NCCR LIVES IP12 Vulnerability and Growth –
The loss of an intimate partner in the second live half
Partnerschaft in der zweiten Lebenshälfte –
Herausforderungen, Verluste und Gewinne
FORSCHUNGSDOSSIER
TRENNUNG und SCHEIDUNG
im Längsschnitt (2012-2014)
Pasqualina Perrig-Chiello & Bina Knöpfli
Unter Mitarbeit von:
Katja Margelisch
Christian Zwingli
April 2015
Inhaltsverzeichnis
1
2
3
4
5
6
7
8
Einleitung .................................................................................................................................................... 3
Getrennte und geschiedene Personen in der zweiten Lebenshälfte - soziodemographisches Portrait .................................................................................................................... 7
Die Ex-Partnerschaft/Ehe im Rückblick ......................................................................................... 8
Die Trennung und ihre Bewältigung im Verlauf ....................................................................... 12
Psychische, soziale und physische Auswirkungen der Trennung/Scheidung .............. 15
Ressourcen für die Bewältigung der Trennung ........................................................................ 18
Fazit ............................................................................................................................................................ 23
Literatur.................................................................................................................................................... 24
Abkürzungen
N
Anzahl Personen gesamt
n
Anzahl Personen in Teilstichprobe; kann variieren je nach Gruppeneinteilung und Variable
t1
Erhebungswelle 1 (2012)
t2
Erhebungswelle 2 (2014)
M
Mittelwert, Durchschnitt
U
Unterschied (zwischen zwei Gruppen, z.B. Geschlecht)
ns
nicht signifikant (kein Unterschied)
*: signifikant;**: hoch signifikant; ***: höchst signifikant (bedeutsamer Unterschied)
2
1
Einleitung
Obwohl in der Schweiz langjährige Partnerschaften immer noch den Normalfall darstellen,
verzeichnet unser Land europaweit eine der höchsten Scheidungsraten. Seit den 90er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts zeichnet sich zudem ein Trend ab, wonach vor allem langjährige Ehen
scheidungsanfälliger geworden sind (Perrig-Chiello, Knöpfli, & Gloor, 2013). Trotz ihrer Häufigkeit
stellen Scheidungen für die meisten Betroffenen einschneidende kritische Lebensereignisse dar
(Amato, 2010; Holmes & Rahe, 1967).
Die traditionelle Scheidungsforschung hat bislang vor allem die negativen Auswirkungen
untersucht, wobei mehrheitlich Kinder im Fokus standen (Brown & Lin, 2012). Auch hinsichtlich
des Verlaufs der psychischen Adaptation von Erwachsenen an eine Trennung nach langjähriger
Partnerschaft ist die Forschungslage noch recht lückenhaft, insbesondere was die grossen
individuellen Unterschiede anbelangt. Das Forschungsprojekt „Vulnerabilität und Wachstum nach
dem Verlust des Lebenspartners/der Lebenspartnerin in der zweiten Lebenshälfte“ greift diese
Thematik auf und will mit einer repräsentativen interdisziplinären Längsschnittstudie einen
Beitrag leisten, einige dieser Forschungslücken zu schliessen. Das vorliegende Forschungsdossier
„Trennung und Scheidung im Längsschnitt“ führt das erste Forschungsdossier mit Daten aus einer
Befragung von 2012 weiter, welches unter dem Titel „Trennung und Scheidung“ (Perrig-Chiello,
Knöpfli, Margelisch & Spahni, 2013) erschienen ist.
Partnerschaft in der zweiten Lebenshälfte – Herausforderungen, Verluste und Gewinne –
das IP12 Projekt
Das Projekt IP12 „Vulnerabilität und Wachstum nach dem Verlust des Lebenspartners / der
Lebenspartnerin in der zweiten Lebenshälfte“ gehört zum nationalen Forschungsschwerpunktes
LIVES „Überwindung der Verletzbarkeit im Verlauf des Lebens“. Es wird von Schweizerischen
Nationalfonds finanziert und steht unter der Leitung von Prof. Pasqualina Perrig-Chiello,
Universität Bern (Gesamtleitung), sowie Prof. Dr. Dario Spini, Universität Lausanne und Prof. Dr.
François Höpflinger, Universität Zürich. In dieser interdisziplinären Längsschnittstudie wurden in
einer ersten Erhebungswelle im Jahr 2012 über 2700 Personen im Alter von 40 – 89 Jahren (57%
Frauen, 43% Männer) aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz zu ihrer Partnerschaft
befragt. Der verwendete Fragebogen umfasste, nebst soziodemografischen Variablen, Fragen zur
psychischen und körperlichen Befindlichkeit und Biografie, Persönlichkeitsvariablen und Variablen
zur aktuellen Partnerschaft. Zusätzlich wurden spezifische Fragen an getrennte oder geschiedene,
sowie verwitwete Personengruppen gestellt. Diese wurden zum Kontext der Trennung und
Scheidung, zur Qualität der Ex-Partnerschaft und zur heutigen Beziehung zum Expartner/zur
Expartnerin sowie zum Umgang mit dem kritischen Lebensereignis befragt. Bei verwitweten
Personen wurden Fragen zum Zeitpunkt des Todes, der Todesursache, den Veränderungen durch
den Verlust und der Verarbeitung des Verlustes gestellt. Die zweite Fragebogenerhebung wurde
im Februar 2014 durchgeführt 1. Durch diese Folgeerhebung können Aufschlüsse über den
zeitlichen Verlauf der verschiedenen psychischen Phänomene, wie den Bewältigungsverlauf nach
einem Partnerverlust, gewonnen werden.
1 Eine ausführliche Beschreibung des Projekts, seiner Methode und ersten Ergebnissen finden sich im Working Report von
Hutchison et al. (2013), den Forschungsdossiers zur ersten Erhebungswelle (Perrig-Chiello et al. 2012) sowie im Buchkapitel
von Perrig-Chiello, Hutchison, und Knöpfli (in press).
3
Kritische Lebensereignisse wie Trennung, Scheidung oder Verwitwung bergen ein hohes
Risiko für Verletzlichkeit aller Altersstufen in sich, dies vor allem für Menschen in späteren
Lebensphasen, wenn verschiedene altersbedingte Verluste von Ressourcen zu bewältigen sind. So
werden in diesem Projekt verschiedene Indikatoren der Vulnerabilität längsschnittlich untersucht
(unter anderem Lebenszufriedenheit, subjektive Gesundheit, Gesundheitsverhalten, Depression,
soziales Engagement und Zukunftsperspektiven). Durch die Fokussierung auf vergangene
Lebensübergänge und die Partnerschaftsgeschichte kann untersucht werden, inwiefern frühere
negative Lebensereignisse einen Effekt auf die spätere Lebensqualität haben. Durch die
Langzeitperspektive über mehrere Jahre wird es auch möglich sein zu erforschen, ob und unter
welchen Umständen langjährige Partnerschaften, Scheidungen und Verwitwungen über die Zeit
eher mit Verletzlichkeit oder persönlichem Wachstum assoziiert sind.
Durch ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Facetten des Erlebens von kritischen
Lebensereignissen und Entwicklungsmöglichkeiten lassen sich präventive Massnahmen und
klinische Interventionen für den Umgang mit Anpassungsproblemen, komplizierter Trauer und
erhöhter Depressivität ableiten.
Fragebogen und Messinstrumente
Die verwendeten Variablen und ihre Operationalisierung in den Erhebungswellen 1 (2012) und 2
(2014) sind in Tabelle 1 aufgeführt. Verwendet wurden primär standardisierte Fragebögen
angereichert von eigens kreierten Fragen. Die Testbatterie der Welle 1 bestand aus vier Teilen:
Der erste Teil umfasste Fragen, die von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern beantwortet
werden mussten. Im zweiten Teil wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrer (allfällig
vorhandenen) aktuellen Partnerschaft befragt. Der dritte Teil richtete sich spezifisch an die
Personengruppe, welche eine Trennung oder Scheidung in ihrer langjährigen Beziehung erlebt
hatte. Der vierte Teil wurde von denjenigen Personen ausgefüllt, welche aufgrund von
Verwitwung ihren langjährigen Partner oder ihre langjährige Partnerin verloren hatten. Bei der
zweiten Erhebung wurden je spezifische Fragebögen für die Verheirateten, für die Geschiedenen
oder Getrennten und für die Verwitweten adressiert. Der Fragenbogen für die verwitweten
Personen umfasste drei Teile. Der erste Teil, welcher die psychische, physische und soziale
Befindlichkeit der Teilnehmenden fokussiert, ist identisch mit jenem der Fragebögen für langjährig
Verheiratete und Geschiedene. In zweiten Teil des Fragebogens wird die Partnerschaft mit der
verstorbenen Person im Rückblick sowie die Umstände und die Verarbeitung des Todesfalls
thematisiert. Der dritte Teil richtet sich an Personen, welche nach ihrer Verwitwung eine neue
Beziehung eingegangen sind.
