V7 Genexpression - Microarrays
•
Idee: analysiere Ko-Expression von mehreren Genen um auf funktionelle
Ähnlichkeiten zu schließen
•
wichtige Fragen:
(1) wie wird Genexpression reguliert?
(2) was wird mit MicroArray-Chips gemessen?
(3) wie analysiert man Daten aus MicroArray-Experimenten?
(4) was bedeutet Ko-Expression funktionell?
•
Inhalt V7:
(1) Hintergrund zu Transkription und Genregulationsnetzwerken
(2) Micro-Arrays
(3) Übung: analysiere selbst Daten aus einem MicroArray-Experiment
- Ergebnisse der Vorlesungsevaluation
- Probeklausur
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
1
das Transkriptom
Als Transkriptom kennzeichnet man den Level an transkribierter messenger RNA
(mRNA) für alle Gene des Genoms.
Heutzutage gilt dies sowohl für die Protein-kodierenden Gene als auch für RNAkodierende Gene, die nicht in Protein translatiert werden.
An die eigentliche Transkription in pre-mRNA schließen sich noch viele
Prozessierungsschritte zur eigentlichen mRNA an, wie
- die Anheftung eines ca. 250 nt-langen PolyA-Schwanzes,
- evtl. Editing (Austausch von Nukleotidbasen), sowie
- Spleißen.
Heute werden wir uns auf den reinen Prozess der DNA-Transkription
beschränken.
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
2
Transkription durch RNA Polymerase II
Tamkun J. Nat. Gen. 39, 1421 (2007)
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
3
Transkriptions – Gen-Regulationsnetzwerke
Die Maschine, die ein Gen
transkribiert, besteht aus etwa 50
Proteinen, einschließlich der RNA
Polymerase. Dies ist ein Enzym,
das DNA code in RNA code
übersetzt.
Eine Gruppe von Transkriptionsfaktoren bindet an die DNA
gerade oberhalb der Stelle des
Kern-Promoters, während
assoziierte Aktivatoren an
Enhancer-Regionen weiter
oberhalb der Stelle binden.
http://www.berkeley.edu/news/features/1999/12/09_nogales.html a
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
4
endomesodermales Gen-Regulationsnetzwerk der Seegurke
http://sugp.caltech.edu/endomes
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
5
5
regulatorisches Netwerk von E. coli
RegulonDB: Datenbank mit Information zur transkriptionellen Regulation in
E.coli; 167 Transkriptionsfaktoren steuern Tausende von Genen.
Durch den hierarchischen Aufbau reichen 7 regulatorische Proteine (CRP, FNR,
IHF, FIS, ArcA, NarL and Lrp) aus um die Expression von mehr als der Hälfte
aller E.coli Gene zu modulieren.
Martinez-Antonio, Collado-Vides, Curr Opin Microbiol 6, 482 (2003)
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
6
integrierte zelluläre Netzwerke
Statt des komplexen zellulären
Netzwerks (links) stellen
Genregulationsnetzwerke nur
die Projektion auf die GenEbene dar (unten).
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
7
7
veränderte Genregulation bei Krankheiten etc.
Ausgangspunkt: bestimmte Krankheiten (Krebs ?) entstehen anscheinend durch
die veränderte Expression einer Anzahl von Genen, nicht eines einzelnen Gens.
Wie kann man alle Gene identifizieren, die für diese Veränderung des Phänotyps
verantwortlich sind?
Am besten müsste man z.B. die Expression aller Gene in den Zellen von
gesunden Menschen und von Krebspatienten bestimmen. Dann möchte man
herausfinden, worin die Unterschiede bestehen.
Genau dies ermöglicht die Methode der Microarrays.
Microarrays messen die Expression „aller“ Gene zu einem bestimmten Moment im
Zellzyklus unter bestimmten Umgebungsbedingungen.
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
8
Was mißt man mit Microarrays?
Häufig verwendet werden ZweifarbenMicroAssays:
Sample A: rot
Sample B: grün
Ziel: bestimme das Verhältnis rot/grün
dunkel: Gen weder in A noch B exprimiert
rot: Gen nur in A exprimiert (bzw. viel stärker)
grün: Gen nur in B exprimiert
gelb: Gen in A und in B exprimiert.
