Gliederung
I.
Epochen der Sprach- &
Literaturgeschichte
II. Arbeitstechniken der
mediävistischen
Literaturwissenschaft
III. Ausblick
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Alterität älterer dt. Literatur
Überlieferung
Verfasser
ältere
deutsche
Literatur
Rezeption
Adressaten:
- Auftraggeber
- Rezipienten
Zweck
von Literatur
kulturelle (wirtschaftliche, gesellschaftliche, bildungsgeschichtliche)
Bedingungen
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Mittelalterliche Literatur
alt- & mittelenglisch
lateinisch
deutsch:
althochdeutsch
altniederdt.
mittelhochdeutsch
mittelniederdeutsch
frühneuhochdeutsch
romanisch:
altprovenzalisch
altfranzösisch
italienisch
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Epochen der Sprachgeschichte
ca. 750
ca. 1050
althochdeutsch
althochdeutsch
mittelhochdeutsch
mittelhochdeutsch
ca. 1350
frühneuhochdeutsch
ca. 1500
frühneuhochdeutsch
ca. 1650
neuhochdeutsch
ca 1700
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Alt-hoch-deutsch
alt-
zeitlich
abgegrenzt von ‚mittel‘,
‚neu‘
-hoch-
regional
hochdt. Dialekte
(Fränkisch, Thüringisch,
Alemannisch, Bairisch)
-deutsch
Sprecher von ahd. diutisk < ahd.
diot (‚Volk‘, ‚Leute‘)
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Epochen der Literaturgeschichte
ca. 750
ca. 1050
althochdeutsche
Literatur
Literatur im frühen
Mittelalter
mittelhochdeutsche
Literatur
Literatur im hohen
Mittelalter
spätmhd. Literatur
Literatur im späten
Mittelalter
Literatur der frühen
Neuzeit
ca. 1300
ca. 1500
ca 1700
frühnhd. Literatur
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Althochdeutsche Literatur (um 800-1050)
- Übertragung einer sprachgeschichtlichen
Bezeichnung auf eine literaturgeschichtliche
Epoche: Literatur in ahd. Sprache
- karolingische Bildungsreform: Ahd. als
Verständnishilfe & Erschließungsmedium
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Ahd. Literatur
3 Antagonismen bestimmend:
1. Träger der Literatur: Klerus vs. Laien
2. Ausdrucksmedium: Latein vs. Volkssprache
3. Kommunikationssituation: Schriftlichkeit vs.
Mündlichkeit
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Ahd. Literatur
Literarische Gattungen & Werke:
1. weltliche mündliche Dichtung in germanischer
Tradition: z.B.
-
Lieder (Liebeslieder, Tanzlieder etc.)
Zaubersprüche
Heldenepik (Hildebrandslied)
Fürstenpreis
Träger: Adel
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Ahd. Literatur
2. klerikale Gebrauchsliteratur für Schule &
Seelsorge:
- Übersetzungen & Glossare in lat. Schriften
- Übersetzungen liturgischer Texte im Zuge der
karolingischen Bildungsreform: Taufgelöbnis,
Glaubensbekenntnis, Vaterunser
- Bibelübersetzung
- Wissenschaftsprosa: Übersetzungen philosophischer
Werke durch Notker den Deutschen (z.B. Aristoteles,
Boethius etc.)
Träger: Klerus
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Ahd. Literatur
3. Literatur aus Kontaktzone Adel - Klerus
- Bibeldichtung: Heliand (altsächsisch, um 830/40),
Otfrids von Weißenburg Evangelienharmonie
(863-71)
- Heiligenlieder: z.B. Georgslied (um 900)
Träger: Klerus & Adel
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Mittelhochdeutsche Literatur
- frühmhd. Literatur (ca. 1050-1150),
z.B. Annolied, Bibeldichtung, Physiologus
- frühhöfische Literatur (ca. 1150-1170)
z.B. Rolandslied
- Literatur d. höfischen ‚Klassik‘ (ca. 1170-1230)
z.B. Hartmann von Aue, Gottfried von Straßburg,
Wolfram von Eschenbach
- späthöfische Literatur (ca. 1230-1300)
z.B. Rudolf von Ems, Konrad von Würzburg
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Frühmittelhochdeutsche Literatur
(ca. 1050-1150)
Abgrenzung von hochmhd. Literatur durch:
-
Überlieferung (unikal, Sammelhandschriften)
Sprache: geprägt durch Parataxe u. Formelhaftigkeit
überwiegend anonyme Verfasser
Themen u. Inhalte: Heilsgeschichte, Texte für
Frömmigkeitspraxis (Bibeldichtungen, Liturgisches,
Traktate etc.)