4
Tabelle 1. Operationalisierung der Variablen
Variablen
Psychologisches Konstrukt
Operationalisierung
Welle
Lebenszufriedenheit
Satisfaction with Life Scale (Diener et al.,
1985; Schumacher, 2003)
1,2
Depression
CES Depression Scale (Radloff, 1977; dt.:
Hautzinger & Bailer, 1993)
1,2
Gegenwärtiger Stress
Perceived Stress Scale (Cohen et al.,
1983)
1,2
Stress über die Lebensspanne hinweg
Kindheitserfahrungen
Eigenes Item
Eigene Items
1
1,2
Einsamkeit
DeJong Gierveld Loneliness Scales (De
Jong Gierveld & Kamphuis, 1985; De Jong
Gierveld & Van Tilburg, 2006)
1,2
Soziale Befindlichkeit/ Ressourcen Gruppenzugehörigkeit
EXITS: Section 1 (Haslam et al., 2008)
1, 2
Physische Befindlichkeit
und Gesundheitsverhalten
Subjektive Gesundheit, Vergleich mit
Altersgenossen, Häufigkeit ärztlicher
Konsultationen,
Medikamenteneinnahme
Alkoholkonsum
Swiss Household Panel, Swiss Health
Survey 2007 (Swiss Federal Office of
Statistics, 2009)
1,2
The Comprehensive
Alcohol Expectancy Questionnaire
(Nicolai et al., 2010)
1
Alkohol- und Zigarettenkonsum
Stress- und Coping-Inventar (SCI), Satow,
2012
2
TEIL 1
Befindlichkeit
Psychische Befindlichkeit
Kindheit
Psychische Ressourcen
Persönlichkeit
Persönlichkeitsdimensionen
BFI-10 (Rammstedt & John, 2007)
(Neurotizismus,Extraversion, Offenheit
für Erfahrung, Verträglichkeit,
Gewissenhaftigkeit)
Resilienz
Resilience Scale (Wagnild & Young, 1993;
Schumacher et al, 2005)
Hoffnungslosigkeit bzw.
Hopelessness Scale (Beck et al., 1974; dt.:
Zukunftsperspektiven
Krampen, 1994)
Erleben von Kontinuität und Wandel
Continuity Scale (Haslam et al., 2008)
des Selbst
Generativität
Social Generativity Scale (Morselli &
Passini, 2014)
1,2
Zeitpunkt
Zeitpunkt der Trennung
Eigenes Item
1
Dauer
Dauer der Beziehung bis zur Trennung
Eigenes Item
1
Vorhersehbarkeit
Antizipierbarkeit der Trennung
Eigenes Item
1
1,2
1,2
1,2
2
TEIL 2 Scheidung und Trennung
Emotionale Valenz
Emotionale Valenz der Trennung
Eigenes Item
1,2
Initiatorstatus Trennung
Initiant vs. Reaktor
Eigenes Item
1
Gründe
Eigene Gründe für Trennung
Eigenes Item
1,2
Gründe des Ex-Partners für Trennung
Eigenes Item
1
Verheiratet oder nicht (Filter)?
Eigenes Item
1, 2
Eigenes Item
1, 2
Eigenes Item
1
Verheiratet
wenn verheiratet:
Ehedauer
5
Wie viele Jahre verheiratet?
Scheidung
In letzten 2 Jahren Scheidung?
Eigenes Item
2
Initiatorstatus Scheidung
Initiant vs. Reaktor
Eigenes Item
1, 2
Dauer der Trennung
Dauer der Trennung vor der
Scheidung
Eigenes Item
1
Gründe
Gründe für die Scheidung
Eigenes Item
1
Gerechtigkeit
Gerechtigkeit des Scheidungsurteils
Eigenes Item
2
Weiterentwicklung
Entwicklung in der Beziehung
Eigene Items
1, 2
Sexualleben
Zufriedenheit mit Sexualleben
Eigene Items
1, 2
Coping-Strategien
Individuelle Coping Strategien vor
Trennung
Eigenes Item
1
Coping-Strategien
Gemeinsame Coping Strategien vor
Trennung
Eigenes Item
1
Coping-Strategien
Individuelle Coping Strategien nach
Trennung
Eigenes Item
1,2
Partnerschaftsrezepte
Zutaten einer guten Beziehung
Schneewind & Wunderer (2008)
2
Kommunikation
Konstruktive gemeinsame oder
asymmetrische Kommunikation
Communication Patterns
Questionnaire-Short Form (Futris et
al., 2010)
2
Soziale Unterstützung
Verfügbarkeit in den letzten zwei
Jahren? Wer?
Eigenes Item
1, 2
Zufriedenheit
Zufriedenheit in Beziehung
Eigenes Item
1, 2
Trauer
Trauern
Eigenes Item
1, 2
Bewältigung des Verlusts
Dauer der Bewältigung
Eigenes Item
1, 2
“Grosse Liebe”
War der Ex-Partner die ‘grosse
Liebe’?
Adapted from Vivre, Leben, Vivere
(Computer W1)
1
Kontakt zum Expartner
Kontakt zum Ex-Partner? Empfinden
des Kontakts?
Eigenes Item
2
Kinder
Gemeinsame Kinder? Alter
Bei wem leben die Kinder?
Kontakt der Kinder zu Ex-Partner?
Zufrieden mit Kontakt zu Kindern?
Gemeinsame Enkel?
Bei wem sind die Enkel häufiger?
Eigene Items
1, 2
Wachstum
Skala für Posttraumatischer
Wachstum
Posttraumatic Growth Inventory
(Cann et al., 2010, dt.: Maercker &
Langner, 2001)
1, 2
Komplizierte Trauer
Diagnose-Screening der
Komplizierten Trauer
Prolonged Grief Disorder PG-13
(Prigerson,
Vanderwerker,
&
Maciejeski, 2008)
2
TEIL 3
Gegenwärtige Beziehung
Neue Partnerschaft? (Filter)
Demografische Informationen
Partnerschaftliche Zufriedenheit
6
Neue Partnerschaft?
Falls Nein: Wünschen Sie neue
Partnerschaft?
Dauer der Partnerschaft, Herkunft des
Partners, Zivilstand, Zusammenleben,
Nachkommenschaft
Eheliche Zufriedenheit
2
Eigene Items
2
Marital
Satisfaction
Inventory
(Whismann et al., 2009; Klann et al.,
2006)
2
2
Getrennte und geschiedene Personen in der zweiten Lebenshälfte – ein
soziodemographisches Portrait
Die Stichprobe der getrennten und geschiedenen Personen
In der zweiten Erhebungswelle wurden alle getrennten/geschiedenen Personen, die in der ersten
Erhebung teilgenommen haben, angeschrieben. Die Gesamtstichprobe der zweiten Erhebung
besteht aus 917 getrennten und geschiedenen Personen (568 Frauen, 349 Männer), was einer
Rücklaufquote von 82% entspricht. Der häufigste Grund für die Dropouts war die NichtBeantwortung der Anfrage sowie die Unzustellbarkeit des Fragebogens.
Die grosse Mehrheit der Befragten (87%) sind Personen, die zum Zeitpunkt der ersten
Erhebung mittleren Alters (40-65-jährig, N=980) waren und in der zweiten Befragung demnach
zwischen 42 und 67 Jahren alt sind. Im vorliegenden Bericht steht diese Altersgruppe (42-67jährig) im Fokus. Zu diesen insgesamt 798 Personen im Alter zwischen 42-67 Jahren zählen 514
Frauen (M=53.4 Jahre, SD=6.9) und 284 Männer (M=54.8 Jahre, SD=7.1). Die Mehrheit (90%,
n=719) war mit dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin verheiratet. Von diesen 719 Personen waren 66%
(n=459) bereits zum Zeitpunkt der ersten Befragung geschieden, während sich 17% (n=116) in den
vergangenen zwei Jahren scheiden liessen. Weitere 8% (n=54) befanden sich zum Zeitpunkt der
zweiten Befragung im Scheidungsprozess, und 66 Personen (10%) gaben an, vom Ex-Partner
getrennt zu leben. Tabelle 2 beinhaltet Informationen zu den beiden Stichproben zum ersten und
zweiten Erhebungszeitpunkt, zur Anzahl und dem Alter der befragten Personen, zur Zeitspanne
seit Trennung/Scheidung und zu soziodemografischen Merkmalen der Stichprobe.
