überschreiten, S. 4
36
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Operationelle Entflechtung (9)
Gewährung der Eigentümerrechte Art. 14 GG
 Einflussnahme und Kontrolle, einschließlich Weisungsrechte
rechtlich zulässig, § 8 Abs. 4 S.2 EnWG:
– Zur Wahrnehmung der wirtschaftlichen Befugnisse der Leitung
– Zur Sicherung der Rentabilität
 Mittel: Finanzplan (einschließlich Investitions- und
Personalplan)
 Festlegung der Verschuldungsgrenze, damit Kontrolle der
Finanzierung
 Keine Pflicht zur Leistung von Nachschüssen
37
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Gleichbehandlungsprogramm
§ 8 Abs. 5 EnWG
 Aufstellung eines Gleichbehandlungsprogramms
– Verhaltensvorgaben an die Mitarbeiter
• z.B. hinsichtlich Nichtweitergabe vertraulicher Daten
• z.B. keine Benachteiligung von Drittlieferanten bei der
Zurverfügungstellung von Netzkapazität
– Sanktionen
• bei Verstößen (z.B. disziplinarischer Art wie Abmahnung)
– Implementierung des Programms
• Ausgabe an jeden Mitarbeiter; Information darüber; ggf. Schulung
 Ernennung eines Gleichbehandlungsbeauftragten
– Überwachung der Einhaltung des Programms
– Kontaktperson/Ansprechpartner für Mitarbeiter diesbezüglich und
REGTP
– Jährlicher Bericht an die Regulierungsbehörde
38
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Informationelle Entflechtung (1)
Überblick
§ 9 EnWG Verwendung von Informationen
 Gilt für alle Netzbetreiber und integrierten EVU
 Pflicht des Netzbetreibers, wirtschaftlich sensible Daten (Netzkundeninformationen, erhalten in Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit) vertraulich zu
behandeln (§ 9 Abs. 1 EnWG)
 Diskriminierungsfreie Offenlegung von Netzinformationen (§ 9 Abs. 2 EnWG),
d. h. solche über die eigene Tätigkeit des Netzbetreibers mit wirtschaftlicher
Vorteilhaftigkeit für relevante Dritte
 Verhältnis EnWG / Gesellschaftsrecht
–
Einschränkung der (sonst fast unbegrenzten) Informationsrechte des
Gesellschafters im Hinblick auf Netzkunden- und Netzinformationen
–
Soweit für die wirtschaftliche Leitung und die Aufsicht über die
Geschäftsführung erforderlich, weiterhin umfassendes Informationsrecht
des Gesellschafters
39
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Informationelle Entflechtung (2)
 Netzkundeninformationen
Informationen über einzelne Kunden und deren Verhalten
grundsätzlich geheimzuhalten, § 9 Abs. 1 EnWG
 Netzinformationen
Informationen über eigene Tätigkeiten des Netzbetreibers,
z. B.
– Zusammengefasste Informationen über
Netzauslastungen, z.B. Gesamtabsatz in einer Region
– Ausbaupläne
Grundsätzlich diskriminierungsfreier Umgang
– kein Anspruch auf Bekanntgabe
– aber wenn Bekanntgabe, dann ohne Unterschied
40
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Informationelle Entflechtung (3)
 Konkrete Umsetzung auf Unternehmensebene:
– IT-spezifische Maßnahmen (Trennung der Systeme,
Zugriffsberechtigungskonzepte, “Chinese Walls”)
– In jedem Fall auch verbindliche Verhaltensvorgaben für
Mitarbeiter (Bestandteil des
Gleichbehandlungsprogramms), belastbare
Dokumentation der Geschäfte; insbesondere auch für
kleinere EVU
41
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Informationelle Entflechtung (4)

Adressat von Informationen bei Muttergesellschaft (i.d.R. eine AG),
Auskunftsrechte nach § 296 HGB oder § 51 a GmbH
– Vorstand der Muttergesellschaft als Organ
• Keine Differenzierung nach Ressort
• Zulässige „Informationen auch an „Vertriebsvorstand“
– Querschnittsabteilungen, soweit vom Vorstand beauftragt

