am Beispiel „DDR-eingesperrt“
Jugendliche im Stasi-Visier
Operativer Vorgang „Signal“
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Zwei Ereignisse waren Anlass für das Anlegen des
Operativen Vorgangs (OV) „Signal“:
Jugendliche nahmen an einer Friedenswache am Mahnmal der
Opfer des Faschismus am 1. September 1985 teil und die Polizei
entdeckte Losungen, zumeist pazifistischen Inhalts, in der Nacht
vom 2. zum 3. September 1985 in der Rostocker Innenstadt.
 Drei Rostocker Jugendliche wollten sich auf diese Weise gegen
Gleichmut und Anpassung auflehnen und ihren Unmut über
bestehende Verhältnisse in der DDR ausdrücken.
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Ute, Dörte und Gunnar aus dem Kreis der Evangelischen
Andreas Kirchgemeinde Rostock- Evershagen wurden
schließlich als „Urheber“ ermittelt, verhaftet und nach §220
StGB (öffentliche Herabwürdigung) verurteilt.
“Bildanlagenkarte der öffentlichen
Herabwürdigung gem. § 220 StGB
in Rostock, Kröpeliner Straße...”
Zitat aus dem MfS-Bericht.
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Ein ganzes Arsenal von Maßnahmen wurde eingeleitet, um die
„Täter“ zu identifizieren (Einsatz von Fährtenhunden, ca. 90
Befragungen, wobei Schriftproben abverlangt wurden,
Geruchsproben von 16 Verdächtigen, Postkontrolle, Überwachung
und Beobachtung, Wanzeneinbau, Einsatz von mehr als zehn
Inoffiziellen Mitarbeitern, Informationen von Kaderabteilungen)
Während der U- Haft nahm das MfS „operativen Kontakt“ zu
Gunnar auf, um ihn für eine inoffizielle Zusammenarbeit zu
gewinnen. Unter den Bedingungen der Haft und dem Druck des
MfS erklärte er sich zunächst „…auf der Basis der
Wiedergutmachung…“ zur Zusammenarbeit bereit. Das MfS
verfolgte das Ziel, ihn im Bereich der Andreas Kirchgemeinde
einzusetzen
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Ute erhielt eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 6
Monaten, die sie in Hoheneck verbüßte, Dörte
und Gunnar bekamen eine Bewährungsstrafe.
Gunnar verweigerte sich dem MfS, den
„Erziehungsmaßnahmen“ und lehnte eine
angepasste Lebensweise ab. Er stellte einen
Übersiedlungsantrag in die Bundesrepublik.
Diese Haltung brachte ihn in erneute
Konfrontation mit der Stasi. Am 11. Dezember
1986 kam er zum zweiten Mal in Haft und wurde
zu einer Haftstrafe von 3 Jahren verurteilt.
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Alle drei wollten die DDR verlassen
 Ute wurde am 25. März 1987 aus der Haft in die Bundesrepublik
entlassen. Sie ging dann für ein Jahr in die USA, absolvierte in der
Bundesrepublik ihr Abitur, studierte Betriebswirtschaft in Hamburg.
Ende September 1995 ging sie mit ihrer Familie nach San Francisco.
Kurzzeitig nach Deutschland zurückgekehrt, lebt sie jetzt wieder im
Ausland.
 Dörte wurde nach der Verurteilung von der Medizinischen Fachschule
exmatrikuliert. Zunächst war sie ohne Arbeit, dann Arbeiterin in einer
Wäscherei. Ihre Ausreisegenehmigung und Ausbürgerungsurkunde
erhielt sie am 19. Oktober 1989. Am 14. November 1989 übersiedelte
sie in die Bundesrepublik. Sie musste ihre unterbrochene
Krankenschwesterausbildung von vorne beginnen. Lange lebte sie in
Münster und arbeitete in ihrem Beruf. Heute ist sie mit ihrer Familie in
Ribnitz-Damgarten zu Hause.
 Gunnar wurde am 12. August 1987 aus der Haft in die Bundesrepublik
entlassen. Hier absolvierte er nach drei Jahren sein Abitur und
studierte anschließend in Hamburg. 1995 beendete er das Studium als
Diplombetriebswirt. Er lebte lange in Lübeck, heute in Neustrelitz.
Das Bezirksgericht Rostock rehabilitierte Ute, Dörte und Gunnar 1991.
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www.bstu.bund.de Quellen für die Schule 3
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http://www.bstu.bund.de/cln_028/nn_714160/DE/Bildung/Unterrichtsmaterialien/do
wnloads/Quellen3/inhalt__quellen3,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/inhalt_quellen3.pdf
 Originalunterlagen der Stasi
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http://www.bstu.bund.de/cln_028/nn_714160/DE/Bildung/Unterrichtsmaterialien/do
wnloads/Quellen3/begleittext__3,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/begleittext_3.pdf
 Begleittext

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