Tabelle 2. Soziodemographische Merkmale der Stichprobe zum 1. und 2. Erhebungszeitpunkt
N
Alter in Jahren M (SD)
Kontext Trennung/Scheidung M (SD)
Zeit seit Trennung in Jahren (nt1=717)
Zeit seit Scheidung in Jahren (nt2=648)
Höchste Schulbildung
Primarschule
Sekundarstufe I
Berufsausbildung
Sekundarstufe II (Mittelschule)
Technische Fachschule/höhere Berufsfachschule
Uni/ETH
Andere
Erwerbstätigkeit (Mehrfachantwort möglich)
Erwerbstätig
Hausfrau/Hausmann
Rentner/Rentnerin
Arbeitslos
Arbeitsunfähig (Invalidität)
Konfession
Katholisch
Reformiert
Andere
Konfessionslos
7
Total t1 N (%)
980
51.8 (7)
Total t2 N (%)
798
53.9 (7)
5.6 (5.4)
4 .1 (5.6)
7.2 (5.2)
6 (5.8)
39 (4)
17 (2)
342 (35)
109 (11)
309 (32)
152 (16)
9 (1)
31 (4)
13 (2)
272 (34)
86 (11)
265 (33)
123 (15)
7 (1)
830 (85)
227 (23)
67 (7)
28 (3)
20 (2)
633 (79)
116 (15)
90 (11)
18 (2)
17 (2)
306 (33)
348 (37)
12 (1)
265 (29)
247 (32)
295 (39)
7 (1)
218 (28)
Chi/ U
-
ns
*
*
*
ns
ns
ns
Wohnregion
Land
Agglomeration
Stadt
Nationalität
Schweiz
EU
Andere
Finanzielle Verhältnisse
Mehr als genug Geld
Genug Geld
Nicht genug Geld
Finanz. Unterstützung Familie (Mehrfachantwort)
Finanz. Verpflichtungen gegenüber Eltern
Finanz. Verpflichtungen gegenüber Partner
Finanz. Verpflichtungen gegenüber Kind/er
Keine finanz. Verpflichtungen
370 (38)
356 (37)
245 (25)
303 (38)
292 (37)
197 (25)
817 (84)
139 (14)
18 (2)
677 (85)
108 (14)
12 (2)
116 (12)
717 (74)
138 (14)
118 (15)
576 (72)
103 (13)
-
16 (2)
95 (13)
373 (48)
361 (47)
ns
ns
ns
Die
Geschlechterunterschiede der ersten Befragung zeigen sich sachgemäss auch in der zweiten:
Frauen haben häufiger eine Berufsausbildung, Männer dagegen öfter eine tertiäre Bildung
(Universität oder ETH) (**). Bezüglich der Erwerbstätigkeit hat es einen signifikant grösseren
Anteil (**) an Hausfrauen gegenüber Hausmännern und deutlich mehr Rentner als Rentnerinnen
(**). Hinsichtlich Konfession, Wohnregion, finanziellen Verhältnissen und Nationalität zeigen sich
keine Geschlechtsunterschiede. In der zweiten Erhebung wurde zusätzlich eine Frage bezüglich
finanzieller Unterstützung von Familienangehörigen erhoben. Dabei haben Männer signifikant
häufiger als Frauen angegeben (***), finanzielle Verpflichtungen gegenüber des Partners zu haben
und deutlich seltener (**), keine finanziellen Verpflichtungen gegenüber Familienmitgliedern zu
haben.
Der Vergleich der Stichproben im zeitlichen Verlauf zeigt, dass zum zweiten Zeitpunkt weniger
Personen einer Erwerbstätigkeit nachgehen (*) sowie seltener als Hausfrau/Hausmann tätig sind
(*). Hingegen befinden sich deutlich mehr Personen im Ruhezustand als zum ersten
Befragungszeitpunkt (*). Es zeigen sich keine weiteren signifikanten Veränderungen bezüglich
demografischen Merkmalen im zeitlichen Verlauf (2012 -2014).
Langjährig Verheiratete als Vergleichsgruppe
Um die verschiedenen Parameter der Geschiedenen besser verorten zu können, dient in dieser
Studie eine Vergleichsgruppe von langjährig verheirateten Frauen und Männern, welche im Mittel
eine Ehedauer von 28.2 Jahren (SD=10.4) aufwiesen. Insgesamt beinhaltet die Vergleichsgruppe
424 Personen im Alter von 42 – 67 Jahren, 262 Frauen (M=54.7 Jahre, SD=7.4) und 162 Männer
(M=56.2 Jahre, SD=7.9).
3
Die Ex-Partnerschaft/Ehe im Rückblick
Partnerschaftsdauer, Entwicklung in und Zufriedenheit mit der Ex-Partnerschaft
In Tabelle 3 werden die durchschnittliche Partnerschaftsdauer bis Trennung, die
wahrgenommenen Entwicklungsmöglichkeiten in der Ex-Partnerschaft, die Zufriedenheit mit der
Sexualität und die allgemeine partnerschaftliche Zufriedenheit abgebildet. Die Ex-Partnerschaft
der getrennten/geschiedenen Personen dauerte im Mittel 21 Jahre, wobei die befragten Frauen
eine signifikant längere Partnerschaftsdauer erwähnten als die Männer (**). Die getrennten/
8
geschiedenen Männer fühlten sich bedeutend stärker (***) von ihrer Ex-Partnerin in der eigenen
Entwicklung unterstützt als Frauen von ihrem Ex-Partner.
Tabelle 3. Die Partnerschaft im Rückblick
Frauen
M (SD)
Männer
M (SD)
Total
M (SD)
U
Partnerschaftsdauer
(zwischen 1 – 47 Jahre)
21.7 (8.7)
19.7 (9.4)
21 (9)
**
Entwicklungsmöglichkeiten in der Ex-Partnerschaft
(1 ;Nein’ – 5, ,Ja’)
2.40 (1.2)
2.71 (1.2)
2.51 (1.18)
**
Zufriedenheit mit Quantität der Sexualität in der ExPartnerschaft
(1,sehr unzufrieden’ – 5 ,sehr zufrieden’)
2.99 (1.1)
2.81 (1.2)
2.93 (1.16)
*
Zufriedenheit mit Qualität der Sexualität in der ExPartnerschaft
2.96 (1.2)
2.91 (1.18)
2.94 (1.17)
ns
5.72 (2.2)
5.93 (2.4)
5.79 (2.27)
ns
(1,sehr unzufrieden’ – 5 ,sehr zufrieden’)
Wie glücklich in Partnerschaft?
(1 ‚sehr unglücklich’ – 10 ,sehr glücklich’)
Männer berichteten von einer signifikant tieferen Zufriedenheit mit der Häufigkeit von
Sexualkontakten in der Ex-Partnerschaft als Frauen (*). Keine Geschlechterunterschiede zeigten
sich bezüglich der Qualität der Sexualität.
Innerhalb der Geschlechter wurde die allgemeine Zufriedenheit in der Ex-Beziehung zu den
beiden Messzeitpunkten ähnlich eingeschätzt. Zu Messzeitpunkt 1 berichteten Männer (Mt1=6.07)
über eine signifikant höhere Zufriedenheit (*) in der Ex-Beziehung als Frauen (Mt1=5.71). Dieser
Geschlechterunterschied fand sich zum zweiten Messzeitpunkt nicht mehr.
Partnerschaftliche Kommunikation in der Ex-Partnerschaft
Ein Kommunikationsstil der positiven Interaktionen ist geprägt durch gemeinsame Diskussionen,
Ausdruck von persönlichen Bedürfnissen und Verhandlungen. Ein Kommunikationsstil der
negativen (asymmetrischen) Interaktionen hingegen ist durch häufige Kritik, Anklagen und
Vermeiden
von
gemeinsamen
Auseinandersetzungen
gekennzeichnet.
Die
getrennten/geschiedenen Personen wurden gebeten zu beurteilen (1= „sehr unwahrscheinlich“ –
7=„sehr wahrscheinlich“), wie sie mit Ihrem Ex-Partner/ihrer Ex-Partnerin bei Problemen in der
Partnerschaft umgegangen sind. Dabei zeigt sich, dass Getrennte/Geschiedene deutlich seltener
(***) einen Kommunikationsstil der positiven Interaktion aufwiesen als die verheiratete
Vergleichsgruppe (Abbildung 1). Innerhalb der Gruppe der getrennten/geschiedenen Personen
berichteten Männer (n= 330) im Schnitt über signifikant (***) mehr positive Interaktionen in der
Ex-Partnerschaft als Frauen (n=553).
Bezüglich des asymmetrischen Kommunikationsstils berichten Getrennte/Geschiedene
signifikant häufiger (***) von negativen Interaktionen als Verheiratete. Männer und Frauen
innerhalb der Gruppe der Getrennten/Geschiedenen unterscheiden sich dabei nicht.