Das Licht wird von zwei Farbstoffen (roter Cy5
und grüner Cy3) erzeugt, die an die cDNA
angeheftet wurden (die cDNA wurde „gelabelt“)
und die unter Laserlicht fluoreszieren.
pgrc.ipk-gatersleben.de
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
9
Experimentelles Vorgehen
Isolierung einer Zelle im Zustand X
Extraktion aller RNA
Umwandlung in cDNA
Markierung mit Farbstoff (rot oder grün)
Pipette enthält markiert cDNA aller in der Zelle
exprimierten Gene.
Man bringt nacheinander die cDNA aus zwei
verschiedenen Zellpräparationen auf, die
unterschiedlich (rot/grün) gelabelt wurden.
pgrc.ipk-gatersleben.de
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
10
Experimentelles Vorgehen
Aufbringen des zellulären cDNA-Gemischs
auf die einzelnen Zellen des Arrays.
Jede Zelle enthält an die Oberfläche
funktionalisiert einen cDNA-Klon aus einer
cDNA-Bibliothek.
Jede Zelle misst daher die Expression eines
einzelnen Gens.
pgrc.ipk-gatersleben.de
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
11
Auslesen der Probe: Laserlicht
Man stimuliert sowohl
die Fluoreszenz bei der
roten als auch bei der
grünen Wellenlänge.
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
12
Vorlesungs-Evaluation
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
13
Vorlesungs-Evaluation
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
14
Prozessierung der Daten
bevor die Daten auf Ko-Expression untersucht werden können,
müssen sie noch in verschiedenen Schritten prozessiert werden.
(1) Einlesen der Arrays mit einem Scanner und dann Identifizierung der Signale
der kreisförmigen Zellen mit einem Computerprogramm.
(2) Einlesen der Intensitäten aller Zellen (spots).
(3) Zellen mit einem schlechten Signal-zu-Rausch-Verhältnis werden entfernt.
(4) Die Daten werden logarithmiert, da die Expressionsraten dann oft in etwa
einer Normalverteilung (Glockenkurve) ähneln.
Orengo-Buch
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
15
Normalisierung von Arrays
Wie alle anderen biologischen Experimente zeigen auch Microarrays zufällige und
systematische Abweichungen.
Zufällige Schwankungen treten auf
- in der absoluten Menge an mRNA, die eingesetzt wird,
- in der Hybridisierungs-Technik und
- in Waschschritten.
Systematische Unterschiede gibt es z.B. bei den physikalischen Fluoreszenzeigenschaften der beiden Farbstoffmoleküle.
Um diese systematischen Abweichungen der Genexpressionslevel zwischen zwei
Proben zu unterdrücken, verwendet man Normalisierungsmethoden.
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
16
Globale Normalisierung
In der globalen Normalisierungsmethode nimmt man an, dass die Cy5 und Cy3Intensitäten auf einer Platte über einen konstanten Faktor zusammenhängen:
Cy5  k  Cy3
Außerdem benutzt man, dass sich für die Mehrzahl der Gene der Expressionslevel
zwischen zwei mRNA-Populationen häufig nicht ändert.
Damit folgt
 Cy5 
 Cy5 
  log2 
  log2 k
log2 
 k  Cy3 
 Cy3 
Orengo-Buch
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
17
Normalisierung
Orengo-Buch
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
18
Hierarchisches Clustering
Orengo-Buch
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
19
Zusammenfassung
Die Methode der Microarrays erlaubt es, die Expression aller möglichen
kodierenden DNA-Abschnitte eines Genoms experimentell zu testen.
Die Zwei-Farben-Methode ist weit verbreitet um differentielle Expression zu
untersuchen.
Aufgrund der natürlichen biologischen Schwankungen müssen die Rohdaten
prozessiert und normalisiert werden.
Durch Clustering von Experimenten unter verschiedenen Bedingungen erhält
man Gruppen von ko-exprimierten Genen.
Diese haben vermutlich funktionell miteinander zu tun.
7. Vorlesung SS 2009
Softwarewerkzeuge
20

The Solaris of Genome Annotation