- Rezipienten: Frauen in Doppelklöstern, adlige Laien
im Umkreis
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Hochmittelalterliche Literatur (1150/70-1300)
adlige Laien als
Auftraggeber &
Rezipienten
klerikal gebildete, an
lateinischer Poetik &
Rhetorik geschulte
Verfasser
weltliche höfische Literatur
nach franz. Vorbild,
transportiert höfische Kultur &
höfisches Wertesystem
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Gattungen hochmittelalterlicher Literatur
• höfischer Roman:
- Antikenroman
- Artusroman
- Tristan
• Minnesang
• Heldenepik
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Spätmittelalterliche Literatur
explosionsartige Zunahme von Schriftlichkeit &
Ausweitung des Rezipientenkreises in Städten:
- Kursive, Bastarda statt gotischer Buchschrift
- Papierhandschriften
- mehr Gebrauchshandschriften
- Berufsschreiber
- bedarfsbezogene Schreibwerkstätten
- Buchdruck
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Spätmittelalterliche Literatur
Literatur der Fürstenhöfe
- kaum neue höfische Literatur im 14. Jh.
- im 15./16. Jh. rückwärts gewandtes Interesse für
Epik des Hochmittelalters: Weitertradierung &
Neubearbeitung
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Spätmittelalterliche Literatur
Literatur der Städte - Träger
Patrizier, Akademiker & Handwerker
Zugang zu Schulbildung (lateinisch & deutsch)
Frömmigkeitsbewegung
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Spätmittelalterliche Literatur
Literatur der Städte – Formen
-
geistliches Spiel
Meistersang
Fastnachtsspiel
Chronistik
Didaxe
umfangreiche Sachliteratur (z.B. Rechtsschrifttum,
medizinische Schriften) – PROSA!
- geistliche Literatur (z.B. Heiligenlegenden, Predigt,
Glaubenslehre, Mystik) im Zusammenhang mit
Laienfrömmigkeit & Bettelorden – PROSA!
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Literatur der Frühen Neuzeit
Ausgang des Spätmittelalters – Beginn der
Moderne (Ende 18. Jh.)
- Humanismus (neulateinische Dichtung dt.
Autoren des 16. Jh.)
- Reformation / Gegenreformation
- Barock
- Aufklärung
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Jahreszeiten, Blütezeiten
Methodisches Problem von
Literaturgeschichtsschreibung:
überlieferte
literarische
Werke
Literaturgeschichte,
d.h. Einordnung in
historische Abfolge
nach bestimmten
Prinzipien,
z.B. Jahreszeitenmodell
→ Interpretation
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Jahreszeiten, Blütezeiten
Ausgangspunkt: L. P. Johnson, Die höfische
Literatur der Blütezeit (1999)
warum nicht: ‚Die höfische Literatur des
Hochmittelalters‘?
- ‚Blütezeit‘ hat als Metapher mehr
Suggestionskraft als ‚Hochmittelalter‘
- ‚Blütezeit‘ Teil des Jahreszeitenmodells, d.h. ein
scheinbar objektives u. naturgegebenes
Ordnungsmodell
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Jahreszeiten, Blütezeiten
„Vorgegebene Muster schaffen übersubjektive
Verallgemeinerungsmöglichkeiten, also die
Möglichkeit (oder die Illusion), die subjektive
Beschränkung zu überwinden; vor allem
bewirken das solche Muster, die, wie die
Naturerfahrung, die menschliche Wahrnehmung
ohne Zweifel grundlegend und allgemein
prägen.“ (S. 61)
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Jahreszeiten, Blütezeiten
„Der Interpret der Geschichte, der seine
Gegenstände so in den Weltlauf eingebettet
sieht, wird auf diese Weise vom Risiko
(scheinbar) beliebiger hermeneutischer
Deutungen entlastet.“ (S. 62)
schon Literaturexkurse bei Gottfried von
Straßburg u. Rudolf von Ems nutzen Bilder der
entstehenden Natur (vgl. Reader, S. 51-56)
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Jahreszeiten, Blütezeiten
Attraktivität des Jahreszeitenmodells beruht auf:
- Naturgesetzlichkeit
- regelmäßiger, vorhersagbarer Wiederholung im
Zyklus der Jahreszeiten
- inhaltlicher Bewertung: Neubeginn mit Aufbruch
– Erfüllung
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Jahreszeiten, Blütezeiten
Blütezeitmodell ≠ Jahreszeitenmodell
→ Bewertung des Frühlings als Höhepunkt
„Daß der Frühling der Höhepunkt des Jahres
sei, wertet die Verheißung der Blüte höher als
die Erfüllung in der Frucht, die Dynamik des
Aufbruchs höher als den Glanz der Vollendung.“
(S. 65)
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Jahreszeiten, Blütezeiten
Problematisierung des Blütezeitmodells anhand von
Wilhelm Scherer, Geschichte der dt. Litteratur (1883)
3 Blütezeiten der dt. Literatur:
um 600 - um 1200 – um 1800
- Sinnentleerung der ‚Blüteperioden‘ zu Höhepunkten →
Suggestionskraft der Metapher u. naturgesetzliche
Legitimierung fehlt
- nachträgliche semantische Aufladung durch
Gleichsetzung von Höhepunkten mit Wellenbergen, die
regelmäßig mit Wellentälern wechseln
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II. Arbeitstechniken mediävistischer
Literaturwissenschaft
• Wahl des Themas bzw. der Fragestellung
• Erschließung der Fragestellung
• Einlesen: Primärliteratur, Nachschlagewerke (z.B.