9
Prozentualer Anteil des
Maximalwertes
Kommunikation in der Ex-Partnerschaft im Vergleich zu den
Verheirateten
Assymmetrische Interaktion
Positive Interaktion 72%
80%
70%
60%
50%
56%
55%
51%
75%
48%
44%
46%
40%
30%
20%
10%
0%
Frauen
Männer
Frauen
Geschieden/getrennt
Männer
Verheiratet
Abbildung 1. Kommunikation in der Ex-Partnerschaft, nach Zivilstatus und Geschlecht
„Gerechtigkeit“ des Scheidungsurteils
In Abbildung 2 wird ersichtlich, wie das Scheidungsurteil von den Personen im mittleren
Lebensalter (42-67) bezüglich Gerechtigkeitsempfinden aufgenommen wurde. Männer (n=223)
empfanden das Scheidungsurteil als deutlich (**) ungerechter als Frauen (n=361).
"Gerechtigkeit" des Scheidungsurteils
40%
gerecht
23%
eher gerecht
eher ungerecht
ungerecht
0%
8%
10%
22%
15%
15%
20%
30%
30%
Männer
40%
47%
Frauen
Abbildung 2. Subjektives Empfinden der Gerechtigkeit des Scheidungsurteils
50%
Die Befragten konnten ausserdem angeben, was der Hauptgrund für diese Einschätzung ist. Bei
Personen, welche als das Urteil als „ungerecht“ oder „eher ungerecht“ bezeichnet haben, wurde
als häufigster Grund „Finanzen“ angegeben. Befragte, welche das Scheidungsurteil als „eher
gerecht“ oder „gerecht“ bezeichnet haben, nannten den Grund „Gemeinsames
Einverständnis/Scheidungskonvention“ am häufigsten.
Kontakt zu Ex-Partner/ Ex-Partnerin
In der Fokusgruppe (42-67 Jahre) der getrennten/geschiedenen Stichprobe standen 67% (n=513)
im Kontakt zum Ex-Partner/zur Ex-Partnerin, ein Drittel (33%; n=254) hatte keinen Kontakt mehr.
Die Personen, welche angaben mit dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin im Kontakt zu stehen, können
in 3 Gruppen bezüglich der Kontakthäufigkeit aufgeteilt werden (Abbildung 3). Die meisten
Personen (39%) hatten monatlich Kontakt. Ein Drittel (33%) der Getrennten/Geschiedenen hatten
wöchentlich, 24% jährlich Kontakt mit dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin. Nur ein Bruchteil aller
10
Personen gab an, mit dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin täglich im Kontakt zu stehen (4%). Die
Geschlechter unterschieden sich nicht signifikant bezüglich der Kontakthäufigkeit.
Häufigkeit des Kontakts mit Ex-Partner / Ex-Partnerin
4%
24%
33%
39%
täglich
wöchentlich
monatlich
jährlich
Abbildung 3. Häufigkeit des Kontaktes mit Ex-Partner/Ex-Partnerin
Die getrennten/geschiedenen Personen wurden ausserdem gefragt, als wie angespannt oder
positiv sie den Kontakt zum Ex-Partner/zur Ex-Partnerin erleben. Die Mehrheit gab an, den Kontakt
ambivalent („teils/teils“) zu erleben, weitere 31% bezeichneten ihn als „gut“ bis „sehr gut“.
Hingegen benannten 29% der Befragten den Kontakt als „äusserst angespannt“ bis „angespannt“
(Abbildung 4). Die Geschlechter unterschieden sich nicht. Der Qualität des Kontaktes wurde zum
ersten Messzeitpunkt ähnlich eingeschätzt wie zum zweiten Messzeitpunkt.
Empfinden des Kontaktes mit Ex-Partner / Ex-Partnerin
8%
9%
19%
23%
26%
äusserst angespannt
angespannt
teils/teils
gut
sehr gut
Abbildung 4. Empfinden des Kontaktes mit Ex-Partner/Ex-Partnerin
Ein positiveres Empfinden des Kontaktes mit dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin stand im
Zusammenhang mit niedrigeren Werten in depressiven Symptomen (**) und Hoffnungslosigkeit
(**) und war mit höherer Lebenszufriedenheit (**) assoziiert.
11
4
Die Trennung und ihre Bewältigung im Verlauf
Trennungsgründe im Geschlechtervergleich
Als häufigste Trennungsgründe wurden bei beiden Geschlechtern „Auseinandergelebt“,
„Kommunikationsprobleme“, sowie „nicht mehr zusammen passen“ angegeben. Abbildung 5
zeigt die Häufigkeit der sieben meistgenannten Trennungsgründe zum zweiten Messzeitpunkt,
nach Geschlecht getrennt. Als weitere Trennungsgründe wurden „eigene gesundheitliche
Probleme“ (Frauent2 = 10%; Männert2 = 8%), „gesundheitliche Probleme des Ex-Partners/der ExPartnerin“ (Frauent2 = 10%; Männert2 = 9%) sowie „finanzielle Probleme“ (Frauent2 = 8%; Männert2
= 8%) und „berufsbedingte Probleme“ (Frauent2 = 5%; Männert2 = 7%) genannt.
Signifikant mehr Männer als Frauen gaben die Trennungsgründe „Auseinandergelebt“ (*),
„nicht mehr zusammen passen“ (*) und „eigene sexuelle Untreue“ (***) an, hingegen berichteten
signifikant mehr Frauen als Männer von den Trennungsgründen „Kommunikationsprobleme“ (*),
„Ex-Partner in andere Person verliebt“ (*) und „sexuelle Untreue des Ex-Partners“ (***) an.
Im zeitlichen Verlauf zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich der genannten
Trennungsgründe.
Trennungsgründe 2014 (Mehrfachantworten möglich)
Kommunikationsprobleme
36%
Nicht mehr zusammen passen
Auseinandergelebt
9%
Selber in andere Person verliebt
Ex-Partner/in in andere Person…
5%
Eigene sex. Untreue
Sex. Untreue Ex-Partner/in
0%
13%
12%
17%
20%
28%
44%
50%
57%
52%
59%
35%
33%
40%
Frauen
Männer
60%
Abbildung 5. Trennungsgründe, genannt in der zweiten Erhebungswelle
80%
Erleben der Trennung
Frauen (nt2=466) wie auch Männer (nt2=275) sehen die Trennung retrospektiv signifikant positiver
(***) als zum ersten Messzeitpunkt. Die Geschlechter unterscheiden sich bei der Beurteilung
weder im Jahre 2012 noch im Jahr 2014 (Abbildung 6).
12
Erleben der Trennung
1= sehr negativ bis 10 = sehr posiitiv
Männer
2014
2012
4
Frauen
2014
2012
0
2
3.8
4
5
4.7
6
Abbildung 6. Erleben der Trennung, nach Erhebungszeitpunkt und Geschlecht
Inanspruchnahme von Hilfe für die Bewältigung der Trennung
Tabelle 4 zeigt, dass zum zweiten Befragungszeitpunkt fast ein Drittel (29.8%) der Personen angab,
kein Bedürfnis gehabt zu haben um hinsichtlich der Bewältigung der Trennung etwas zu
unternehmen. Ein weiterer Drittel (35.2%) der getrennten/geschiedenen Personen versuchte, den
Verlust alleine zu bewältigen. Die Mehrheit der Befragten suchte Unterstützung und Trost bei der
Familie (27.2 %) oder bei Freunden und Bekannten (40.7%). Die Inanspruchnahme von
professioneller Hilfe wurde von gut einem Drittel (31.8%) der getrennten/geschiedenen Personen
genannt. Lediglich 4% der Befragten gab an, Unterstützung und Trost durch die kirchliche
Seelsorge gesucht zu haben.
Frauen berichteten signifikant häufiger von der Unterstützung durch die Familie (***) sowie
durch Freunde und Bekannte (***) und ebenfalls häufiger von Inanspruchnahme professioneller
Hilfe (**) als Männer. Hingegen gaben Männer deutlich häufiger (***) an, kein Bedürfnis mehr
verspürt zu haben um diesbezüglich etwas zu unternehmen.
Tabelle 4. Inanspruchnahme von Hilfe (Mehrfachnennungen möglich) Welle 2
Kein Bedürfnis in den letzten 2 Jahren,
diesbezüglich etwas zu unternehmen
Versuchte alleine zurechtkommen
Suchte Unterstützung & Trost von:
- Familie
- Freunde & Bekannte
- Kirchliche Seelsorge
Suchte Professionelle Hilfe
Frauen
n (%)
122 (25.3%)
Männer
n (%)
106 (37.6%)
Total
N (%)
228 (29.8%)
Chi
159 (34.3%)
102 (37%)
261 (35.2%)
ns
150 (31.5%)
223 (46.9%)
20 (4.2%)
174 (36.6%)
55 (19.7%)
85 (30.5%)
9 (3.2%)
62 (22.2%)
205 (27.3%)
308 (40.7%)
30 (4%)
237 (31.3%)
***
***
ns
**
***
Abbildung 7 gibt eine Übersicht über die vier am häufigsten angewandten
Bewältigungsstrategien der getrennten/geschiedenen Personen im zeitlichen Verlauf und nach
Geschlechtern getrennt. Die Häufigkeiten aller genannten Bewältigungsstrategien zum ersten
Messzeitpunkt nehmen im Verlauf der Zeit ab, insbesondere die Strategien „nichts unternehmen“
innerhalb der Männer sowie „Gespräche mit Freunden und Bekannten“ innerhalb der Frauen. Das
kann auch dadurch erklärt werden, als dass fast ein Drittel der Befragten zum zweiten
Messzeitpunkt kein Bedürfnis für Inanspruchnahme von Hilfe mehr hatte.
