Aufgaben und Haftung von Vorständen einer Treuhandstiftung
bei „Stifter für Stifter“
Was ist eigentlich eine Treuhandstiftung?
Treuhandstiftungen sind sozusagen die „kleine Schwester“ der selbständigen Stiftungen. Während diese
eine eigene Rechtsperson haben und offiziell von der staatlichen Aufsicht anerkannt werden, kommt eine
Treuhandstiftung durch einen Vertrag zwischen dem Stifter und dem Treuhänder (z.B. der Stiftung Stifter
für Stifter) zustande.
Trotz der unterschiedlichen Rechtsform sind beiden Stiftungstypen von außen kaum voneinander zu
unterscheiden: beide führen den Namen „Stiftung“, beide fördern gemeinnützige Projekte, beide werden
vom Finanzamt kontrolliert und beide genießen dieselben steuerlichen Privilegien.
Der Unterschied besteht in der Praxis vor allem darin, dass Treuhandstiftungen wesentlich schlanker zu
führen und zu verwalten sind. Die Stiftung Stifter für Stifter betreut inzwischen fast 200
Treuhandstiftungen – das spart Verwaltungskosten, so dass mehr Mittel für die Projekte zur Verfügung
stehen.
Haben Treuhandstiftungen Vorstände?
Sofern der Stifter es wünscht, kann in der Stiftungssatzung ein Gremium vorgesehen werden, das
bestimmte Gestaltungs- und Kontrollrechte hat. Die Aufgaben und Pflichten des Vorstands ergeben sich
aus der Stiftungssatzung. In ihr ist auch die Anzahl und Besetzung der Vorstandsmitglieder festgelegt.
Da eine Treuhandstiftung keine eigene Rechtspersönlichkeit hat, wird sie im Rechtsverkehr grundsätzlich
durch ihren Treuhänder vertreten, der Eigentümer des Stiftungsvermögens ist. Die Gremien der
Treuhandstiftung treten also nicht nach außen auf. Mit ihren Beschlüssen erteilen sie dem Treuhänder
Weisungen. Für die Umsetzung der Beschlüsse ist allein der Treuhänder zuständig, nicht der Vorstand
selbst. Der Treuhänder ist an die Weisungen gebunden, sofern sie sich im Rahmen der Satzung bewegen.
Wie viel Aufwand und Zeit erfordert das Vorstandsamt?
Typischerweise sind die Stiftungen, in denen externe Vorstände besetzt werden, einfach gelagert, so dass
sich die Arbeit darauf beschränkt, einmal pro Jahr persönlich oder telefonisch zu einer Sitzung zusammenzukommen, bzw. die entsprechenden Beschlüsse im Umlauf zu treffen.
Außerhalb der Sitzungen obliegt es dem Vorstand …
• einmal im Jahr die Jahresrechnung zu prüfen.
• gegebenenfalls Berichte oder Anträge von Förderprojekten zu lesen.
• periodisch die Vermögensanlage der Stiftung zu überprüfen.
Ist die Tätigkeit als Vorstand bezahlt?
Nein, die Tätigkeit als Vorstand einer Treuhandstiftung ist grundsätzlich rein ehrenamtlich. Allenfalls
können Ausgaben wie Reisekosten erstattet werden.
Welche Aufgaben haben Vorstände in einer Treuhandstiftung?
In den Satzungen von „Stifter für Stifter“ werden den Vorständen der Treuhandstiftungen in der Regel die
folgenden Rechte und Aufgaben zugewiesen:
Obligatorische Aufgaben
Kontrolle des Treuhänders
 Prüfung und Feststellung der Jahresrechnung
 Einsicht in die Kontoführung über das Stifterportal
 Überprüfung der Vermögensanlage der Stiftung
Verwendung der Stiftungsmittel
 Suche und Auswahl von Förderprojekten nach Maßgabe der Stiftungssatzung
 Entscheidungen über die Vergabe der Stiftungsmittel
 Entscheidung über die Bildung von Rücklagen
Selbstorganisation des Vorstandes
 Bestimmung eines Vorstandsmitgliedes als Ansprechpartner des Treuhänders
 Terminierung der Vorstandssitzungen (persönlich oder per Telefon)
 Verabschiedung einer Geschäftsordnung, Einsetzung eines Beirats
Vermögensanlage
 Grundsätzlich ist die Verwaltung des Stiftungsvermögens Aufgabe des Treuhänders.
 Die Anlage erfolgt standardmäßig in Fonds, die „Stifter für Stifter“ nach Maßgabe des
Stiftungsvorstandes auswählt.
Optionale Aufgaben
Vermögensanlage
 Auf ausdrücklichen Wunsch des Vorstandes kann die Stiftung einen eigenen Vermögensverwaltungsvertrag abschließen oder die Anlage selbst übernehmen. Die Einzelheiten hierzu
erläutert der Leitfaden „Die Vermögensanlage für Stiftungen in der Treuhandschaft von Stifter
für Stifter“.