Lexika, Literaturgeschichten),
• Bibliographieren von (neuerer) Sekundärliteratur
• Sichtung und Auswahl von Sekundärliteratur
• (vorläufige) Gliederung
dazu:
Moennighoff, Burkhard; Meyer-Krentler, Eckhardt:
Arbeitstechniken Literaturwissenschaft. Stuttgart 122005
[UTB 1582].
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Arbeitstechniken mediävistischer Literaturwissenschaft
1. Bestandteile einer Hausarbeit
• Titelblatt
• Inhaltsverzeichnis
• Einleitung
• Hauptteil
• Fazit
• Literaturverzeichnis
• Schriftliche Versicherung
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Arbeitstechniken mediävistischer Literaturwissenschaft
2. Umgang mit Zitaten
- Text besteht aus eigenen Formulierungen
- Zitate aus literarischen Werken und der
Forschungsliteratur
- müssen in den Gedankengang des Textes
eingearbeitet sein
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Arbeitstechniken mediävistischer Literaturwissenschaft
Quellennachweis
- Zitate aus der Forschungsliteratur: „...“,
nachgewiesen in Fußnoten
- Zitate aus Primärtexten im Original kursiv ohne
Anführungszeichen
- Kennzeichnung von [Hinzufügungen] oder
Auslassungen durch [...]
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Form bibliographischer Angaben
Edition
Name, Vorname: Titel, hg. v. Vorname Name. Ort
(Auflage)Jahr [Reihentitel].
Hartmann von Aue: Erec, hg. v. Albert Leitzmann;
Christoph Cormeau u.a. Tübingen 61985 [ATB
39].
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Form bibliographischer Angaben
Monographie
Name, Vorname: Titel. Untertitel. Ort (Auflage)Jahr
[Reihentitel].
Henkel, Nikolaus: Deutsche Übersetzungen
lateinischer Schultexte. Ihre Verbreitung und
Funktion im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.
Mit einem Verzeichnis der Texte. München;
Zürich 1988 [MTU 90].
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Form bibliographischer Angaben
Aufsatz in einem Sammelband
Name, Vorname: Titel. Untertitel. In: Vorname
Name (Hg.): Titel. Untertitel. Ort Jahr, S.
Meyer, Matthias: Struktur und Person im
Artusroman. In: Friedrich Wolfzettel; Peter Ihring
(Hgg.): Erzählstrukturen der Artusliteratur.
Forschungsgeschichte und neue Ansätze.
Tübingen 1999, S. 145-163.
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Form bibliographischer Angaben
Aufsatz in einer Zeitschrift
Name, Vorname: Titel. Untertitel: In:
Zeitschriftentitel Nummer (Jahr), S.
Cramer, Thomas: Soziale Motivation in der SchuldSühne-Problematik von Hartmanns Erec. In:
Euphorion 66 (1972), S. 97-112.
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Form bibliographischer Angaben
Internetquelle
Name, Vorname: Titel. URL. (Stand: Datum des
letzten Zugriffs)
Hamm, Joachim: Heinrich von Veldeke.
http://www.mediaevum.de/autoren/heinrich_von
_veldeke.htm (Stand: 10.11.2005)
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Umfang
EV: kleine Hausarbeit im Begleitseminar: 5 Seiten
PS: Hausarbeit 10-12 Seiten
HS: Hausarbeit 12-15 Seiten
(jeweils reiner Text ohne Titelblatt, Inhalts- &
Literaturverzeichnis)
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Wichtige Lexika
• Lexikon des Mittelalters (LdMa)
• Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft
(RDL)
• Verfasserlexikon, 2. Aufl. (2 VL)
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III. Ausblick
Hof & Kloster als Institutionen mittelalterlicher
Literatur (Weddige, Reader S. 58-62,
Textausschnitte S. 63-66)
Sprachkontakt und Sprachentstehung
(Vennemann, Reader S. 68-86)
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deutsch