13
Inanspruchnahme von Hilfe bei der Bewältigung der Trennung
Gespräch mit Familie
2012
Frauen
nichts unternommen
Männer
professionelle
Beratung
Frauen
2014
Gespräch mit
Freunden &
Bekannten
Männer
0%
20%
40%
60%
80%
Abbildung 7. Inanspruchnahme von Hilfe bei der Bewältigung der Trennung nach
Erhebungszeitpunkt und Geschlecht
Zeitdauer, um über den Verlust hinweg zu kommen
Die getrennten/geschiedenen Personen wurden in der zweiten Befragungswelle erneut gebeten
anzugeben, wie lange Sie aus heutiger Sicht gebraucht hatten, um psychisch über den Verlust des
Partners/der Partnerin hinwegzukommen (Abbildung 8). Die Häufigkeiten der genannten
Antworten –der ersten und zweiten Welle gegenübergestellt - sind in der folgenden Abbildung
ersichtlich. Dabei ist zu sehen, dass im Vergleich zum ersten Messzeitpunkt (18%) deutlich weniger
Personen (9%) angaben, dass noch nicht genügend Zeit vergangen ist, um über die Trennung
hinwegzukommen. Die Anzahl Personen (nt1=97, 13%), welche zum Zeitpunkt 1 angaben, dass sie
über diese Trennung wohl nie richtig hinwegkommen, blieb im Verlauf relativ stabil (nt2=79, 11%).
Dauer, um über die Trennung hinwegzukommen
30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
25% 24%
18%
19%
23%
9%
Nicht genügend Weniger als 1 Jahr
Zeit vergangen
1-2 Jahre
15%
19%
2-3 Jahre
2012
11%
14%
4 und mehr Jahre
2014
13%
11%
Nie möglich
darüber
hinwegkommen
Abbildung 8. Zeitdauer, um über die Trennung hinwegzukommen nach Erhebungszeitpunkt
14
5
Psychische, soziale und physische Befindlichkeit
Befindlichkeit der Getrennten / Geschiedenen im zeitlichen Verlauf
Tabelle 5 zeigt verschiedene Indikatoren der psychischen und sozialen Befindlichkeit der
getrennten/geschiedenen Personen im zeitlichen Verlauf und nach Geschlechtern getrennt. Über
die beiden Messzeitpunkte kann vor allem bei den Frauen (nt2=513) einen Erholungseffekt
beobachtet werden: Sie berichteten zum zweiten Messzeitpunkt über signifikant (*) höhere
Lebenszufriedenheit, tiefere Werte der depressiven Symptome (**), geringere soziale und
emotionale Einsamkeit (**) und über weniger wahrgenommener Stress (***) als zum Zeitpunkt 1.
Die Männer (nt2=283) hingegen berichteten lediglich von einer Abnahme des Stresses über die
beiden Messzeitpunkte hinweg.
Tabelle 5. Befindlichkeitsindikatoren nach Geschlecht und Erhebungszeitpunkt
Lebenszufriedenheit
(von 1-7, 7= sehr zufrieden)
Depressive Symptome
(von 0-3, 3= ausgeprägte depressive
Symptome)
Hoffnungslosigkeit (von 0-6,
6=ausgeprägte Hoffnungslosigkeit)
Wahrgenommener Stress (von 0-5,
5= ausgeprägter Stress)
Soziale Einsamkeit (von 0.0-1.0,
1.0= ausgeprägte soz. Einsamkeit)
Emotionale Einsamkeit (von 0.0-1.0,
1.0= ausgeprägte emot. Einsamkeit)
Männer
2012
4.96
Getrennte/ Geschiedene (42 – 67 Jahre)
Frauen
2014
t1t2 2012
2014
4.84
ns
4.61
4.72
t1t2
*
.56
.55
ns
.77
.67
**
2.60
2.66
ns
2.77
2.72
ns
2.26
2.14
***
2.56
2.3
***
.39
.35
ns
.32
.28
**
.22
.22
ns
.29
.25
*
Geschlechterunterschiede innerhalb der Getrennten / Geschiedenen 2012 - 2014
Zu Zeitpunkt 1 wie auch zu Zeitpunkt 2 gaben Frauen signifikant höhere Werte der depressiven
Symptome (**) und des wahrgenommenen Stresses (**) sowie geringere Werte der sozialen
Einsamkeit (*) an im Vergleich zu den Männern. Während zum ersten Messzeitpunkt Frauen von
höheren Werten der Hoffnungslosigkeit (**), von geringerer Lebenszufriedenheit (***) sowie von
geringerer emotionaler Einsamkeit (*) berichteten als Männer, so zeigte sich dieser
Geschlechterunterschied zum zweiten Messzeitpunkt nicht mehr.
Befindlichkeitsindikatoren im Vergleich zu der verheirateten Gruppe
Im Vergleich zu der verheirateten Gruppe im gleichen Alter zeigt sich, dass Frauen und Männer
aus der Gruppe der Getrennten/Geschiedenen über eine deutlich niedrigere Lebenszufriedenheit
und über höhere Werte der depressiven Symptome berichten zu Zeitpunkt 1 (***) als auch
Zeitpunkt 2 (***). Getrennte/Geschiedene Frauen und Männer fühlen sich ausserdem zu beiden
Messzeitpunkten (nt2=799, ***) signifikant einsamer (sozial wie auch emotional) als Verheiratete
(siehe Abbildung 9). Bezüglich der Hoffnungslosigkeit und dem wahrgenommenen Stress
unterscheiden sich die Geschiedenen/Getrennten signifikant von den Verheirateten zu ersten
Befragungszeitpunkt (*), jedoch nicht mehr zu Zeitpunkt 2.
15
Prozentualer Anteil des Maximalwertes
Indikatoren der Befindlichkeit 2014
100%
80%
60%
40%
20%
0%
79%
69%
28%25%
23%
Geschieden/Getrennt
Frauen
21%
16%
14%
Verheiratet
Lebenszufriedenheit
78%
69%
Soziale Einsamkeit
Emotionale Einsamkeit
36%
19%
Depressive Symptome
21%
Geschieden/Getrennt
23%
12%
9%
Verheiratet
Männer
Abbildung 9. Indikatoren der Befindlichkeit nach Geschlecht und Zivilstatus
Subjektive Gesundheit
Die subjektive Gesundheit („Wie geht es Ihnen zurzeit gesundheitlich?“, 1=“sehr schlecht“ bis 5=
„sehr gut“) der geschiedenen/getrennten Personen bleibt über die beiden Messzeitpunkte stabil
(Mt1=3.96, Mt2=3.99). Die Männer (M=4.1) der geschiedenen/getrennten Gruppe gaben zu
Zeitpunkt 1 (*) signifikant bessere Gesundheitseinschätzungen als Frauen (M=3.91) ab. Zu
Zeitpunkt 2 gibt es keine Geschlechterunterschiede diesbezüglich mehr.
Im Vergleich zur verheirateten Gruppe gibt es zu keinem der beiden Messzeitpunkte signifikante
Unterschiede bezüglich subjektiver Gesundheit.
Ausmass der Trauer
In der zweiten Erhebungswelle wurden die Teilnehmenden anhand eines Screenings zur
komplizierten Trauer (Prolonged Grief Disorder PG-13) zum Ausmass ihrer Trauer befragt. Mit
diesen Fragen werden die Diagnosekriterien „der Komplizierten Trauer“ abgefragt, welche durch
ein häufiges Auftreten von emotionalen Stresssymptomen infolge des Verlustes gekennzeichnet
ist, die auch sechs Monate nach der Trennung mindestens täglich wahrgenommen werden. Des
Weiteren definiert sich die komplizierte Trauer durch verschiedene kognitive, emotionale und
Verhaltenssymptome sowie die damit verbundenen Beeinträchtigungen in beruflichen und
sozialen Bereichen des Lebens. Die Diagnose der Komplizierten Trauer wird an Personen
vergeben, welche mit dem partnerschaftlichen Verlust durch die Trennung nicht zurechtkommen
und klinisch relevante Probleme zeigen. Abbildung 10 zeigt den prozentualen Anteil der
getrennten/geschiedenen Personen, welche das jeweilige Diagnosekriterium erfüllen. Für die
Vergabe der Diagnose müssen alle 6 Kriterien erfüllt werden. Von den befragten
Getrennten/Geschiedenen erfüllten lediglich 1 Mann und 3 Frauen (0.5%) alle Kriterien für die
Vergabe der Diagnose der Komplizierten Trauer.