Folge: Interne informationelle Entflechtung bei der Muttergesellschaft
– Selbst Adressat der Vorschrift, § 9 EnWG (vertikal integriertes EVU)
– Keine Weitergabe an operative Vertriebs-/oder Erzeugungseinheit
– Anderenfalls diskriminierungsfreie Offenlegung gegenüber fremden
Dritten
42
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Entflechtung der Rechnungslegung und interne Buchführung (1)
 Verpflichtung zur Führung eigener Buchungskreise sowie Aufstellung
einer eigenen Bilanz und GuV für folgende Tätigkeiten:
– Elektrizitätsübertragung
– Elektrizitätsverteilung
– Gasfernleitung
– Gasverteilung
– Gasspeicherung
– Betrieb von LNG-Anlagen
– Sonstige Tätigkeiten Elektrizitätssektor (konsolidiert)
– Sonstige Tätigkeiten Gassektor (konsolidiert)
– Tätigkeiten außerhalb Elektrizitäts-/Gassektor (konsolidiert)
⇛ Erfordert interne Verrechnungspreise
43
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Entflechtung der Rechnungslegung und interne Buchführung (2)
 Alle Energieversorger unterliegen einer Verpflichtung zum Jahresabschluss nach den Regeln für Kapitalgesellschaften (§§ 264 ff. HGB),
der geprüft und nunmehr auch in jedem Fall offen zu legen ist, § 10
Abs. 1
 Prüfung umfasst auch die Einhaltung der Pflichten zur getrennten
Kontenführung, §10 Abs.4
 Übersendung des Jahresabschlusses sowie Bilanzen und Gewinnund Verlustrechnung für einzelne Tätigkeiten an Regulierungsbehörde,
§ 10 Abs. 5
 Unterliegt Monitoring der BNetzA (§ 35 Abs. 1 Nr. 5 EnWG)
→ umfangreiche Befugnisse (bzgl. Auskunft, Einsichtnahme in
Unterlagen, Inverwahrungnahme)
44
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Entflechtung der Rechnungslegung und interne Buchführung (3)
 Adressat: Jedes Energieversorgungsunternehmen
 Entflechtung für jedes EVU, das mehr als eine Tätigkeit
durchführt
– z. B. Kombi-Netzbetreiber
– z. B. Unternehmen mit Elektrizität oder Gas und Wasser
– Auch Verpachtung von Anlagen ist Tätigkeit,
§ 9 Abs. 2 Satz 2 EnWG
45
Eigentumsrechtliche Entflechtung
Stand der Diskussion und Ausblick
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Stand der Diskussion
 Bereits bei Beschleunigungsrichtlinien 2003 Diskussion über
eigentumsrechtliche Entflechtung (Ownership Unbundling, „OU“)
 jedoch am Ende ausdrücklich Verzicht auf OU
 Inzwischen ist OU in Brüssel wieder Thema:
– Binnenmarktrichtlinie Elektrizität bzw. Erdgas
– Zwischenbericht Sector Inquiry Februar 2006 verurteilt
unzureichende Entflechtung und nennt „Full Structural
Unbundling“ als mögliche regulatorische Maßnahme zur
Verbesserung des Wettbewerbs
 Offen:
Inhalt und Zeitpunkt eines eventuellen „3. Liberalisierungspakets“
– Nach Zusammenführung der Ergebnisse verschiedener
Konsultationen und Analysen (Grünbuch Energiepolitik, Sector
Inquiry, Fortschrittsbericht zum Binnenmarkt mit Länderanalyse
u.a.) ist nicht auszuschließen, dass die Kommission weiter
gehende Maßnahmen zum Unbundling vorschlagen wird.
47
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Diskutierte Inhalte von Ownership Unbundling
 Keine eindeutige Definition des Begriffs OU
 Häufig Schlagwort für schärfere Entflechtung als Legal-Unbundling
 Mögliche Inhalte:
– Wahrscheinlichere Zielrichtung jedoch: vollständige Herauslösung von Netzeigentum und Netzbetrieb aus dem Konzernverbund [denkbare Formen: Enteignung (Staat als Netzeigentümer), Verkauf der Mehrheit an Dritte, Netzgesellschaft als
Gemeinschaftsunternehmen der Netzeigentümer, Ausübung
der Gesellschafterrechte durch Treuhänder
– Alternativ: Unabhängige Systembetreiber - Independent
System Operator, ISO)
48
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Ownership Unbundling: Situation in den Mitgliedstaaten
 Ownership Unbundling ist in vielen Mitgliedstaaten bei TSO bereits gelebte Praxis, z.B.:
– Großbritannien: National Grid
– Spanien: REE
– Niederlande (TenneT): Verstaatlichung der
Netze
 Netzgesellschaften in Staatseigentum würden
von OU ausgenommen werden  kein
Privatisierungszwang, z.B.:
– Frankreich
– Polen
– Ungarn
L = legal (rechtlich), O = Ownership (eigentumsrechtlich), M = management (operationell)
A = accounting (Rechnungslegung); Deutschland: DSO oberhalb 100.000 Kunden: ab 01.07.: L
49
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Independent System Operator