Öffentlichkeitsarbeit
 Der Vorstand kann entscheiden, durch öffentliche Maßnahmen (Website, Flyer, …) für die
Stiftungsaktivitäten zu werben, um zusätzliche Mittel einzuwerben. Die Durchführung dieser
Maßnahmen wird grundsätzlich vom Treuhänder übernommen.
 Eigene Initiativen des Stiftungsvorstandes sind sehr willkommen, müssen aber mit dem
Treuhänder vorab abgestimmt werden.
Entscheidungen über Satzungsänderung, Umwandlung oder Auflösung der Stiftung
 Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel wenn der Stiftungszweck nicht mehr realisierbar
ist, kann der Vorstand die Stiftungssatzung ändern.
 Der Vorstand hat zudem das Recht, die Stiftung in eine selbständige Stiftung zu überführen
oder den Treuhandvertrag mit „Stifter für Stifter“ zu kündigen. Hierbei sind die entsprechenden Regelungen in der Stiftungssatzung und im Treuhandvertrag zu beachten.
Welche Unterstützung erhalte ich als Vorstand einer Treuhandstiftung?
Alle Treuhandstiftungen bei „Stifter für Stifter“ werden durch die Servicegesellschaft „Haus des Stiftens
gGmbH“ (vormals Stiftungszentrum.de Servicegesellschaft GmbH) verwaltet, die sich auf die
professionelle Verwaltung von Stiftungen spezialisiert hat. Die über 50 Mitarbeiter des Stiftungszentrums
entlasten die Stifter und Vorstände von der administrativen Arbeit.
Für die Vorstände bedeutet das konkret, dass alle Entscheidungen durch das Stiftungszentrum vorbereitet
und umgesetzt werden. Der Vorstand selbst kann sich auf die Beschlussfassung konzentrieren.
Die Unterstützung durch die Stiftungsbetreuer/innen umfasst im Einzelnen:
Buchhaltung:
 Kontoführung, Zahlungsverkehr
 Finanzbuchhaltung
 Ausstellung der Spendenbescheinigungen
Mittelverwendung:
 Vorschläge zu Förderprojekten
 Abwicklung von Förderprojekten (Anweisung, Zuwendungsbestätigungen, etc.)
Vermögensanlage:
 Verwaltung des Stiftungsvermögens, Orders an die Bank
 Verwaltung von Immobilien, ggfls. über eine Hausverwaltung
Berichterstattung:
 Erstellung einer Jahresrechnung
 Steuererklärung und Ämterverkehr (Finanzamt)
Was ist mit haftungsrechtlichen Aspekten?
Da die Gremien einer Treuhandstiftung diese nicht nach außen im Rechtsverkehr vertreten, sondern
lediglich im Innenverhältnis die Treuhänderin anweisen, bestehen nur wenige haftungsrechtliche
Fallstricke, die sich durch ein umsichtiges Vorgehen leicht vermeiden lassen.
Bei Vermögensverlusten besteht keine Haftung gegenüber dem Stifter, da es sich um Vermögensverluste
des Treuhänders, nicht des Stifters handelt. Solange die Entscheidungen im Rahmen der Anlagerichtlinien
der Treuhänderin getroffen werden, bestehen in Bezug auf das Vermögen keine haftungsrechtlichen
Risiken für den Vorstand einer Treuhandstiftung.
Eine theoretische Haftung ist für den Fall denkbar, dass der Vorstand die Kontrollpflichten gegenüber
dem Treuhänder verletzt und der Stiftung daraus Schaden entsteht. Die Haftung könnte gegenüber dem
Stifter oder dessen Rechtsnachfolger bestehen. Der Vorstand wird dieser Pflicht durch eine sorgsame
Prüfung der Jahresrechnung gerecht.
Eine persönliche Haftung eines Vorstandsmitgliedes könnte nur dann bestehen, wenn der Vorstand im
Namen der Stiftung finanzielle Verpflichtungen gegenüber Dritten eingeht und/oder Aufträge vergibt, die
nicht durch die Satzung und den Treuhandvertrag gedeckt sind. In diesem Fall hätte das Vorstandsmitglied
als Vertreter ohne Vertretungsmacht gehandelt und könnte für diese Tätigkeit persönlich haftbar gemacht
werden. Sofern alle Aktivitäten vorab mit dem Treuhänder bzw. mit den zuständigen Stiftungsbetreuer/innen abgeklärt werden, lässt sich auch dieses Risiko ausschließen.
Juni 2015
Dr. Karsten Timmer, Vorsitzender des Ausschuss „Gremienbestellung“ der Stiftung Stifter für Stifter

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