16
Komplizierte Trauer
Trennungsstress
4%
Dauerkriterium
Kognitive,
Emotionale und…
Beeinträchtigungs
kriterium
Diagnose
Komplizierte…
0%
31%
2%
1%
24%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
Abbildung 10. Häufigkeiten der erfüllten Diagnosekriterien der Komplizierten Trauer
Gesundheitsverhalten
Arztbesuche
Getrennte/geschiedene Frauen (Mt1=5, SDt1=8.6) berichteten zum ersten Befragungszeitpunkt
über signifikant mehr Arztbesuche als Männer (Mt1=3.1, SDt1=5.1), dieser
Geschlechterunterschied zeigte sich 2014 nicht mehr. Im Zeitverlauf blieb die Anzahl der
Arztbesuche innerhalb der Geschlechter stabil. Während zum ersten Befragungszeitpunkt (2012)
getrennte/geschiedene Frauen (Mt1=5, SDt1=8.5) von deutlich mehr Arztbesuchen (*) in den
vergangenen 12 Monaten berichteten als verheiratete Frauen (Mt1=3.2, SDt1=4.6), war dieser
Gruppenunterschied zwei Jahre später (2014) nicht mehr statistisch signifikant. Bezüglich der
Männer zeigte sich keinen Unterschied zwischen der Gruppe der Getrennten/Geschiedenen und
der Gruppe der Verheirateten. Die allgemein sehr hohe Standardabweichung weist auf grosse
interindividuelle Unterschiede bezüglich der Anzahl Arztbesuche hin.
Medikamentenkonsum
Es zeigten sich Geschlechterunterschiede bezüglich des Medikamentenkonsums innerhalb der
Gruppe der Getrennten/Geschiedenen: Frauen gaben häufiger als Männer an, Schmerzmittel
sowie Schlafmittel „mehrmals in der Woche“ zu konsumieren (Tabelle 6). Im Vergleich zu der
verheirateten Gruppe zeigte sich ein signifikanter Unterschied bezüglich des Konsums von
Antidepressiva: Signifikant mehr getrennte/geschiedene Personen (*) gaben an, täglich
Antidepressiva zu nehmen. Im Zeitverlauf (2012-2014) waren keine signifikanten Veränderungen
bezüglich Medikamentenkonsum innerhalb der Gruppe der Getrennten/Geschiedenen zu
beobachten.
Tabelle 6. Medikamentenkonsum nach Zivilstatus
Schmerzmittel
täglich
mehrmals pro Woche
etwa 1x pro Woche
Nie
17
Geschiedene
/Getrennte (42-67)
Verheiratete
(42-67)
37 (5.1%)
51 (7.1%)
146 (20.2%)
487 (67.5%)
20 (5.4%)
34 (9.1%)
78 (20.9%)
241 (64.6%)
Chi
ns
Schlafmittel
täglich
mehrmals pro Woche
etwa 1x pro Woche
nie
Beruhigungsmittel
täglich
mehrmals pro Woche
etwa 1x pro Woche
nie
Antidepressiva
täglich
mehrmals pro Woche
etwa 1x pro Woche
nie
14 (2%)
15 (2.2%)
27 (3.9%)
632 (91.9%)
9 (2.5%)
6 (1.7%)
14 (3.9%)
329 (91.9%)
14 (2%)
10 (1.5)
18 (2.6%)
642 (93.9%)
7 (2%)
4 (1.1%)
5 (1.4%)
335 (95.4%)
70 (9.9%)
6 (0.8%)
5 (0.7%)
627 (88.6%)
20 (5.6%)
0 (0 %)
1 (0.3%)
357 (94.1%)
ns
ns
*
Alkohol und Zigarettenkonsum
Bei der zweiten Erhebungswelle wurden mit Alkohol- und Zigarettenkonsum verbundene
Verhaltensweisen (von 1-4, 1=„trifft nicht zu“ bis 4=„trifft genau zu“) abgefragt. Dabei berichteten
Geschiedene/Getrennte (n=836) von einem signifikant (**) höheren Alkohol- und
Zigarettenkonsum im Vergleich zu den Verheirateten (n=450) (Abbildung 11). Innerhalb der
Gruppe der Geschieden/Getrennten konsumierten die Männer (n=284) signifikant (**) mehr als
die Frauen (n=513). Dieser Unterschied war jedoch auch bei den Verheirateten zu finden (*).
Prozentualer Anteil des
Maximalwertes
Alkohol- und Zigarettenkonsum
50%
45%
40%
43%
Männer
40%
35%
30%
Geschieden/Getrennt
Frauen
40%
38%
Verheiratet
Abbildung 11. Alkohol- und Zigarettenkonsum in Stresssituationen
6
Ressourcen für die Bewältigung der Trennung
Eheliche Trennung wirkt sich auf das psychische und soziale Wohlbefinden aus. Das Ausmass und
die Dauer der negativen Auswirkungen unterscheiden sich in Abhängigkeit verschiedener
intrapersoneller (innerhalb der Person) und interpersoneller (zwischen Personen) Ressourcen
bzw. Risikofaktoren.
Intrapersonelle Ressourcen
Persönlichkeit im zeitlichen Verlauf
Tabelle 7 zeigt die durchschnittlichen Persönlichkeitsausprägungen der getrennten/geschiedenen
Personen im zeitlichen Verlauf. Signifikante Veränderungen vom ersten zum zweiten Zeitpunkt
18
waren nur hinsichtlich Extraversion (**) festzustellen. Die Zunahme der Werte in Extraversion
über die beiden Befragungszeitpunkte war bei beiden Geschlechtern zu beobachten. Des
Weiteren unterschieden sich Männer und Frauen in ihren Werten bezüglich Extraversion,
Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit und Offenheit zum ersten und zum zweiten Zeitpunkt
gleichermassen voneinander. Frauen berichten von signifikant höheren Werten in Extraversion
(**), Neurotizismus (***), Gewissenhaftigkeit (**) und Offenheit (**) als Männer.
Tabelle 7. Durchschnittliche Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaften im zeitlichen Verlauf
2012
M (SD)
2014
M (SD)
WilcoxonTest
Extraversion
(von 1-5, 5 = ausgeprägte Extraversion)
3.37 (1.1)
3.47 (1.1)
**
Neurotizismus
(von 1-5, 5 = ausgeprägter Neurotizismus)
2.61 (0.99)
2.57 (0.99)
ns
Verträglichkeit
(von 1-5, 5 = ausgeprägte Verträglichkeit)
3.64 (0.92)
3.67 (0.86)
ns
Gewissenhaftigkeit
(von 1-5, 5 = ausgeprägte Gewissenhaftigkeit)
4.27 (0.71)
4.23 (0.72)
ns
Offenheit
(von 1-5, 5 = ausgeprägte Offenheit)
3.77 (1.01)
3.75 (0.98)
ns
Resilienz
(von 1-7, 7 = ausgeprägte Resilienz)
5.56 (0.84)
5.57 (0.87)
ns
Zusammenhänge Persönlichkeit und Befindlichkeit
Wie bei der Untersuchung der ersten Welle standen auch zum zweiten Untersuchungszeitpunkt
Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und Resilienz in einem positiven
Zusammenhang mit der psychischen und sozialen Befindlichkeit (Lebenszufriedenheit, depressive
Symptome, wahrgenommener Stress, Hoffnungslosigkeit, und Einsamkeit), während sich ein
negativer Zusammenhang mit Neurotizismus zeigte. Wiederum korrelierte die Resilienz höher als
die anderen Persönlichkeitsfaktoren mit dem psychischen und sozialen Wohlbefinden. Die
subjektive Gesundheit war negativ mit Neurotizismus und positiv mit Extraversion, Offenheit,
Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Resilienz assoziiert.
Generativität
Als zusätzliche intrapersonelle Ressource wurde zum zweiten Erhebungszeitpunkt die
Generativität erfasst. Dazu wurden die Teilnehmenden gefragt, inwiefern sie motiviert seien, sich
für ihr Umfeld und für die nachfolgende Generation zu interessieren und zu engagieren. Es gibt
keine Geschlechterunterschiede bezüglich der Generativität der getrennten/geschiedenen
Personen (M=4.72, SD=1.31). Auch zeigt sich kein signifikanter Unterschied im Vergleich zu den
verheirateten Personen.
Höhere Generativität stand im Zusammenhang mit höherer Lebenszufriedenheit (**) sowie
mit niedrigeren Werten in Einsamkeit (**), Hoffnungslosigkeit (**), wahrgenommenem Stress (**)
und depressiven Symptomen (**).