Modell wird in einigen Bundesstaaten/Regionalmärkten der USA angewandt

Bisher in der EU in keinem Mitgliedsstaat vorgesehen

Häufig Schlagwort für Entflechtung unterhalb des Ownership-Unbundling

Mögliche Inhalte:
– Keine Verpflichtung zur Übertragung des Netzeigentums auf den
Netzbetreiber
– Aber vollständige Kontrolle der unabhängigen Netzgesellschaft über
Netzzugang und alle zur Sicherung der Diskriminierungsfreiheit
erforderlichen Rechtsbeziehungen einschließlich der Entgelte
– Unabhängige Netzgesellschaft kontrolliert auch die Investitions- und
Instandhaltungspolitik
– Unabhängige Netzgesellschaft kann staatlich oder privat organisiert sein
50
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Modell Konzernfreier Netzbetreiber mit Netzassets
 Aufhebung des Konzernverbundes durch Verbot,
beherrschenden Einfluss sowohl auf wettbewerbliche
Wertschöpfungsstufen als auch auf das Netz auszuüben.
Enteignung
Gesellschafter
Staat
Verkauf
Gesellschafter
Enteignung
Holding
Dritte
Anteilsveräußerung
Holding
Minderheit
wettbewerbliche WS
Netzbetrieb
und Netzassets
wettbewerbliche WS
Netzbetrieb
und Netzassets
51
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Erhebliche rechtliche Bedenken

Ermächtigungsgrundlagen
- Art. 83 (Wettbewerbspolitik) oder
- Rechtsangleichung nach Art. 95 EGV

Schranken
- EU-Recht
• Schutz der Eigentumsordnung Art. 295 EGV, keine Kompetenz zur Enteignung
• Eingriff in EU-Grundrechte (Eigentum, Berufsfreiheit)
• Subsidiarität Art. 5 (2) EGV
• Verhältnismäßigkeit Art. 5 (3) EGV
- Nationales Verfassungsrecht
► Rechtsschutz erst gegen Entflechtungsanordnung, nicht gegen
Richtlinie
52
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Zusammenfassung
 Entflechtung dient der
– Transparenz
– Diskriminierungsfreiheit
bei der Förderung des Wettbewerbs im Energiesektor durch
Regulierung und Trennung
– vom Wettbewerb ausgenommenen Netzbereichen
– von dem wettbewerblich organisierten Bereich der
Energieversorgung
53
Vorlesung Energierecht – Entflechtung
Literatur
 Monographie: Baur / Pritzsche / Simon (Hrsg)
Unbundling in der Energiewirtschaft, Köln, Berlin,
München 2006 m. umfangreichen Nachweisen
Baur / Pritzsche / Klauer: Ownership Unbundling
V Energy R 121 (2006)
 Aufsätze – Auswahl
Otto, Organisatorisches und informatorisches Unbundling,
RdE 2005, 261
König / Kühling / Rasbach, Das energierechtliche UnbundlingRegime, RdE 2003, 221
Ehricke, zur Vereinbarkeit der Gesellschaftsform der GmbH mit den
Vorgaben des Legal Unbundling, IR 2004, 170
Klees, Legal Unbundling und deutsches Gesellschaftsrecht,
Versorgungswirtschaft 2003, 245 ff.
54

Vorlesung Energierecht