19
Persönliches Wachstum
Die getrennten/geschiedenen Personen wurden auch bei der zweiten Erhebungswelle gefragt,
inwiefern Sie durch die Verarbeitung der Trennung persönliches Wachstum erfahren haben. Der
Wert des persönlichen Wachstums blieb über die beiden Messzeitpunkte (2012-2014) bei beiden
Geschlechtern konstant. Frauen hatten zu beiden Messzeitpunkten höhere Wachstums-Werte als
Männer (***) (Tabelle 8).
Tabelle 8. Persönliches Wachstum nach ehelicher Trennung nach Geschlecht (2014)
Persönlicher Wachstum nach Trennung
(von 1-6, 6 = zu einem sehr hohen Grad als Folge
der Trennung erfahren)
Frauen
M (SD)
Männer
M (SD)
WilcoxonTest
3.61 (1.2)
3.05 (1.3)
***
Wachstum im Zusammenhang mit Befindlichkeit
Wachstum korrelierte signifikant positiv (**) mit Stress und war negativ (**) mit sozialer
Einsamkeit assoziiert (je grösser das Wachstum, desto geringer die soziale Einsamkeit).
Biographische Eckwerte: Kindheit und Jugend
Die Teilnehmenden wurden auch zum zweiten Erhebungszeitpunkt gebeten, auf einer Skala (1 =
‚sehr unglücklich’ bis 10 = ‚sehr glücklich’) die eigene Kindheit rückblickend zu beurteilen. Die
Kindheit wird von der Gruppe der getrennten/geschiedenen Personen zum ersten und zweiten
Messzeitpunkt ähnlich positiv beurteilt (Mittelwert zum zweiten Messzeitpunkt =7, SDt2=2.2). Eine
positive retrospektive Beurteilung der eigenen Kindheit steht, ähnlich wie zum ersten
Erhebungszeitpunkt, in Zusammenhang mit höherer Lebenszufriedenheit (**) und besserer
subjektiven Gesundheit (*), sowie mit niedrigeren Werten in Depression (**), sozialer und
emotionaler Einsamkeit (**) und Hoffnungslosigkeit (**).
Interpersonelle Ressourcen
Soziale Unterstützung von Drittpersonen bei der Verlustbewältigung
Die getrennten/geschiedenen Personen wurden gefragt, ob sie bei der Verlustbewältigung in den
letzten zwei Jahren auf Hilfe von Drittpersonen zählen konnten. Ähnlich zur ersten Erhebungswelle
(83% ‚Ja’ n=643; 17% ‚Nein’, n=134) beantwortete die Mehrheit der Getrennten/Geschiedenen
diese Frage mit ‚Ja’ (80%, n=473) und nur 20% mit ‚Nein’ (n = 120). Frauen und Männer
unterschieden sich zu beiden Messzeitpunkten in der Häufigkeit der Antworten signifikant
voneinander, wobei mehr Männer als Frauen von fehlender Unterstützung bei der
Verlustbewältigung berichteten. Die Teilnehmenden konnten zudem in einem offenen
Antwortformat angeben, welche Person/welche Personen bei der Bewältigung der Trennung
soziale Unterstützung bot(en). Zu beiden Befragungszeitpunkten wurde von Seiten der Familie
und Freunde am meisten Unterstützung wahrgenommen. Getrennte/geschiedene Personen, die
auf Unterstützung von jemanden zählen konnten, berichteten von signifikant (**) geringeren
Werten in Hoffnungslosigkeit und sozialer sowie emotionaler Einsamkeit als jene, die keine Hilfe
von anderen Personen erhielten.
20
Prozentualer Anteil in neuer
Parnterschaft
Neue Partnerschaft
In Abbildung 12 wird ersichtlich, dass zu beiden Befragungszeitpunkten signifikant (***) mehr
Männer (71%, nt2=201) in einer neuen Partnerschaft lebten als Frauen (44%, nt2=223). Über die
beiden Befragungszeitpunkte (2012-2014) hinweg gingen zusätzlich 57 Frauen und 43 Männer
eine neue Partnerschaft ein. Von all denjenigen, welche nicht in einer neuen Partnerschaft lebten,
wünschte sich ein Grossteil (68%, n=250) zu Zeitpunkt 2 eine neue Partnerschaft. 21% (n=75)
gaben „nein, momentan nicht“ an, während lediglich 11% (n=38) berichteten, dass eine neue
Partnerschaft für sie nicht in Frage kommt. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht signifikant.
Neue Partnerschaften nach Geschlecht und
Erhebungszeitpunkt
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
43%
33%
2012
Frauen
2014
71%
56%
2012
Männer
2014
Abbildung 12. Neue Partnerschaft nach Geschlecht
Ein Grossteil der Befragten, die zu Zeitpunkt 2 in einer Beziehung befanden, war in der neuen
Partnerschaft zufrieden (Abbildung 13). Männer unterschieden sich nicht signifikant von Frauen
bezüglich der Zufriedenheit in der neuen Beziehung zu Zeitpunkt 2. Die Hälfte aller Befragten
wohnte mit ihrem neuen Partner/ ihrer neuen Partnerin zusammen (12% lebten zeitweise im
gleichen Haushalt, 38% lebten getrennt). Zwischen den Geschlechtern gab es dabei keinen
Unterschied.
Zufriedenheit in der neuen Partnerschaft,
2014
4%
20%
77%
eher unglücklich
teils/teils
eher glücklich
Abbildung 13. Zufriedenheit in der neuen Partnerschaft
Neue Partnerschaft und Befindlichkeit
In einer neuen Partnerschaft zu sein hängt mit höherer Lebenszufriedenheit (**) und geringeren
Werten in depressiven Symptomen (**), Stress (**), sozialer und emotionaler Einsamkeit (**) und
Hoffnungslosigkeit (**) zusammen.
21
Partnerschafts-Rezept
Die getrennten/geschiedenen Personen wurden dazu befragt, welche „Zutaten“ Sie dem
Erfolgsrezept einer Partnerschaft beimischen würden, bzw. welche Elemente Ihrer Meinung nach
eine Partnerschaft zusammenhält. Es folgt eine Übersicht der 4 am häufigsten genannten
Aussagen in Bezug auf Partnerschaftsrezepte der ersten Wahl (Tabelle 9) sowie eine
Vergleichstabelle der Aussagen erster Wahl bei verwitweten, verheirateten und geschiedenen
Personen (Tabelle 10).
Tabelle 9. Erstgenannte Elemente des „Partnerschaftsrezepts“ bei Getrennten/Geschiedenen
Kommunikation
Frauen
n (%)
146 (28.5%)
Männer
n (%)
78 (27.7%)
Total
N (%)
224 (28.2%)
Respekt, Wertschätzung
87 (17.0%)
30 (10.6%)
117 (14.7%)
Vertrauen
79 (15.4%)
35 (12.4%)
114 (14.4%)
Gemeinsamkeiten
58 (11.3%)
43 (15.2%)
101 (12.7%)
Im Vergleich zu den verheirateten und verwitweten Personen nannten getrennten/geschiedenen
Personen die partnerschaftliche Kommunikation und Respekt/ Wertschätzung als häufigste
Partnerschaftsrezepte, während das Vertrauen eine etwas geringere Rolle zu spielen scheint als
für die Verheirateten. Ansonsten sind die Unterschiede in der Reihenfolge der genannten Zutaten
für ein Partnerschaftsrezept zwischen getrennten/geschiedenen und verheirateten Personen eher
gering.
Tabelle 10. Rangreihe
Gruppenvergleich
Reihenfolge
erstgenannten
Elemente
des
Partnerschaftsrezepts
Verheiratete
Geschiedene
Verwitwete
1
2
3
4
5
Vertrauen
Kommunikation
Liebe, Treue, Zuneigung
Respekt, Wertschätzung
Gemeinsamkeiten
Kommunikation
Respekt, Wertschätzung
Vertrauen
Gemeinsamkeiten
Liebe, Treue, Zuneigung
6
Verständnis, Toleranz,
Rücksichtnahme
Gegenseitige Unterstützung
Freiräume geben und
nehmen
Wertesystem, Glaube
Gemeinsamer Nachwuchs
Freiräume geben und nehmen
Liebe, Treue, Zuneigung
Vertrauen
Kommunikation
Respekt, Wertschätzung
Verständnis, Toleranz,
Rücksichtnahme
Gemeinsamkeiten
7
8
9
10
22
der
Gegenseitige Unterstützung
Verständnis, Toleranz,
Rücksichtnahme
Zärtlichkeit, Sexualität
Wertesystem, Glaube
Freiräume geben und nehmen
Gegenseitige Unterstützung
Gemeinsamer Nachwuchs
Wertesystem, Glaube
im
7
Fazit
Scheidung nach vielen Ehejahren stellt ein einschneidendes und stressreiches Lebensereignis dar,
was sich nicht zuletzt in den geringeren Werten verschiedener Befindlichkeitsindikatoren im
Vergleich zu langjährig verheirateten Personen zeigt. Im zeitlichen Verlauf lässt sich jedoch ein
deutlicher Erholungseffekt der betroffenen Personen erkennen, insbesondere bei Frauen.
Verschiedene Ergebnisse weisen auf einen erfolgreichen Bewältigungsprozess bezüglich der
Trennung hin: Fast ein Drittel der Befragten gab an, kein Bedürfnis für die Inanspruchnahme von
Hilfe für die Bewältigung der Trennung mehr zu haben, und auch die Beurteilung der Trennung
fällt positiver als zum ersten Befragungszeitpunkt aus. Als wichtige Ressourcen können dabei eine
neue Partnerschaft, die Unterstützung durch Drittpersonen, mehrheitlich durch Familie und
Freunde, wie auch Generativität genannt werden. Auch weisen die Resultate auf eine hohen
Stellenwert der partnerschaftlichen Kommunikation hin: Kommunikationsprobleme wurden von
beiden Geschlechtern als eine der häufigsten Trennungsgründe angegeben. Ausserdem wurde
„Kommunikation in der Partnerschaft“ von der Gruppe der Getrennten/Geschiedenen als
häufigstes Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft genannt.
23
8
Literatur
Amato, P. R. (2000). The consequences of divorce for adults and children. Journal of Marriage and the
Family, 62(4), 1269-1287. doi: http://dx.doi.org/10.1111/j.1741-3737.2000.01269.x
Amato, P. R. (2010). Research on divorce: Continuing trends and new developments. Journal of
Marriage and Family, 72(3), 650-666. doi: http://dx.doi.org/10.1111/j.17413737.2010.00723.x
Beck, A. T., Weissman, A., Lester, D., & Trexler, L. (1974).The measurement of pessimism: The
Hopelessness Scale. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 42, 861-865.
Boelen, P.A., Keijser, J., van den Hout, M. A., & van den Bout, J. (2007). Treatment of complicated
grief: A comparison between cognitive-behavioral therapy and supportive counseling. Journal
of Consulting and Clinical Psychology, 75, 277-284.
Booth, A., & Amato, P. (1991). Divorce and psychological stress. Journal of Health and Social Behavior,
32(4), 396-407. doi: http://dx.doi.org/10.2307/2137106
Brown, S. L., & Lin, I. F. (2012). The gray divorce revolution: Rising divorce among middle-aged and
older adults, 1990-2010. The Journals of Gerontology: Series B: Psychological Sciences and
Social Sciences, 67B(6), 731-741. doi: http://dx.doi.org/10.1093/geronb/gbs089
Cann, A., Calhoun, L.G., Tedeschi, R.G., Taku, K., Vishnevsky, T. Triplett, K.N., & Danhauer, S.C. (2010).
A short form of the posttraumatic growth inventory. Anxiety, Stress, & Coping, 23(2), 127-137.
Clark, A.E., Diener, E., Georgellis, Y., & Lucas, R.E. (2008). Lags and leads in life satisfaction: A test of
the baseline hypothesis. Economic Journal, 118, 222 – 243.
Clark, A.E., & Georgellis, Y. (2010). Back to baseline in Britain: Adaptation in the BHPS. PSE Working
Papers halshs-00564821, HAL. (http://ideas.repec.org/p/hal/psewpa/halshs-00564821.html)
Cohen, S., Kamarck, T., & Mermelstein, R. (1983). A global measure of perceived stress. Journal of
Health and Social Behavior, 24, 385-396.
De Jong Gierveld, J., & Kamphuis, F. (1985). The development of a Raschtype Loneliness Scale. Applied
Psychological Measurement, 9, 289-299.
De Jong Gierveld, J., & Van Tilburg, T.G: (2006). A six-item scale for overall, emotional and social
loneliness: confirmatory tests on new survey data. Research on Aging, 28, 582-59.
Diener, E., Emmons, R.A., Larsen, R.J., & Griffin, S. (1985). The satisfaction with life scale. Journal of
Personality Assessment, 49(1), 71-75.
Futris, T. G., Campbell, K., Nielsen, R. B., & Burwell, S. R. (2010). The communication patterns
questionnaire–short form: a review and assessment. The Family Journal, 18(3), 275-287.doi:
10.1177/1066480710370758
Haslam, C., Holme, A., Haslam, S.A., Iyer, A., Jetten, J., & Williams, W.H. (2008). Maintaining group
memberships: Social identity continuity predicts well-being after stroke. Neuropsychological
Rehabilitation, 18(5/6), 671-691.
Hautzinger, M., & Bailer, M. (1993). Allgemeine Depressions Skala. Manual. Göttingen: Beltz.
Holmes, T., & Rahe, R. (1967). The social readjustment rating scale. Journal of Psychosomatic Research,
11(2), 213-218. doi: http://dx.doi.org/10.1016/0022-3999%2867%2990010-4
Humbel, A. (2009). Partnerschaft im mittleren Lebensalter: der Einfluss von Persönlichkeit, Sexualität,
Transitionen, gegenseitig gewährten Entwicklungsmöglichkeiten und der sozialen
Unterstützung auf die Partnerschaftszufriedenheit und das Wohlbefinden. Unpublished Master
Thesis, University of Bern.
Klann, N., Halhlweg, K., Limbrid, C., & Snyder, D. (2006). Einschätzung von Parternschaft und Familie.
Deutsche Form des Marital Satisfaction Inventory – Revised (MSI-R) von Douglas K. Snyder.
Göttingen: Hogrefe.
Krampen, G. (1994). Skalen zur Erfassung von Hoffnungslosigkeit (H-Skalen). Deutsche Bearbeitung und
Weiterentwicklung der H-Skala von Aaron T. Beck. Handanweisung. Göttingen: Hogrefe.
Maercker, A., & Langner, R. (2001). Persönliche Reifung (Personal Growth) durch Belastungen und
Traumata: Validierung zweier deutschsprachiger Fragebogen. Diagnostica, 47(3), 153-162.
24
Nicolai, J., Demmel, R., & Moshagen, M. (2010). The comprehensive alcohol expectancy questionnaire:
Confirmatory factor analysis, scale refinement, and further validation. Journal of Personality
Assessment, 92(5), 400-409.
Perrig-Chiello, P., Knöpfli, B., & Gloor, U. (2013). Späte Scheidungen: Fakten, Gründe und
Auswirkungen. Ein interdisziplinärer Blick auf Ergebnisse einer Schweizer Studie. FamPra, Die
Praxis des Familienrechts, 4, 845-867.
Perrig-Chiello, P., Knöpfli, B., Margelisch, K., & Spahni, S. (2013). Forschungsdossier: Partnerschaft in
der zweiten Lebenshälfte- Herausforderungen, Verluste und Gewinne, from
http://www.entwicklung.psy.unibe.ch/unibe/philhuman/psy/entwicklung/content/e5107/e6
142/e425052/ip12_forschungsdossier_scheidung_ger.pdf
Radloff, L.S. (1977). The CES-D Scale: A self-report depression scale for research in the general
population. Applied Psychological Measurement, 1(3), 385-401.
Rammstedt, B., & John, O.P. (2007). Measuring personality in one minute or less: A 10 item short
version of the Big Five Inventory in English and German. Journal of Research in Personality, 41,
203-212.
Schumacher, J. (2003). SWLS – Satisfaction with life scale. In J. Schumacher, A. Klaiberg, & E. Braehler
(Eds.), Diagnostische Verfahren zu Lebensqualität und Wohlbefinden (pp. 305-309). Göttingen:
Hogrefe.
Schumacher, J., Leppert, K., Gunzelmann, T., Strauß, B., & Brähler, E. (2005). Die Resilienzskala - Ein
Fragebogen zur Erfassung der psychischen Widerstandsfähigkeit als Personmerkmal.
Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 53(1), 16-39.
Swiss Federal Office of Statistics (Bundesamt fuer Statistik BFS) (2009). Swiss Health Survey 2007
[German]. Neuchâtel: BFS.
Wagner, B., Knaevelsrud, C., & Maercker, A. (2007). Posttraumatic growth and optimism as outcomes
of an internet-based intervention for complicated grief. Cognitive Behaviour Therapy, 36,
156-161.
Wagner, B., & Maercker, A. (2007). 1.5 year follow-up of an internet-based intervention of
complicated grief. Journal of Traumatic Stress, 20(4), 625-629.
Wagnild, G.M., & Young, H.M. (1993). Development and psychometric evaluation of the Resilience
Scale. Journal of Nursing Measurement, 1(2), 165-178.
Whismann, M.A., Beach, S.R.H., & Snyder, D.K. (2009). Screening for marital and relationship discord.
Journal of Family Psychology, 23(2), 247-254.
Znoj, H. (2004). Komplizierte Trauer. Göttingen: Hogrefe.
25

Dossier Scheidung im Längsschnitt